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Umwelt- und Nord-Süd-Nachrichten Februar 2004
Gefahr durch „Greenwash“ und andere wichtige Nachrichten, über die bei ARD, ZDF, RTL und Co. nicht berichtet wurde
Wie in jedem Jahr gab es auch 2003 eine Fülle wichtiger Nachrichten, die in den Medien untergegangen sind oder über die gar nicht berichtet wurde. Die Initiative Nachrichtenaufklärung und das Netzwerk Recherche stellen zusammen mit Wissenschaftlern und Journalisten alljährlich eine Liste mit diesen vernachlässigten Themen zusammen. Auf Platz 1 der diesjährigen Liste setzte die Jury das Thema "Korruption: Deutsche Unternehmen schmieren im Ausland". So berichtete etwa die ghanaische Zeitung "Accra Mail", dass Daimler-Chrysler Offiziere der ghanaischen Streitkräfte bestochen habe, was aber in den großen Medien Deutschlands faktisch kein Thema war. Gleichfalls kein Interesse bei den „Großen“ im Fernseh- und Zeitungsgeschäft fand die Meldung, daß „Deutsche Chemieanlagen Experten zufolge nur unzureichend gegen Hochwasser gesichert sind.“ Die bisher geltenden Standards stammten teilweise aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts und müssten dringend den gewandelten Klimabedingungen angepasst werden.
Auch kein oder zuwenig Interesse bei RTL, ZDF, Die Zeit, FAZ, SZ und Co. fand das immer wichtiger werdende Thema „Greenwash“: Kaum jemand der etablierten Medien kümmerte sich auch 2003 darum, daß große Unternehmen "grüne PR" betreiben, indem sie sich nach außen ökologisch und sozial geben. „Dafür gründen sie imagefördernde Organisationen. Außerdem infiltrieren sie Aktivistengruppen, um Negativ-PR zuvorzukommen“, so das Netzwerk Recherche und die Initiative Nachrichtenaufklärung. Die tatsächliche Firmenpolitik entspräche aber dem Gegenteil des Umwelt-Images: Mit Lobby-Arbeit sorgen sie - wie das Beispiel des Energiekonzerns Exxon Mobil zeigt - dafür, dass klimaschützende politische Entscheidungen aufgeschoben oder verwässert werden.
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Deutsche Doppelmoral:
Hier Verboten – dort legal Umwelt vergiften
Die deutsche Industrie betreibt zusammen mit der deutschen Regierung wie seit Jahrzehnten eine Doppelmoral. Noch immer machen deutsche Firmen mit giftigen Stoffen wie Pestiziden, die in Deutschland verboten sind, im Ausland viel Geld. Dabei kommt es - zusätzlich zur dadurch ausgelösten Umweltverschmutzung - nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Entwicklungsländern jedes Jahr zu 25 Millionen Vergiftungsfällen beim Umgang mit Schädlingsbekämpfungsmitteln. 20.000 davon enden tödlich. Email: info@tourismus-und-umwelt.de
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Spielzeuge aus China
Viele deutsche Spielwarenhersteller lassen ihre Waren im fernen Osten produzieren. „Doch Niedrigstlöhne, extrem lange Arbeitszeiten und fehlender Arbeitsschutz prägen nach wie vor den Alltag vieler Arbeiterinnen und Arbeiter in der chinesischen Spielzeugproduktion“, berichtet das Nürnberger Bündnis Fair Toys Noch immer würden den Beschäftigten grundlegende Rechte vorenthalten, wie das Recht auf freie Wahl einer Arbeitnehmervertretung. Die von den Kirchen und dem Nürnberger Bündnis Fair Toys unterstützte Aktion »fair spielt« hofft dies nun ändern zu können. Auf Anfrage der Aktion »fair spielt« haben sich inzwischen 18 deutsche Spielzeughersteller bereit erklärt, zumindest den Verhaltenskodex ihres Weltverbandes ICTI einzuhalten und die Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten in China überprüfen zu lassen. Träger der Aktion »fair spielt« sind das Bischöfliche Hilfswerk Misereor, der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), dem Nürnberger Bündnis Fair Toys und der Werkstatt Ökonomie. Unterstützt wird die Aktion von der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Familienbildungsstätten.
Kontakt & Ansprechpartner- Aktion »fair spielt«, c/o Werkstatt Ökonomie, Obere Seegasse 18, 69124 Heidelberg, Klaus Heidel, Telefon (06221) 43336-13, Mobil (0170) 5223011, klaus.heidel@woek.de
Nürnberger Bündnis Fair Toys, c/o Kirchlicher Entwicklungsdienst, Pirckheimer Str. 4, 90408 Nürnberg, Dr. Jürgen Bergmann, Telefon (0911) 93543-51, bergmann.juergen@diakonie-bayern.de
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Kolumbien: Offensive des Militärs gegen Bauern
Zwei tote Bauern, mehr als 20 Verhaftungen, einige niedergebrannte Häuser und die Zwangsumsiedelung einiger Dutzend Familien ist das Ergebnis einer seit dem 4. Januar vom kolumbianischen Heer in der Gemeinde La Montañita im Bundesstaat Caquetá durchgeführten Operation. Nach Angaben von Menschenrechtlern hat das Heer die Bauern ermordet und dann in Tarnkleidung gesteckt, um sie als Mitglieder der Guerilla zu präsentieren. Wie der Nachrichtenpool Lateinamerika e.V. (www.npla.de) weiter berichtet, haben die Menschenrechtsverteidiger die Verhaftungen als willkürlich bezeichnet. Die verhafteten Bauern seien friedliche Feldarbeiter und hätten nichts mit der Guerilla zu tun. Und was hat das mit uns in Europa zu tun? Ganz einfach in diesem sogenanten Bürgerkrieg geht es in erster Linie um Erdöl und andere natürliche Ressourcen.
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ECUADOR - Amazonasgebiet im Ausnahmezustand
Die indigene Quechua-Gemeinschaft von Sarayacu im ecuadorianischen Amazonasgebiet erklärte für die Provinz von Pastaza den "Ausnahmezustand". Grund: Sie wehren sich gegen die Suche nach und Ausbeutung von Erdölquellen auf ihrem Gebiet. „Die Gemeinde von Sarayacu führt den Kampf gegen Erdölunternehmen bereits seit 15 Jahren und wird dabei seit 2003 von der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte unterstützt“, berichtet der Nachrichtenpool Lateinamerika e.V. (www.npla.de) weiter. Das Gremium habe die ecuadorianische Regierung aufgefordert, Schritte gegen die illegale Nutzung indigenen Landes zu unternehmen. Auch die Dorfbewohner von Gonzalo Pizarro in der Provinz von Sucumbíos ein "Moratorium" wollen nicht, daß auf ihrem Gebiet und in den Naturreservaten von Sumaco und Cayambe Coca nach Erdöl gesucht wird, wobei Sumaco eigentlich unter dem Schutz der UNESCO steht. Der Tageszeitung "El Comercio de Ecuador" zufolge verwehren sie dem Unternehmen den Zutritt, da die Voruntersuchungen umfangreiche unterirdische Sprengungen in den beiden Reserven vorsehen.
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Belgien stoppt EU-weiten Anbau von Gen-Raps
Nicht unserer Verbraucherschutzministerin Renate Künast ist es zu verdanken, daß Europas Äcker vorerst frei von Gen-Raps bleiben. Es war die belgische Regierung, die einen Antrag der deutschen Bayer CropScience, genmanipulierten Raps anbauen zu dürfen, ablehnte. Hätten die Minister in der belgischen Hauptstadt Ja gesagt, hätte einer EU-weiten Genehmigung nichts mehr im Wege gestanden. "Das ist ein Sieg für die Umwelt und die Vernunft", freut sich Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin bei Greenpeace. "Die belgische Regierung hat erkannt, dass der Anbau von Gen-Raps eine Gefahr für die Umwelt darstellt und entsprechend gehandelt."
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Illegale Gen-Papaya wurden bereits in München verkauft
Vergangenen Februar hat die bayerische Landesamt für Gesundheit bei Routinekontrollen auf den Großmärkten von München und Nürnberg illegal importierte Gen-Papaya entdeckt. Das Amt teilte am Donnerstag mit, es sei eine unbekannte Anzahl der aus den USA importierten Früchte in den deutschen Handel gelangt. Dazu sagt Greenpeace Gentechnik-Expertin Ulrike Brendel: "Greenpeace empfiehlt Verbrauchern, keine Papaya mehr aus den USA zu kaufen. Offenbar kann zur Zeit niemand gewährleisten, ob es sich bei US-Papaya nicht um genmanipulierte und damit illegal eingeführte Ware handelt.“ Die Behauptung der bayrischen Überwachungsbehörden, genmanipulierte Papaya stelle keine akute Gefahr für die Verbraucher dar, greife zu kurz und sei unverantwortlich. Denn Gen-Papaya könne Allergien auslösen. Außerdem enthalten genmanipulierte Papaya ein sogenanntes Antibiotika-Resistenzgen, das bei Menschen zu einer Immunität gegen Antibiotika führen kann.
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Globalem Wasser-Händler RWE auf die Finger gesehen
Informationen zum deutschen Konzern RWE als Global Player im internationalen Wassermarkt hat die Koordination Suedliches Afrika (KOSA) nun ins Internet gestellt. Außerdem bietet die KOSA Informationen zu Beteiligungen privater Unternehmen an öffentlichen Wasserwerken und die Rechte armer Verbraucher mit Fallbeispielen aus Südafrika, Namibia und Deutschland. Weitere Infos: KOSA; Koordination Suedliches Afrika e.V., August-Bebel-Str. 62; D-33602 Bielefeld, email: kosa@kosa.org, www.kosa.org
www.kosa.org/formulare/publikat.html
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Oxfam-Bericht: Unternehmen sind Schuld an schlechten Arbeitsbedingungen
Große Markenfirmen und Verkaufsketten der Bekleidungs- und Lebensmittelindustrie sind einer neuen Studie der Entwicklungsorganisation Oxfam International zufolge für die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von Millionen von Arbeiterinnen auf der ganzen Welt verantwortlich. Der Bericht „Unsere Rechte im Ausverkauf – Frauenarbeit in globalen Lieferketten von Bekleidungsunternehmen und Supermärkten“ zeige, so Oxfam, daß die Unternehmen ihre Machtstellung am oberen Ende der globalen Lieferketten benutzen, um ihre Zulieferer zu schröpfen. Kosten und Risiken würden an das untere Ende der Lieferketten verlagert. „Die Einkaufteams der Unternehmen üben massiven Druck aus und zwingen ihre Zulieferer zu „just in time“-Lieferungen zu niedrigen Preisen“, berichtet Oxfam. „Dieser Kostendruck wird sofort auf die Arbeiterinnen in den Zulieferbetrieben abgewälzt; was sich in immer mehr Überstunden, höheren Produktionsvorgaben unter meist schlechten Arbeitsbedingungen und unsicheren Arbeitsverhältnissen äußert.“ Millionen von Frauen würden so um ihren gerechten Anteil an den Früchten der Globalisierung betrogen. Auch die sogenannten Codes of Conducts, die Selbstverpflichtungen der Unternehmen seien kaum mehr als das Papier wert, auf dem sie stehen. „Viele Unternehmen haben „Codes of Conduct“ und verlangen von ihren Zulieferern die Einhaltung international anerkannter Arbeitsstandards“, schreibt Oxfam. „Aber ihre eigenen rücksichtslosen Einkaufs- und Zulieferpraktiken machen es oft unmöglich, dass diese Arbeitsstandards eingehalten werden können.“
Den ausführlichen Bericht „Trading Away Our Rights: Women Working in Global Supply Chains“ gibt es im Internet unter: www.maketradefair.com - die deutsche Zusammenfassung „Unsere Rechte im Ausverkauf - Frauen in globalen Lieferketten von Supermärkten und Bekleidungsunternehmen“ gibt es bei Oxfam in Deutschland: www.oxfam.de
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Steuerfinanzierte Staudämme für Luxustourismus
Vor allem Luxushotels und Golfanlagen verbrauchen im trockenen Süden Spaniens extreme Mengen an Wasser. Um diese Tourismusbranche weiter am Leben zu halten und wenn möglich noch auszubauen sowie auch für den intensiven Obst- und Gemüseanbau will Spanien in den nächsten Jahren mit EU-Geldern 112 neue Staudämme bauen und 16 weitere ausbauen. Doch die internationalen Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur) warnt nun davor: Sollte der Nationale Wasserplan (PHN, Plan Hidrológico Nacional) weiter in die Tat umgesetzt werden, drohe der Verlust zahlreicher Naturschutzgebiete und Lebensräume des seltenen Pardelluchses. Bei der Umsetzung ihres Konzepts zur Wasserversorgung des Landes geht Spaniens Regierung buchstäblich über Leichen“, kritisiert Euronatur. Das Staudammprojekt soll insgesamt 23 Milliarden Euro kosten, und sieben Milliarden davon sollen aus den EU-Strukturfonds kommen. Umgerechnet auf die Haushaltsanteile der EU-Mitgliedsstaaten, würde das bedeuten, dass Deutschland die Naturzerstörung mit etwa 1,6 Milliarden Euro unterstützt, so Euronatur. „Zum Vergleich: Der Gesamtetat des Bundesumweltministeriums für das Jahr 2003 betrug mit 794 Millionen Euro nicht einmal die Hälfte dieser Summe.“
Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur), Konstanzer Str. 22 78315 Radolfzell, Tel. 07732 - 92 72 0, Fax 07732 - 92 72 22 E-mail info@euronatur.org , Internet www.euronatur.org
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EU gegen Jagdtourismus in Kanada
Während EU-Entwicklungshelfer den Jagdtourismus als Einnahmequelle für Einheimische in Afrika fördern, macht die EU nun den europäischen Jagdtouristen in Kanada das Leben schwer. Künftig dürfen die Urlaubsjäger keine Trophäen von Grizzlybären aus der kanadischen Provinz Britisch Kolumbien (BC) in die Europäische Union (EU) einführen. Eine Expertengruppe der 15 EU Länder verhängte den Importstopp, weil die Provinz Britisch Kolumbien noch immer keine Fortschritte im Bärenschutz gemacht habe, meldet die Artenschutzorganisation Pro Wildlife. Die Provinz ist seit Jahren beliebtes Reiseziel für Hobbyjäger insbesondere aus den USA und Deutschland.
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Touristischer Tierpark bedroht Recht auf Nahrung
Sie wollen Ökotouristen anlocken und vertreiben deshalb mehr als 1000 Ureinwohner vom Volk der Adivasi in Indien. Die Rede ist vom „Coimbatore Zoological Park and Conservation Centre“ (Coimbatore Zoo und Naturschutzzentrum), der als ein neuartiges Zoo- und Besucherzentrum, im südindischen Bundesstaat Tamilnadu auf dem Land der Adivasi geplant ist. Nun protestiert auch die Menschenrechtsorganisation Fian gegen die geplante Vertreibung der Ureinwohner und ruft zu einer „internationalen Briefkampagne zur Unterstützung der Aktivisten und zur Verteidigung des Rechts auf Ernährung der Dorfbewohner von Thuvaipathy“ auf. „Die ansässige Bevölkerung, Ureinwohner, die seit Generationen im Gebiet des Dorfes Thuvaipathy leben, wurden bei der Planung des Parks nicht befragt“, so Fian. Außerdem hätten sich die Ökotourismusentwickler zweifelhafter Methoden bedient, um in den Besitz des angestammten Landes der Adivasi zu kommen.
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Natur- und Tierfilme lügen wie gedruckt
Wöchentlich flimmern zahlreiche Tierfilme über die Mattscheiben. Sie zeigen faszinierende Natur pur vor allem aus Afrika, Asien, Australien oder Lateinamerika und animieren dazu, diese fernen „Tierparadiese“ und Nationalparks zu besuchen. Doch das, was sie zeigen, habe wenig mit der Realität zu tun. Dies behauptete nun der Journalist und Buchautor George Monbiot in der britischen Zeitung The Guardian. “Naturfilme lügen öfter als alle anderen Dokumentarfilme”, so Monbiot. „Die Naturfilme zeigen einen Garten Eden, aber die Realität dahinter ist Ethnische Säuberung.“ Die Wahrheit hinter den künstlichen, erst durch Vertreibung der Ureinwohner geschaffenen „Wildnisse“ verschweige das britische Urgestein der Natur- und Tierfilmbranche Sir David Attenborough genauso wie es bereits Bernhard Grzimek, der deutsche Tierfilmer und “Vater des Naturschutzes“ in Afrika getan habe. Dabei wurden einst unter Grzimek Tausende von Quadratkilometer Savanne in Kenia und Tansania im Namen des Naturschutzes annektiert und von seiner Urbevölkerung bereinigt. Obwohl es keinerlei Anzeichen dafür gegebene habe, dass die lokale Bevölkerung die Tierwelt bedrohte, so Monbiot, habe Grzimek einfach entschieden, dass keine Menschen, nicht einmal Einheimische innerhalb der Grenze des Serengeti-Reservats leben sollten. Dieses Land, das wahrscheinlich der am längsten von Menschen bewohnte Ort der Erde ist, habe Grzimek einfach zur Wildnis erklärt. Kein gutes Haar lässt der streitbare britische Journalist auch an der Tierfilmerin und Leopardenexpertin Joy Adamson, die er sogar als Rassistin bezeichnet. Sie habe ihre Bücher und Filme genutzt, um regelrecht Krieg gegen die Ureinwohner zu führen. Monbiot: „Sie drängte die östlichen Samburu-Stamm von ihren besten Weidegründen um darauf ihr so genanntes Naturschutzprojekt zu errichten.“ Monbiot beschuldig David Attenborough und Co., einen der gefährlichsten Mythen der Menschheit mitgeschaffen und verbreitet zu haben: Den Mythos von der Wildnis, einer Natur ohne einheimische Menschen. Monbiot: “Millionen von Fernsehzuschauern glauben, was ihnen die Naturfilmbranche vorsetzt, und wenn sie als Naturtouristen dorthin reisen, erwarten sie diese Naturparadiese vorzufinden. Es gibt eine massive und gut organisierte Industrie dahinter, um sicherzustellen, dass sie nicht enttäuscht werden.“ Die Ureinwohner zahlten dafür mit dem Verlust ihres Landes und oft auch mit dem Verlust ihrer Existenz und Kultur. / www.monbiot.com
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Privatisierte Nationalparks
Viele Nationalparks sind nicht mehr das, was sie mal waren. „Weltweit, von den USA, Südafrika, China bis Thailand, werden Nationalparks privatisiert und ausgebaut, um noch mehr Urlauber und ihr Geld anzulocken“, stellt die Tourismusexpertin Anita Pleumarom vom in Thailand ansässigen Tourism Investigation & Monitoring Team (tim-team) fest. Wie der vergangene World Parks Congress im südafrikanischen Durban schon zeigte, führten der exzessiven Infrastrukturausbau der Parks zusammen mit sozialer Ungleichheit und Kommerzialisierung zu irreversiblen Schäden an den Ökosystemen, die eigentlich in den Parks geschützt werden sollten. Anita Pleumarom: „Einst dienten die ersten Nationalparks in den USA als ein Modell, um weltweit installiert zu werden, oft auf Kosten der lokalen Bevölkerungen.“ Nun scheine es, als würden die privaten und staatlichen Naturschützer weltweit abermals das US-amerikanische Modell kopieren – nur, dass es diesmal, um die Privatisierung und Disneyfizierung der Parks geht. Die letzten industriell ungenutzten Naturräume drohten in Geld spukende Themen-Parks umgewandelt zu werden, kritisiert die Tourismusexpertin. „Was oft als Ökotourismus verkauft wird, ist in Wirklichkeit ein industrieller Tourismus, der kaum authentische Natur hinterlässt.“
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