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Falsche Illusion bedroht tradtionelle Bauernkulturen und indigene Voelker Der gefaehrliche Traum von einer nachhaltige Biotreibstoff-Plantage
Von Papua-Neuguinea, den Philippinen über Indonesien, Ghana und Sambia bis Guatemala und Brasilien: Indigene Völker und Klima werden die Verlierer sein des von Steuergeldern aus vielen Ländern angeheizten Biotreibstoff-Booms. Die Gewinner haben Milliarden Dollar schwere Namen wie George Soros oder Bill Gates, die in einem Boot mit Agrar-Konzernen, Erdölfirmen, Abholzungsunternehmen und Gentechnikingenieuren rudern und Milliarden an Euros und US-Dollar in die globale Biospritproduktion pumpen.
Egal ob man aktuelle Regierungs- oder Konzernberichte, eine Tageszeitung, ein Fachmagazin, Pressemitteilungen der Grünen Partei oder den jüngsten Energie-Report von Greenpeacer-international liest: Die Ausweitung des Biotreibstoffanbaus wird als Heilmittel für unseren, unter menschlichen Hitzewallungen leidenden Planeten propagiert. Unterschied ist lediglich, dass die unterschiedlichen Autoren mehr oder weniger Wert auf „nachhaltige“ Anbaumethoden legen. Das Einsprenkeln von Floskeln wie „Nachhaltigkeit“, „sozial verantwortlich“ oder „zertifiziert“ soll ja in Wirklichkeit auch nur Sand in die Augen einer kleinen kritischen Restöffentlichkeit streuen, die der wunderbaren rosaroten Biospritwelt, an der alle Menschen - ob Konzernboss, Kleinbauer oder Otto-Normalsprit-Verbraucher - profitieren können, nicht so ganz Glauben schenken wollen. Und zwar mit Recht: Denn der Boom der Agrartreibstoffe wie Ethanol, Biodiesel oder andere auf Plantagen wachsende Biomassen zur Energieerzeugung sind der Sargnagel für viele, bis heute noch nicht abgeholzte, tropische Wälder und noch nicht unter der Plantagenwirtschaft leidende Gebiete Lateinamerikas, Südostasiens, Schwarzafrikas und der Pazifikregion. Alles Gebiete, in denen noch heute Hunderte von Millionen Menschen und Tausende von indigenen Völkern leben und diese Flächen nachhaltig und Klima schonend nutzen.
Nun mit dem Einzug des Agrartreibstoff-Wahns, wie der aktuelle GRAIN-Report "No to the agrofuels craze!" den Biospritboom bezeichnet, müssen diese zahlreichen, namenlosen Menschen mit so bekannten Größen und Konzerne wie George Soros, Bill Gates, Shell oder British Petroleum, um ihren Grund und Boden konkurrieren. Der internationale Spekulant Soros habe sich seit 2002 Zehntausende von Hektar Land in Argentinien und Brasilien angeeignet und investiere mit seiner Firma Adenco vor allem in Zuckerrohr und Mais verarbeitende Ethanolfabriken, so die internationale in Spanien ansässige Nichtregierungsorganisation GRAIN, die sich seit über 15 Jahren für eine nachhaltige, artenvielfältige Landwirtschaft einsetzt und unter anderem von "Brot für die Welt" und "Misereor" gefördert wird. Ihrer Meinung nach sollte man gerade auch aus handfesten Klimaschutzgründen eher auf Agrartreibstoffe verzichten, als auf diese zu setzen. Jüngste Studien zeigten, dass zur Produktion von einer Tonne Biodiesel aus Palmöl zwei bis acht Mal mehr Kohlendioxid freigesetzt werde, als bei der Verbrennung der gleichen Menge von Erdöl-Diesel. Außerdem seien die in der industriellen Landwirtschaft und damit auch die in der Agrarsprit-Produktion eingesetzten Kunstdünger hauptverantwortlich für die Freisetzung des noch viel schädlicheren Klimagases Stickoxid.
Obwohl es selten erwähnt werde, so Grain, ist die industrielle Landwirtschaft direkt verantwortlich für 14 Prozent der Treibhausgasemissionen. Weitere landwirtschaftliche Kohlendioxidemissionen entstünden durch veränderte Landnutzung, hauptsächlich ausgelöst durch Umwandlung von Waldökosystemen in Monokulturen, was derzeit eben besonders durch den Palmöl-Biodieselboom in Indonesien und Malaysia geschehe. Aber nicht nur diese beiden Länder: Auch das bislang noch Regenwaldreiche und von traditionellen Kulturen geprägte Papua-Neuguinea oder die Philippinen wollen sich mit Hilfe internationaler Investitionen zu einem großen Biodiesel- oder Biodiesel-Rohstoffexporteur aufschwingen – zu Lasten von Regenwald und Tausender nachhaltig wirtschaftender Subsistenzbauern.
Grundsätzlich sei es nach Meinung der GRAIN-Experten völlig unrealistisch anzunehmen, dass Agrartreibstoffe den globalen Energieverbrauch decken könnten. Selbst wenn die USA ihre gesamte Mais- und Soja-Ernte in Agrarsprit verarbeiteten, könnten damit lediglich 12 Prozent des nationalen Benzinverbrauchs und nur sechs Prozent des nationalen Dieselverbrauchs gedeckt werden, so GRAIN. Für die EU falle diese Bilanz sogar noch schlechter aus. Weshalb es klar sei, dass die Agrotreibstoffdiskussion vor allem auf die Entwicklungsländer abzielt, wo sich das Agrobusiness - auf Kosten von lokalen Bevölkerungen und Ökosystemen - noch weiter ausbreite.
Auch die oft von grünen Befürwortern angeführte Mär von der Möglichkeit einer ökologisch und sozial verantwortlichen Agrarsprit-Produktion in Lateinamerika, Asien oder Afrika hält den von GRAIN gesammelten Fakten und Analysen nicht stand. Die Produktion von so genannten nachhaltigen Agrartreibstoffen sei lediglich eine „Erfindung“ der profitierenden Industriebranchen als Antwort auf die zunehmende Kritik an Agrartreibstoffen.
Deshalb haben nun bereits dreißig deutsche Organisationen aus dem Umweltschutz- und Entwicklungshilfebereich, von Rettet den Regenwald bis zum Bund Naturschutz in Bayern, einen auf diesen Fakten basierenden Brief an den Umweltausschuss des Deutschen Bundestages unterschrieben. Die gewählten Volksvertreter werden darin schließlich aufgefordert, „Agrarenergie in keiner Weise zu fördern, sondern sich für konsequente Energieeinsparung einzusetzen.“
Diese Haltung entspricht ebenso der Meinung des bekannten, brasilianischen Befreiungstheologen Frei Betto, der sich jüngst in einem Bericht der „Correio Braziliense“ schockiert über die nationale und internationale Euphorie für Biotreibstoffe äußerte, die er als „Treibstoffe des Todes“ bezeichnet und damit frontal gegen den Karren der Regierung Lula da Silva tritt. Tag für Tag nudeln Radiostationen und Fernsehsender die Propaganda der Regierung und des staatlichen Erdölkonzerns Petrobrás für Biotreibstoffe und für „mehr Energie“ ab, während Lula gleichzeitig Brasiliens knappe Steuergelder für die umstrittene, mehrere Milliarden Euro teure Teilumleitung des Rio Sao Francisco verschwendet, gerade auch um damit neue Biosprit-Monokulturen im Nordosten zu bewässern - zu Lasten der am und vom Sao Francisco lebenden indigenen und traditionellen Bevölkerungsgruppen.
Laut Frei Betto habe aufgrund des heutigen Ethanolrauschs die Bevölkerung Brasiliens im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits dreimal mehr für Nahrungsmittel ausgeben müssen, als im Jahr zuvor. In der ganzen Welt gebe es etwa 800 Millionen Autos - die gleiche Zahl von Menschen leide unter chronischer Unterernährung. Doch keine der von Ethanol und Biodiesel begeisterten Regierungen stelle den Individualverkehr in Frage. Betto: "So, als ob die Profite der Automobilindustrie tabu, unangreifbar wären." Der streitbare Dominikaner forderte die Regierung Brasiliens auf, sich wirklich um die Hungernden des Landes zu kümmern, anstatt die von Präsident Lula in diesem Jahr als „Helden“ bezeichneten Zuckerrohrunternehmer reicher zu machen.
Ungeachtet dessen verbreiteten namhafte Vertreter der deutschen Grünen Partei wie die Ex-Minister Jürgen Trittin und Bärbel Höhn erst Anfang Juli wieder im brasilianischen São Paulo das hohe Lied vom angeblich nachhaltigen Biotreibstoffanbau, den man „realistisch aber kühn“ vorantreiben müsse. Während dieser von Rio de Janeiros Heinrich Böll Stiftung mitorganisierten sommerlichen Auslandsreise trafen sich die Grünen Abgeordneten deshalb unter anderem auch mit Managern der Agrartreibstoffindustrie, um, wie es in der Mitteilung der Heinrich Böll Stiftung Rios heißt, die Ethanol- und Biodiesel-Realität aus der Nähe kennen zu lernen. Trittin lobte schließlich auch Lulas Ethanol-Helden „für ihre „große technische und logistische“ Erfahrung.
Norbert Suchanek, Rio de Janeiro,sexta-feira, 27 de julho de 2007
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Das unzertifizierbare zertifizieren FAO will Label fuer "billlige" Zuchtgarnelen entwickeln
Nach einem Hoch im Jahr 2003 ist die Zuchtgarnelenproduktion Brasiliens von rund 90.000 Tonnen auf etwa 65.000 Tonnen im vergangenen Jahr eingebrochen. Dennoch sollen weiterhin neue, große umweltschädliche Aquakultur-Projekte im Nordosten Brasiliens entstehen, wie zum Beispiel die in der Pufferzone des Abrolhos-Meeresnationalpark im Süden Bahias auf einer Fläche von 1,517 Hektar geplante, größte Garnelenzuchtanlage Brasiliens. Vor kurzem hatte nun die Weltherernährungskommission (FAO) die globale Garnelenzuchtbranche und vor allem die lateinamerikanischen Staaten zu einem Expertentreffen über Aquakultur-Zertifizierung - Expert Workshop on Guidelines for Aquaculture Certification, 31. Juli – 3. August 2007, Fortaleza - in die Hauptstadt des nordostbrasilianischen Bundesstaates Ceará eingeladen.
Interview mit René Schärer, Gründer des Instituts Terramar und Teilnehmer des FAO-Workshops in Fortaleza über Garnelenzucht und Zertifizierungsbemühungen in Brasilien.
Der Schweizer René Schärer war dreißig Jahre lang Geschäftsführer der Swissair in verschiedenen Ländern darunter Brasilien. 1992 kehrte er nach Brasilien zurück und startete ein Entwicklungsprojekt für die nachhaltige Fischerei im Fischerdorf Prainha do Canto Verde und gründete 1993 außerdem das Instituto Terramar, eine unabhängige für die Interessen der traditionellen Fischer und Küstenbewohner eintretende Organisation mit Sitz in Fortaleza. Heute ist Schärer Mitglied der Nationalen Management Gruppe für die Langustenfischerei Brasiliens.
Herr Schärer: In dieser Woche trifft sich die FAO in Fortaleza. Was genau geschieht bei diesem „Workshop“?
Der Workshop der FAO in Fortaleza gehört zu einer Serie von Konsultationen mit allen, die ein Interesse an der Aquakultur (nicht nur Garnelen-Zucht) haben und die auf die Erarbeitung eines Dokumentes über nachhaltige Aquakultur analog zum FAO „Code of Conduct for responsible Fischeries“ Einfluss nehmen wollen. Dieser Workshop soll auch Richtlinien für die Zertifizierung von Aquakultur-Produkten erarbeiten. In Anbetracht der riesigen Probleme mit der Lachszucht in Chile oder mit der Garnelenzucht in den anderen Staaten Lateinamerikas von Brasilien bis Mexiko ist das eine große Aufgabe.
Zu diesem Workshop sind nicht nur Shrimps- und Lachszüchter eingeladen, sondern auch Nichtregierungsorganisationen (NRO) und die betroffene Bevölkerung. Was ist ihre Aufgabe persönlich in Fortaleza?
Ich bin in der Organisation und der Finanzierung der Teilnahme der Nichtregierungs-Vertreter engagiert. Der Konsultationsprozess ist zwar besser, transparenter, weil nun nicht nur Spezialisten, Unternehmer und Regierungsvertreter eingeladen wurden. Vertreter der Bevölkerung und NROs müssen aber ihre Reise selbst berappen. Überrascht waren wir auch, dass keine Simultanübersetzung auf Portugiesisch oder Spanisch vorgesehen war. Und nur nach verschiedenen Reklamationen beim zuständigen Ministerium in Brasilia sowie bei der FAO in Rom hat man wenigstens die Simultanübersetzung (von der offiziellen Workshop-Sprache Englisch) auf Spanisch zugesagt, allerdings nur für die Plenarsitzungen, aber nicht für die Gruppenarbeiten. Dadurch sind die Teilnehmer aus Lateinamerika benachteiligt – also kann man den Prozess nur als „fast demokratisch“ beurteilen.
Die meisten Zuchtgarnelen aus Brasilien werden in Ceará und Rio Grande do Norte produziert. Was sind die Probleme der Garnelenzucht in Ceará und in den anderen Nordoststaaten, die ja hauptsächlich zum Export vor allem in die EU geschieht?
Ich bin selber kein Spezialist in Aquakultur, dafür haben wir vom Instituto Terramar und von der Universität Ceará sehr gute Leute, welche die Interessen der Umwelt und der betroffenen Bevölkerungen auf dem Workshop vertreten werden. Doch die Folgen der Garnelenzucht und die Praktiken der Garnelenzuchtfirmen hier in Ceará und Rio Grande do Norte kenne ich beispielsweise durch meine Arbeit für Terramar: Vergehen gegen die Umweltgesetze (eine Studie einer parlamentarischen Kommission kam zum Schluss, dass mehr als die Hälfte der Unternehmer die gesetzlichen Vorschriften nicht erfüllen); Kontaminierung der Küstengewässer; Verbreitung von Viren- und anderen Krankheiten, welche die Umwelt gefährden; Versalzung des Grundwassers; Menschenrechtsverletzungen und Todesdrohungen...
Auch Mord?
In Brasilien wurden mehrere Einheimische, Anwohner von Garnelenfarmen umgebracht, aber die Justiz mahlt langsam. Sicher werden unsere Vertreter alle diese Fälle in Fortaleza auf den Tisch legen.
Was halten die Menschen an der Küste, Fischer und Mangrovenbewohner von der Garnelenzucht?
Wir haben rege und enge Kontakte zu einem großen Teil der fast 100 Dörfer an der 574 Kilometer langen Küste von Ceará. Die Bewohner sind traditionelle Fischer, die von der Fischerei und dem Sammeln von Meeresfrüchten in der Küstenzone und in den Mangroven leben. Sie haben stark unter der aggressiven Förderung der Garnelenzucht gelitten, und ihre Opposition gegen die Garnelenzucht ist deshalb groß.
Nachdem die Regierung Brasiliens der Garnelenzuchtexpansion seit über zehn Jahren nicht nur zugesehen , sondern auch subventioniert hat, beispielsweise mit Vorzugskrediten und günstigen Wasser- und Strompreisen. Was erhoffen Sie sich von der Regierung in Zukunft?
Die Regierung Brasilien muss sich darum bemühen, von den Unternehmern zu verlangen, dass die Gesetze respektiert werden! Es gibt Leute im Fischereiministerium, die diese Probleme erkannt haben. Die Frage ist, ob sie sich gegen die Lobby der Garnelenzüchter durchsetzen werden. Hier im Staat Ceará ist es noch üblich, dass die vermögende Klasse sich als Besitzer des Staates aufführt und sich kaum um den Schutz des Vermögens der Bevölkerung kümmert, sie befehlen und zerstören, sei es um an der Garnelenzucht, der Fischerei, am Tourismus oder an anderen Geschäften – egal was - zu verdienen.
Kann die von der FAO gemeinsam mit dem WWF und auch der Weltbank angestrebte, mehr oder weniger ökologische oder soziale Zertifizierung der Aquakulturen die Folgen der Garnelenzucht im Nordostbrasilien lindern?
Mehr noch als Zertifizierung braucht gerade Brasilien genaue Gesetze und strenge Kontrolle, um die illegalen Unternehmer zu stoppen. Obschon bereits heute verschiedene freiwillige Zertifizierungsprogramme bestehen, haben sich von über 400 Aquakultur-Unternehmern in Brasilien nur vier um eine Zertifizierung bemüht. Solange die europäischen Konsumenten die Garnelen kaufen, ohne Fragen zu stellen, müssen sich die Produzenten hier nicht allzu sehr bemühen.
Kann man wirklich nachhaltige Garnelenzucht betreiben – ohne Mangrovenabholzung, ohne Einsatz von Antibiotika und Fischmehl aus der Gammelfischerei, ohne Wasserverschmutzung?
In Florida gibt es eine Garnelenzucht, die nach Angaben des Leiters des zum Schutz der Mangroven weltweit gegründeten Mangrove Action Project (MAP), Alfredo Quarto, diesem Ziel sehr nahe kommt. Wie schon gesagt, hier in Brasilien gibt es nur vier Farmen mit einer Zertifizierung, und sie sind aber immer noch in den roten Zahlen. Gegner und Befürworter müssen sich darum bemühen diese „Better Practices“ zu identifizieren und als Beispiel, „Benchmark“, vorzeigen.
Warum werden in Brasilien überhaupt Garnelen gezüchtet? Gibt es keine natürlichen Garnelen mehr zu fischen?
Die Garnelenzucht geschieht natürlich vor allem für den Export. Aber die Wildgarnelen sind ja auch überfischt und dann kommt noch das Problem der Schleppnetze und des Beifangs dieser industriellen Fischerei hinzu. Obschon die US-Amerikaner hie und da nach Brasilien kommen, um zu kontrollieren, ob die Garnelenkutter hier auch die Schildkrötenschutzvorrichtung TED (Turtle Escape Devices) einsetzen, geben sich die industriellen Fischerei-Unternehmer hier keine große Mühe, ihre Fischerei zu verändern. Die Schleppnetzfischerei sollte deshalb das nächste Ziel der Umweltschützer werden. Hier in Brasilien gibt es auch nachhaltige Alternativen: die traditionelle Fischerei, die die Garnelen mit speziellen Netzen fängt, ohne den Meeresboden zu zerstören und praktisch ohne Beifang - oder der Beifang wird von den Fischer als Nahrungsmittel verwertet.
Herr Schärer, Danke für das Gespräch.
Norbert Suchanek, Fortaleza/Rio de Janeiro,segunda-feira, 30 de julho de 2007
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Christliche Atomenergie?
Menschen, die sich vorbildlich gegen die Atomenergie einsetzen oder praktische Alternativen aufzeigen, werden alljaehrlich mit dem internationalen Nuclear-Free Future Award ausgezeichnet. In diesem Jahr wird dieser bekannteste Anti-Nuklear-Preis am 18. Oktober in Salzburg vergeben.
Papst Benedikt XVI wird diesen Preis mit Sicherheit nicht bekommen. Denn der deutsche Papst hat sich - laut Zeitungsberichten aus dem Vatikan - zwar gegen die Atombombe aber fuer Atomkraftwerke ausgesprochen. Damit setzt sich Benedikt XVI. gegen die Menschlichkeit ein, denn die Atomenergie ist keine umwelt- und auch keine menschenfreundliche Energie.
Allein die Herstellung des Treibstoffs der Atomkraftwerke, der Uranabbau und die Yellow-Cake-Aufbereitung, verstrahlen nicht nur die Luft, Erde und Wasser. Tausende von Menschen in den Gebieten, wo Uran abgebaut und aufkonzentriert wird, leiden unter dieser Strahlung und Umweltvergiftung. Betroffen sind vor allem Ureinwohner wie in Australien, Kanada oder in den Uranbergbaulaendern Afrikas und Lateinamerikas. Gerade hat sich die Regierung Brasiliens, der Staat mit den meisten Anhaengern der katholischen Kirche, fuer den Ausbau der bestehenden Uranminen in Bahia und fuer die Errichtung neuer Uranminen im nordostbrasilianischen Ceara ausgesprochen - zum Leidwesen der lokalen Bevoelkerungen. Und in Afrika will nun auch Angola Uran abbauen.
Atomenergie ist keine christliche Energie. Weshalb der Umkehrschluss lauten muss, der Papst fuehrt die katholische Kirche auf einen nicht-christlichen Irrweg.
Der Muenchner Autor, Atomkritiker und Begruender des Nuclear-Free Future Award, Claus Biegert, zog die Konsequenz und trat aus der katholischen Kirche aus.
Norbert Suchanek Rio de Janeiro, 13.08.2007
Hier der Brief von Claus Biegert!
Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI.Citta del Vaticano München, den 10. August 2007
Euer Heiligkeit,
wie die Zeitungen aus dem Vatikan berichten, haben Sie sich gegen den Gebrauch von Kernwaffen, aber für die Nutzung der Kernenergie ausgesprochen. Eure Botschaft an die Welt lautet also: Atombomben nein, Atomstrom ja. Beides aber ist miteinander verzahnt, auch Sie können es nicht trennen!
Rund um den Erdball hat unsere nukleare Gesellschaft eine Spur des Leids hinterlassen. Wo immer der Rohstoff Uran in den letzten Jahrzehnten abgebaut wurde, ist das Land meist unbewohnbar geworden und werden seine Bewohner bis heute von Siechtum heimgesucht. Die Leidtragenden sind in der Mehrzahl indigene Völker, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass ihnen ihr Land heilig ist. In jedem Kontinent bietet sich eine nahezu identische Situation. Ich wünschte, Sie würden sich ein Bild davon machen. In jedem Fall stehen Ihnen im Archiv des Vatikan ja die Unterlagen des World Uranium Hearing, 1992 in Salzburg, zur Verfügung, dessen internationalem "Board of Listeners" auch ein Vertreter des Heiligen Stuhl angehörte.
Verkürzt läßt sich sagen: Atomenergie bedeutet Kulturzerstörung und Menschenopfer. Als Stellvertreter Gottes haben Sie beides abgesegnet. Ungelöst ist zusätzlich die Entsorgung des Atommülls. Bis heute hat die Nuklearindustrie auf diese Frage keine Antwort gefunden. Wir haben es hier, das dürfte Ihnen bekannt sein, mit erdgeschichtlichen Zeitbegriffen zu tun. Ein Reaktor zu Zeiten des Alten Testaments würde auch für unsere Nachfahren noch lange eine Gefahr bedeuten.
Heiligkeit, mit Ihrer Befürwortung haben Sie einer verantwortungslosen und gefährlichen Energiepolitik das Wort geredet.
Da ich auf Seiten derer stehe, die für eine Welt eintreten, in der weder Atomwaffen noch Atomstrom die kommenden Generationen gefährden können, sehe ich mich gezwungen, aus Ihrer Kirche auszutreten.
Unseren nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft wünscht Claus Biegert
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Mehr Subsistenz statt mehr Biosprit Regionaler Handel gegen globale Erwärmung
Unser Blauer Planet steht vor einem Klimachaos oder ist bereits mitten drin. Die Erde heizt sich aufgrund der extrem zunehmenden Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) und Lachgas (N2O) immer schneller auf, so dass Gletscher schmelzen, Meere ansteigen, Stürme zu Orkanen werden. Alle Welt schreit nach Ersatz für Erdöl, Erdgas, Benzin und Diesel und ruft nach Biotreibstoffen. Riesige Plantagen sollen auf dem Land der Afrikaner, Asiaten, Melanesier und Lateinamerikaner entstehen, damit wir automobilisierten Europäer und unsere nordamerikanischen Freunde weiter Auto fahren können, weiter Lebensmittel und Treibstoffe von einer Ecke des Planeten zur anderen verfrachten können. Kurzfristige Symptombekämpfung – egal wie – ist gefragt. Und so gut wie Niemand stellt die Frage nach der eigentlichen Ursache der Globalen Erwärmung: die Vernichtung regionaler und lokaler Strukturen.
Als ich sechs Jahre alt war, 1969, hatten wir einen Milchladen auf der anderen Straßenseite unseres Wohnblocks. Er war nicht größer als vielleicht 20 Quadratmeter: Die Besitzerin lebte davon, frische Milch, Quark und Eier von Bauernhöfen aus der Umgebung zu verkaufen, „offen“, denn nichts davon war verpackt. Man ging mit seiner eigenen Milchkanne hin. Der Milchladen so wie ein Dutzend anderer Tante-Emma-Läden in meiner Umgebung überlebten die siebziger Jahre nicht. Zwei, drei Jahre nach der Wende besuchten wir mit der Familie die Insel Rügen. Wir kamen in einem hübschen Dorf mitten auf der Insel unter. Problem: der einzige Dorfladen hatte vor kurzem dicht gemacht. Aber wenigstens gab es noch einen Fischer, der eine eigene Fischräucherei betrieb und uns mit köstlichen Sprotten versorgte. Aber auch der Fischladen überlebte die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts nicht. Grund: Die eingestampften lokalen Geschäfte waren seine wichtigsten Abnehmer - und die neu in den Osten drängenden und mit Aufbau-Ost-Subventionen gepuschten Supermarktketten aus dem Westen wollten von regional erzeugtem, heimischen Räucherfisch nichts wissen.
Missbrauch von Steuergeldern
Unsinnige, die großindustrielle Produktion bevorzugende Hygienestandards; Milliarden an direkten und indirekten Subventionen an Agrar- und Nahrungsmittelkonzerne; der Bau von Autobahnen, Containerhäfen und Frachtflughäfen mit Steuergeldern; die Subventionierung von Supermärkten auf der sprichwörtlichen grünen Wiese durch Bereitstellung der Infrastruktur wie Kanalisation und Straßenanbindungen: all dies radierte vielfältige, regionale und Klima schonende Strukturen aus und förderte die fossile Energien fressende Monokultur in aller Welt.
Allein in Deutschland warfen seit 1949 von damals 2,3 Millionen bäuerlichen Betrieben fast zwei Millionen das Handtuch – und das „Bauernsterben“ ist längst nicht beendet. In unserem Nachbarland Österreich gaben in der Folge seines EU-Beitritts im Jahr 1995 in nur fünf Jahren 70.000 bäuerliche Betriebe auf. In der gesamten EU geht die Zahl der Bauern jährlich um etwa 300.000 seit Ende der 90er Jahre zurück - trotz EU-Subventionen von etwa 40 Milliarden Euro im Jahr. Gleichzeitig breitet sich die industrialisierte, energieintensive Landwirtschaft europaweit und global aus, mit drastischen Folgen für das Klima, ist sie doch als Folge der künstlichen Stickstoffdüngung für den Ausstoß des über 300 Mal gefährlicheren Treibhausgases Lachgas verantwortlich.
Gegen Homogenisierung und für kulturelle Vielfalt
Schon seit über zehn Jahren schreibt die schwedische Ökologin und Alternative Nobelpreisträgerin Helena Norberg-Hodge gegen diese Monokulturausweitung, diese „Homogenisierung“ der Welt an. Ihre Devise und der von ihr gegründeten „International Society for Ecology and Culture“ lautet: Kulturelle und biologische Vielfalt erhalten und regionale Strukturen fördern. „Kleinere Farmen mit vielfältiger Landwirtschaft bieten im Schnitt fünf Mal mehr Jobs als große Farmen mit Monokulturen“, sagt Helena Norberg-Hodge. Außerdem profitiere die Region mehr von den Löhnen, die an die Arbeiter auf den Bauernhöfen gezahlt werden, als von dem Geld, das zum Kauf und Einsatz der schweren Maschinen und Pestizide in der Landwirtschaft ausgegeben werde. Vor allem der alltägliche Transportwahn müsse beendet werden.
Brauchen die Mongolen, die selbst 25 Millionen Milch gebendes Vieh haben, wirklich europäische Butter in den Supermärkten, die sie mit Uranbergbau und Uran-Exporten bezahlen müssen? Brauchen wir Europäer wirklich Äpfel und Lachs aus Chile, Bio-Zuchtgarnelen aus Brasilien und Ecuador und umgekehrt die Brasilianer Knoblauch aus China? Derzeit reisen Lebensmittel beispielsweise in den USA im Schnitt rund 2.000 Kilometer ehe sie in der Küche der Konsumenten landen. Allein die Nahrungsmittelstransporte innerhalb der USA sind für über 20 Prozent des nationalen Treibstoffverbrauchs verantwortlich und blasen etwa 120 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre, so die Society for Ecology and Culture. Schon der Transport von Nahrungs- und Futtermitteln aus anderen Ländern nach Großbritanniens verbrauche jährlich rund 1,6 Milliarden Liter Treibstoff. Inzwischen gilt dies genauso für Bionahrungsmittel. Lediglich in der ersten Phase der Biobewegung war Regionalität ein wichtiger Faktor. Davon hat sie sich aber abseits der „Schönwetterreden“ längst verabschiedet und hechelt konventionellen Management- und Wachstumsideologien hinterher. Von Bio-Äpfeln bis zu Bio-Kartoffeln: Längst wird selbst Biomilch rund um den Globus gekarrt, zum Beispiel von Neuseeland in die USA, weil die Milch neuseeländischer Groß-Biobauern ein paar Cent billiger ist.
Vorbild „Dritte Welt“
Noch aber gibt es etwa drei Milliarden Bauern vornehmlich in den Ländern des Südens, die unabhängig vom Weltmarkt regional wirtschaften. Und gerade unter den Tausenden von indigenen Völkern dieser südlichen und östlichen Weltregionen ist noch die Subsistenzlandwirtschaft weit verbreitet. Entgegen der Meinung veralteter Schulbücher und so mancher Hochschulwissenschaftler und Ökonomisten ist Subsistenz weder „primitiv“ noch ein „Entwicklungshindernis“. Im Gegenteil: Subsistenzlandwirtschaft ist quasi das Ideal einer lokalen, regionalen und ökologischen Wirtschaft: Lokal anbauen, lokal weiterverarbeiten, lokal handeln, lokal verbrauchen: Der Subsistenz-Landwirt praktiziert dies auf kleinstem Raum, wobei er daneben ebenso seine nähere Umgebung im Tausch mit seinen Überschüssen mitversorgt. Es ist natürlich klar, dass ein selbständiger Bauer, der seine eigenen Äpfel und sein eigenes Gemüse anbaut, nicht in den Supermarkt geht, um dort Äpfel oder Gemüse zu kaufen. Der „real-kapitalistische“ Weltmarkt kann nicht an ihm verdienen. Ein industrialisierter Bauer allerdings, der nur Soja als Exportprodukt oder nur Futtermais für die Massentierhaltung anbaut, muss sein Produkt auf dem Weltmarkt anbieten und im Gegenzug Nahrungsmittel kaufen. Geld fließt, Kapital vermehrt sich. So ist klar, warum die Subsistenzlandwirte seit Jahrzehnten kontinuierlich von westlichen „Entwicklungsexperten“ bekämpft wurden und bis heute werden! “Auch wenn es uns die multinationalen Konzern glauben machen wolle, wir helfen den Menschen in den weniger industrialisierten Ländern nicht, wenn wir sie dazu bringen Produkte für den Export zu produzieren, statt nahrungsmittel für sie selbst“, sagt Helena Norberg-Hodge.
Und jetzt bekommen die „letzten“ vom Weltmarkt unabhängigen, regional wirtschaftenden Bauern und indigenen Völker mit dem Biodieselwahn noch eins drauf. Nun sollen sie auch noch Platz machen, um unseren Energiehunger zu stillen. Die Kräfte, die global seit den vergangenen etwa fünfzig Jahren gegen die regionalen Strukturen arbeiten, sind genau dieselben, die nun die globale Biodiesel- und Ethanolexpansion foerdern, um angeblich den Planeten vor der Überhitzung zu retten. Doch geht es in Wirklichkeit nur darum, forciert die restliche Landwirtschaft und Ökosysteme des Südens den Regeln des „Totalen Markts“ zu unterwerfen: Privatisierung und Landvertreibung im großen Stil. Und alle Multimilliardäre machen mit: Von George Soros bis Bill Gates!
Trojanisches Pferd Biodiesel
„Das Entwicklungskonzept der Welthandelsorganisation für die Zukunft“, sagte der Afrikaner Samir Amin, Direktor des Third World Forums für Afrika 2004, „basiert auf der Vorstellung, dass die landwirtschaftliche Produktion von Nahrungsmitteln nach den Profit maximierenden Regeln der kapitalistischen Wirtschaftsweise organisiert werden müsse. Dies bedeutet, dass, wenn auf globaler Ebene alle diesem Konzept folgen würden, zur Produktion der gleichen Ertragsmenge anstelle von drei Milliarden Bauern lediglich nur noch 50 Millionen Bauern nötig wären.“ Doch was solle mit den Menschen geschehen, die dann nicht mehr von der Landwirtschaft leben können, mit dem Rest von drei Milliarden Menschen? Sollen sie etwa in die Städte migrieren? Heute schon hat diese Art Landwirtschaft zur Massenmigration in die Städte wie Bombay oder Sao Paulo geführt. Samir Amin: „Doch alles dies ist gegenüber dem, was uns durch die Umsetzung der Vorschläge der WTO erwartet, erst der Beginn. Eine Forcierung der Kapitalisierung der Landwirtschaft zieht nämlich nichts weniger als den sozialen Genozid der Hälfte der Menschheit nach sich.“ Und dies, so Amin „ist keine Spinnerei. Denn bei genauer Betrachtung sieht man, das der Genozid schon längst begonnen hat. Millionen freigesetzter Menschen mäandern um zu überleben durch China, Indien und Brasilien. Hunderte indischer Bauern haben in den vergangenen Jahren Selbstmord begangen.“
Kaum anders sieht es Helena Norberg-Hodge. In einem Interview sagte die streitbare, Nobelpreisträgerin 1999: „Immer wieder muss man betonen: wenn die wirtschaftlichen Strukturen des steten Wachstums im Westen auf Kosten der Umwelt und der Dritten Welt so bleiben, dann geht das Leben kaputt. Wir können auch nirgendwohin fliehen, weil Flora, Fauna und das Klima leiden. Deshalb ist es besser mit offenen Augen dagegen zu arbeiten. Doch man muss wissen: das Projekt ist groß, es ist schwierig, vielleicht wird man nicht gewinnen.“ Sie ist dennoch optimistisch: "Wir haben die Kraft Dinge zu ändern. Das zerstörende, globale System existiert nur solange, solange wir es akzeptieren und subventionieren. Wir können es zurückweisen. Frisches, schmackhaftes, lokales Essen für alle ist vielleicht der beste Weg, die Welt zu retten."
Wochenmarkt statt Weltmarkt
Wenn wir den sinnlosen globalen Handel vor allem von Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Milch, Kartoffeln bis zu Apfelsaft und lebenden Kälbern stoppten, so die Nobelpreisträgerin, dann brächte uns allein diese Reduzierung der Transporte augenblickliche Vorteile. Wenn die Menschen ihr eigenes Brot essen, ihre eigene Milch trinken würden, dann könnten die großen Konzern nicht mehr jedes Mal verdienen, wenn wir uns zum Essen hinsetzten. Doch Naivität sei gefährlich.
Helena Norberg-Hodge: „Wichtig sind heute schnell agierende, analytische Menschen, die sich mit dem System konfrontieren.“ Nur müssten diese "genährt" werden von Weisheit und Spiritualität - oft genüge es schon, mit solchen Leuten in engem Kontakt zu bleiben. Konkret könne jeder dabei mithelfen das System zu ändern. Beispielsweise durch: Unterstützung der regionalen Landwirtschaft, in dem man auf lokalen Märkten einkauft; lokale Tauschkreise organisieren; regionale Währungen in den Gemeinden einführen, um dadurch die Abhängigkeit vom Weltmarkt zu reduzieren. Aber es gelte auch alternative Mediennetzwerke aufzubauen, um der globalen Propaganda entgegenzuwirken. „Denn das, was jetzt durch große Konzerne gemacht wird“, so die alternative Nobelpreisträgerin, „ist so unmenschlich, so gefährlich, und es ist so viel Geld im Spiel, dass man leicht das Denken zerstören kann.“
Norbert Suchanek, Rio de Janeiro, September 2007
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Kurz "unter"-belichtet
Angola will Uran abbauen
Nicht nur Erdöl, auch der Atomkraftwerktreibstoffs, Uran, wird knapp. Deshalb hat sich in den vergangenen zwei Jahren der Preis für Uran vervierfacht. Anreiz genug für Minenkonzerne und Regierungen, um bestehende Uranminen stärker auszubeuten und neue zu erschließen.
Auch das afrikanische Land Angola will sich nun am neuen Atomkraftboom beteiligen, „um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes voranzutreiben“, sagte jüngst der angolanische Technik- und Forschungsminister João Baptista Ngandajina. Die Regierung hoffe auf ein Abkommen mit China, das wiederum an den noch unangetasteten Uranlagerstätten Angolas interessiert scheint. Laut João Baptista Ngandajina seien mehrere Uranvorkommen in Angola identifiziert, aber den Medien verriet der Minister bislang nicht wo.
Abholzung für Uranabbau
Schon in den kommenden drei Jahren könnte Brasilien aufbereitetes Uran (Yellowcake) exportieren, so die Ansicht von Samuel Fayad Filho, Direktor der Kernbrennstoffabteilung des staatlichen Nuklearenergieunternehmens Indústrias Nucleares do Brasileiras (INB). Denn Uranabbau scheint aufgrund des extrem angestiegenen Uranpreises zu einem neuen Goldrausch zu werden. Allein in den vergangenen zwei Jahren stieg der Preis des gelben Erzes von rund 30 US-Dollar für das knappe halbe Kilogramm um 430 Prozent auf rund 130 US-Dollar. Mit Investitionen von umgerechnet rund 160 Millionen Euro plane deshalb INB den Uranabbau und die Yellowcake-Produktion in seinen Minen in Bahia von derzeit 400 Tonnen pro Jahr bis 2009 zu verdoppeln. Erst Anfang September demonstrierten "Uran-Opfer" in Bahia gegen Brasiliens Atomenergieplaene. Nichtsdestoweniger ist Brasiliens langfristigen Exportziel: 4.000 Tonnen Yellowcake jährlich. Möglich ist dies nur durch Ausbeutung der Uranlagerstätten zunaechst im Nordostbrasilinischen Ceará (Santa Quitéria) und spaeter im Amazonasgebiet bei Pitanga und in Rio Cristalino, der ehemaligen Fazenda des Volkswagen-Konzerns. Erinnert sich noch jemand an die dramatischen Bilder, als VW damals vor 10 oder 20 Jahren den Wald auf seiner Rinderfarm abfackeln liess?
Greenpeace-Soja-Deal
Im vergangenen Jahr stimmten die Soja-Konzerne Cargill, Bunge, ADM und A.Maggi, verantwortlich für die Zerstörung Tausender von Hektaren Savannenlandschaft (Cerrado) und für die Vertreibung Tausender Menschen von ihrem Land, einem Greenpeace-Moratorium zu, in den nächsten zwei Jahren keinen Amazonasregenwald für Soja abzuholzen und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen auf ihren Plantagen ein Ende zu setzen. Leichtes Spiel für die Soja-Bosse, weshalb sich auch Supermarktketten wie Carrefour und Lidl dem Moratorium anschlossen: Denn zum einen holzen die Soja-Konzerne in erster Linie den Cerrado-Wald ab oder übernehmen bereits von „anderen“ abgeholzte Flächen - und zum anderen sind die Soja-Plantagen extrem mechanisiert und benötigen außer den in der Regel für brasilianische Verhältnisse „normal“ bezahlten Maschinenführern so gut wie keine Arbeitskräfte. Nichtsdestoweniger lobte Greenpeace die Konzerne, weil sie ihr Versprechen bislang einhielten.
Vorwärts in die Vergangenheit
Als Kayapó-Häuptling Bepkororoti Paulinho Paiakan 1989 gegen ein gigantisches Staudammprojekt am Rio Xingu im Amazonien kämpfte, stritt er nicht nur für sein Volk, die Kayapó, sondern auch für das Überleben anderer vom Staudammprojekt betroffener Indianervölker. Damals stemmten sich gerade auch deutsche Umweltschutzgruppen gegen das Wasserkraftprojekt, das schließlich auch aufgrund dieser internationalen Proteste in den Schubladen der Wasserbauingenieure verschwand. Nun mit der Regierung Lula ist eben dieses Staudammprojekt, diesmal unter dem Namen „Belo Monte“, wieder auf dem Tablett. Unterschied: Die Kayapó kämpfen bislang so gut wie alleine dagegen an. Noch keine deutsche Umwelt- oder Regenwaldschutzorganisation machte bisher Kampagne gegen das neue, alte Staudammprojekt Belo Monte.
Deutsche Grüne auf Biosprit-Propagandatour in Brasilien
Namhafte Vertreter der deutschen Grünen wie die Ex-Minister Jürgen Trittin und Bärbel Höhn besuchten Anfang Juli Brasilien und verbreiteten im brasilianischen São Paulo das hohe Lied vom angeblich nachhaltigen Biotreibstoffanbau, den man "realistisch aber kühn" vorantreiben müsse. Während dieser sommerlichen Auslandsreise trafen sich die Grünen Abgeordneten unter anderem auch mit Managern der Agrartreibstoffindustrie, um, wie es in der Mitteilung der Heinrich-Böll-Stiftung heißt, die Ethanol- und Biodiesel-Realität aus der Nähe kennen zu lernen. Trittin lobte schließlich auch Lulas Ethanol-Helden für ihre "große technische und logistische Erfahrung".
Widerstand im Osten
Die Brandenburger wollen nicht in Energieplantagen ersticken. Deshalb wächst dort derzeit der Widerstand gegen große Biogasanlagen, die ihre „Energie“ aus Maismonokulturen beziehen.
Bioenergie gegen heimische Vogelwelt
Wie die Journalistin Jutta Blume des Neuen Deutschland berichtet, werden bis 2020 - nach Schätzungen des Fachverbands Biogas - rund 45 000 Biogasanlagen in Betrieb sein, etwa elfmal so viele wie heute. Doch schon jetzt machten sich die Umstellungen in der Landwirtschaft vom Nahrungsmittel- zum Energiepflanzenanbau bemerkbar. Selbst die einst aus „Naturschutzgründen“ still gelegten Ackerflächen werden zunehmend für den Anbau nachwachsender Rohstoffe genutzt. Besonders umweltschädlich: Der „energieoptimierte Mais“, da er viel Wasser verbrauche, wegen seines späten Wachstums die Bodenerosion fördere und heimischen Tieren kaum Lebensraum biete. Aber problematisch sei ebenso Energie-Getreide, denn für die Biogasanlagen werde das Getreide früher geerntet, was die auf dem Acker brütende Vögel leider (noch?) nicht wissen und deshalb viele Jungvögel für diese „Bioenergie“ ihr Leben lassen müssen. „Problematisch für die Umwelt“, so Jutta Blume“, seien zumeist Betriebe, die sich schwerpunktmäßig auf Energiepflanzen verlegt haben und häufig organisches Material zukaufen müssten. Doch müssen die Rohstoffe mehr als fünf Kilometer transportiert werden, sei dies ökologisch nicht mehr sinnvoll.
Hungern für Biosprit
Rafaël Schneider, Ernährungsexperte der Deutschen Welthungerhilfe, der TAZ in Berlin jüngst diktierte, habe der westliche Hunger nach Bioenergie einen „ganz verheerenden“ Einfluss auf die Nahrungsmittelversorgung in den südlichen Ländern. Schneider: „So werden in den Entwicklungsländern statt Getreide Ölsaaten angepflanzt, die dann bei uns im Tank landen. Damit steigen die Preise für Nahrungsmittel, die für die Armen zu teuer werden. Zudem fehlen die Flächen, auf denen die Bauern Nahrungsmittel anbauen könnten.“ Schlimm sei es derzeit in Angola, wo gerade die Anbaufläche von Palmöl verzehnfacht werde.
Verdursten für Biosprit
Der schwedische Wasserexperte Jan Lindqvist wies gegenüber der Frankfurter Rundschau (FR) kürzlich darauf hin, dass in wenigen Jahren der Anbau von Energiepflanzen so viel Wasser verschlingen würde, wie die gesamte Landwirtschaft benötige. Der Wasserbedarf für Energiepflanzen werde laut FR auf 1200 bis 3500 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr geschätzt. Man benötige etwas mehr als 200 Kilogramm Mais und 400 Liter Trinkwasser um 100 Liter Ethanol herzustellen.
Globale Trinkwasserverschwendung
Lediglich etwa 10 Prozent des derzeit von der Menschheit verbrauchten Trinkwassers dient wirklich der menschlichen Wasserversorgung. Etwa 70 Prozent hingegen werden in der bewässerten Landwirtschaft und 20 Prozent von der Industrie verbraucht.
Norbert Suchanek
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Verspätete Aufregung? Kommentar: Schwarz frisst Grün
Der bekannte deutsche Supermarktkonzern Lidl hat sich jüngst rund zwanzig Prozent der Bio-Supermarktkette Basic einverleibt, und die Biobranche scheint deshalb Kopf zu stehen. Sie befürchtet eine „Discounterisierung“ der Biomärkte und Qualitätsrückgang in allen Bereichen – Bio-Weltuntergang. Ich kann die Aufregung über die Beteiligung des Schwarz-Konzerns an Basic nicht ganz verstehen. Bestenfalls kommt sie meiner Ansicht nach über zehn Jahre zu spät, und das ist keine Schwarzmalerei. Der Zug der Biobranche ist doch schon seit vielen Jahren in Richtung Großstrukturen, Monopolbildung und „Bio-Profit ohne Moral“ abgefahren. Hat sich jemand aufgeregt, als der niederländische Konzern Royal Wessanen – 2006 erzielte er einen Gewinn von rund 1,6 Milliarden Euro – die Corposan Holding und damit den bekannten Biobetrieb Allos schluckte? Gab es Aufregung darüber, dass die Millionen schwere DE-VAU-GE-Gesundkostwerk-GmbH die Biomarke Bruno Fischer zur Komplettierung ihrer Biosparte übernahm?
Hat sich jemand darüber aufgeregt, dass im brasilianischen Mato Grosso schon seit einigen Jahren Bio-Soja in riesigen Monokulturen auf Tausenden von Hektaren für den Export nach Europa und in den Rest der globalisierten Bio-Welt angebaut wird: kontrollierte, biozertifizierte Soja-Plantagen, die per Flugzeug mit – freilich nach internationalen Bioregeln erlaubten - Biopestiziden besprüht werden. Bio-Massen-Soja statt artenreicher Cerrado-Wald? Bio-Industriemonokultur statt indigene Völker und traditionelle Bauernkulturen?
Hat sich jemand darüber aufgeregt, dass sich das Verwaltungsratmitglied des von Umweltschützern weltweit geächteten Syngenta-Pestizid- und Gentechnikkonzerns, Pierre Landholt von der Schweizer Sandoz-Konzerndynastie, auf der lateinamerikanischen Biofach als Bio-Papst präsentieren darf, weil er sich in Nordostbrasilien eine stattliche Bio-Fazenda zur Image-Aufpolierung leistet?
Im internationalen Masstab haben sich selbst offensichtliche Bio-Food-Gegner wie der Gentechnik-Konzern Monsanto in die Biobranche eingekauft - ohne, dass sich die Bioszene irgendwie aufgeregt haette: So besitzen Monsanto genauso wie Wal Mart oder der Erdoelriese Exxon Anteile des Bio-Mega-Unternehmens Hain, das wiederum etliche Biomarken unter sich hat, waehrend sich schon vor Jahren der Erdoelkonzern Chevron, die Chemieriesen Dow Chemical, Du Pont und andere aehnlich geartete Konzerne Anteile und Stimmrechte beim Konzern General Mills erworben haben, der wiederum die Bio-Firma Small Planet Foods kontrolliert. Selbst der in der Bioszene offiziell verpoente Konzern Coca-Cola ist laengst auch Besitzer einer internationalen Bio-Marke (Bio-Saefte von Odwalla Inc).
Also, was bitteschön hat die heutige Bioszene daran auszusetzen, wenn sich nun der deutsche Lidl-Konzern gleichfalls am Bioboom beteiligt – zumal er ja laut Greenpeace-Konzern neuerdings gar nicht so unökologisch sei, was aber vielleicht auch nur an den saftigen Finanzspritzen Lidls an das Greenpeace-Magazin liegt?
Sei's drum: Die Bio-Aufregung um den Lidl-Basic-Deal scheint mehr „Schein“, denn „Sein“ zu sein. Schließlich war ja bereits die von der Familie Schweisfurth mitgegründete und gestützte Basic-Supermarktkette auf rasches Wachstum und damit zwangsläufig auf Monopolisierung und Marktverdrängung aus. Nicht wenige kleinere Einzelhändler blieben auf der Strecke dieser Öko-Supermarktexpansion zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Das ist einfaches Kapitalismuseinmaleins: Der Größere frisst den Kleineren.
So halte ich auch die Reaktion des Schweisfurth-Unternehmens Herrmannsdorfer Landwerkstätten, ab sofort die Basic-Lidl-Kette nicht mehr mit seinen Bioprodukten zu beliefern, für scheinmoralisch. Vielleicht fürchtet der Unternehmensgründer Karl Ludwig Schweisfurth um sein Image als bayerischer Moral-Bio-Papst, das er sich „mühsam“ – mit Hilfe seiner 100 Prozent unökologisch erworbenen Millionen aus dem Verkauf seines Goldesels, Herta-Wurst, an den Nestlé-Konzern – aufgebaut hat.
Aber im Ernst: Der Basic-Lidl-Deal zeigt ein weiteres Mal, dass es allerhöchste Zeit für die Biobranche ist, den Biogedanken neu zu denken. Bio-Fleisch, Bio-Soja, Bio-Kartoffeln oder andere Bio-Grundnahrungsmittel verlieren ihre ökologische Wertigkeit, wenn sie quer durch Europa und rund um den Globus gekarrt werden; und sie sind unmoralisch, wenn Sie von Großgrundbesitzern oder Konzernen in Ländern angebaut werden, wo Menschenrechte mit Füßen getreten, großflächig Ökosysteme und Kulturlandschaften in Monokulturen umgewandelt und keinerlei Rücksicht auf deren traditionellen Besitzer und Bewohner genommen werden. Konzerne wie Lidl oder Nestlé fördern aber zwangsläufig diese unökologischen und unmoralischen Strukturen, weil sie eben dies bereits im Namen der Gewinnmaximierung seit Jahrzehnten im konventionellen Bereich auf die Spitze der ökologischen Sinnlosigkeit getrieben und dabei das globale Klima durch die zahlreichen Transporte kräftig angeheizt haben. Durch ihre globalen Strukturen können sie bequem die Landwirtschaften der verschiedenen Regionen, Länder und Kontinente gegeneinander ausspielen. Entscheidend ist allein die Gewinnspanne für den Konzern. Im konventionellen wie im biologischen Konzernmonopoly wird bislang grundsätzlich nur nach einer Richtung getreten: nach unten.
Norbert Suchanek
Einige unverbindliche Links zum Thema Bio-Nahrungsmittel und Konzerne: http://www.corporganics.org/ http://www.hain-celestial.com/ http://www.cfarm.com/
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2008 beginnt mit Umweltsieg in der Suedsee
Biodieselprojekt in Papua Neuguinea gestoppt
Eine Insel in der Suedsee sollte einem Bio- oder besser gesagt Agrardieselprojekt geopfert werden. Am 31. Dezember 2007 berichtete ich fuer das Neue Deutschland darueber. Die etwa 85.000 Hektar große Woodlark-Insel in der Milne Bay Province von Papua-Neuguinea sollte fast vollständig abgeholzt und mit Ölpalmen bepflanzt werden. Quasi in letzter Minute stoppte aber nun im Januar 2008 Papua-Neuguineas Landwirtschaftsminister John Hickey das für Ökologie, Artenvielfalt und lokale Bevölkerung katastrophale Projekt. Der malaysische Konzern Vitroplant Ltd. musste seine Abholzungspläne aufgeben.
„Die etwa 6.000 Inselbewohner waren fast ausnahmslos gegen die Plantagen und haben sich verzweifelt gegen den Kahlschlag ihrer Regenwälder gewehrt“, kommentiert die in Hamburg ansässige Umweltschutzorganisation Rettet den Regenwald, die Ende vergangenen Jahres eine Protestaktion gegen das Palmölprojekt gestartet hatte. „Der internationale Druck von Umweltorganisationen aus aller Welt hat offenbar Wirkung gezeigt“, so Werner Paczian von Rettet den Regenwald. „Die Anpflanzung von Palmöl hätte fast den gesamten noch intakten Flachland-Regenwald der Insel und damit eine atemberaubende Artenvielfalt zerstört. Bedroht waren auch die Meereswelt an den Küsten der Insel durch Abfälle, die das Palmöl-Projekt verursacht hätte.“
Norbert Suchanek, Rio
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Agrarsprit bedroht die Guarani-Kaiowá in Brasilien
Zuckerrohr zur Ethanolherstellung waechst laengst auch in Nordbrasilien und im Amazonasgebiet. Auch Oelpalmen zur Biodiesel oder Agrardieselproduktion bedrohen zunehmend dieses Regenwaldoekosystem. Doch noch bedrohter von der Agrarfront sind die Oekosysteme und indigenen Voelker weiter suedlich in den zentral- und suedwestbrasilianischen Bundesstaaten.
Zeitsprung: Mato Grosso do Sul, 12. November 2005. Ein Mann, 65 Jahre alt, parkt kurz vor 12 Uhr Mittags seinen VW-Transporter im geschäftigen Stadtzentrum von Campo Grande, lädt zwei Kissen aus und legt sie überkreuz auf den Boden. Dann überschüttet er sie mit Benzin, dem Ethanol beigemischt ist, setzt sich darauf und zündet sich an. Der Mann hieß Francisco Anselmo Gomes de Barros, genannt Francelmo, war Umweltjournalist, Begründer der Umweltbewegung Mato Grosso do Suls und kämpfte ein Viertel Jahrhundert gegen die Ethanolproduktion in seinem Bundesstaat. 1982 hatte er ein Gesetz zum Schutz des größten Feuchtgebiets der Erde, dem Pantanal, durchgefochten und damit den Bau einer der größten Ethanolfabriken Brasiliens im Südosten des Pantanals in der Gemeinde Miranda verhindert. Sein grausamer Feuertod hat seine Ursache eben in diesem Umweltschutzgesetz. Wie es heißt, wollte Francelmo mit seiner Selbstverbrennung ein ultimatives Zeichen setzen, um die von der Ethanol-Lobby geplante Änderung des Umweltschutzgesetzes zu verhindern. Vergeblich! Die Regierung Mato Grosso do Suls schoss im Dezember 2006 Francelmos Gesetz ab und machte damit den Weg frei für die bis dahin größten Ethanolinvestitionen des Landes.
„Die Umweltministerin Marina Silva behauptet immer, die Expansion der landwirtschaftlichen Nutzfläche zur Ethanolproduktion werde auf bereits degradierten Gebieten geschehen“, kritisiert der erfahrene Journalist und Koordinator des Umweltinformationsplattform EcoDebate, Henrique Cortez. „Tatsache aber ist, dass die Agrarfront voranschreitet ohne so genannte degradierte Flächen zu nutzen. Warum? Weil die Wiederherstellung von degradierten Flächen teuer ist und viel Zeit beansprucht.“ Es sei schlichtweg schneller, billiger und einfacher für die Agrarindustrie den Cerrado abzuholzen und die Agrarfront weiter nach Amazonien zu treiben.
Bislang war Bundesstaat São Paulo Landesmeister in der Ethanolproduktion. Doch die Ethanolzukunft liegt nach Meinung von Milliardären wie George Soros in Mato Grosso do Sul. Denn für die Ausweitung des Zuckerrohranbaus verfügt der an Paraguay, Bolivien und Mato Grosso grenzende Bundesstaat, der international aufgrund des größten Süßwasserfeuchtgebiets der Erde, dem Pantanal, bekannt ist, über drei wichtige Faktoren: Billige, relativ fruchtbare und ebene Böden, gute klimatische Bedingungen und ausreichend Wasser. Soros lässt gerade Zuckerrohrmonokulturen auf 150.000 Hektar - in den Distrikten von Angélica und Ivinhema – anpflanzen und der neue Ethanolfabriken bauen. Angestrebte Verarbeitungskapazität: 11 Millionen Tonnen Zuckerrohr pro Jahr. Noch in diesem Jahr soll der erste Soros-Ethanol aus Mato Grosso do Sul fließen und seine Investitionen vergolden.
Insgesamt rechnete 2007 die Regierung des Bundesstaates mit Investitionen von rund zwei Milliarden US-Dollar und einer Ausweitung des Zuckerrohranbaus auf 710.500 Hektar bis 2009 sowie mit wenigstens 31 neuen Ethanolfabriken. Die Zuckerrohrproduktion Mato Grosso do Suls soll nach Meinung der Regierung bis 2012 um 620 Prozent steigen. Ob der Pantanal diesen Ethanolwahn vor seiner Haustür überstehen wird? Offiziell zumindest wollen Lula und sein Landwirtschaftsminister dieses größte Feuchtgebiet Erde nicht dem Biosprit opfern.
„Die Herren des Agrobusiness behaupten, sie wollten Zuckerrohr nur auf degradierten Flächen Mato Grosso du Suls anpflanzen. Aber mit der Perspektive ständig steigender Profite haben sie ihre Ansicht geändert und kämpfen nun um die besten Flächen der Region, die Gebiete der Guarani-Kaiowá“, Egon Heck
Im Schatten des international bekannten Pantanals allerdings vollzieht sich bereits eine andere Tragödie. Betroffen sind diejenigen, die seit jeher in Brasilien keine echte Lobby haben. Die letzten indigenen Völker Mato Grosso du Suls. Laut vorläufiger Statistik des Indianermissionsrats (CIMI) wurden 2007 in ganz Brasilien 76 Indianer umgebracht - über die Hälfte davon, 48, in Mato Grosso do Sul. Eine der Ursachen: Kampf um Land!
„Die Herren des Agrobusiness behaupten, sie wollten Zuckerrohr nur auf degradierten Flächen Mato Grosso du Suls anpflanzen. Aber mit der Perspektive ständig steigender Profite haben sie ihre Ansicht geändert und kämpfen nun um die besten Flächen der Region, die Gebiete der Guarani-Kaiowá“, erläutert Egon Heck, CIMI-Koordinator von Mato Grosso do Sul. “Auf den weniger produktiven Böden kann man 70 bis 80 Tonnen Zuckerrohr je Hektar erzielen, aber auf den Flächen der Guarani-Kaiowá bis zu 120 Tonnen je Hektar.“ Für die Elite des Agrobusiness seien die Guarani-Kaiowá schlichtweg ein unliebsames Hindernis, das es zu beseitigen gelte, so Heck in einem Interview mit Instituto Humanitas Unisinos (IHU), vergangenen November 2007. Grosse multinationale Gruppen kauften strategisch wichtige Flächen auf, um die großen Naturressourcen des Landes wie Wasser zu kontrollieren: Stichwort Aquífero Guarani.
Unabhängig davon, dass Zuckerrohr ohne ausreichend Wasser nicht anzubauen ist, benötigen auch Ethanolfabriken das kostbare Nass: 3 bis 5 Liter je Liter Alkohol. Gleichzeitig belasten sie die Umwelt im Schnitt mit bis zu 13 Liter Abwasser.
Norbert Suchanek, Rio de Janeiro
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Rettet den Regenwald kampft gegen umweltschaedlichen Jatropha-Anbau Deutscher Autokonzern will Brechnuss anbauen lassen
Die Indische Brechnuss, in der Biodiesel-Fachsprache Jatropha genannt, soll Kleinbauern reich machen, die Lebensmittelproduktion nicht beeintraechtigen und auf quasi unfruchtbaren Boeden wachsen. So die Maerchen von Autoindustrie, Agrarkonzernen und den von ihnen bezahlten "Entwicklungshelfern". Denn Jatropha wird vor allen den aermsten Entwicklungslaendern als ideale Biodiesel- oder Agrarenergiepfanze angepriesen oder besser gesagt aufgedraengt. Vor allem die mit deutschen Steuergeldern bezahlten Agraringenieure der GTZ (Gesellschaft fuer Technische Zusammenarbeit) puschen seit einigen Jahren die Brechnuss in Afrika, Asien und Lateinamerika.
Tatsaechlich aber zeige die Realitaet schlimme soziale und oekologische Folgen des Jatropha-Anbaus, berichtete schon im vergangenen Jahr der Grain-Report (www.grain.org). Westaustralien hat auch deshalb die Pflanze verboten, "weil sie für Mensch und Tiere giftig ist und weil sie sie Fähigkeit besitzt, sich rasch auszubreiten und in kurzer Zeit zu einer schwer zu kontrollierenden Plage werden kann." Das heisst konkret: Die indische Brechnuss bedroht auch die Biodiversitaet, wie zum Beispiel in Deutschland das eingeschleppte Indische Sprinkraut, das sich nun seit ueber zehn Jahren in den letzten Auwaeldern Bayerns wie die Pest verbreitet und die einheimischen Pflanzen verdraengt.
Auch die die oft wiederholte Behauptung, dass Bauern Jatropha auf armen Böden ohne Bewässerung anbauen könnten, ist nur graue Theorie. Realitaet sei, so Grain, dass die Ernten unter diesen Bedingungen so niedrig sind, dass sich der Anbau nicht lohnt. Auch wird immer wieder behauptet Jatropha werde nur auf Brachland angebaut. Tatsaechlich aber werden "Brachlandflaechen" in der Regel von mehr oder weniger nomadisierenden Viehzuechtern und indigenen Voelkern genutzt. Wird hier Jatropha angebaut, verlieren diese Menschen ihre Existenz und Lebensraum - und die lokale Bevoelkerung die wichtigen Lebensmittel Fleisch, Milch und Kaese sowie die wichtigen Rohstoffe Wolle und Leder. Energiepflanzen wie Jatropha, Zuckerrohr oder Oelpalmen auf "Brachland" anzubauen ist ungefaehr genauso, wie wenn wir in Deutschland das "Brachland" namens Lueneburger Heide in Jatropha-Plantagen umwandeln wuerden. Was wuerde dann wohl mit den Schafen und Schafzuechtern passieren? Und wuerde die deutsche Bevoelkerung die Zerstoerung dieser typisch deutschen Kulturlandschaft im Namen von Biodiesel erlauben?
Die Hamburger Umweltschutzorganisation Rettet den Regenwald hat nun eine Briefaktion gegen den Jatropha-Anbau gestartet, denn die beiden deutschen Konzerne Bayer und Daimler wollen damit indische Bauern begluecken.
"Die Bayer CropScience AG und die Daimler AG planen zusammen mit der US-amerikanischen Archer Daniels Midland Company (ADM) den großflächigen Anbau des Jatropha-Strauches in Indien", schreibt Rettet den Regenwald. "Angebaut werden soll die Pflanze von Kleinbauern in Vertragslandwirtschaft. Bayer liefert die dazu notwendige Technologie, die Bauern ihr Land und Arbeitskraft." Doch das Anbaurisko treugen die Bauern. Rettet den Regenwald: "Durch Knebelverträge drohen sie ihr Land zu verlieren und wichtige Naturräume zerstört zu werden. Wenn die Bauern ihren Acker verlieren, müssen sie in die letzten Wälder ausweichen." Weitere Abholzungen und soziale Konflikte mit den traditionellen Waldbewohnern sind abzusehen.
Der vor allem auch in Brasilien maechtig auftretende und Bayer-Pestizid- und Gentechnikkonzern aus Leverkusen gilt seit langem bei Menschenrechtlern und Umweltschuetzern als einer der großen Zerstörer von biologischer Vielfalt und Vergifter von Menschen vor allem in den Entwicklungslaendern.
Doch nicht nur in Indien: Agrarspritfirmen wie D1 lassen Jatropha auch in Kambodscha, Ghana, Indonesien, den Philippinen, China, Sambia, Südafrika und Swasiland anbauen. Auch Brasilien soll zu einem grossen Jatropha-Biodiesel-Produzenten werden, wenn es nach der Regierung Lula da Silva geht. Durch die Brechnuss ist zwar nicht der Amazonasregenwald bedroht, dafuer aber die nicht weniger wichtigen Waldoekosysteme Cerrado und Caatinga. Und Cerrado und Caatinga leiden bereits heute viel staerker als der Amazonasregenwald unter Soja-, Zuckerrohr- und Eukalyptusmonokulturen.
Norbert Suchanek
www.regenwald.org/pdf/Agrarenergie.pdf www.regenwald.org www.grain.org
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ThyssenKrupps toedlicher Autostahl Deutscher Stahlkonzern holzt Mangroven ab und verseucht Meeresbucht in Brasilien
Der Autokonzern General Motors lobte vor kurzem den deutschen Stahlriesen ThyssenKrupp als seinen besten Stahllieferanten 2007 und verlieh ihm die Auszeichnung „Best of the Best“. Die letzten Fischer der Bucht von Sepetiba vor den Toren Rio de Janeiros sehen das anders. Für sie ist ThyssenKrupp „the Worst of the Worst“. Sie klagen den Stahlkonzern wegen massiver Umweltverschmutzung und Verletzung der Menschenrechte an. Rettet den Regenwald Hamburg unterstuetzt die Forderungen der Fischer und Umweltschuetzer von Rio de Janeiro.
Seit September 2006 baut ThyssenKrupp an einem neuen rund drei Milliarden Euro verschlingenden Riesenstahlwerk in Sepetiba. Die ThyssenKrupp CSA Siderúrgica do Atlântico wird zwar erst voraussichtlich im kommenden Jahr fertig sein und 3.500 Arbeitsplätze schaffen, doch bereits während der Bauphase habe es die Existenz der über 8.000 Fischer und ihrer Familien faktisch zunichte gemacht. So die Klage von lokalen Bürgerinitiativen und Menschenrechtsgruppen, die bereits seit vergangem Jahr gegen den Stahlkonzern vor Gericht klagen. Am 13. Mai werden sie den Fall ThyssenKrupp nun auch vor das ständige Tribunal der Völker (TPP) im peruanischen Lima bringen.
Dank ThyssenKrupp sei das Fischen in der Bucht unmöglich geworden. Der Fischbestand sei extrem zurückgegangen und der wenige Rest mit Schwermetallen belastet. „Das Stahlwerk entsteht innerhalb eines Naturschutzreservats, in dem die Fische der Bucht laichen und heranwachsen“, erläutert Ivo Siqueira Soares, Präsident der Vereinigung der Fischer von Pedra de Guaratiba. Zum einen vernichtete ThyssenKrupp während der Bauarbeiten vier tausend Quadratmeter für die Meeresökologie wichtigen Mangrovenwald. Zum anderen setzten das Ausbaggern des Fahrrinne und des vorgesehenen Hafenbeckens mit seinem vier Kilometer langen Pier für Riesenfrachtschiffe hochgiftgen mit Schwermetallen belasteten Abraumschlamm eines früheren Minenbetriebs (Ingá Mercantil) frei, der nun das Meeresökoystem und insbesondere biologisch empfindliche Teile der Bucht verseucht. Siqueira Soares: „Dies vertreibt die Fische und vergiftet sie mit Cadmium und Zink.“ Die Hafenanlagen entstünden ausserdem exakt in dem Teil der Bucht, wo die Fischer früher die besten Fänge hatten.
Laut Rechtsanwalt Victor Mucare, der die Vereinigung der traditionellen Fischer Rio de Janeiros vertritt, sei ThyssenKrupps CSA klar verantwortlich für die durch die Bauarbeiten entstandenen ökologischen und sozialen Schäden in der Region, wobei bestehende Umweltschutzgesetze verletzt oder gar nicht umgesetzt wurden. Die Umweltschuzbehörde IBAMA habe zwar vergangenen Dezember aufgrund der Klagen der Fischer und der klar sichtbaren, verbotenen Mangrovenabholzung einen Baustopp gegen die CSA verhängt. Doch diese IBAMA-Anweisung wurde nicht umgesetzt, und die Bauarbeiten liefen unabhängig davon weiter.
Die schon seit zwei Jahren gegen das Stahlwerkprojekt vergebrachten Klagen der Fischer und Umweltschützer Rio de Janeiros kümmerte bisher weder den Vorstand der ThyssenKrupp AG noch den brasilianischen Staatspräsidenden. Luiz Inácio Lula da Silva besuchte erst vergangenen Februar die Baustelle der CSA Siderúrgica do Atlântico. Präsident Lula lobte dabei „die große Einsatzbereitschaft und hohe Kompetenz der über 10.000 Arbeiter auf der Baustelle und der 600 Mitarbeiter von ThyssenKrupp CSA.“ Und ThyssenKrupp-Vorstand Karl-Ulrich Köhler ergänzte: „Das 3 Mrd Euro teure Werk wird eine stabile Basis für die Fortsetzung dieser exzellenten Beziehungen sein.“ Lob für ThyssenKrupp gab es ebenso von Rio de Janeiros Bürgermeister Cesar Maia: “ThyssenKrupp CSA gebührt Dank hierfür und Rio de Janeiro darf sich zur Ansiedlung dieses Unternehmens beglückwünschen.”
Auch auf der offiziellen Website von ThyssenKrupp CSA findet sich kein Wort über die Klagen der Fischer von Sepetiba. Stattdessen ist zu lesen: „Die Auslegung des Werks orientiert sich an modernster Technologie und an höchsten Umweltstandards. ThyssenKrupp CSA hält nicht nur die in Brasilien geltenden Umweltschutzrichtlinien ein, sondern die weitaus schärferen europäischen Vorgaben. Für ThyssenKrupp Steel ist das neue Stahlwerk ein Jahrhundertprojekt. Und der Schlüssel für eine Vorwärtsstrategie, die das Unternehmen in eine dauerhaft erfolgreiche Zukunft führt.“ Für die Familien, die seit Generationen vom Fischfang in der Bucht von Sepetiba leben, scheint jedoch die Zukunft als Fischer dauerhaft vernichtet zu sein!
Bisher unterstützen zehn regionale Umwelt- und Menschenrechtsgruppen die Fischer von Sepitiba. Bereits Anfang 2006 warnten sie vor der Verwirklichung des Stahlwerk- und Hafenprojektes des deutschen Stahlriesen und fordern nun den Stopp der Bauarbeiten sowie finanzielle Entschädigungen.
Auch Kathrin Buhl von der in Sao Paulo ansässigen Rosa Luxemburg-Stiftung ist auf der Seite der Fischer von Sepitiba. „ThyssenKrupp verlezt die Menschenrecht hier in Brasilien und zerstört die Umwelt“, so Kathrin Buhl, die hofft, dass nun auch deutsche Gewerkschaften, Politiker und Umweltschutzgruppen die Fischer in ihrem Kampf gegen Deutschlands größten Stahlkonzern unterstützten.
Das neue Stahlwerk und der Stahlexporthafen von Sepetiba sind nur eines von mehreren gigantischen Rohstoffexport- und Hafenprojekten in Brasilien. Bei lokalen Bevölkerungen und Umweltschützern umstrittene Exporthäfen und Industriekomplexe sollen beispielsweise an der Küste Sao Paulos bei Peruibe, sowie in Bahia bei Ilheus oder auch in Ceará entstehen. Ursache ist sowohl der von der Regierung Lula vorangetriebene Biotreibstoffboom sowie die forcierte Ausbeutung der mineralischen Rohstoffe wie Bauxit (Aluminium), Eisenerze und Uran. Deshalb ist die brasilianische Regierung auch gerade dabei, die industrielle Ausbeutung der noch ungehobenen Bodenschätze in den bereits demarkierten Indianerreservaten zu legalisieren.
Norbert Suchanek, Rio de Janeiro
PM: Das neue Stahlwerk und der Stahlexporthafen von Sepetiba sind nur eines von .... Rettet den Regenwald fordert statt der geplanten Unterzeichnung des ... www.regenwald.org/pressemitteilungen.php
Deutscher Stahlkonzern verseucht Meeresbucht in Brasilien ... Rettet den Regenwald eV Friedhofsweg 28 22337 Hamburg 040 4103804 info [at] ... CSA findet sich kein Wort über die Klagen der Fischer von Sepetiba. ... www.fellbeisser.net/portal/deutscher-stahlkonzern-verseucht-meeresbucht-brasilien-einheimische-klagen
ngo-online - Internet-Zeitung für Deutschland - Politik ... Die Organisation Rettet den Regenwald wirft dem deutschen Stahlriesen ThyssenKrupp ... an dem neuen rund drei Milliarden Euro teuren Stahlwerk in Sepetiba. ... www.ngo-online.de
Diese einheimischen Vereinigungen und Organisationen klagen ThyssenKrupp an:
CONFAPESCA (Confederação das Federações de Pesca do Brasil) FAPESCA (FAPESCA, Federação das Associações dos Pescadores Artesanais do Estado do Rio de Janeiro) Fórum de Meio Ambiente e Qualidade de Vida do Povo Trabalhador da Zona Oeste e da Baía de Sepetiba AAPP-GUARATIBA (Associação de Pescadores Cercadeiros de Pedra de Guaratiba) - ABIT (Associação de Barqueiros de Itacuruçá) APESCARI (Associação de Pescadores Canto dos Rios) AMACOR (Associação de Maricultores de Coroa Grande) Colônia de Pescadores da Pedra de Guaratiba (Z 14) Colônia de Pescadores de Sepetiba (Z 15) SEPE Santa Cruz VERDEJAR Proteção Ambiental e Humanismo Rede Alerta contra o Deserto Verde Fluminense APELT (Associação de Pescadores Artesanais Livres de Tubiacanga/Ilha do Governador) Movimento dos Pescadores Artesanais Sem Mar (MSM - Movimento dos Sem Mar) MST (Movimento Sem Terra) Rede Contra a Violência
Kontaktorganisation/Ansprechpartner
FÓRUM DE MEIO AMBIENTE E QUALIDADE DE VIDA DA BAÍA DE SEPETIBA Sergio Ricardo, TEL. (21) 9908-2773, 3366-1898 Marcos Garcia (pescador) - Tel. 9862-8490 Luis Carlos (pescador) - Tel. 8764-2055/9623-2666 Ivo (pescador) - Tel. 9951-2456 Victor Mucare (advogado das entidades de pesca) Tel. (21) 8878-0248, 7892-2755
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Regional erzeugt – regional verbraucht Nur regionale Energie ist Ökoenergie
Es ist noch gar nicht so lange her: Tausende Kilometer von dichten Hecken zogen sich durch deutsche Landschaften, begrenzten Felder, Äcker, Wiesen und Obsthaine. Dieses Netzwerk, Schachbrettmuster oder Mosaik von Heckengehölzen war nicht nur Nahrungsquelle, Brutraum und Zufluchtsort von zahlreichen Vogelarten, von Hasen, Rehen, Füchsen und allerlei Kleingetier. Sie waren auch eine natürliche Schutzwand gegen die Verbreitung von Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschädlingen und schützten vor Bodenerosion. Mehr noch: Die Hecken lieferten auch Jahrhunderte lang der ländlichen Bevölkerung nachhaltige, ökologisch und regional erzeugte Energie in Form von Holz. Die Flurbereinigung machte damit per Federstrich Schluss!
Die ökologischen Hecken standen dem Fortschritt, der Industrialisierung der Landwirtschaft im Weg mit der Folge: Energie unabhängige Bauern wurden immer mehr zum Energie abhängigen Industrielandwirt. Statt nachhaltige Energie zu produzieren, wurden sie zu einem immer größeren Verbraucher von umweltschädlicher fossiler Energie in Form von Diesel und Pestiziden entwickelt. Viele blieben dabei auf der Strecke, und viel traditionelles Wissen ging dabei verloren. Was damals vor rund 50 Jahren in Deutschland begann, dies wird heute, Tag für Tag, Stunde um Stunde in Südasien, in Afrika, in Ozeanien, in Lateinamerika forciert unter den Namen „Entwicklung“ fortgesetzt: die Förderung einer Energie intensiven Landwirtschaft auf Kosten der Zerstörung nachhaltiger bäuerlicher Strukturen und traditioneller Kulturen.
Wenn heute die Grossen in Politik und Wirtschaft vom Ausbau der Bio- oder Agrarenergie zur Rettung des Planeten sprechen, warum wird dann nicht dieses falsch Entwicklungsmodell über Bord geworfen? Warum werden nicht die alten Hecken bundesweit neu gepflanzt, die Fehler der Flurbereinigung wieder beseitigt?
Kein Interesse am Klimaschutz
Bis auf wenige kleine Alibiprojekte wird nichts dergleichen getan. Denn beim Thema Bioenergie geht es ja gar nicht um die Rettung des Planeten geht, sondern nur um die Rettung von umweltzerstörenden Unternehmen und Gesellschaftsstrukturen, die vom globalen Energieverbrauch profitieren und abhängen. Vor allem geht es um die Rettung von gut bezahlten Jobs in der Automobil- und der Agrarindustriebranche und den davon abhängigen Industrien: Das reicht vom Straßenbau, über die Transportbranche bis hin zum Erzbergbau und natürlich der Treibstoffindustrie. Sie alle profitieren nicht, wenn wir zum Wohle unseres unter Hitzewallungen leidenden Planeten wirklich auf ökologische, regional erzeugte Energien zum regionalen Energieverbrauch setzen.
Biogas ist nicht gleich Biogas
Neben Holz ist Biogas eine weitere alternative Energiequelle, die man lokal oder regional erzeugen und regional verbrauchen kann. Biogas lässt sich in der Stadt aus unseren Fäkalien gewinnen oder auf dem Land aus landwirtschaftlichen Abfällen wie Stroh, Mist oder Gülle. Das erzeugte Gas, Methan, lässt sich wie Erdgas verwenden: zum Heizen wie zum Antreiben eines Motors – so die graue Theorie. Im Kleinen funktioniert dies auch. Problematisch wird es, wenn mit Biogas „Geld“ zu verdienen ist. Dann wird das gut gemeinte zur Perversion.
Zu Recht bekämpften Umweltschützer und Tierschützer seit Jahrzehnten die Massentierhaltung: Hühnerfarmen und Schweinemastanstalten mit Tausenden von eingepferchten Tieren, gemästet mit aus aller Welt zusammengekauftem „Kraftfutter“. Diese unökologische, extrem Energie verbrauchende und tierquälerische Produktion wird nun im Zuge eines angeblichen Klimaschutzes in Deutschland und weltweit gefördert, denn sie produzieren nun ebenso angeblich umweltfreundliches „Biogas“. Tatsächlich gibt es einen regelrechten Boom bei großen Biogasanlagen. Jens-Uwe Schade vom Umweltministerium Brandenburg bestätigt den Trend zur Massentierhaltung mit kombinierter Biogasanlage: speziell seit 2004, seitdem das Erneuerbare-Energien-Gesetz noch einmal novelliert wurde. Zu den zwölf schon bestehenden Biogasanlagen werden demnächst acht neue dazukommen, alle ebenfalls gebunden an Massentierhaltung.
Doch Biogas aus Tierquälerei, Biogas aus mit importierten Futtermitteln gemästete arme Schweine, wie es auch der „Ökostromhändler“ Lichtblick vorführt: Dies hat nichts mit Ökologie zu tun! Andreas Bauer vom Umweltinstitut in München: "Grüne Energie" und Massentierhaltung - das widerspricht sich.“ Gleiches gilt für Biogas hergestellt aus extra dafür angebauten Energiepflanzen wie den so genannten Energiemais.
Biogas contra Bodenschutz
Was in der Agrarenergiediskussion grundsätzlich immer unter den Tisch fällt, ist der Bodenschutz. Und dies hat seinen Grund. Unser Planet leidet nicht nur an steigenden Temperaturen ausgelöst durch Treibhausgase. Er leidet auch an extremer, globaler Bodenerosion ausgelöst durch eine sich wie Krebs ausbreitende industrielle Landwirtschaft. Ohne gesunde Böden gibt es keine gesunden Nahrungsmittel. Doch die oberste, fruchtbare Bodenschicht, Humus, ist in der Regel nur dünn. Sie muss immer wieder erneuert, am Leben erhalten werden. Diese oberste Bodenschicht ist auch einer der wichtigsten Kohlenstoffspeicher unseres Planeten. Nimmt diese Humusschicht ab, wird das Treibhausgas Kohlendioxid freigesetzt. Das heißt: jegliche Landwirtschaft, die zur Erosion der Humusschicht beiträgt, heizt auch unser Klima an! Und das trifft gerade auch auf den Energiemais zu. „Die Verengung der Fruchtfolgen und der Ersatz von Zwischenfrüchten mit hohem Humusreproduktionspotential durch humuszehrende Energiepflanzen führen zu einem für die Herausforderungen des Klimawandels absolut kontraproduktiven weiteren Humusabbau“, berichtet Andrea Beste vom Büro für Bodenschutz & Ökologische Agrarkultur. „Humusschwund und der damit zusammen hängende Rückgang der biologischen Aktivität verstärken Verdichtung und Erosion und verringern die Infiltrations- und Speicherkapazität für Wasser. Dies verstärkt die Folgen des Klimawandels - Extremregenfälle, Hochwassergefahr und Dürre - wesentlich.“
Was gleichfalls beflissentlich von der Bioenergielobby verschwiegen wird: Auch die Biogaserzeugung produziert Gülle. Traditionell landen landwirtschaftliche Abfälle auf dem „Kompost“, und dieser Kompost ist der Stoff, der natürliche Dünger aus dem schließlich Humus, neuer Boden wird. Bei der Vergärung der organischen Abfälle zu Biogas nun entsteht ein anderer „Dünger“ oder besser gesagt eine andere „Gülle“ mit weniger Kohlenstoff und noch mehr Nitrat. „Biogasgülle hat eine noch geringere Humusreproduktionsleistung als herkömmliche Gülle“, so Andrea Beste. „Da vergorene Gülle noch mehr schnell verfügbaren Stickstoff enthält und noch weniger verfügbaren Kohlenstoff als unvergorene Gülle, trägt sie darüber hinaus in noch geringerem Maße zu einer Ernährung der Bodenmikroorganismen bei.“ Für den ökologischen Landbau sei deshalb der Einsatz von vergorener Gülle eher abzulehnen, „weil er dem bodenfruchtbarkeitsfördernden Prinzip des ökologischen Landbaus völlig widerspricht.“
Die Sache mit der Bioenergie ist also viel komplizierter, als es uns die Geschäftemacher - wie zum Beispiel Gero Lücking, Sprecher des Biogas-Großproduzenten und alternativen Stromhändlers Lichtblick - weismachen wollen. Gegenüber dem Fernsehen behauptete er: Bislang wurde die Gülle auf Felder ausgebracht, die Böden damit massiv belastet. Dank Biogas sei dieses Problem jetzt vom Tisch.” Aber das ist eben nicht der Fall, auch die Biogasproduktion erzeugt einen Reststoff, der laut Büro für Bodenschutz & Ökologische Agrarkultur sogar noch problematischer bei der „Entsorgung“ ist.
Strom vom eigenen Dach
Wer ein eigenes Haus oder Grundstück und das nötige Kleingeld dazu besitzt, kann natürlich auch selbst regionale, regenerative Energie erzeugen: Mit Hilfe von Solarzellen auf dem Dach oder einem Windkraftwerk im Garten. Ein mit Holz aus der Region gefüttertes Blockheizkraftwerk im Keller hilft ebenso nicht nur über den Winter. Die meisten Menschen in Deutschland sind allerdings einfache Mieter. Sie haben es schwerer, an ökologische Energien heran zu kommen, vor allem, wenn es um den Strom aus der Steckdose geht. Doch zumindest können auch sei schon seit einigen Jahren den Stromkonzernen und besonders der Atomindustrie den Stinkefinger zeigen. Denn es gibt eine Reihe von alternativen Stromanbietern wie die Elektrizitätswerke Schönau, Greenpeace-Energy, LichtBlick oder Naturstrom, die garantiert Kernkraft freien Strom anbieten. Der alternative Strom stammt zu 100 Prozent aus den so genannten Regenerativen Energiequellen: Wasserkraft, Biomasse, Windkraft, Photovoltaik (Solarstrom). Dies heisst allerdings nicht, dass der angeboten Strom auch wirklich 100 Prozent ökologisch erzeugt wird: nicht jedes Wasserkraftprojekt, nicht jedes Biogas- oder Biomassekraftwerk ist ökologisch. Auch ist der „alternative“ Stromanbieter kein garant dafür, dass der Strom tatsächlich in der Region erzeugt wird, in der man den Strom verbraucht: In der Regel kommt der Strom selbst bei den „alternativen“ Anbietern aus den verschiedensten Regionen und Ländern, was aber nicht jeder klar offenlegt.
Die Elektrizitätswerke Schönau beispielsweise beziehen einen Grossteil ihres angebotenen Stroms von Wassserkraftwerken aus Norwegen. Naturstrom gibt an, dass die angebotene Energie in 2008 aus Kleinwasserkraftwerken, Windkraft und Photovoltaik aus Deutschland und Österreich stamme. Greenpeace-Energy bezieht seinen gesamten Strom von einem „Öko-Stromhändler“ aus Österreich. Und LichtBlick kauft den meisten Strom von Wasserkraftwerken in Norwegen und Österreich ein.
Doch allen alternativen Energieanbietern zum Trotz: Der beste Klimaschutz heisst Abschalten! Energiesparen! Auto in der Garage lassen oder noch besser gar nicht erst anschaffen! Die global groesste Umweltbelastung geschieht durch Bergbau, Stahlproduktion und Aluminiumherstellung! Wer weisss schon, dass Stahl hergestellt mit Holzkohle aus brasilianischem Regenwald, Cerrado- oder Caatinga-Wald bei den deutsch-amerikanischen Autokonzernen aus "Qualitaetsgruenden" begehrter ist, als Stahl hergestellt mit Hilfe von Steinkohle? Ich weiss es! Und jetzt wissen SIE es auch, und SIE wissen nun auch, warum die tropischen Waelder abgeholzt werden. Aber das trifft sich ganz gut, denn laut brasilianischer und deutscher Regierung kann man ja egal wie "abgeholzte" Flaechen wunderbar mit Biotreibstoffpflanzen wie Soja, Zuckererrohr oder Oelpalmen "wiederaufforsten", um "Biotreibstoff" zu erzeugen, damit man mit den durch Abholzung der Tropenwaelder erzeugten 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 oder 9-Liter-Autos auch in Zukunft quer durch die Republik rasen kann!
mit bestem Gruss aus Rio de Janeiro Norbert Suchanek
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Genfutter fuer Brasiliens Masthuehner
Parallel zur Ausweitung der Soja-Monokulturen stieg in den vergangenen 20 Jahren die tierquaelerische Massenproduktion von Masthaehnchen in Brasilien steil an. Heute ist das Land einer der weltweit groessten Exporteure fuer Huehnerfleisch, das vor allem auch in die EU gelangt. Weil den Huehnermaestern Nordostbrasiliens nun aber offensichtlich das nationale Futter zu teuer wird, will Brasiliens Landwirtschaftsminister Reinhold Stephanes den Import von Gen-Mais erlauben. Dies werde noch in diesem Monat in der nationalen Biosicherheitskommission CTNBio (Comissão Técnica Nacional de Biossegurança) beraten, so Stephanes. "Und es gibt keinen Grund den Import nicht zu erlauben, weil die Kommission ja bereits das Anbauen von zwei transgenen Maissorten erlaubt hat."
Fast tagtaeglich werden wir von Umweltministern und Regierungen aus Brasilien und Deutschalnd informiert, dass Brasiliens Agrarenergieboom die Nahrungsmittelproduktion nicht beeintraechtige. Aber warum will dann der Landwirtschaftsminister der Regierung Lula da Silva Gen-Mais fuer Tierfutter importieren?
Norbert Suchanek, Rio de Janeiro PS: Genfrei und mit (pseudo-bio-mais und pseudo-bio-soja) gefuetterte Biomasthaehnchen zertifiziert von IBD (Demeter Brasilien) werden demnaechst auch den deutschen Bio-Huehnerfleisch markt ueberschwemmen - oder gibt es die brasilianischen bio-huehner sogar schon?
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„Wasser ist das Leben aller Wesen, durch das alle Kreaturen gedeihen, aber auch vergehen, wenn sie von ihm verlassen sind..“ Mahabharata Und das alles ist nur die Spitze des Eisbergs... Trinkwasser oder Treibstoff?
Der umweltzerstörenden Fahrzeug- und Transportindustrie geht der Treibstoff Erdöl aus. Sie schreit lauthals nach Ersatz und erfindet das Märchen vom umweltfreundlichen Alternativtreibstoff vom Acker. Dass damit die seit Jahren virulente Wasserkrise unseres blauen Planeten noch verschärft wird, kümmert weder die Auto- noch die Agrarspritlobby und schon gar nicht das Agrobusiness. Schließlich sind sie ja bereits die Hauptverantwortlichen für die bisherige Wasserverknappung und Wasservergiftung – vor allem in den Ländern des Südens. Außerdem bedeutet „Verknappung“ betriebswirtschaftlich gesehen lediglich steigende Profite.
Ein mathematisch begabter Mensch hat vor einiger Zeit errechnet: Die Menge an Süßwasser, die die Menschheit verbraucht, habe sich in den vergangenen 100 Jahren quasi verhundertfacht. Der Löwenanteil des Gesamtverbrauchs entfalle auf die bewässerte Landwirtschaft, rund 60 Prozent. Knapp 20 Prozent flößen in die Industrie, und nur 10 Prozent dienten wirklich als Trinkwasser. Doch das sind in Wirklichkeit globalisierende, nur wenig aussagende Durchschnittszahlen.
Die Bundesbürger gelten beispielsweise derzeit beim direkten Wassersparen als die vorbildlichsten Europäer. Unser Wasserverbrauch je Einwohner ging seit 1990 von durchschnittlich 147 Litern pro Tag auf heute 125 Liter zurück. Die mit schlimmsten Wasserverschwender Europas hingegen sind laut Durchschnittsstatistik die Italiener, die fast das doppelte an kostbarem Nass verbrauchen. Doch die Statistik lügt, denn es sind vor allem Deutsche, Millionen von Deutschen, die in italienischen Tourismusressorts urlauben und in saus und braus Wasser verschwenden, oder Wasser verbrauchende italienische Äpfel, Tomaten und Chiantiwein konsumieren oder auf Kunstschnee-Skipisten ins Tal wedeln. Die Wasserrealität unseres globalisierten Planeten ist eben erheblich komplexer als es uns vereinfachende Statistiken und Propagandaschriften der Industrie weis machen wollen. In Wirklichkeit sind die Deutschen zusammen mit den anderen führenden Industriestaaten die schlimmsten Wasserverschwender des Planeten. Denn wir verbrauchen und verseuchen Milliarden von Liter Wasser mit unseren Importen aus aller Welt.
57 Tonnen Wasser für 1 Tonne Alu
Unsere Automobilfirmen – und mit ihnen die Autofahrer - beispielsweise zählen zu den Hauptverbrauchern von Aluminium vornehmlich aus den Tropen. Doch jede dort produzierte Tonne Primäraluminium benötigt rund 57 Tonnen Wasser. Gleichzeitig bleiben neben gesundheitsschädlichen Abgasen rund drei Tonnen giftiger, schwermetallhaltiger Rotschlamm zurück, der Brunnen und Flüsse gefährdet. Doch nicht nur dies: Bereits der weiträumige Abbau des Alu-Rohstoffs, Bauxit, ist ein extrem Wasser verbrauchender und Wasser verschmutzender Prozess. „Durch das Waschen des Rohbauxits wurden die Gewässer des Lago Batata und Rio Sapone sehr stark belastet, so dass die Bevölkerung der Region das Flusswasser nicht mehr als Trinkwasser benutzen kann“, so der Bericht "Aluminiumproduktion und Zivilgesellschaft in Brasilien" von Forschern der Universität Kassel und TU Berlin.
Auch der zweite Automobilrohstoff, Stahl, ist ein globaler Wasserverschwender und wird in erster Linie aus Brasilien geholt. Besonders katastrophal wirkt sich dort die Rohstahlerzeugung aus, weil zur Verhüttung Holzkohle eingesetzt wird: Holzkohle, die durch Naturwaldabholzung und oder durch Eukalyptusplantagen gewonnen wird. Beides hat negative Folgen für den Wasserhaushalt der betroffenen Regionen.
Kraftwerke sind die mit größten Wasserverbraucher
Ein anderer riesiger Wasserverbraucher sitzt in unseren Steckdosen. Laut aktuellen Zahlen des Wissenschaftlers Vincent Tidwell von den Sandia National Laboratories in Albuquerque sind in den USA tatsächlich die Elektrizitäts- vor allem die Atom- und Kohlekraftwerke mit ihren riesigen Kühltürmen die größten direkten Trinkwasserverbraucher Nordamerikas. Sie sind für 39 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs der USA verantwortlich. Dies sollte in Frankreich, Großbritannien oder Deutschland nicht anderes sein. Aber schlimmer noch: Die gar nicht so saubere Atomkraft ist tatsächlich für noch erheblich größere Wasserverschwendungen in anderen Teilen der Erde verantwortlich, weil ihr Rohstoff Uran heißt und mehrheitlich aus der südlichen Hemisphäre importiert wird. Die australische Uranmine Roxby Downs/Olympic Dam beispielsweise verbraucht derzeit 33 Millionen Liter Wasser täglich. Ein Wasserverbrauch, der mit der geplanten Ausweitung der Mine auf 150 Millionen Liter täglich steigen werde, so die Befürchtungen der lokalen Umweltschutzorganisation Friends of the Earth Adelaide. Außerdem kann bereits die Uranexploration Grundwasserquellen zu gesundheitsschädlichen Strahlenquellen machen, in dem durch das Untersuchungsbohrloch Wasser führende Schichten mit Uran haltigen in Kontakt kommen.
Es scheint Paradox: Gerade in der offiziell unter Wasserknappheit leidenden Region mit Hunderttausenden von Menschen ohne sauberem Trinkwasser, dem Nordosten, liegen Brasiliens Wasser saufende und Wasser vergiftende Uranminen, in Bahia. Pro Stunde verbraucht die Mine 90.000 Liter Wasser allein zur Aufkonzentration des Uran zum so genannten Yellow Cake. Und wenn niemand die Regierung Lula stoppt wird ab 2009 auch im trockenen Ceará Uranerz ausgegraben und strahlender Yellow Cake produziert.
3500 Liter Wasser für einen Liter Ethanol
Eine weitere Bedrohung der knappen Wasserressourcen heißt Agrarsprit. Die internationale Biospritbranche macht sich seit kurzem in dieser zwar fruchtbaren aber eben relativ trockenen Region breit und lässt Zuckerrohrplantagen zur Ethanolproduktion in die Landschaft zu klotzen – bewässert mit dem knappen Wasser des Rio Sao Francisco und seiner Nebenflüsse. Das Internationale Institut für Wasserwirtschaft (IWM) warnte 2007 vor einer massiven Belastung der ohnehin schon angespannten Wasserversorgung durch den Anbau von Energiepflanzen. Je Liter Zuckerrohr-Ethanol würden bis zu 3.500 Liter Wasser verbraucht hauptsächlich durch die Bewässerung. Der Umweltexperte der katholischen Landpastorale (CPI) in Brasilien, Roberto Malvezzi, kritisiert schon lange den Ethanolwahn: „Das Volk ist am verdursten, aber das Zuckerrohr bekommt Wasser im Überfluss. Heute weitet sich Zuckerrohr über den Cerrado und das Pantanal aus – und in perverser Weise und bewässerter Form über die besten Böden der Caatinga (Arten reicher Trockenwald des Nordostens)."
In so manchen wissenschaftlichen Studien von Industrie finanzierten Universitäten oder NGOs heißt es fast schon Gebetsmühlenhaft: Biotreibstoffpflanzen wie Soja, die nicht bewässert würden, könne man als Benzinersatz empfehlen. Doch das ist Humbug. Keine Soja-Pflanze wächst ohne Wasser. Ob das Nass nun aus dem Regen stammt oder aus dem Fluss geholt wird. Wasser wird verbraucht, Grundwasserspiegel und Flusswasserpegel beeinflusst. Doch schlimmer noch: Die inzwischen 22 Millionen Hektar umfassenden Soja-Monokulturen Brasiliens vergiften durch die eingesetzten Pestizide und Kunstdünger Grund- und Flusswasser in einem erschreckenden Ausmaß: Und dies betrifft genauso das Soja-Meer in Argentinien und die wachsenden Soja-Plantagen in Paraguay und Bolivien. Man muss nur eben hin- und nicht vorbeisehen.
Die brasilianische Nichtregierungsorganisation Repórter Brasil hat genau hingesehen. "In Formoso do Araguaia nahe der Indianergebiete Karajá und Javaé werde das Wasser der Fluesse Javaé und Formoso continuierlich durch grosse bewaesserte Soja- und Reismonokulturen vergiftet", so ihr gerade veroeffentlicher Bericht zu den Folgen des Soja und Biodieselbooms. Besonders betroffen auch das von Soja-Monokulturen eingeschlossene Indianerreservat Tereza Cristina im Sueden Mato Grossos, die umwelt- und gesundheitsschaedlich Abwaesser der grossen Soja-Firmen Basso und Amaggi die Wasserresourcen kontaminierten. Ihr Fazit: Die Verseuchung der Wasserressourcen sei ein zunehmendes Problem in den durch Soja-Anbau missbrauchten, zerstueckelten und reduzierten Indianergebieten.
Da kann man nur wohl noch eine beruhigende Tasse trinken. Doch halt. Jede Tasse Tee verbraucht im Schnitt die 136fache Menge an Wasser in den Tee-Anbauländern. „Für eine Tasse Kaffee werden sogar 1.100 Tassen Wasser eingesetzt - also das Achtfache wie beim Tee“, so der Wasserexperte Frank Kürschner-Pelkmann. Für die globale Kaffeeproduktion betrage das Volumen 110 Milliarden Kubikmeter im Jahr – 1,5 Mal so viel Wasser, wie jährlich in der Rheinmündung ankommt. Und wer sich eine Zitrone auspresst, um ein paar Milliliter Saft zu bekommen, hat in Wirklichkeit den Verbrauch von 100 Litern Wasser in der Hand.
10 Liter Wasser für ein Blatt Papier
Bei einer wirklichen Wasserbilanz kommt sprichwörtlich niemand unbeschadet davon. Nur ein einziges Blatt frisches Papier kostet 10 Liter Wasser plus mehr oder weniger starker Wasserverschmutzung in den Zellstoff produzierenden Regionen Skandinavien, Südostasien oder Brasilien. Papierrecycling ist deshalb auch Wasserschutz!
Ein Baumwoll-T-Shirt kostet 2.000 Liter, eine Jeans 6.000 Liter, ein Hamburger 2.400 Liter, ein Kilogramm Fleisch 15.000 Liter. Getreide kommt dabei noch relativ billig weg. Je Kilogramm Weizen werden nur 1000 Liter verbraucht, gleiches gilt für den bewässerten Salat aus Südspanien. Kürschner-Pelkmann schätzt schließlich den gesamten tatsächlichen Wasserverbrauch eines Bundesbürgers auf etwa 4.000 Liter – den indirekten Wasserverbrauch von Atomkraftwerken, Biodiesel, Ethanol, Aluminium und Stahl nicht mitgerechnet.
Schon diese wenigen in diesen 150 bis 200 Zeilen dargestellten Wasserfakten sollten betroffen machen. Doch das alles, was der Autor hier zusammenrecherchiert und zusammengeschrieben hat, ist nur die Spitze des Eisbergs: die Spitze eines Eisbergs, der im Gegensatz zu den tatsächlichen Eisbergen unser Polkappen aufgrund der Klimaerwärmung nicht abschmelzt, sondern täglich monströser wird. Millionen von Menschen in den südlichen Ländern droht eine Zukunft von straubtrockenen, durstigen Kehlen mitten in einem gesalzenen, vergifteten Meer. Doch wollen wir die Hoffnung nicht schon jetzt begraben. Vielleicht findet sich ja doch noch irgendwo eine vernunftbegabte, mutige Mehrheit, die endlich dem Big Business und seinen Helfershelfern wie dem Ethanol gut heißenden WWF (siehe Umweltnews) den Stinkefinger zeigt.
Norbert Suchanek aus Rio de Janeiro
Weitere Wasserinfos unter:
www.wasser-wissen.de www.wasser-und-mehr.de www.aluwatch.net www.reporterbrasil.org.br/biofuel/ www.regenwald.org
„Das bayerische Umweltministerium hat in diesem April gewarnt, dass zwei Jahre Dürre und große Hitze zu Engpässen in der Trinkwasserversorgung führen würden. Die EU hat sich im Sommer 2007 angesichts der drohenden Wasserverknappung entschlossen, die sparsame Nutzung von Wasser finanziell zu fördern. Unter diesen Umständen erscheint es unverantwortlich, die Menschen zu vermehrtem Trinkwasserverbrauch zu ermutigen. Nötig ist vielmehr, die Leitungsnetze dem verminderten Verbrauch anzupassen, also vor allem die Rohrdurchmesser zu vermindern. Das kostet Geld, aber es ist eine Investition in eine Zukunft, in der das Wasser weiterhin für alle reicht. Betriebswirtschaftlich wirft dies für Wasser- und Abwasserbetriebe zunächst einmal Probleme auf. Die Einnahmen sinken wegen des geringeren Verbrauchs, und gleichzeitig muss mehr investiert werden. Auch technische Probleme können entstehen. Aber worin besteht die Alternative? Ist es wirklich sinnvoll, weiterhin eine überdimensionierte Infrastruktur zu erhalten und zu erneuern?“
Autor und Wasserexpert Frank Kürschner-Pelkmann, Oktober 2007
Umweltnews
Spekulation mit Nahrung
Wie pervers die heutige Finanzindustrie und ihre Betriebswirtschafter (Ökonomisten) sind, zeigt dieser Auszug aus der Publikation der Frankfurtert DZ BANK AG – „Rohstoffe - Ausblick 2006/07“, die zum Spekulieren mit Nahrungsmitteln (in der Finanzwelt „Soft Commodities“ genannt) anreizt: „Einer der wichtigsten Faktoren, die tendenziell zu einer Verknappung des Getreidemarktes führt, ist der Wassermangel weltweit“, so der Bericht der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank. Besonders prekär sei das Problem nicht ausreichender Anbauflächen und einer Wasserknappheit in China. Als besonders interessant „in dieser Situation“ erachtet die Bank die langfristigen Gewinnchancen bei Sojabohnen und Mais sowie Zucker (Ethanol). „Gute fundamentale Chancen gepaart mit einem immensen Nachholbedarf gegenüber anderen Rohstoffsegmenten lassen den Sektor sehr attraktiv erscheinen. Unsere Favoriten lauten dabei Sojabohnen, Mais und Zucker.”
WWF-Freibrief für Lulas Ethanolhelden
Die von Banken und Großindustrie finanzierte, angebliche Umweltschutzorganisation WWF (World Wide fund for Nature) hat der Regierung Lula da Silva einen Freibrief zum Biospritexport in die EU ausgestellt. Ethanol aus Zuckerrohr sei gar kein Todessprit, wie von dem brasilianischen Befreiungstheologen Frei Betto behauptet, sondern umweltfreundlich und rette den Planeten, so der in der Banken-Schweiz gründete WWF. Quasi als Dankeschoen fuer die Greenwash-Studie des WWF kuendigte gleichzeitig die Regierung Lulas an, 100.000 Quadratkilometer Amazonaswald unter Naturschutz zu stellen.
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Die Deutsche Bank und der brasilianische Rizinus-Flop
Der nordostbrasilianische Bundesstaat Piauí ist einer der Staaten mit den noch intaktesten Cerrado-Wäldern. Doch weil die Welt nur auf den Schutz des Amazonasregenwald schaut, können die nicht weniger wichtigen und arten reichen Cerrado-Gebiete rücksichtslos abhgeholzt werden für die Produktion von Soja, Holzkohle und seit 2005 auch - Dank deutscher Hilfe - für Biodiesel aus Rizinus. Doch das mit deutscher „Entwicklungshilfe“ vorangetriebene Rizinus-Biodiesel-Projekt von Brasil Ecodiesel erwies sich nun als zu bittere Medizin.
Fast exakt vor drei Jahren weihte Brasiliens Präsident Lula da Silva das Rizinus-Projekt der Firma Brasil Ecodiesel im nordostbundesstaat Piauí ein. Es sollte ein Vorzeigeprogramm für eine sozial und ökologisch verantwortliche Produktion von Biodiesel werden und Piauí zu einem brasilianischen Zentrum der Biodieselproduktion auf Basis von Rizinus und kleinbäuerlicher Landwirtschaft machen. Das zumindest war die erklärte Absicht von Präsident Lula, Piauís Gouverneur Wellington Dias und der Agrarspritfirma Brasil Ecodiesel, die 2005 zu etwa 45 Prozent an den Ecogreen-Investmentfond der Deutschen Bank verkauft wurde.
Inzwischen, drei Jahre später, hat sich das Projekt als Millionenflop erwiesen. Mehrere Tausend Hektar wertvoller Cerrado sind „für nichts“ rücksichtslos abgeholzt worden und Hunderte von Kleinbauern nun abhängig von der staatlichen Nahrungsmittelhilfe namens „Cesta Básica“. Dies hat zwei gravierende Gründe: Erstens erreichten die Erträge an Rizninusöl bei weitem nicht die Werte der rosaroten Versprechungen der Rizinuslobby. Laut angesehener Tageszeitung „O Estado de São Paulo“ seien die Ernteerträge lediglich im ersten Jahr für die Kleinbauern zufriedenstellend ausgefallen. Danach wurden sie immer niedriger, so dass die Familien nun faktisch von Almosen und der so genannten Cesta Básica leben müssten. Zweites ist Soja-Öl technisch einfach besser als Biodiesel zu verwerten als Rizinus. Vergangenen Juli schrieb die brasilianische Zeitschrift Epoca, die Versprechungen von Brasil Ecodiesel hätten sich nicht erfüllt. Seit Monaten stecke das Flaggschiff des Biodieselprogramms der Regierung Lula in der Krise. Die Aktien von Brasil Ecodiesel verloren deshalb seit Juli 2007 rund 70 Prozent an Wert.
Epoca attestiert der Biodieselfirma strategische Fehler. Das Aufkaufen von Rizinus, produziert von einem Netz von vielen weit verstreuten Kleinbauernfamilien, weit entfernt von den Märkten der Biodieselabnehmer sei schlichtweg zu kostspielig. Gleichzeitig warf die Tageszeitung „A Tribuna“ Brasil Ecodiesel vor, Kleinbauern betrogen und sich nicht an Preisabsprachen gehalten zu halten. In der Gemeinde Araranguá, im Bundesstaat Santa Catarina beispielsweise hätten die Rizinusbauern statt den versprochenen 0,75 Real pro Kilogramm lediglich 0,46 Real erhalten. Diese „Preisunsicherheit“ gepaart mit schlechten Anbauergebnissen hätten dazu geführt, dass die Bauern von Araranguá den Rizinusanbau wieder aufgaben. Eduardo Scavassa, Techniker von Brasil Ecodiesel, wies aber jegliche Betrugsabsicht seines Unternehmens weit von sich. Der Preis sei niedriger ausgefallen, weil die von den Kleinbauern gelieferten Rizinussamen nicht gewaschen und trocken waren. Etwa 40 Gewichtsprozent der Ernte habe einfach aus Schmutz und Erde bestanden, weshalb auch der Preis 40 Prozent niedriger ausfiel. Die Bauern von Araranguá hätten das wahrscheinlich nicht richtig verstanden.
Egal ob von Kleinbauern produziert oder aus der Großplantage. Rizinus eignet sich bislang nicht für das Biodieselgeschäft. Brasil Ecodiesel musste inzwischen einräumen, dass ihr Biodiesel weiterhin zu 90 Prozent aus Sojaöl besteht. Der auch von DED (deutschen entwicklungsdienst) und GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) geförderte Rizinus-Biodiesel ist schlichtweg ein Riesen-Flop, der leider mit einer nicht wieder gut zu machenden Umweltzerstörung größten Ausmaßes erkauft ist. Denn die zum Opfer gefallenen Cerrado-Wälder gelten als die Arten reichsten Gebiete Brasiliens, liegen sie doch exakt in der Übergangszone zwischen den Amazonasregenwäldern und den kakteenreichen Caatinga-Wäldern.
Schon vor zwei Jahren klagte der Präsident der einheimischen Wassserschutzstiftung Funáguas, Judson Barros, Brasil Ecodiesel der rücksichtlosen Abholzung des Cerrados an. Die Agrarspritfirma lasse 100.000 Hektar kahlschlagen und zu Holzkohle verkohlen, während gleichzeitig nur schätzungsweise 3.000 Hektar von rund 750 Kleinbauernfamilien mit Rizinus bepflanzt wurden.
Trotz des Rizinus-Reinfalls werde aber, so der „O Estado de São Paulo“, das Biodiesel-Projekt nicht aufgegeben, sondern die Firma wolle nun statt auf Rizinus auf Jatropha, die indische Brechnuss, als neuen zukunftsfähigen Biodieselrohstoff in Piauí setzen. Damit sind weitere Abholzungen vorprogrammiert, zumal Brasil Ecodiesel inzwischen den größten und modernsten, computerisierten Kohlemeiler des Landes errichtet hat. Offensichtlich lässt sich noch bis auf weiteres mit der Verkohlung von kostenlosem Cerrado-Wald mehr Geld verdienen als mit der Biodieselproduktion.
Brasil Ecodiesel wird übrigens seit 2005 von Deutschen Entwicklungsdienst (DED Brasilien) und der deutschen Gesellschaft fuer technische Zusammenarbeit (GTZ) im Rahmen einer Entwicklungspartnerschaft unterstützt. Der Biodieselrausch wird außerdem auch durch die Deutsch-Brasilianische Agrobusiness-Initiative, koordiniert vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), gepuscht. Denn Agrosprit bedeutet auch satte Aufträge für die deutschen Technik- und Baufirmen wie Siemens und Lurgi.
Norbert Suchanek, Rio de Janeiro
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Bauarbeiten von Angra 3 haben begonnen Auch Brasiliens drittes Kernkraftwerk steht auf brüchigem Fels
Noch 1989 ging Brasiliens Präsident Lula da Silva zusammen mit seinem heutigen Umweltminister, Carlos Minc, gegen das geplante Atomkraftwerk Angra 3 auf die Straße. Doch nun setzen beide faktisch auf den Ausbau der Atomenergie. Auch der juengste Protest Anfang September von einigen Umweltgruppen und Bürgerinitiativen anlässlich des 21. Jahrestages des Atomunfalls von Goiânia – dabei wurden über 6.000 Brasilianer mit medizinischem Nuklearmüll radioaktiv verseucht - hinderte Mincs Umweltbehörde (IBAMA) nicht daran, nun den ersten Bauabschnitt des seit über 20 Jahren umstrittenen, dritten Atomkraftwerks zu genehmigen.
Angra 3 entsteht am selben Ort, wo sich bereits die Kraftwerke Angra 1 und Angra 2 befinden: An der bei Touristen beliebten „Grünen“ Südküste Rio de Janeiros in der Bucht von Angra dos Reis am Strand von Itaorna. Der Name stammt aus der Sprache der Guarani und bedeutet „fauliger Stein“. Tatsächlich empfehlen sich die geologischen Verhältnisse in diesem, von Erdbeben und Erdrutschen gefährdeten Küstengebirge zwischen Rio und São Paulo nicht gerade für „sensible“, Bauwerke noch fuer die Zwischenlagerung von strahlendem Muell.
Angra 3 ist aber „nur“ der Wiedereinstieg in ein noch gigantischeres Atomabenteuer, in dem ein forcierter Uranbergbau und dessen vorangetriebene Privatisierung die Schlüsselstellung einnehmen. Selbst bestehende Indianerreservate drohen dabei dem angekündigten Uranwahn zum Opfer zu fallen. Weltweite Kampagnen der Atomindustrie zum Ausbau der Kernenergie, um damit angeblich den Treibhauseffekt zu bekämpfen, bei gleichzeitiger Verknappung des genauso wie Erdöl endlichen Kernbrennstoffs lassen die Preise für Uranerz und Uranoxid (Yellowcake) und die Spekulationen in die Höhe schnellen.
Vergangenen Juni sagte der Präsident der brasilianischen Atomenergievereinigung, Associação Brasileira de Energia Nuclear (Aben), Francisco Rondinelli, dass sich mit den bereits prospektierten Uranlagerstätten von insgesamt 310.000 Tonnen Uranerz in Brasilien 25 Atomkraftwerke 60 Jahre lang betreiben ließen. Dabei sind erst nur etwa 25 Prozent des brasilianischen Territoriums auf Vorkommen des radioaktiven Minerals untersucht worden. Rondinelli schätzt, dass Brasilien der weltweit zweitgrößte Uranproduzent werden könnte, man müsse nur die vor etwa 20 Jahren eingestellte Uransuche wieder aufnehmen. Und um Prospektion und Ausbeutung voranzubringen plädiert er für die „Flexibilisierung“, sprich das Aufbrechen des staatlichen Atommonopols.
Im Nordostbundesstaat Ceará wird dies bereits 2009 der Fall sein. Dann soll Brasiliens erste Uranmine mit privater Beteiligung seinen Betrieb aufnehmen. Bislang holt Brasilien seinen Kernbrennstoff lediglich aus den Minen von Lagoa Real und Caetité in Bahia: Jährlich 400 Tonnen Yellowcake. Die Verdoppelung der Produktion ab 2012 auf 800 Tonnen ist schon beschlossene Sache. Die dadurch entstehenden Umweltschäden, die radioaktive Verseuchung von Boden, Luft und Grundwasser, die Gefahren für die lokale kleinbäuerliche Bevölkerung und deren Nahrungsmittelanbau indes scheinen dabei keine Rolle zu spielen. Atom-Politiker und Massenmedien rücken die Schaffung einer Handvoll Arbeitsplätze in den Vordergrund und verschweigen die - in vielen Fällen - leider tödlichen Strahlenrisiken.
So auch im neuen, noch größeren Uranbergbaugebiet Itataia bei Santa Quitéria in Ceará. Hier will das staatliche Nuklearunternehmen INB (Indústrias Nucleares do Brasil) im kommenden Jahr zusammen mit der Firma Galvani jährlich 1.600 Tonnen Yellowcake sowie rund 240.000 Tonnen Phosphat herausholen. Ein doppelt lohnendes Geschäft, denn Brasiliens Agrobusiness und die Biotreibstoffbranche sind hungrig nach Phosphatdünger. Und bislang muss Brasilien 75 Prozent seines Kunstdüngers importieren.
Santa Quitéria wird aber nicht die letzte strahlende Mine sein. Brasiliens Atomlobby vermutet nämlich die größten Uranvorkommen in Amazonien. So sollen in den Lagerstätten Rio Cristalino (Gebiet der ehemaligen VW-Rinderfarm) im Bundesstaat Pará und Pitinga im Bundesstaat Amazonien zusammen wenigstens 300.000 Tonnen Uranoxid schlummern. Laut unbestätigten Gerüchten zufolge, so aktuell das Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL) in Berlin, befinde sich aber das größte Uranvorkommen der Welt im Bundesstaat Roraima, ausgerechnet in dem zur Demarkation ausgewiesenen Indianerreservat Raposa Serra do Sol.
Tatsächlich strahlten brasilianische Fernsehsender vor wenigen Monaten einen – auch bei Youtube im Internet zu sehenden – vor mehreren Jahren aufgenommen Bericht mit dem in Brasilien berühmten Ethnologen Orlando Villas Boas aus. Der vor sechs Jahren verstorbene Ethnologe spricht darin über das Reservat der Yanomami-Indianer in Roraima und dass dort die größten noch ungehobenen Uranreserven der Welt lägen. Laut Villas Boas würde die Regierung der USA die Yanomami manipulieren, um an diese Uranvorkommen heranzukommen, sprich den Brasilianern wegzunehmen.
Tatsaechlich ist die US-Regierung George Bush seit einiger Zeit nicht nur Erdoel- sondern auch Uranhungrig. Seit Anfang des Jahres will sie im eigenen Land umstrittene neue Uranminen gegen den Protest der Navajos anderer betroffener Indigener durchsetzen.
Die Navajo Nation werde alle möglichen Schritte unternehmen, um jegliche Uranbausbeutung in oder nahe seines Territoriums zu verhindern, warnte Navajo Nation Präsident Joe Shirley, Jr. vergangenen März in einem an Bush gerichteten Schreiben. „Es ist für mich gewissenlos, wenn die Bundesregierung die Erlaubnis für die Wiederaufnahme des Uranbergbaus nahe der Navajo Nation in Betracht zieht, während wir weiterhin unter den Folgen der früheren Uranminen leiden“, so Navajo-Präsident Shirley. „Wir wollen nicht, dass eine neue Generation von Kindern mit Missbildungen auf die Welt kommt.“ Die Navajo Nation werde nicht erlauben, „dass seine Bevölkerung mit Krebs und anderen durch Radioaktivität ausgelöste Erkrankungen leben muss, während gesichtslose Firmen die Profite einstreichen.“ Während des Kalten Krieges beutete die US-Regierung rücksichtslos die Uranvorkommen des Navajo-Reservats sowie in seiner Umgebung für ihr Atomwaffenprogramm aus. Weite Teile des Gebiets sowie Grundwasservorkommen wurden radioaktiv verseucht, und Navajo-Arbeiter ohne ausreichenden Strahlenschutz und uninformiert in die Minen geschickt. Präsident Sherley: "Das Vermächtnis des Uranbergbaus zerstört weiterhin Menschen und Land. Die Minenarbeiter, ihre Familien und ihre Nachbarn leiden unter erhöhten Krebsraten und anderen Strahlenkrankheiten.“
Die Folgen des strahlenden Bergbaus im trockenen Nordostbrasiline sind fuer die betroffenen Bevoelkerungsgruppen mit Sicherheit kaum weniger gravierend wie fuer die Navajo. Egal ob staatlich oder privatisiert, egal ob mit oder ohne USA. Uranbergbau ist eine ökologische und soziale Katastrophe für die betroffenen Regionen. Und dies wird auch fúer die moeglichen Uranminen im süßwasserreichen Amazonien gelten.
Norbert Suchanek, Rio de Janeiro
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Keine Angst vor gesättigten Fetten, Unfaire Kämpfe um fette Marktanteile von Norbert Suchanek
Ich mach’s kurz und schmerzlos: Kokosöl oder Kokosfett ist erstens gesund und zweitens ideal zum Kochen, eben weil es viel gesättigte Fettsäuren, vor allem die Laurinsäure enthält! Das bestätigen Forscher und langjährige traditionelle Nutzung. Schon seit vielen Jahrhunderten verwenden die Menschen besonders in den Tropen Kokosfett zum Kochen, Backen, Braten und Frittieren. Die gesättigten Fettsäuren der Kokosnuss sind der Grund dafür, dass beim Erhitzen keine schädlichen Verbindungen entstehen. Außerdem kann Kokosfett Krankheitserregende Viren und Bakterien im Körper bekämpfen, die Leber vor Alkoholschäden schützen, das Immunsystem unterstützen und zu einer Normalisierung der Körperfettwerte führen.
Dennoch wurde dieses für Ernährung und Gesundheit hochwertige Fett der weltweit verbreitesten und bekanntesten Tropennuss seit den 1960er Jahren zunehmend aus der Küche von Millionen von Haushalten verbannt? Selbst im kokosnussreichen Brasilien stiegen die Menschen auf industriell erzeugte Fette, Margarinen und Soja-Öl um. Was war der Grund für diesen globalen Umschwung? für dieses globale „Brainwashing“? Ganz einfach: Eine finanzstarke Lobby vornehmlich aus den USA wollte es so und kreierte eine wirksame Diffamierungskampagne.
Hintergrund: Die seit den 1950er Jahren voranschreitende Industrialisierung der Land- und Viehwirtschaft, die Umstellung von Weidehaltung zu Massenställen führte erstens zum wachsenden Anbau von Soja und zweitens zum wachsenden Einsatz von Soja-Schrot als Vieh- und Hühnerfutter. Das dabei in zunehmenden Maße anfallende Nebenprodukt heißt Soja-Öl. Dafür musste ein Markt erschlossen werden, sprich das flüssige „Nebenprodukt“ an den Mann und die Frau gebracht werden - auf Teufel komm raus.
„Mehr als drei Jahrzehnte lang litt die Kokosindustrie unter den Diffamierungen verschiedener Vereinigungen, etwa der Verbraucherschutzorganisation Centres for Science in the Public Interest (CSPI), der American Soybean Association (ASA), von Vertretern der Speiseölindustrie und der wissenschaftlichen und medizinischen Fachwelt, die ihre Fehlinformationen wiederum von Institutionen wie der CSPI und der ASA erhielten“, kritisiert die amerikanische Ernährungswissenschaftlerin Mary G. Enig. Die Kampagne gegen gesättigte Fettsäuren habe in den späten 1950ern begonnnen, als ein US-Forscher in Minnesota behauptete, dass gehärtete Pflanzenfette die Ursache für das Ansteigen der Herzkrankheiten seien. Gleichzeitig versuchte die Industrie die schon in den 1960er Jahren nachgewiesenen, schädlichen Wirkungen der industriellen teilweise gehärteten und mit krebserregenden Transfettsäuren durchsetzten Fette zu unterdrücken.
Mary G. Enig: „1965 wurde die American Heart Association (AHA) von einem Beauftragten der Firma Procter & Gamble Pharmaceuticals aufgefordert, in ihrem Bericht über die Wechselwirkungen zwischen Herzzustand und Ernährung jegliche Beziehung zu Transfettsäuren zu entfernen. Das in diesem Sinne geänderte offizielle Dokument ermutigte zum Verzehr teilweise gehärteter Fette.“ Schlimmer noch: Der Lobbyist von Procter & Gamble habe schliesslich in den 1970er Jahren leitende Positionen in der Herzforschung bekommen.
Die Speiseölindustrie trieb so - trotz der Bedenken, von ihr unabhaengiger Forscher - rücksichtslos den wachsenden Verbrauch der industriellen, teilweise gehärteten Pflanzenfette voran, bei gleichzeitiger Verdammung der natürlichen, gesättigte Fette. Mary Einig: „Das Transfett-Thema wurde unter den Tisch gekehrt. Die amerikanische Speiseölindustrie sponserte das Informationsmaterial zur Schulung der Öffentlichkeit, und die auf natürlicher Basis arbeitende Molkerei- und Tierfettindustrie erwies sich als unfähig, diesen Informationen etwas entgegenzusetzen. Kokos-, Palm- und Palmkernöl hatten, da sie in den USA nicht angebaut wurden, keine Position, um sich verteidigen zu können.“
Es ist kaum abzuschätzen wie viel Leid, wie viele Menschenleben diese mit „wissenschaftlichen“ Lügen oder Falschinterpretationen betriebene Zwangsumstellung der Ernährung von Hunderten von Millionen von Menschen kostete und noch kosten wird. Denn während die mit Transfettsäuren belasteten gehärteten Fette inzwischen in der EU weitestgehend verbannt sind, werden sie weiterhin rücksichtslos in den Ländern der „Dritten Welt“ wie Brasilien verbreitet – zu Lasten der traditionell verwendeten natürlichen Öle und Fette.
Erster „wissenschaftlicher“ Angriff auf Olivenöl?
Waehrend Butter, Schweineschmalz und Kokosfett unter der "Ernaehrungsforschung" kraeftig zu leiden hatten, wurde das Olivenöl in den letzten Jahren geradezu hochgelobt. Das aus den Früchten des Olivenbaumes gewonnene Öl ist seit Jahrtausenden das traditionelle Koch- und Koerperoel im Nahen Osten, in Nordafrika und Suedeuropa. Dank der gegen Herzkrankheiten vorbeugenden „Mittelmeerdiät“ ist es auch in Deutschland zu nehmend beliebt.
Olivenöl ist zwar Hitzeempfindlicher als Kokosfett, eignet sich aber dennoch hervorragend zum Kochen und Braten. Zu beachten ist nur, dass die Temperatur nicht über 170 Grad Celsius steigt und das Öl nicht zu rauchen anfängt.
Olivenoel ist aber auch je nach Sorte pur oder im Salat ein köstlicher Genuss. Doch verlieren wir Jahr für an Olivenölvielfalt aus den verschiedensten Gründen. So auch in Palästina, dem mit wichtigsten und traditionellsten Anbaugebiet des Ölbaumes. Dies findet in der heutigen Berichterstattung über den seit Jahrzehnten andauernden Verdrängungskrieg zwischen der Regierung Israels und den Palästinensern aber kaum Berücksichtigung. Wer weiß schon, dass die israelische Regierung als kollektive Bestrafungsmaßnahme Jahrhunderte alte Olivenölbäume der einheimischen Palästinenser ausreißen lässt? Natürlich bin ich gegen Mord oder Sich-selbst-in-die-luft-sprengen. Aber ich bin ebenso gegen das rücksichtlose Abholzen von alten Olivenbäumen. Denn damit wird nicht nur die Existenz von alt eingesessenen Familien, sondern auch ein Erbe der Menschheit vernichtet.
Tagtäglich verlieren wir Olivenölbaumsorten von denen der fernseh-aufgeklärte Verbraucher noch nicht mal eine Ahnung hat. Ähnlich in Westspanien und Portugal: Das unsägliche Voranschreiten der industriellen Eukalyptusforste hat dort bereits unzählige kleinbäuerliche Olivenbaumhaine aus dem Weg geräumt. Das ist nicht nur ein Verlust an Artenvielfalt. Es ist ein nicht zu wiedergutmachender Verlust an Kultur und an Geschmack!
Ich besuchte Galizien und Portugal im vergangenen Januar und war nahe daran zu weinen. Eukalyptus, Eukalyptus, Eukalyptus, Eukalyptus: Eine nicht enden wollende Grüne Wüste von australischen Eukalyptusbäumen zur Zellstoffproduktion. Und dort wo noch Oelbäume wuchsen, da waren sie verweist, verlassen. „Weil es sich nicht mehr lohne die Oliven zu Ernten“, so die Antwort der Einheimischen im Norden Portugals und im Alentejo. Wenige große Olivenölproduzenten bestimmen den Markt.
Doch zurück zur so genannten Wissenschaft: Fast genau vor einem Jahr erregte die Schlagzeile „Olivenöl kann zu Arteriosklerose beitragen“ die Gemüter. Untersuchungen an Meerschweinchen vom Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Universität Münster kamen zu diesem Ergebnis: Entgegen der allgemeinen Annahme, dass ungesättigte Fettsäuren Herzinfarkt verhindern, könnten einige einfach ungesättigte Fettsäuren wie die Ölsäure aus Olivenöl das Risiko von Arteriosklerose und ernsthaften Herz-Kreislauf-Erkrankungen eher erhöhen und Herzmuskelzellen schädigen! "Die landläufige Meinung, dass Olivenöl gesund ist, muss wohl revidiert werden", so die Münsteraner Forscher. "Sicher muss vor einer endgültigen Aussage die Wirkung von Olivenöl beim Menschen geprüft werden. Aber schon jetzt darf man berechtigte Zweifel an den so einseitig gepriesenen Vorteilen von Olivenöl haben."
Diese Aussage wurde selbstverständlich augenblicklich von der Olivenölbranche wie auch von anderen Ernaehrungsforschern kritisiert. Die Deutsche Herzstiftung schrieb: "Diesen isolierten Reagenzglasversuchen stehen die Ergebnisse zahlreicher auch bei großen Bevölkerungsgruppen durchgeführter wissenschaftlicher Untersuchungen gegenüber, die den gesundheitlichen Nutzen der mediterranen Küche mit Olivenöl als Haupt-Fettlieferant klar belegen."
Ich selbst möchte die Studie aus Münster nicht gänzlich verdammen – wenn ich auch grundsätzlich gegen Tierversuche bin! Denn die Forscher der Uni Münster zeigten ebenso, dass Gesättigte Fettsäuren die schädigende Wirkung der einfach ungesättigten Fettsäuren teilweise wieder aufheben. Das heißt konkret: Olivenöl kombiniert sehr gut mit fettreichem Käse, den köstlichen, fettreichen Salamis, fetten Specken oder mit einem saftigen Wildschweinbraten. Alles traditionelle Speisen des Mittelmeerraums und somit gleichfalls eine Mittelmeerdiaet!
Weitere Informationen:
www.uni-muenster.de/Chemie.pz/ www.apccsec.org/document/ENIG.pdf www.ethlife.ethz.ch/archive_articles/070926-fettecolombani/index www.herzstiftung.de www.cilento-nationalpark.de/beilage/oel2.html
Norbert Suchanek, Rio de Janeiro
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