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Krebsgefahr durch Zuchtlachs – Wildlachs ist gesünder
Kein Gen-Brot für die Welt!
Öko-Brot ist bekömmlicher und gesünder
 Mit Geldanlagen Klima schützen und fairen Handel fördern
Gen-Food-Anbau in Bayern unerwünscht
Künast lässt Gen-Food auch in Deutschland zu -doch der friedliche Widerstand ....

Krebsgefahr durch Zuchtlachs – Wildlachs ist gesünder
 

„Go Wild“
Von Norbert Suchanek

Hunderttausende von Menschen könnten an Krebs erkranken, weil sie zuviel Zuchtlachs essen. Dies zeigt eine jüngst veröffentlichte Untersuchung der Environmental Working Group, die in Zuchtlachs aus verschiedenen Ländern extrem hohe Werte an den gesundheitsschädlichen, Polychlorierten Biphenylen (PCBs) gefunden hat. Die US-amerikanische Umweltschutzgruppe rät den Konsument deshalb statt Zuchtlachs, besser Wildlachs zu essen, da dieser sogar noch weniger belastet ist als andere Meeresfische oder Rindfleisch. PCBs gehören zum sogenannten Dreckigen Dutzend gefährlicher Chemikalien. Sie sind zwar inzwischen verboten, aber belasten noch auf Jahre unsere Umwelt und können sich in den Lebewesen anreichern. Dass dies besonders im Zuchtlachs der Fall ist, liegt in erster Linie am eingesetzten Mastfutter, das vor allem aus zu Pellets gepresstem Fischmehl und Fischöl besteht. Doch aufgrund der allgemeinen Verschmutzung der Meere sind Fischmehl und Fischöl mit PCBs, Dioxinen und Furanen verseucht. Dabei sind, Zahlen der EU zufolge, Erzeugnisse aus europäischen Gewässern achtmal stärker mit diesen Giftstoffen kontaminiert als solche aus südpazifischen Gewässern. Bereits in einem Entwurf einer Stellungnahme des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Verbraucherpolitik für den Ausschuss für Fischerei zur Aquakultur in der Europäischen Union war im vergangenen Jahr zu erfahren: „Die Abhängigkeit der Lachszucht von Fischmehl und Fischöl bedeutet, dass Zuchtlachs viermal stärker belastet ist als Wildlachs.“ Was noch eine vorsichtige Annahme war, wie nun die Ergebnisse aus den USA zeigen. Die Environmental Working Group fand in Zuchtlachsproben aus verschiedenen Ländern durchschnittlich 16 mal mehr gefährliche, Dioxin-ähnliche PCBs als in Wildlachs, vier mal mehr als in Rindfleisch und 3,4 mal mehr als in anderen Meerestieren.

Mehr Omega-3-Fettsäuren im Wildlachs


Dass Wildlachs im Vergleich zu Zuchtlachs und anderen kommerziellen Meeresfischen noch relativ gering mit PCBs belastet ist, liegt in erster Linie an seiner Lebensweise. Zum einen besteht seine Nahrung vor allem aus Krustentieren wie Garnelen und Krebslaich. Fischmehl und Fischöl hingegen stammen von anderen Meereslebewesen wie Sardinen, Sandaale, Sprotten oder Stintdorsche, die in riesigen Mengen von der besonders unökologischen Gammelfischerei gefangen werden. Zum anderen ist der in engen Käfigen gemästete Zuchtlachs im Vergleich zu seinem frei schwimmenden und vor allem Muskelmasse aufbauenden Verwandten regelrecht verfettet. Zahlen der US-Landwirtschaftsbehörde zufolge enthält Zuchtlachs 52 Prozent mehr Fett als Wildlachs. Da sich PCBs vor allem im Fettgewebe anreichern, ist klar, dass fettärmere Fische auch weniger von diesen Giftstoffen enthalten. Der hohe Fettgehalt des Zuchtlachs birgt aber noch einen weiteren gesundheitlichen Nachteil: Denn die Fettzusammensetzung ist anders als beim Wildlachs und enthält 35 Prozent weniger von den gesunden Omega-3-Fettsäuren, die ja zur Zeit bei Gesundheitsbewussten in aller Munde sind.

Zuchtlachs plündert Meere aus

Aber nicht nur der Gesundheit, auch der Meeresökologie mundet der Zuchtlachs nicht. Neben der bereits wissenschaftlich klar nachgewiesenen Meeresverschmutzung durch die Zuchtlachsindustrie – durch Exkremente der Zuchtlachse, überzähliges Futter und chemische Zusätze wie Antibiotika -  in den Fjorden Nordeuropas und Nordamerikas und Südchiles führen diese Aquakulturen letztlich zur restlichen Ausplünderung der Meere. Denn um eine Tonne Zuchtlachs zu produzieren, müssen etwa drei Tonnen Fischmehl aus der sogenannten Gammelfischerei zugefüttert werden. Dabei verwenden die Gammelfischer feinmaschige Netze, in denen vor allem kleine und junge Fische landen. „Selbst Jungtiere von Speisefischen wie Kabeljau, Hering oder Scholle werden mitgefangen“, kritisiert das Fisch-Informations-Zentrum(FIZ)der deutschen Fischwirtschaft, für das es wissenschaftlich unumstritten ist, dass das Ökosystem Meer durch diese Industriefischerei gestört und geschädigt wird. Schon seit den 1970er Jahren sind deutsche Fischereischiffe auch nicht mehr an dieser Gammelfischerei beteiligt, die heute jährlich etwa 30 Millionen Tonnen Fisch aus den Meeren raubt. Diesen „dreckigen“ Job erledigen heute in erster Linie die Schiffe aus Peru, Chile und Dänemark. Zur Rettung der Meere fordert die deutsche Fischwirtschaft weltweite Management- und Kontrollmaßnahmen, wie sie bereits für den Fang von Seefischen zur menschlichen Ernährung gelten, auch für die Gammel- oder Industriefischerei.

Zuchtlachs bedroht Wildlachs und Jobs

Dass „billig“ nicht immer nur „geil“ ist, erfährt derzeit die traditionelle Lachsfischerei in Nordeuropa und besonders in Nordamerika am eigenen Leib. Viele Lachsfischer mußten bereits aufgeben, andere stehen kurz vor dem Aus: Schuld ist die Zuchtlachsindustrie. Denn das Massenangebot des billigen Zuchtlachses hat die Preise für Lachsprodukte allgemein tief in den Keller gedrückt. Fischer, die mit dem Fang von Wildlachs ihren Lebensunterhalt bestreiten, können heute kaum mehr davon leben. Schließlich ist in den vergangenen zehn Jahren – wie Einzelhandel, Banken oder Chemiekonzernen – ebenso die Fischindustrie ein Opfer der „Fusionitis“ und der „Feindlichen Übernahmen“ geworden, so dass nur noch wenige multinationale Unternehmen den Fischmarkt beherrschen und die Preise diktieren. Dass durch die Billig-Preistreiberei tausende von Jobs in der Wildlachsfischerei auf dem Spiel stehen, kümmert die „Großen Fische“ im Fischgeschäft freilich wenig. Wenn sich die Zuchtlachsindustrie nicht sehr bald grundlegend ändert oder verboten wird, dann werden die Netze der Wildlachsfischer sowieso auf Dauer leer bleiben. Denn aus den nach oben offenen Fischkäfigen entfliehen seit Jahren Tausende von hochgezüchteten Atlantik-Zuchtlachsen und bedrohen - sei es als unnatürliche Paarungspartner oder als Nahrungskonkurrenten und als Krankheitsüberträger - die einheimischen Lachsarten im Pazifik wie im Atlantik. Forscher befürchten, dass damit das gesamte Ökosystem besonders in der Pazifikregion Nordamerikas aus den Fugen geraten kann. Sind doch die verschiedenen Wildlachsarten wichtige Nährstofflieferanten für zahlreiche Tierarten wie Bären und Wölfe und ebenso für die Wälder.

Gen-Lachse warten schon im Labor

Dass sich die Zuchtlachsindustrie von alleine bessert, scheint allerdings kaum zu erwarten zu sein. Schließlich arbeitet sie bereits seit einigen Jahren mit Hochdruck an der Entwicklung genetisch veränderter Lachse. An vorderster Front ist hier die US-amerikanische Firma A/F Protein mit ihrem Tochterunternehmen Aqua Bounty zu nennen, die bereits „Serienreife“ Gen-Lachse im Angebot haben. Bisher tummeln sich diese Gen-Fische allerdings nur in den Versuchszuchtbecken. Doch vielleicht schon im nächsten Jahr dürfen die ersten Gen-Lachse, aber auch „Frankenstein-Forellen“ und Gen-Buntbarsche, die fünf mal schneller wachsen als ihre natürlichen Verwandten, mit Erlaubnis der US-amerikanischen Lebensmittelbehörde in Massenproduktion gehen.
Mehrere Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, Friends of the Earth in Schottland oder auch die kanadische David Suzuki Foundation warnen seit Jahren vor der gefährlichen Zuchtlachsindustrie. Aktuell setzt sich der in Hamburg ansässige Arbeitskreis nördliche Urwälder (AKU) – www.naturschatz.org – zusammen mit kanadischen Ureinwohnern gegen eine neue Lachsfarm an Kanadas Westküste bei Ocean Falls ein. Sie bedrohe die Existenz der beiden dort heimischen und stark vom Wildlachs abhängigen Indianerstämme Nuxalk und Heiltsuk. Die Vertreter der Indianerstämme betonen, dass die Zuchtlachsfarm ohne ihre Erlaubnis auf dem Territorium der Nuxalk und Heiltsuk errichtet wird. Konkret handele es sich nicht um eine übliche Lachs-Zuchtanlage, sondern um eine Aufzuchtstation für Junglachse. Mit diesen Junglachsen können reguläre Zuchtfarmen beliefert werden. Und die Kritiker vermuten, dass diese Aufzuchtstation nur den "Brückenkopf" darstellen wird, um in der Region zahlreiche weitere Zuchtstationen zu errichten. “Wir haben der Zuchtfisch-Industrie den Krieg erklärt”, zitiert der Arbeitskreis Ed Newman, einen Stammesvertreter der Heiltsuk-Nation. "Sie werden eine Menge von uns ins Gefängnis werden, aber das macht uns nichts. Wir müssen einfach unsere Art zu leben schützen.”
Dass man der Zuchtlachsindustrie nicht hilflos ausgeliefert ist, zeigt auch der US-amerikanische Bundesstaat Alaska. Dort sind Zuchtlachsfarmen seit Jahren ausdrücklich verboten, um die einheimischen Wildlachspopulationen und die davon abhängige Fischerei zu schützen. Da sich der ein oder andere aus dem benachbarten British Columbia (Kanada) entflohene Zuchtlachs aber dadurch nicht abschrecken lässt, Alaskas Gewässer zu „betreten“, fordern Nordamerikas Umweltschützer und Ureinwohner auch ein Lachsfarmverbot in Kanada und entlang der gesamten Pazifikküste. In Washington und Kalifornien ist zwar bislang die Züchtung von Lachsen noch erlaubt. Die beiden den US-Bundesstaaten haben sich aber wenigstens schon mal für ein Produktionsverbot von Gen-Lachsen durchgerungen.

Alternative Bio-Lachs?

Seit einigen Jahren engagiert sich der deutsche Bio-Anbauverband Naturland auch im Fischgeschäft und bietet als Alternative zum Zuchtlachs den Bio-Lachs an. Dieser stammt nicht aus Wildfängen, sondern ist ein Zuchtlachs, der allerdings unter ökologischeren Bedingungen gemästet wird als seine konventionellen „Brüder“. Antibiotika und Chemiecocktails sind beim Naturland-Bio-Lachs tabu. Und aufgrund der vorgeschriebenen, geringeren Besatzdichte haben die Bio-Zuchtlachse mehr Platz, als in den konventionellen Aquakulturen. Für die ansonsten frei-schwimmenden Lachse kann aber auch ein Bio-Käfig kaum als „artgerecht“ bezeichnet werden. Problematisch ist ebenso das Futter der Bio-Lachse, da Lachse Raubfische, also Fleischfresser sind benötigen sie tierische Kost. Diese Fleischfresser alternativ nun auf „Vegetarier“ umzupolen, ist erstens kaum möglich und zweitens auch nicht gerade im Sinne einer ökologischen und der Art angepassten Tierhaltung – schließlich ist das umgekehrte Experiment, nämlich pflanzenfressende Kühe mittels Tiermehl in Fleischfresser umzuwandeln auch nur auf Kosten der tierischen wie menschlichen Gesundheit gegangen – Stichwort BSE. Im Falle der Bio-Lachse geht Naturland einen Mittelweg, von dem die Zukunft zeigen wird, ob er golden ist. Die Naturlandregeln schreiben vor: „Der Anteil tierischer Futterbestandteile ist soweit wie möglich zu reduzieren bzw. durch pflanzliche Produkte zu ersetzen. Futtermittel dürfen nicht aus konventionell erzeugten Landtieren (Säugetiere, Vögel) gewonnen sein.“ Das eingesetzte Fischmehl und -öl kann aus nachhaltig zertifizierter Fischerei, aus den Überresten der Speisefischverarbeitung und aus Beifängen der Fischerei auf Speisefische stammen. Bis Ende 2003 darf außerdem 50 Prozent des Fischmehls und Fischöls zur „Qualitätssicherung“ aus konventioneller Herkunft zum Mästen des Bio-Lachs eingesetzt werden.
Keine Frage: Der Bio-Lachs ist umweltfreundlicher als der Zuchtlachs. Dennoch wird der Begriff „Bio“ in diesem Fall von Naturland ganz schön strapaziert, was übrigens genauso auf die Naturland-Bio-Zuchtgarnelen aus den Tropen zutrifft. Der ostbayerische Bio-Bauer und Teichwirt Toni Hess fürchtet deshalb, daß durch die ökologisch zweifelhaften Bio-Lachse und Bio-Garnelen die gesamte ökologische Landwirtschaft an Glaubwürdigkeit verlieren könnte. Ähnlich sieht es mit den bei deutschen beliebten Forellen aus, die wie die Lachse Raubfische sind, zu den Salmoniden zählen und tierische Proteine brauchen. Lange Zeit setzte die konventionelle Fischwirtschaft neben Fischmehl auch Blutmehl von Schweinen als Forellenfutter ein. Aus Angst vor BSE ist dies seit Dezember 2000 verboten, so dass nur noch Fischmehl und Fischöl gefüttert werden dürfen. Daß das Futter von Zucht-Forellen und Zucht-Lachsen mit pflanzlichen Rohstoffen gestreckt werden kann, ist übrigens erst dank neuer, industrieller Herstellungsverfahren möglich. Denn die pflanzlichen Kohlenhydrate werden erst nach dem sogenannten Extrudieren, dem Aufschließen unter Hitze und Druck, für die Salmoniden gut verdaulich.

Süßwasserfische aus dem Bio-Teich

Statt auf Raubfische setzt andere ökologische Teichwirte auf die unproblematischen, weil natürlich auch Pflanzen fressenden Karpfen. „Sie sind für eine ökologische Betriebsweise hervorragend geeignet, da sie sich aufgrund ihrer Ernährungsweise problemlos in ein System flächengebundener Produktion einfügen“, schreibt Toni Hess in der Fachzeitschrift BioNachrichten. In ausreichend großen Teichen ernähren sich die Karpfen von Plankton und Bodentieren. Nur ökologisch erzeugtes Getreide darf zugefüttert werden. Karpfen bevorzugt auch der größte ökologische Anbauverband Deutschlands, Bioland.
Ende 2002 kam der erste Bioland-Karpfen auf den Markt. Die Öko-Zertifizierung von gezüchteten Raubfischen oder Salmoniden, wie Lachs oder Forellen sieht Bioland gleichfalls kritisch. „Für Lachs und Forelle brauchen wir tierisches Futter, um sie Bioland-zertifizieren zu können, und so lange es noch keine ökozertifizierte Seefischerei gibt, steht für diese Tierarten kein ökologisches Futtermittel zur Verfügung; und so lange wird es keinen Bioland-Lachs und auch keine Bioland-Forellen geben“, so die Geschäftsführerin Carola Ketelhodt von Bioland in Schleswig-Holstein.

Nichtsdestotrotz scheint die Bundesministerin für Verbraucherschutz und Landwirtschaft, Renate Künast, eher auf die problematische Züchtung der Salmoniden im Bio-Bereich zu setzen. Anfang 2003 zeichnete Renate Künast nämlich gerade die Bergische Fischzuchtanstalt Rameil mit dem Förderpreis des Ökologischen Landbaus aus, „weil sie Pionierarbeit zur Weiterentwicklung der EG-Öko-Verordnung im Bereich ökologische Salmonidenzucht leistet.“ Seit dem Jahr 2000 züchtet der Betrieb nach Richtlinien des Naturland-Verbandes zertifizierte Öko-Forellen und vermarktet sie über die eigens entwickelte Marke "Teichgut". Laut Pressemitteilung aus dem Hause Künast, erfolge die Fütterung der Forellen mit einem selbst entwickelten Futter, das zu einer Hälfte aus pflanzlichen Rohstoffen ökologischer Herkunft besteht. Die andere Hälfte werde aus Fischmehl hergestellt, das ausschließlich der Speisefisch-Verarbeitung entstammt.

Schon einige Jahre länger als in Rameil engagiert sich in Bayern die Fischzucht Wasserwiesen bei Rosenheim in der biologischen Aufzucht von Süßwasserfischen. Den ersten deutschen Öko-Karpfen züchtete Wasserwiesen nämlich bereits 1994 nach Naturland-Richtlinien. In Wasserwiesen werden seitdem auch andere Speisefische wie Schleie, Waller, Hecht und Graskarpfen nach biologischen Gesichtspunkten gezüchtet.

Weitere Infos:
Environmental Working Group -  http://www.ewg.org/reports/farmedPCBs/
David Suzuki Foundation -  http://www.davidsuzuki.org/Oceans/
Coastal Alliance for Aquaculture Reform - http://www.farmedanddangerous.org/

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Wieso wollen deutsche Politiker die Welt mit Gen-Food füttern?
Von Norbert Suchanek

Kein Gen-Brot für die Welt!
 

Das sind die Fakten: Über 800 Millionen hungern. Täglich sterben 25.000 Menschen an Hunger. Die meisten hungernden Menschen gibt es in den sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern. Doch auch etwa elf Millionen Menschen hungern in den reichen Industriestaaten. Trotz großer Überschüsse an industriell hergestellter Nahrung in den Industrieländern und trotz des Vordringens der Agroindustrie in die Länder der „Dritten Welt“ ist der Hunger nicht aus der Welt.
Nun will diese auf Mechanisierung und Entmenschlichung der Landwirtschaft setzende Agroindustrie, die Millionen von Menschen in Asien, Lateinamerika und Afrika um Land, Arbeit und Existenz gebracht und damit erst zu Hungernden gemacht hat, den Hunger mit Hilfe genetisch manipulierter Lebewesen beseitigen. Die aus der Agrochemie hervorgegangenen Gen-Saatgutkonzerne nehmen rücksichtslos die mitverschuldete Tragödie des weltweiten Hungers als Argument für die schnellstmögliche Verbreitung von Gen-Food. Doch das, was der auf Monokulturen setzenden Agroindustrie mit Chemie und hohem Erdöleinsatz nicht gelungen ist, wird genauso wenig mit der sogenannten Grünen Gentechnik gelingen. Ganz einfach, weil schon der Ansatz falsch ist.

Auch die kirchlichen Hilfswerke "Brot für die Welt" und Misereor haben der Argumentation, die Gentechnologie diene zur Sicherung der Welternährung, vor kurzem klar eine Absage erteilt. Der Hunger vieler Menschen werde nur zum Vorwand genommen wird, um die Risikotechnologie in Europa zu fördern, kritisieren sie. Hunger sei nicht die Folge geringer Produktivität, sondern von ungerechter Verteilung von Reichtum, von Kriegen oder Misswirtschaft, betonen die Hilfsorganisationen der Kirche. Sie widersprechen damit auch deutlich den angeblich christlichen Parteien CDU und CSU, die in Deutschland die glühendsten Kreuzritter für den Einsatz der eher unchristlichen, Grünen Gentechnik sind. Die große Mehrheit der Europäer und auch die große Mehrheit der CDU/CSU-Anhänger will von Gen-Food auf dem Teller nichts wissen. Und dennoch lässt sich die CDU/CSU-Fraktion vor den Karren der Gen-Konzerne spannen, um mit deren scheinheiligen Hungerargumentation die Förderung der Gentechnologie in der Landwirtschaft einzufordern. „Die CDU/CSU-Fraktion geht in ihrem Antrag davon aus, dass sich mit mehr Produktivität der europäischen Landwirtschaft durch Gentechnik die Ernährungsprobleme in den armen Ländern des Südens lösen lassen“, kritisieren Misereor und Brot für die Welt. Dabei seien gerade die Überschüsse der industriellen Landwirtschaften, die zu Dumping-Preisen auf dem Weltmarkt verkauft werden, eine wesentliche Ursache des Hungers in der restlichen Welt. Ebenso lehnt die Deutsche Welthungerhilfe es ab, den Bauch der Hungernden in den Ländern des Ostens und Südens mit Gen-Food zu füllen, was allerdings immer wieder von der Hilfsorganisation der US-Regierung, US-Aid, versucht wird.
Aber es sind nur nicht US-Aid oder CDU und CSU, die Gentechnik begeistert sind. Auch FDP und SPD lassen sich allzu gern für die Belange der Gen-Industrie einspannen.

Dabei gibt es längst wissenschaftliche Studien, die die Unberechenbarkeit und Gefährlichkeit der Grünen Gentechnik und ihre Nutzlosigkeit im Kampf gegen den Hunger beweisen. So präsentierte die Umweltorganisation Greenpeace parallel zum vergangenen Welternährungsgipfel die Studie „Record Harvest - Record Hunger“, in der die Autoren am Beispiel von Argentinien belegen, dass genmanipulierte Nutzpflanzen den Hunger nicht lindern. So ist das südliche Nachbarland Brasiliens seit der Zulassung von Genpflanzen 1996 nach den USA zum zweitgrößten Gensoja-Produzenten weltweit aufgestiegen, wovon das meiste als Tierfutter endet. Die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung Argentiniens indes habe sich, so die Studie, im selben Zeitraum dramatisch verschlechtert.

Ein an Deutlichkeit nicht zu überbietendes Plädoyer für eine gentechnikfreie, biologische Landwirtschaft in der Welt ist die Studie “The Case For A GM-Free Sustainable World“, verfasst von einem unabhängigen Forscherteam, dem Independent Science Panel (indsp). „Unsere umfassende Überprüfung der Erkenntnisse hat uns darin bestärkt“, schreibt das indsp, „dass genmanipulierte Pflanzen (GM-Pflanzen) weder benötigt noch erwünscht sind, dass sie es versäumt haben, die Versprechungen zu erfüllen, und im Gegensatz dazu, eskalierende Probleme in der Landwirtschaft aufwerfen. Es besteht keine realistische Chance, dass Gentechnik und konventioneller Anbau in der Landwirtschaft koexistieren können.“ Dies habe schon allein das hohe Ausmaß und die Ausdehnung der transgenen Kontamination der Umwelt bewiesen, die bisher schon in den Gen-Anbauländern und selbst in einem Land wie Mexiko, wo seit 1998 ein offizielles Gen-Moratorium herrscht, aufgetreten sei. Für das Forscherteam sind GM-Pflanzen schlichtweg inakzeptabel, da sie keineswegs sicher seien. „Sie wurden ohne die notwendigen Sicherheits-Richtlinien und Sicherheits-Abschätzungen eingeführt, und zwar durch ein zutiefst fehlerhaftes Regulations-System, das auf dem Prinzip der 'wesentlichen Gleichwertigkeit' basiert“, kritisieren die Forscher. Die Regeln zielten stärker auf eine beschleunigte Zulassung als auf eine seriöse Sicherheits- Abschätzung.
Das indsp widerlegt insbesondere die Behauptung, dass nur mit Gen-Food die Welt ernährt werden könnte. Nicht die Grüne Gentechnik, sondern eine nachhaltige, vielfältige und biologische Landwirtschaft habe das größte Potential den Hunger in der Welt zu beseitigen. Dies gelte besonders für das noch in vielen Ländern des Südens vorhandene Wissen indigener Bevölkerungen, die unabhängig von irgendwelchen Bio-Anbauverbänden bis heute eine traditionell biologische Landwirtschaft pflegen. „Nicht-zertifizierte organische Landwirtschaft, von Millionen indigener Menschen, Bauern und kleinen Familiengetrieben praktiziert, tragen signifikant zur regionalen Sicherheit von Nahrungsmitteln bei: in Lateinamerika zeichnen sie für mehr als 50% des produzierten Mais, der Bohnen, Maniok und Kartoffeln verantwortlich; in Afrika, für die meisten Getreide, Wurzel- und Knollengewächse; in Asien für den meisten Reis“, schreibt das Forscherteam.

Der indsp-Bericht führt Fallstudien aus Indien, Brasilien, Iran, Thailand und Uganda auf, die zeigen wie das traditionelle Wissen, Innovation und agro-ökologische Ansätze nachweisbare Vorteile erbracht haben: gestiegene Produktivität, bessere Gesundheit der Umwelt und Fruchtbarkeit des Boden, verbesserte Biodiversität, ökonomische Vorteile, Lebensmittelsicherheit, verstärkte soziale Bindungen innerhalb von Gemeinschaften, und Wiederbelebung von Praktiken der traditionellen, zukunftsfähigen Landwirtschaft.“ Diese agro-ökologische Landwirtschaft und nicht die Grüne Gentechnik gilt es zu fördern, wollen wir den Hunger in der Welt wirklich beseitigen. Doch stattdessen wollen uns in Deutschland die Abgeordneten der CDU/CSU weismachen, „dass der Verzicht auf die Grüne Gentechnik im globalen Kontext potenziell großen Schaden anrichten kann.“ An vorderster Stelle der Gen-Food-Begeisterten Parlamentarier steht der agrarpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Albert Deß, der ohne auf die Bedenken der christlichen Hilfsorganisationen einzugehen, skrupellos das Hunger-Credo der Gen-Industrie im Bundestag nachbetet: „Ein Mittel zur Hungerbekämpfung stellt ohne Zweifel der Einsatz der grünen Gentechnik zur Produktivitätssteigerung in den Entwicklungsländern dar.“  Und für die glühende Gen-Food-Befürworterin, die CDU-Europaabgeordnete Hedwig Keppelhoff-Wiecher, ist sogar es „eine moralische Verpflichtung“ die wachsende Weltbevölkerung mit Gen-Food abzuspeisen und weil dies die Bevölkerung endlich kapieren solle, fordert sie „verstärkte Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit nicht zuletzt der Unternehmen, um ein Umdenken bei der grünen Gentechnik zu bewirken.“

Die entscheidende Frage, die sich heute stellt, lautet längst nicht mehr, will und braucht die Menschheit die Grüne Gentechnik oder nicht. Diese Frage ist klar von Wissenschaftlern und Bevölkerungen beantwortet. Die meisten Menschen wollen kein Gen-Food und brauchen es auch nicht. Die entscheidende Frage lautet, warum setzen sich Politiker von CDU, CSU, SPD und FDP über den Willen der Bevölkerung hinweg für die Gen-Manipulation in der Landwirtschaft ein?  Warum lassen sie sich von den Gen-Konzernen wie in einem „Kreuzzug“ für Gen-Food einspannen, obwohl zahlreiche kritische Wissenschaftler immer wieder auf die Gefährlichkeit dieser Technologie hinweisen und obwohl auch renommierte, kirchliche Organisationen wie Brot für die Welt und Misereor nichts von Genfood als universelles Welthungerbeseitigungsinstrument halten. Warum nur machen sich männliche wie weibliche Politiker zum Handlanger internationaler Gentech-Konzerne und einer kleinen Gentechnik begeisterten Minderheit?

Info: Die Studie “The Case For A GM-Free Sustainable World“ wurde vergangenen Juni vom Institute of Science in Society zusammen mit dem Third World Network veröffentlicht und ist im Original nachzulesen im Internet unter www.indsp.org sowie übersetzt unter www.bukoagrar.de.

"208 Rezepte gegen den Hunger", zusammengestellt von Greenpeace, unter www.greenpeace.de , Email: ulrike.brendel@greenpeace.de
 

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Vielfalt bewahren und fördern  - damit Getreide auch im 21. Jahrhundert noch ein Geschenk der Natur ist und nicht aus dem Gen-Labor stammt
Von Norbert Suchanek

Öko-Brot ist bekömmlicher und gesünder


Müsli, Pasta, Pizza, Kuchen, Torten, Gebäck, selbst Doppelkorn, Whiskey, Bier und natürlich das tägliche Brot: Unsere Küche und Ernährungsweise kommen ohne Getreide nicht aus und das schon seit Tausenden von Jahren. Getreide ist das wichtigste Grundnahrungsmittel der Menschheit der gemäßigten und tropischen Regionen. Doch das Wissen darüber, wie man es richtig verarbeitet, ist bei uns ein wenig verloren gegangen. Beispielsweise backt kaum noch jemand sein Brot selbst. Man geht einfach in den nächsten Supermarkt oder zum Bäcker um die Ecke, im Vertrauen, dass dort alles schon nach rechten Dingen zugeht. Aber was uns die modernen Bäcker heute täglich frisch anbieten, hat allzu oft kaum mehr als den Namen mit den Broten gemein, die früher aus Omas Backstuben oder aus den Lehmbacköfen der Bauern geschoben wurden.

Dank den Fortschritten der chemischen Industrie hat die konventionelle Bäckerei inzwischen ein Arsenal an Backhilfsmitteln zur Verfügung, um Teige besser maschinell verarbeiten zu können, gleich bleibende Backeigenschaften zu erreichen oder um die Brote einfach schneller produzieren zu können. Dass den modernen, abgepackten Broten im Supermarkt aber dennoch kein eng bedruckter Beipackzettel wie bei Arzneien beiliegen muss, liegt an unserem „tollen“ Lebensmittelgesetz, das eine Kennzeichnung der einzelnen Backmittel nur dann vorschreibt, wenn deren Gewichtsanteil im Enderzeugnis 25 Prozent oder mehr ausmacht. Das heißt konkret: Fast ein Viertel unseres Brotes darf laut Lebensmittelgesetz aus den verschiedensten Substanzen bestehen, für die lediglich der Überbegriff „Backmittel“ in der Zutatenliste stehen muss. Für lose Ware wie Brot und Semmeln beim Bäcker gelten noch laschere Vorschriften. Nur auf einem Schild in der Auslage muss angegeben werden, ob Konservierungsstoffe, Antioxidantien oder Geschmacksverstärker drin sind. „Die genaue Bezeichnung der verwendeten Substanzen ist nicht erforderlich. Und über wichtige Backmittel wie Emulgatoren, Mehlbehandlungsmittel wie Cystin, Enzyme wie Amylasen oder Kunstsauer müssen die Kunden nicht informiert werden“, kritisiert zu Recht der Verein Verbraucher für unbelastete Nahrung in seiner Broschüre „Alles über Getreide“. Denn bestimmte Enzyme und Proteine können schließlich Allergien und Unverträglichkeiten bei empfindlichen Menschen hervorrufen. So geht beispielsweise die anerkannte Berufskrankheit „Bäckerasthma“ auf die Verwendung von Enzymen in der konventionellen Backstube zurück.

Bio-Bäckereien sind die gesündere Alternative

Bei Bio-Bäckern, die nach den Richtlinien der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL) arbeiten und nur Rohstoffe aus der Bio-Landwirtschaft verwenden, gibt es diese Berufskrankheit nicht. Denn der Einsatz von Enzymen ist ihnen verboten. Selbstverständlich sind gleichfalls auch die anderen chemischen Backmittel sowie Fertigmehle, Fertigsauer und Aroma-Zusätze in der Bio-Bäckerei verpönt. Hier sind die Agöl-Bio-Richtlinien auch strenger als die EU—Bio-Verordnung, die Enzyme in der Bio-Bäckerei zulässt.

Jede Getreide-Art braucht zur Teigherstellung und zum Backen ihr spezielles Triebmittel. So lässt sich mit gewöhnlicher Hefe zwar ein Weizenbrot, aber kein richtiges Roggenbrot backen. Roggenteige brauchen eine Säuerung. Konventionelle Bäcker dürfen hier zum so genannten Kunstsauer greifen, der im Prinzip eine Fertigmischung aus Zitronen- und Milchsäure angereichert mit Emulgatoren, Phosphaten und anderen Zusatzstoffen ist. Diese Mischung liefert in zwei bis drei Stunden einen Teig, der zwar wie Sauerteig aussieht und auch so heißen darf, aber trotzdem kein Naturprodukt ist. Bio-Bäcker dürfen nur echten Sauerteig, der heutzutage Natursauerteig heißt, verwenden.

Für Natursauerteig braucht es keinerlei Zusatzstoffe, nur viel Zeit. Denn lässt man einen weichen Teig aus Roggenmehl und Wasser bei Raumtemperatur stehen, beginnen spontan Bakterien und Sauerteighefen aus dem Mehl und aus der Luft mit ihrer Arbeit. Sie vergären die Zuckerstoffe des Mehls und erzeugen einen gesunden Cocktail von verschiedenen, natürlichen Säuren, vor allem Milch- und Essigsäure. Nach und nach setzen sich die Sauerteighefen und Milchsäurebakterien im gesamten Teig durch, prägen das unverwechselbare Aroma des echten Sauerteigbrotes und verdrängen andere, gesundheitsschädliche Mikroorganismen wie Schimmelpilze. Ein Natursauerteig benötigt etwa 14 bis 24 Stunden Zeit. Dafür schimmelt ein so natürlich gesäuertes Roggenbrot hinterher garantiert nicht. Außerdem wird im Natursauerteig der ernährungsphysiologisch problematische Stoff Phytin – auch Phytinsäure genannt – praktisch vollständig abgebaut, was bei Kunstsauerteig nicht der Fall ist.
Phytin gilt als ein so genannter Schutzstoff der Getreidepflanzen und kommt vor allem in den äußeren Schichten und im Keimling des Getreidekorns vor. In der menschlichen Ernährung hat er zwei unterschiedliche Seiten: Zum einen gilt er als „Mineralienräuber“, weil er die Verwertung von Mineralstoffen, Spurenelementen und wahrscheinlich auch von Vitamin B1 und Verdauungsenzyme behindern soll. Andererseits könne Phytinsäure, so der Ernährungswissenschaftler Claus Leitzmann, blutzuckerregulierend wirken und darüber hinaus - dies wurde zumindest an Tieren nachgewiesen - einen krebsschützenden Effekt haben. Phytin wird vom Getreide-Enzym Phytase abgebaut. Es benötigt dazu in erster Linie Feuchtigkeit und Zeit. In eingeweichtem Getreide ist es nach 12 Stunden fast vollständig abgebaut. Der Abbau-Prozess beschleunigt sich beim Kochen in Wasser. Schließlich wird das Phytin auch beim Keimen abgebaut.

Backferment - „Erfindung“ der Bio-Bäcker

Ein zweites in der Bio-Bäckerei häufig eingesetztes Triebmittel ist das Backferment, das die Bio-Bäcker auch selbst entwickelt haben. Es ist ein natürliches Produkt aus Honig, Kichererbsenmehl, Lupinen und Getreideschrot. Hier arbeiten natürliche Hefen aus dem Getreide und aus dem Honig, so genannte Nektarhefen. Wie beim Natursauerteig benötigt die Teigzubereitung mit Backferment lange Gärzeiten. Dafür aber entsteht eine besondere Art Sauerteig, der einen milden Geschmack hat und als sehr bekömmlich gilt. Das Backferment ist für alle Getreidesorten geeignet. Mit ihm kann man auch kleberfreie Brote aus Mais, Reis oder Hirse herstellen, was für manche Allergiker und Zöliakiekranke ein wichtiger Aspekt ist. Nur wenige konventionelle Bäcker setzen auch die Bio-Entwicklung Backferment ein, weil es einfach nicht schnell genug geht.

Das dritte wichtige Triebmittel, die Hefe, ist für Weizenteige geeignet. Viele Bio-Bäcker setzen hier noch die konventionelle Hefe ein, die auf Melasse aus der Zuckerindustrie gezüchtete wurde. Inzwischen gibt es aber schon eine echte Bio-Hefe, die auf Öko-Getreide wächst und von konsequenten Bio-Bäckern schon längst bevorzugt wird.

Es war einmal „Einkorn“

Das „A“ und „O“ unseres „täglichen Brotes“ ist freilich sein Grundrohstoff, die verschiedenen Getreidearten wie Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel, Gerste, das Zweikorn (Emmer) und das Einkorn. Ausgehend vom nahen und mittleren Osten, wo die Gen-Zentren der Getreidesorten vermutet werden, pflanzen und verbessern seit mindestens zehntausend Jahren Bauern Getreide und brachten die verschiedensten Sorten mit unterschiedlichsten Eigenschaften hervor. Dieses Erbe der Menschheit gilt es gerade jetzt, da sich große Konzerne anschicken uns mit Gen-Manipulierter und patentierter Massenware zu überschwemmen, zu bewahren und fortzuschreiben. Denn ohne konsequente Weiterzüchtung und ökologische Saatgutverbesserung, könnten Bio-Bauern eines Tages ohne Bio-Saatgut da stehen und auch der konsequenteste Öko-Bäcker kein Bio-Getreide mehr für seine Produkte auftreiben. Deshalb hat das Demeter-Unternehmen „ErdmannHauser“ seine Saatgutkampagne gestartet. Sie will zum einen Aufmerksamkeit für die große Bedeutung der Saatgutarbeit wecken und zum anderen Geldmittel für die biologisch-dynamische Saatgutzüchtung bereitstellen. „Große Agrarkonzerne geben für die genetische Manipulation von Saatgut zur Erzeugung von Designerpflanzen riesige Summen aus, beschäftigen Tausende von Mitarbeitern und können die Macht der Medien für ihre Zwecke einsetzen“, schreibt ErdmannHauser. „Gegen diese ungeheure Macht kann der Anspruch – Ohne Gentechnik! – in Zukunft nur erfüllt werden, wenn unter anderem auch leistungsfähiges biologisches Saatgut neu verfügbar wird.“

Von Amylasen bis Chlorgas

Ein Auszug aus einer Liste von Backmitteln, die in konventionellen Bäckereien erlaubt sind: a-Amylasen, ß-Amylasen, Amyloglucosidasen, Azodicarbonamid, Benzoylperoxid, Bromat, Chlordioxid, Chlorgas, Cystein, Endoglucosidasen Typ II, Lipoxygenasen, Proteasen, Stickstofftrichlorid, Stickstofftetroxid, Transglutaminase, ...  Und ein Auszug aus dem Internetangebot eines Backmittelherstellers für das konventionelle, deutsche „Bäckerhandwerk“: Sauer-Controller, Vollsauer Boehringer, Boerol, Lezisauer, Almerol neu, Lezimild, Brotstabil Backperls, F1, Delipan, Ulmer BrotVit, FH frisch, DoppelFrisch „neu“, Ulmer Weizenperfekt, Dia BrotPlus, ProtoFarin, Gärcontroller Relax, Gärcontroller Goldperls, Gärcontroller liquid, Multiback Frost, Olympial GOLD, Topmalz, Olympial Malz, Malz-Comet, Kontra, Lezym, Back-Syrol, Malzyrol Pulver, .... Was hinter diesen Fantasienamen steht, erfährt der Käufer nicht. Udo Pollmer vom Europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (EU.L.E.): „Die forschenden Allergologen beklagen zu Recht das Fehlen geeigneter Deklarationsvorschriften für Backmittel und Bäckereierzeugnisse. Da die Rezepturen als Betriebsgeheimnis gelten, führen auch Nachfragen bei den Herstellern kaum weiter“.

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Mit Geldanlagen Klima schützen und fairen Handel fördern
 

Grünes Geld braucht unabhängige Information
von Norbert Suchanek
 


Während wir alle mehr oder weniger ruhig schlafen, geschieht etwas geheimnisvolles bei Banken, Versicherungen und Aktienhändlern. Unser Geld arbeitet. Es finanziert Rüstungskonzerne oder Supermarktketten, Autofirmen, unökologische Riesenstaudämme und Kernkraftwerke, Gentechniklabore und Pestizid-Konzerne, gibt transnationalen Konzernen die finanzielle Kraft immer größer zu werden und andere zu verdrängen. Es kann aber auch wie bei Oikocredit oder bei der Gepa Bauernkooperativen in der Dritten Welt die Umstellung auf Bio-Kaffeeanbau erleichtern oder mexikanischen Frauen in die Selbständigkeit helfen. Wir haben es in der Hand, was unser Geld macht - mehr oder weniger. Zum einen ist es sehr mühsam, sich von Banken und Versicherungen alle ihre Beteiligungen und Investitionen im Detail geben zu lassen. Zum anderen blickt man durch den inzwischen entstandenen Dschungel der verschiedenen Geldanlagemöglichkeiten, die nach eigenen Angaben ökologischen und ethischen Ansprüchen gerecht werden sollen, kaum noch durch. Allen ist nur gemein: Sie wollen an das Geld der umweltbewussten oder ethisch und sozial eingestellten Mitmenschen heran. Aber wie in den Zeiten vor der gesetzlichen Regelung für die Verwendung der Vorsilben „Bio“ und „Öko“ im Nahrungsmittelbereich gilt im Geldgeschäft: Wo „Öko“, „Nachhaltigkeit“ oder „Ethik“ drauf stehen, müssen diese Worthülsen noch lange nicht positiv ausgefüllt sein.
Da ist zum Beispiel der GreenEffects-Fonds. In ihm sind die Firmen des Natur-Aktien-Index (NAI) vertreten, der von der Zeitschrift Natur&Kosmos veröffentlicht wird und seit 1997 als „Orientierung für grüne Geldanlagen“ gilt. Der NAI umfasst nach eigenen Angaben (www.nai-index.de) „25 internationale Unternehmen, die nach besonders konsequenten Maßstäben als erfolgreiche Öko-Vorreiter ausgewählt werden.“ Dass das auch so stimmt, dafür steht ein so genannter NAI-Ausschuss gerade, dessen Mitglieder sind: Horst Hamm von Natur&Kosmos, Thomas Orbach vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH, Christoph Bals von Germanwatch, Antje Schneeweiß vom Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene, Caroline Zuniga und Rolf Buschmann vom Katalyse-Institut für angewandte Umweltforschung. Zwar sind im NAI tatsächlich einige Firmen wie Bodyshop oder Solarworld vertreten, denen man ein ökologisches Engagement nicht absprechen kann. Andere NAI-Firmen wie der Wasserkonzern Severn Trent kann man allerdings kaum als „erfolgreiche Öko-Vorreiter“ bezeichnen.
Der Wasserkonzern Severn Trent steht für die, von vielen umweltorientierten Nichtregierungsorganisationen, Kommunalen Wasserexperten und Stadtwerken sowie auch von kirchlichen Gruppen abgelehnte Wasserprivatisierung. 1989 profitierte Severn Trent von der Privatisierung der britischen Wasserversorgung und den anschließenden, drastischen Wasserpreiserhöhungen unter Maggi Thatcher. Dabei wurde laut BBC in Großbritannien kein Wasserversorgungs- und Abwasserunternehmen so häufig wegen Umweltverschmutzung erfolgreich verklagt wie Severn Trent Water. Gleichzeitig schrecke das Unternehmen nicht davor zurück, Haushalten rigoros den Wasserhahn zuzudrehen, wenn diese mal ihre Rechnung nicht zahlen können.
Severn Trent ist aber dennoch nicht nur im NAI vertreten, sondern zählt ebenso zu den „Sustainability-Leader-AGs“, die laut Öko-Test „besonders nachhaltig“ wirtschaften. Die Zeitschrift lobt darüber hinaus den Wasserkonzern als das beste Unternehmen seiner Branche, „in deren Aktien eine Investition lohnt.“ Auch der Konzern Procter & Gamble ist ein solcher, von Öko-Test gelobter Sustainability-Leader. Dieser internationale Konzern beliefert uns seit Jahren nicht nur mit Komsumartikeln wie Wegwerfwindeln (Pampers) oder Schokoriegeln (Bounty). Er steht auch auf der aktuellen Liste der zehn miesesten Unternehmen auf der Welt, die jährlich vom in Washington ansässigen Multinational Monitor (www.multinationalmonitor.org) herausgegeben wird. Auch die Citygroup zählt zu den „10 Worst Corporations of 2002 “, vor allem weil sie „umweltzerstörende Projekte rund um den Globus finanziert.“ Trotzdem steht die Citygroup zusammen mit Procter & Gamble im SAM Sustainability Index Fonds aus Zürich, wobei das englische Sustainability natürlich auch hier für Nachhaltigkeit stehen soll. NAI, SAM und Co. sind aber keine Einzelfälle. Unter den verschiedenen Öko- und Ethik-Fonds finden sich noch mehr Ungereimtheiten und „Schwarze Schafe“. Genaues Hinsehen ist angebracht!

Sicher im fairen Handel anlegen

Wer mit seinem Geld in Sachen Ethik und Ökologie auf „Nummer Sicher“ gehen will, muss zwar den Traum vom „schnellen Geld“ vergessen. Doch wer sich bei Gepa und Oikocredit beteiligt, hat dafür die sicherste Gewähr, mit seiner Geldanlage etwas gutes zu tun. Die 1975 gründete Gepa ist heute Europas größte Fair Handelsorganisation. Gepa-Gesellschafter sind Misereor, der Evangelische Entwicklungsdienst (eed) sowie die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej) und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Auch Privatpersonen können sind bei diesem Fair Handelshaus beteiligen und in den fairen, sozial- und umweltverträglichen Handel investieren. Für das fair angelegte Geld garantiert die Gepa immerhin 3,75 % Zinsen – und ein gutes Gewissen.
 
Etwas weniger, nämlich 2 Prozent, bekommen Anleger bei Oikocredit. Mit dem „geliehenen“ Geld finanziert die 1975 vom Ökumenischen Rat der Kirchen gegründete Ecumenical Development Cooperative Society, die sich Oikocredit abkürzt, günstige Kredite an die benachteiligten Schichten in den Ländern der Dritten Welt. Frauen können sich so ein eigenes, kleines Geschäft aufbauen und Kleinbauernkooperativen auf besser bezahlten Bio-Anbau umstellen. Das erklärte Ziel dieser Geldanlage ist es, zu mehr wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit in der Welt beizutragen (www.oikocredit.org). Einen Förderkreis für Oikocredit gibt es auch in Bayern.

In den Wind investieren heißt Klima schützen

Eine von Haus aus grüne Geldanlage ist die Investition in Windenergie. Ob man dabei reich wird, lässt sich nicht garantieren. Garantiert ist nur, dass Windenergie eine wichtige, nachhaltige Energiequelle ist, um umweltschädlichen Strom aus Atomkraftwerken, Kohlekraftwerken oder aus großen, ganze Flusssysteme zerstörenden Wasserkraftwerken zu ersetzen und um unser Klima zu schützen (www.windenergie.de). In den Medien tauchen zwar immer öfter Berichte von sogenannten Windkraftgegnern wie dem Bundesverband Landschaftsschutz auf, die den Windkraftanlagen „Landschaftsverschandelung“ vorwerfen und behaupten, dass sie nichts zum Klimaschutz beitragen würden. Was die Landschaftsverschandelung angeht, so lässt sich freilich je Geschmacksrichtung ewig darüber streiten, ob nun ein Windrad schöner oder hässlicher ist, als eine Hochspannungsleitung. Der andere Vorwurf ist schlichtweg falsch. Natürlich trägt jede mit Windenergie erzeugte Kilowattstunde zur Vermeidung von Kohlendioxid und zum Schutz unseres Klimas bei.
Anders sieht es allerdings mit der gleichfalls als „Klimaschutzmaßnahme“ propagierte Geldanlage in Aufforstungsprojekten in der Dritten Welt aus. Seit Jahren warnt beispielsweise das World Rainforest Movement (WRM) vor der Ausweitung der Baummonokulturen (Holzplantagen) in der „Dritten Welt“, weil diese nicht nur sozial, sondern auch ökologisch unverträglich seien. Dies gelte auch für die neuerdings mit dem Label des Forest Stewardship Council (FSC) ausgezeichneten Aufforstungsprojekte. Das brandaktuelle WRM-Buch "Certifying the uncertifiable - FSC certification of tree plantations in Thailand and Brazil" informiert darüber (www.wrm.org.uy).
Alles in allem betrachtet braucht es einen gesunden Menschenverstand, viel Zeit zum Lesen und gute, firmenunabhängige Informationen über Geldanlagen und Firmentätigkeiten, wenn man sein Geld sinnvoll in Versicherungen, Fonds, Aktien und Firmenbeteiligungen anlegen möchte. Leider aber ist im Zuge der Medienkonzentration immer weniger Geld für fundierte, unabhängige Recherchen da und gleichzeitig immer weniger Platz für kritische Reportagen und Berichte in den Medien. Eine Basisquelle für Informationen rund um Grüne Geldanlagen ist die Website der Ecoreporter (www.ecoreporter.de). Allerdings sind auch diese Informationen nur mit Vorsicht zu genießen, da sie oft von den Firmen selbst stammen, wie ECOreporter.de-Chefredakteur Jörg Weber selbst einräumt: „Wir können mit unseren Mitteln halt nicht immer gegen halten, wenn Konzerne etwas behaupten. Inder Rubrik ad hoc müssen wir die wörtlichen Texte bringen, sonst sind es keine Ad hoc mehr...“
 

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Breites Bündnis gegen Agro-Gentechnik plant Großdemonstration am 31. Januar in München
 

Gen-Food-Anbau in Bayern unerwünscht
von Norbert Suchanek


Ein breites Bündnis von Naturschutz-, Öko-Anbau-, Bauern- und Imkerverbänden sowie Verbraucherschützern und Kirchenvertretern will, dass Bayern frei von genmanipulierten Pflanzen bleibt. Auf Initiative der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau (LVÖ) und des Bundes Naturschutz in Bayern (BN) gründeten sie das „Bündnis Bayern für gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft“.
Während der Vorstellung ihres Bündnisses zeigte sich der Vorsitzende des Bund Naturschutz in Bayern (BN), Hubert Weiger, optimistisch. Das Bündnis werde den Einsatz von genmanipulierten Organismen in der bayerischen Landwirtschaft verhindern können, sagte er. Schließlich hätten es die Umweltschützer zusammen mit Bauern und Verbrauchern auch geschafft, die Einführung des gefährlichen und für die Landwirtschaft überflüssigen Rinderwachstumshormons in der EU zu verhindern. Die Agro-Gentechnik, die verharmlosend oft auch „Grüne Gentechnik“ genannt werde, sei gleichfalls für Landwirtschaft und Ernährung überflüssig und darüber hinaus mit großen Risiken behaftet. Die Risiken seien so groß, dass sogar die Versicherungswirtschaft damit nichts zu tun haben wolle, betonte die Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die gleichfalls im Bündnis mit dabei ist. Laut Versicherungswirtschaft seien die möglichen Folgeschäden der Agro-Gentechnik nicht versicherbar, da die Risiken nicht zu kalkulieren seien.
Unmissverständlich fordert das Bündnis die bayerische Staatsregierung auf, eine Kehrtwende in ihrer Haltung zur Gentechnik zu vollziehen. Die Mehrheit der bayerischen Verbraucher und Landwirte lehne den Anbau gen-manipulierter Pflanzen klar ab. Dennoch versuche der Freistaat Bayern mit großem Aufwand, Landwirte und Verbraucher von den angeblichen Vorteilen der Agro-Gentechnik zu überzeugen. Die Staatsregierung dürfe nicht länger für diese überflüssige Kampagne öffentliches Geld einsetzen. Stattdessen solle sie nun endlich „das Notwendige unternehmen, damit Bayern frei von genmanipulierten Pflanzen und weiteren Organismen bleibt.“ Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, ist am Samstag, den 31. Januar 2004 eine Großdemonstration in München geplant. Die bayerische Hautpstadt und die bayerische Staatsregierung könnten an diesem Tag einige Überraschungen erleben.

Dem  „Bündnis Bayern für gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft“ haben sich neben BN, LVÖ und den Ökoanbauverbänden Bioland, Naturland, Demeter und Biokreis bisher sechs weitere Organisationen angeschlossen: der Landesbund für Vogelschutz, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Bayern, der Deutsche Berufsimkerbund, der Landesverband Bayerischer Imker, die Verbraucherschutz-Initiative „Nahrungskette“, die Interessensgemeinschaft Milchviehhalter Oberbayern und der Umweltbeauftragte der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Ziel des Bündnisses ist es, eine breite gesellschaftliche Allianz aufzubauen, um zu erreichen, dass Bayern weiterhin frei vom feldmäßigen Anbau genmanipulierter Pflanzen bleibt.
 
Gründungsmitglieder des Bündnisses

Bund Naturschutz in Bayern (BN)
Landesbund für Vogelschutz (LBV)
Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ)
Bioland Landesverband Bayern
Naturland Regionalverband Süd- Ost
Demeter Bayern Biologisch- Dynamische Vereinigung
Biokreis
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
Deutscher Berufsimkerbund (DBIB)
Landesverband Bayerischer Imker (LBI)
Initiative Nahrungskette
Interessensgemeinschaft Milchviehhalter Oberbayern
Gerhard Monninger, Umweltbeauftragter der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern

Weitere Mitglieder des Bündnisses
Tagwerk Förderverein
Weilheim- Schongauer Land Solidargemeinschaft
Der Krisenstab
Arbeitsgemeinschaft noch produzierender Landwirte in Ostbayern
Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Haushaltsführungskräfte im Deutschen Evangelischen Frauenbund
Interessensgemeinschaft Mischfruchtanbau

Weitere Informationen:
 
Kurt Schmid, Bund Naturschutz, Fachabteilung München,
Pettenkoferstr. 10 a/ I, 80336 München, Tel.: 089/ 54 82 98 63,
Fax: 089/ 54 82 98 18; E-Mail: fa@bund-naturschutz.de

Dr. Klaus Wiesinger, Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), Bahnhofstr. 18, 85354 Freising, Tel.: 08161-91710, Fax: 08161-91711, E-mail: info@lvoe.de
 
Manfred Hederer, Deutscher Berufs und Erwerbs Imkerbund, DBIB, info@imkernet.de  
 

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Kommentar von Norbert Suchanek
Künast lässt Gen-Food auch in Deutschland zu - doch der friedliche Widerstand gegen Agro-Gentechnik rollt an – Demo am 31. Januar in München


Bauern und Imker brauchen Hilfe gegen Agro-Gentechnik
 


April, April. Nein,  es ist leider kein Aprilscherz: Nachdem der EU-weite Zulassungsstopp für gentechnisch veränderte Organismen im April endet, soll Gen-Food nun auch in Deutschland erlaubt sein. "Wir haben uns geeinigt. Das Gesetz wird im Februar vom Kabinett beschlossen", sagte unsere Verbraucherschutzministerin Renate Künast der "Berliner Zeitung" vergangenen Januar und rechnet damit, „dass spätestens im Herbst genveränderter Mais in den europäischen Supermärkten auftaucht." Renate Künast freute sich dabei „auch persönlich über diesen Erfolg." Erstmals bekämen die Verbraucher damit das Recht auf Wahlfreiheit. Es scheint, dass sich die Bündnisgrünen zusammen mit der SPD von der Ökologie verabschiedet und sich den Gen-Konzernen und der als „Grün“ bezeichneten Agro-Gentechnik-Lobby gebeugt haben. Dies war zu befürchten gewesen, da die rotgrüne Regierung schon lange einen Eiertanz zur Gentechnik vollführte.  So begrüßte erst vor kurzem die Bundesregierung den Einsatz einer als "Golden Rice" bezeichneten gentechnisch veränderten Reissorte mit hohem Gehalt an Vitamin A in Entwicklungsländern, während viele Umweltschutz- und Entwicklungsorganisationen und alternative Wissenschaftler diesen „Golden Rice“ schon lange zuvor als Trojanisches Pferd der Gentech-Branche entlarvt hatten. "Sie betrügen uns. Wenn die Armen Land hätten, hätten sie eine bessere Ernährung. Die Armen brauchen kein Vitamin A, sie brauchen Vitamin-L, das ist Vitamin Land. Und sie brauchen Vitamin-M, das ist Vitamin Money. Mangelernährung gibt es aufgrund von Armut, nicht aufgrund einer fehlenden Technologie“, bringt Daycha Siripatra vom Alternativen Landwirtschaftsnetzwerk in Thailand und Direktor von "Technologie für ländliche und ökologische Entwicklung" den ökologisch wie entwicklungspolitisch unsinnigen Einsatz der Goldener-Reis-Technologie auf dem Punkt.

Leider gibt es im deutschen Parteiensystem keine wirkliche Opposition mehr, die den Pro-Gentechnikkurs der Bundesregierung kritisiert. Im Gegenteil. Die anderen Parteien wie CDU, CSU und FDP sind geradezu „gentechnikgeil“. So lobte der Beauftragte für Bio- und Gentechnologie der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Helmut Heiderich erst jüngst die Ankündigung von Bundesministerin Künast, mehr Forschung in der Grünen Gentechnik sowie die Zulassung von gentechnisch veränderten Produkten auf dem Markt fördern zu wollen.  Helmut Heiderich: „Angesichts Künasts neuester Äußerungen reibt man sich verwundert die Augen, aber: besser spät als nie. Künast scheint endlich von ihrem ideologisch gesattelten Ross herabzusteigen und vernünftig zu werden. Sie scheint endlich das Potential der Grünen Gentechnik für die Biotechnologie und den Standort Deutschland erkannt zu haben.“ Schnellst möglich müsse nun die Agro-Gentechnik in Deutschland verbreitet werden und zwar von Ost nach West, so der CDU/CSU-Experte. Ein bundesweites Anbauprogramm für Grüne Gentechnik müsse noch im Frühling in Sachsen-Anhalt begonnen werden und schnellstmöglich auf andere Bundesländer ausgedehnt werden. Und natürlich müsse die Bundesregierung jetzt eine offensive Aufklärungskampagne für die Grüne Gentechnik starten, um den Verbrauchern ihre diffusen Ängste vor dieser Technologie zu nehmen. Die Regierung soll also wieder auf Anraten der CDU/CSU Steuergelder der Bevölkerung verpulvern, um eben diese Bevölkerung von etwas zu überzeugen, was sie gar nicht will und schon gar nicht braucht. Einen unsinnigeren Einsatz von sowieso schon knappen Finanzen kann man sich wohl kaum ausdenken, zumal die tatsächlichen Folgen der Agro-Gentechnik auf unsere Landwirtschaft und unser Ökosystem katastrophal sein können.

Allein Tausende von  deutschen Imkern befürchten mit dem Einzug der Gentechnik auf dem Acker faktisch ein Ende ihres Berufsstandes, weil gentechnikfreier Honig damit so gut wie nicht mehr herzustellen und mit Gentechnik verseuchter Honig so gut wie unverkäuflich sei. Schließlich können Bienen nicht zwischen genmanipulierten und natürlichen Pflanzen unterscheiden. Aber ein Aus vieler Imkereien wiederum hätte eine drastische Verarmung der Natur Folge. Schließlich bestäuben die Bienen etwa 70 Prozent aller unserer Blütenpflanzen und sind deshalb unverzichtbar für eine intakte Natur und Landwirtschaft. Doch nicht nur Deutschland ist von der Künast-Novelle des Gentechnikgesetzes betroffen. Der Evangelische Entwicklungsdienste (EED) befürchtet nämlich, dass es dadurch in den Armutsländern zu einem Dammbruch bei der Zulassung von genmanipulierten Pflanzen kommt. „Mit der Aufhebung des Zulassungsmoratoriums von genetisch veränderten Pflanzen in Deutschland bricht auch in den Entwicklungsländern eine wichtige Stütze bei der Zurückhaltung gegenüber der Agro-Gentechnik weg“, so der EED. Bereits Brasilien ist ja schon teilweise eingebrochen und hat Gen-Soja zumindest zeitweise erlaubt, nachdem Deutschland und andere, von der Gen-Lobby beeinflusste EU-Staaten die Verfütterung von Gen-Soja in der Tiermast erlaubt hatten und gleichzeitig sogar dafür sorgten, dass die mit Gen-Food erzeugten Nahrungsmittel wie Fleisch, Milch oder Eier nicht einmal gekennzeichnet werden müssen. Auch Gaststätten, Restaurants und Kantinen müssen nicht deklarieren, wenn sie ihren Kunden Gen-Food vorsetzen. So viel nur zum von Renate Künast verkündeten, angeblichen „Recht auf Wahlfreiheit“.
Nein: Auf Regierung und Parteien ist im Falle der Gentechnik kein Verlass. Dem angeblichen „Recht auf Wahlfreiheit“ gilt es das „Recht auf Gen-Food-Freiheit“ und das „Recht auf eine Gentechfreie Landwirtschaft“ entgegen- und durchzusetzen. Niemand sollte hier auf die Regierung und Parteien warten und denken, „sie werden es schon richten“, schließlich hat der, der sich zu letzt bewegt, verloren. Auch ohne führende Politiker lässt sich Gen-Food noch verhindern und unsere landwirtschaftliche Vielfalt, unsere bäuerlichen Betriebe und Imker retten. Man muss nur für sein „Recht auf Gen-Food- und Gentechnik-Freiheit“ auf die Straße gehen. Ein Anfang ist die von einem breiten Bündnis organisierte Demonstration am 31. Januar in München. Der Kabarettist und „Bulle von Tölz“ Ottfried Fischer, bekanntlich kein Kostverächter, ist mit dabei! Auch er will keine Genmanipulation auf dem Acker oder auf dem Teller und geht dafür auf die Straße.
 

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Kontakt: Norbert Suchanek

 

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