|
Das Kölner Arbeitsforum für 100 % Bio hat sich gegründet um zu vermeiden, dass sich die Bio-Branche immer weiter der konventionellen Wirtschaft hingibt. Sie denken bestimmt: Bio ist Bio. Das stimmt in dieser Form leider nicht. Als vor ca. 30 Jahren (Demeter waren die ersten)
das Öko-Bio-Denken angefangen hat, hatte man die Idee der Kreislaufwirtschaft, der tiergerechten Haltung ohne Spaltenböden etc., schonender Umgang mit der Natur, weg von Chemie und Massentierhaltung und Lebensmittel so natürlich wie möglich zu belassen.
Daraus bildeten sich später die Anbauverbände, nach deren ausgearbeiteten Richtlinien verfahren wurde. Sie halfen bei der Gesetzgebung in beratender Form. Deshalb gibt es heute EG-Richtlinien für den ökologischen Landbau, an der sich jeder Biobauer und Verarbeiter zu halten hat. Aber man bemerkt schon einige Lockerungen der Richtlinien. Z.B. sind wieder Spaltenböden in einer gewissen Prozentzahl erlaubt. Weiterhin gibt es Ausnahmegenehmigungen für große Hühner- und Putenzüchter. Es kann Fischmehl verfüttert werden. Dies sind nur einige Beispiele. Bis zu einer gewissen Grenze ist auch konventionelles Futter erlaubt. Man arbeitet zwar daran, diese Richtlinien zu verschärfen, aber wir haben die Befürchtung, dass es genau anders herum läuft. Wenn nämlich das Gesetz des Marktes (das Geld) die Federführung übernimmt, was schon bei einigen Firmen in der Öko-Branche passiert ist.

Seien Sie mir nicht böse wenn ich Ihnen sage, dass wenn z.B. die großen Lebensmitteldiscounter Bio verkaufen, dieses nichts mehr mit dem ökologischen Grundgedanken zu tun haben kann. Es geht hier nur um Marktanteile auf dem Bio-Sektor, nach dem Prinzip: Was ich einmal habe, gebe ich nicht mehr her
 |
Die Lebensmitteldiscounter und Hersteller können auch den Druck auf Verbände und Regierung ausüben, um die Richtlinien zu lockern.
Wir brauchen einen langsam wachsenden Biomarkt mit Idealisten und nicht mit
Lebensmitteldiscountern und -herstellern, die nach dem Gesetz des Marktes handeln. Da fangen die Probleme wieder an: Preisdruck auf die Bauern, Massenproduktion von Fleisch, Gemüse, Obst, Milch usw. Schon werden wir wieder einen Schritt konventionell. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wo der Preiskampf der Lebensmittelindustrie hingeführt hat. Oder etwa doch? (Massenproduktion, Monokulturen, Chemie ohne Ende, Guten Appetit) Wir wollen auch hier nicht alle konventionellen Bauern schlecht machen. Es sind nicht alle Bauern in den Bioverbänden und trotzdem stellen sie hochwertige Lebensmittel her. Bio und Öko ist eine Lebenseinstellung, die sich nicht als Ziel gesetzt hat: Geld regiert die Welt. Natürlich wollen wir auch leben und brauchen das Geld dazu. Aber bitte mit Verstand und den ökologischen Grundgedanken vor den Augen.
Auch Sie als Verbraucher, Verarbeiter, Bauer oder Händler können etwas ändern. Lesen Sie sich bitte unsere Arbeitsblätter und Zielsetzungen durch. Es sollen keine Richtlinien oder ähnliches sein. Es soll Sie anregen, Ihre Betrachtungsweise der Bio-Szene zu überdenken. Wir wollen nicht arrogant oder überheblich wirken oder handeln, sondern versuchen, sanft und nachhaltig – wie Mutter Natur es tut – etwas zu bewirken.

Jetzt ein paar Infos für den Verbraucher:

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Sie im Winter Salat, Tomaten, Gurken essen müssen? Meine Familie und ich essen seit ca. 5 Jahren diese Lebensmittel nicht und wir fühlen uns dabei prächtig. Müssen Äpfel aus Neuseeland, Kartoffeln aus Ägypten, Obst aus Israel importiert werden? Verstehen Sie mich bitte richtig: Sie sollen Ihre Bananen und Apfelsinen essen. Die Menschen dort unten brauchen uns und unser Geld, um sich eine Existenz aufzubauen und in ihrem Land den ökologischen Landbau voranzutreiben.
Aber auch wir sollten uns jeden Tag über unser Handeln Gedanken machen. Wenn wir Lebensmittel auf der ganzen Welt hin und her fahren, hat das nichts mehr mit Öko oder Bio oder naturnahe Ernährung zu tun. Ja Sie haben Recht, wir brauchen den Handel und auch bestimmte Produkte die regional nicht verfügbar sind.
Wenn der Salat mal voll Läuse ist, die Gurke krumm, die Paprika nicht wohlgeformt, dann meckern Sie nicht rum, sondern halten sich vor Augen, dass das reine Natur ist.
Wenn die Anbauverbände und die EG wieder riesige Hühnerfarmen und/oder ähnliches zulassen, geht es wieder mit den alten Problemen der konventionellen Landwirtschaft los. Woher das Futter nehmen, wohin der Mist, was ist wenn viele Tiere auf einen Schlag krank werden usw.
Wir alle tragen Verantwortung für Mutter Erde und sollten auch danach handeln. Lassen Sie uns gemeinsam versuchen, einen Weg zu finden etwas zu bewirken und zu verändern, damit Bio auch Bio bleibt. Letztendlich kann es nur einen Landbau werden. Den ökologischen. Denn die konventionelle Landwirtschaft hat oft genug bewiesen, das ihr Weg der falsche ist. Ohne verurteilend zu sein (Dioxin, BSE, Nitrofen, DDT. Diese Liste kann unendlich fortgeführt werden).
Wenn Sie bei uns mitmachen möchten oder Anregungen haben senden Sie mir eine Mail.
Fabio Angeli
|