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Umweltnachrichten April 2006
Grünes Licht für Gen-Food
Die schwarz-rote Bundesregierung will offensichtlich die Gentechnik in der Landwirtschaft vorantreiben. "Chancen für die Landwirtschaft, den Umweltschutz und die Verbraucher sollen genutzt und die weitere Erforschung gefördert werden", zitierte jüngst das Magazin Focus den Bundesumweltminister Sigmar Gabriel von der SPD. Focus zitierte auch die Beauftragte für Verbraucherpolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Julia Klöckner, die gleichfalls die "grüne Gentechnik nicht mit aller Gewalt, aber mit Vernunft" vorantreiben wolle. Als Begründung für den Einsatz gentechnisch veränderter und von transnationalen Konzernen patentierter Organismen führte die offensichtlich falsch informierte und von den Problemen der Menschen in den so genannten Entwicklungsländern ahnungslose Politikerin die längst widerlegte Mär der Gentechnik-Industrie an, dass Gen-Food für die künftige Ernährung der Weltbevölkerung notwendig sei.
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Mehr Erdöl und mehr Atomkraft
Die Energieminister der G8-Staaten – zu denen natürlich auch Deutschland gehört - wollen zur „Energiesicherheit" in den nächsten 25 Jahren 17.000 Milliarden US-Dollar vorwiegend in den Ausbau der fossilen und atomaren Energienutzung investieren, so das Ergebnis des jüngsten G8-Treffens in Moskau. „Die G8 rufen zum massiven Ausbau der Ölförderung und der Kohlenutzung auf", kritisiert das Forum Umwelt & Entwicklung. „Wenn diese rückwärtsgewandte Agenda realisiert würde, wäre der Klimakollaps vorprogrammiert." Der bisher vorliegende Energieaktionsplan der G8 rufe dazu auf, Ölquellen schneller zu erschließen, sie intensiver auszubeuten, zusätzliche Raffinerien zu bauen, weitere Atom- und Kohlekraftwerke zu bauen - kurzum: die überholte Energiepolitik des 20. Jahrhunderts fortzusetzen.
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Idiotische Gesundheitspolitik
Endosulfan ist ein Gift, das Milben und Blattläuse tötet und gleichfalls eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellt. Deshalb darf das Pestizid seit 1991 bei uns auch nicht mehr in der Landwirtschaft verwendet werden. Das hindert unsere Agrarchemie-Industrie aber nicht daran, diesen Stoff weiter in Deutschland herzustellen und ins Ausland zu exportieren. Wie Greenpeace unlängst festgestellt hat, landet das Gift nun eben über die Lebensmittelimporte bei uns auf den Mittagstisch.
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Bundesregierung: Fünf Schritte zurück, keiner vor
Das Hühnerleid in den Legebatterien wird wohl noch ein paar Jahre weitergehen. Denn auf Antrag der Länder Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern hat der Agrarausschuss der Länderkammer einen Änderungsantrag zur Tierschutznutztierhaltungsverordnung akzeptiert. Das eigentlich ab 1.1.2007 geltende Verbot der Käfighaltung von Legehennen werde damit aufgekündigt. Das Vorhaben der Bundesländer widerspricht dem Willen von Millionen von Bürgerinnen und Bürgern, die sich in der Vergangenheit für das Ende der Käfigqualhaltung eingesetzt haben", so der Deutsche Tierschutzbund.
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Mehr Schweinefabriken
Längst produziert die EU mehr Schweine als genug. Dennoch planen Großinvestoren auch in Deutschland regelrechte Schweinefabriken, in denen bis zu 100.000 Tiere gleichzeitig gemästet werden können. „Da in der EU der Bedarf an Schweine- und Geflügelfleisch bereits ausreichend gedeckt sei, sich der Trend zur industrialisierten Tierhaltung jedoch weiter verstärke, werde in der Folge der Export deutscher Fleischprodukte in Länder außerhalb der EU zunehmen", so der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Umweltschutzorganisation warnt in diesem Zusammenhang vor einer Absenkung der ohnehin schon geringen Umweltstandards für den Betrieb industrieller Tierhaltungsanlagen, da die riesigen Ställe Probleme bei der Gülleentsorgung hätten. Hubert Weiger, agrarpolitischer Sprecher des BUND: "Die Fleischberge werden exportiert und die Gülleseen bleiben zurück. Damit wird das Problem der Nitratbelastung des Grundwassers und der Ammoniakemissionen weiter verschärft. Den Schweinebaronen werden von Bund und Ländern rote Teppiche ausgerollt, unter die man die Interessen der Bauern und der Umwelt kehrt." Mit Investitionsbeihilfen und Erleichterungen bei der Genehmigung von Großmastanlagen werde der Trend zur industriellen Tierhaltung überdies gefördert.
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Alle Texte von Norbert Suchanek sind urheberrechtlich geschützt. Mit freundlicher Gehnehmigung. Kontakt: Norbert Suchanek
Weniger Reis
Das Hauptgrundnahrungsmittel der Weltbevölkerung, Reis, könne nach Auffassung von Experten schon in naher Zukunft knapp werden. Ursache sei der Verlust von Anbauflächen in China, wo immer mehr Ackerland dem Straßenbau und der Industrie weichen müsse. Bereits jetzt importiere China Reis aus Südostasien. Für mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung ist Reis derzeit das wichtigste Nahrungsmittel. 90 Prozent der Reisfelder der Welt liegen in Asien.
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Fair bei Lidl?
"Wir sehen bei der geplanten Zusammenarbeit zwischen Transfair e.V. und Lidl keinen tendenziellen Widerspruch", so Wolfgang Johann von der "Aktion 3.Welt Saar". Transfair ist die bundesweit führende Siegelorganisation für Produkte aus Fairem Handel mit der 3. Welt und plant aktuell eine Zusammenarbeit mit dem Billig-Discounter Lidl. Anders als die Weltläden setzt Transfair auf die Zusammenarbeit mit Supermärkten und mit Herstellern, die ihre Erlöse im Verkauf mit nicht fair gehandelten Produkten erzielen. Die geplante Kooperation verweise vielmehr auf ein generelles Problem bei Transfair: Die niedrigen Standards erlauben zwar die Kooperation mit Discountern, schränken aber damit die Glaubwürdigkeit des Fairen Handels, wie er in über 800 Weltläden bundesweit betrieben wird, ein. "Insofern ist in dem vorliegenden Fall ausnahmsweise nicht nur der Lidl-Konzern das Problem, sondern die Politik der niedrigen Standards bei Transfair. Lidl nutzt lediglich eine juristische Lücke."
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Soja bedroht Grundwasser
Das zweitgrößte Grundwasserreservoir der Welt, "Aquifero Guarani" genannt, befindet sich im Länderviereck Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien. Nicht nur lokale Umweltorganisationen, sondern auch Politiker und selbst die katholische Kirche dieser Länder sorgten sich nun, dass dieses gewaltige Trinkwasservorkommen in die Hände multinationaler Konzerne gelangen könnte, berichtet der Korrespondent Klaus Hart aus Sao Paulo. Ein weitere, aktuelle Bedrohung des Grundwasserreservoirs stellten die Agrargifte der Soja-Plantagen dar, so die einheimische Umweltschutzorganisation Rios Vivos, die deshalb auch die deutsche Bundesregierung und die anderen EU-Statten bittet, die Sojaimporte aus diesen Gebieten, aber auch aus jüngst gerodeten Urwaldzonen zu stoppen.
www.fian.de
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Freihandel und Raubtierkapitalismus
„Der Freihandel hat mit Freiheit überhaupt nichts zu tun, denn er ist die Freiheit des Raubtiers." Jean Ziegler. Der Schweizer Autor, Soziologe und UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung weist darauf hin, dass täglich 100 000 Menschen an Hunger und den Folgen von Unterernährung sterben.
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Soja bedroht Indianer
„Das Vorrücken der `Soja-Grenze´ zerstört Wald der Indianer", warnt Survival International. Bereits jetzt seien große Waldgebiete im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso durch den Soja-Anbau vernichtet und die Flüsse mit Pestiziden verseucht. Die Menschenrechtsorganisation mit Sitz in London und Berlin, die bewusst auf staatliche Finanzierung oder auf Sponsorengelder von Konzernen verzichtet, berichtet, dass nun einer der größten Soja-Produzenten der Welt, die Familie Maggie, noch weitere Waldgebiete der Indianer Mato Grossos abholzen und in Soja-Plantagen umwandeln wolle. Aus Moto Grosso selbst sei kaum Hilfe für die verschiedenen Indianervölker wie die Kawari oder Enawene Nawe zu erwarten, ist doch der Gouverneur des Bundesstaates, Blairo Maggie, ein ehrenwertes Mitglied des Maggie-Clans. Übrigens: Schon seit der Regierung Helmut Kohls finanziert Deutschland mit über hundert Millionen Euro Steuergeldern den - in der Realität nicht existierenden - „Regenwaldschutz" in Brasilien, gleichzeitig ist Deutschland schon seit den 1980er Jahren einer der Hauptimporteure von Soja aus Brasilien und damit einer der weltweit größten Tropenwaldvernichter.
Survival International Deutschland Tel. 030-29002372 www.survival-international.de
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Gift im Auto
Fühlen Sie sich manchmal krank, brennen die Augen, oder ist Ihnen übel beim Autofahren? Krank machende Ursache kann ein Chemikalien-Coctail ihres neuen Autos sein, der seinesgleichen sucht. Eine Untersuchung der Umweltschutzorgansation Global 2000 stellte nämlich bis zu 98 schädliche, ausgasende Chemikalien in Neuwagen fest. Der Gift-Coctail steckt in den Armaturen und Sitzen, Stoffbezügen, in den Bodenbelägen genauso wie in den verwendeten Lacken und reicht von Lösemitteln bis hin zu Flammschutzmitteln, Weichmachern und Formaldehyd.
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Handys - Gefahr für Kinder
„Wissenschaftliche Studien der letzten Jahre fanden besorgniserregende biologische Effekte und gesundheitliche Störungen im Einfluss von Handystrahlung", berichtet im vergangenen März das Institut für Baubiologie und Ökologie. „Deshalb warnen immer häufiger Regierungen, Ministerien, Behörden, Ärztekammern, Wissenschaftler, Krebsforschungszentren... vor der Handynutzung speziell bei Kindern und Jugendlichen." Die österreichische und Wiener Ärztekammer kamen November 2005 zu dem Schluss: "Die Strahlung von Handys ist nicht so ungefährlich, wie von den Mobilfunktreibern behauptet wird. Gesundheitsrisiken werden nicht ausreichend beachtet. Für Handys zeigt sich auf sämtlichen naturwissenschaftlichen Nachweisebenen unter anderem die Schädigung der Erbsubstanz."
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Atomindustrie wittert Morgenluft „Neue“ erneuerbare Energien mit falschen Ansätzen von Norbert Suchanek
Der Auswirkungen des Klimawandels werden immer offensichtlicher, das Erdöl knapper – und die internationale Atomindustrie wittert deshalb Morgenluft. Mit dem vermeintlich stimmigen Argument, dass sie keinerlei Treibhausgase produziere, drängt sie zu einem globalen Wiedereinstieg in die Erzeugung von „sauberem“ und „sicherem“ Atomstrom.
Brasilien, das bereits zwei mehr oder weniger funktionierende Reaktoren und ein drittes seit über zehn Jahren in Bau hat, plant mit Hilfe von Siemens gleich sieben neue Nuklearkraftwerke; China will in den nächsten Jahren gleich mehrere Dutzend Atomreaktoren bauen und in Deutschland denkt die neue Regierung über eine Verlängerung der „Restlaufzeiten“ nach, während die Industrie gleichzeitig offen von einem Wiedereinstieg spricht – natürlich nur, um das Klima zu retten.
Doch die Atomreaktorindustrie ist weder eine saubere, noch sichere Sache, noch schützt sie unsere Welt vor dem, von den Auspuffgasen unserer Gesellschaft erzeugten Treibhauseffekt. Denn beflissentlich verschweigen und verdrängen die Atomkonzerne wie Siemens und die auf Atomkraft setzenden Regierungen, dass bereits für die Erzeugung des Kernbrennstoffs, Uran, nur mit einem hohen ökologischer und sozialer Preis gezahlt werden muss. „Seit Anfang der 1940er Jahre, als in Kanada und Afrika das erste Uran aus der Erde geholt wurde, sterben Menschen an den Folgen von Uranabbau und strahlendem Müll“, sagt der Münchner Umweltaktivist, Autor und Journalist, Claus Biegert, der 1992 das legendäre World Uranium Hearing in Salzburg veranstaltet hatte, bei dem erstmals die Opfer des Uranabbaus weltweit zu Wort kamen. Biegert spricht von 40.000 Toten, die jährlich auf das Konto der Uranindustrie gehen. „Auf eine Tonne Uran“, so Biegert, „kommen 100.000 Tonnen strahlender Abraum, der oft einfach sich türmt, Wind und Regen preisgegeben. Und die dort lebenden Menschen sind dem ausgeliefert, ob sie wollen oder nicht.“
Großstaudämme als erneuerbare Energiequelle?
Auch die schon vor über zwanzig Jahren als ökologisch unverträglich identifizierte Staudamm- und Wasserkraftindustrie präsentiert sich mit ihren Großkraftwerken auf dem internationalen Parkett wieder als eine umweltfreundliche, „erneuerbare“ und zur Rettung des Weltklimas notwendige Energiequelle. Vergessen sind die Millionen von Menschen, meist Ureinwohner und traditionelle Bevölkerungsgruppen, deren Wälder und Ackerland rücksichtslos unter Wasser gesetzt wurden und in riesigen Stauseen versanken. Vergessen auch, dass diese Stauseen oft mehr Treibhausgase in Form von Methangas und anderen Faulgasen produzieren, als sie durch die Stromerzeugung einsparen.
Die dritte, angeblich umweltfreundliche, „erneuerbare“ Energiequelle, die neuerdings unsere Abhängigkeit vom Erdöl beseitigen und unsere Umweltprobleme lösen soll, kommt in Form von „Biosprit“, „Bioalkohol“ oder „Biodiesel“ daher. Alkohol, genauer gesagt Ethanol hergestellt aus konventionell und mit Hilfe von Kunstdünger und Pestiziden angebauten Zuckerrüben, Zuckerrohr oder Mais trägt neuerdings die Vorsilbe „Bio“ und gilt als Umweltfreundlich, nur weil Benzin aus Erdöl das Klima anheizt? Schon seit langem fahren Brasiliens Autos zu etwa 44 Prozent mit diesem „Biosprit“. Nun will Brasilien, dessen Zuckerrohranbaufläche schon auf 5,7 Millionen Hektar – zu Lasten von Tropenwald und kleinbäuerlicher Nahrungsmittelproduktion - angewachsen ist, auch den Weltmarkt für Biotreibstoffe erobern. Rund 2,5 Milliarden Liter seiner Ethanolproduktion aus Zuckerrohr exportiert Brasilien bereits vor allem in die USA und nach Indien.
Ökologisch bedenklicher Biodiesel
Bislang drehte sich die Biotreibstoff-Diskussion in Deutschland vor allem um die eigenen Bauern und Absatzchancen. Aber beflissentlich unter den Tisch gekehrt wird die Tatsache, dass der Rohstoff dieser so genannten Biotreibstoffe längst auch aus den Tropen kommt. Biodiesel aus Palmöl beispielsweise, erzeugt mit unerträglichen sozialen und ökologischen Kosten wie der Vertreibung von lokalen Bevölkerungsgruppen, Regenwaldabholzung und Gewässervergiftung. Ein anderer Aspekt in der Diskussion um die so genannten Energiepflanzen und Biotreibstoffe steht gleichfalls meist nur zwischen den Zeilen und kaum in den Überschriften: Die Gentechnik-Fantasien der Life-Science-Forscher. Sie setzen auf gentechnisch veränderte Energiepflanzen (GVO): Bäume beispielsweise, in denen Gene eingepflanzt sind, die zur Steigerung der Alkoholausbeute die Bildung von Blühten verhindern, wie erst kürzlich im US-amerikanischen Science-Magazin vorgeschlagen. Was werden wohl Imker und Bienenvölker „sagen“, wenn auf Tausenden von Hektaren Bioethanol-Wälder ohne Blüten wachsen, oder wenn sich gar dieses „Anti-Blüten-Gen“ - von den Gentechnikern ungewollt – in der Natur weiterverbreiten sollte?
Schon seit dem ersten Bericht an den Club of Rome, „Die Grenzen des Wachstums“, 1972, wissen wir, dass der verschwenderische Ressourcenverbrauch so nicht weitergehen darf – will die Menschheit in ihrem Ökosystem Erde überleben. Und einer der größten Verbraucher ist nun mal der Individualverkehr. Das Auto für jeden, so das Worldwatch Institute, „führt nicht in ein zukunftsfähiges Jahrhundert.“ Es ist zu kurz gegriffen und der falsche Ansatz, wenn wir lediglich fossile Treibstoffe durch andere austauschen, aber trotzdem immer mehr Autos in die Welt setzen und immer mehr Lastwagen quer durch Europa schicken. Ressourcen- und Flächenverbrauch werden dadurch nicht geringer, die Luft nicht wirklich besser. Und die verstopften Straßen werden auch nicht leerer, nur weil die Tankstellen Palm- und Rapsöl, Ethanol, oder Biodiesel statt Benzin und Diesel verkaufen.
Energie sparen, ÖPNV, Windenergie und Solarenergie – die echten Alternativen zu Erdöl und Atomstrom
Die wunderbare neue Welt der Energiepflanzen, die Propaganda umweltfreundlicher Atomkraftwerke oder ökologischer Großstaudämme: Alles Mogelpackungen also zur Aufrechterhaltung des Trugbilds, dass sich unsere globalisierte, Energie fressende, automobilisierte Gesellschaft, dass sich unser konsumorientierter Lebensstil nicht ändern muss - und damit die Konzerne wie Siemens, Monsanto, Procter & Gamble, Nestlé, Mercedes, BMW, Volkswagen und Co. weitermachen können, wie bisher.
Die richtigen Antworten auf den Klimawandel hingegen sind nicht neu, sondern altbekannt. Biogas „ja“, aber nicht von extra dafür angebauten Pflanzen produziert, sondern aus unseren, sowieso täglich anfallenden Fäkalien und Pflanzenreststoffen. Wasserkraft „ja“, aber nur in Form von Kleinstkraftwerken mit einem minimalen Einfluss auf die Flussökologie. Und natürlich die Nutzung von Wind und Sonne. Es gilt die Windkraft sowie die Solarenergie, den Einsatz der Sonne zur dezentralen Strom und Wärmeerzeugung weiter auszubauen – und Energie zu sparen durch Senkung des individuellen Stromverbrauchs beispielsweise und durch Nutzung des ÖPNV.
(Im kasten)
„Das Ziel des World Uranium Hearings war, einem ausgewählten Kreis von Menschen des öffentlichen Lebens die Chance zu geben, denen gegenüberzustehen, die die Leidtragenden unseres „Way of Live“ sind. Man könnte auch ein Erdöl-Hearing, ein Kaffee-Hearing machen, man könnte viele Hearings machen, weil erst, wenn ich den Leuten in die Augen blicke, flicke ich wieder die Nabelschnur, die durchtrennt ist. Denn all dies, was wir tun funktioniert ja nur, weil ich nicht weiß, wer die Leidtragenden sind. Was sind die Konsequenzen meines Handelns. Sobald ich es wüsste, hätte ich Schwierigkeiten. Und als Journalist kommt eigentlich die Pflicht auf mich zu, diese Verbindung herzustellen.“
Claus Biegert, Initiator des World Uranium Hearings und des Nuclear-Free Future Award, der alljährlich an Personen vergeben wird, die sich für eine Welt ohne Atomkraftwerke einsetzen. Nuclear-Free Future Award, Schellingstraße 24 Rgb., D-80799 München, Tel. (089) 28659714, www.nuclear-free.com
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Nachrichten zu erneuerbaren Energien
"Erneuerbare Energien statt Atomenergie"
Als Antwort auf die Diskussion um verlängerte Restlaufzeiten unserer Atomkraftwerke startete die Organisation EUROSOLAR die Anzeigenkampagne: Erneuerbare Energien statt Atomenergie. „Ob Gasstreit oder Klimaschutz - wenn es um die Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke geht, sind den AKW-Betreibern viele Mittel recht, um 20 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl von den Risiken und volkswirtschaftlichen Belastungen der Atomenergie abzulenken“, so EUROSOLAR. Mit der Anzeigenkampagne wolle die vor allem auf Solarenergie setzende Organisation des SPD-Energieexperte, Hermann Scheer in führenden Tageszeitungen erneut deutlich machen, dass Erneuerbare Energien die weitere Nutzung der Atomenergie überflüssig machen. EUROSOLAR: „Die neue weltweite Pro-Atomkampagne lenkt von den vielfältigen atomaren Risiken ab und versucht, wirtschaftliche Existenzängste zu wecken. Heute wird die Laufzeitverlängerung gefordert, morgen neue Atomkraftwerke.“
EUROSOLAR · Gemeinnützige Europäische Vereinigung für Erneuerbare Energien e.V. · Kaiser-Friedrich-Straße 11 · 53113 Bonn, Fax: 0228 - 361279 + 361213 · E-Mail: info@eurosolar.org · Internet: www.eurosolar.org
Europäer wollen Sonne statt Atom
Die Europäer bevorzugen Sonnenergie: 48 Prozent der europäischen Bürger wünschen sich weitere Investitionen in die Entwicklung der Solarenergie, so eine jüngste Umfrage der Europäischen Kommission. Mit Atomenergie indes will die Mehr nichts mehr zu tun haben. 88 Prozent der EU-Bürger wollen nicht, dass weiter in die Atomkraft investiert wird.
Weniger Hilfe für Solarwärme und Biomasse
Weil aufgrund der hohen Zahl von Förderanträgen für das Marktanreizprogramm zu Gunsten erneuerbarer Energien (MAP) die staatlichen Mittel bereits im Oktober 2005 ausgeschöpft waren, wurden nun laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die Fördersätze für Solarwärmeanlagen und Biomasseanlagen um 20 Prozent gesenkt. Dadurch solle erreicht werden, dass eine erheblich größere Zahl von Anlagen als in den Vorjahren gefördert werde. Die neuen Fördersätze: Anlagen zur solaren Brauchwassererwärmung werden künftig statt mit 105 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche nur noch mit 84 Euro/m2 bezuschusst, für Solaranlagenlagen zur Heizungsunterstützung gibt es statt 135 Euro nur noch 108 Euro je Quadratmeter Kollektorfläche.
www.solarserver.de
Shell will nicht nur Biodiesel aus Deutschland
"Um die Energieversorgung und den Klimaschutz weiter zu verbessern, müssen die erneuerbaren Energien künftig eine noch größere Rolle spielen - vor allem auf dem Kraftstoffsektor", verlautbarte jüngst der Shell-Konzern. Dabei reiche es aber nicht aus, nur Biodiesel aus Rapsöl-Methylester einzusetzen. "Wir müssen vielmehr modernere, zukunftsfähigere Biokraftstoffe entwickeln", so Kurt Döhmel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Shell. Dazu zähle auch synthetischer Dieselkraftstoff auf der Basis von Biomasse (Biomass-To-Liquids) oder Zellulose-Ethanol, die (noch) aus Pflanzenresten gewonnen werden und nicht mit der Nahrungsmittel-Produktion konkurrieren.
Problem: Solche Biomass-To-Liquids-Kraftstoffe seien noch teurer als Benzin oder Diesel aus Erdöl.
200 Milliarden Euro für Erneuerbare Energien bis 2020
Die Erneuerbare-Energien-Wirtschaft will in den kommenden 14 Jahren in Deutschland 200 Milliarden Euro investieren. Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BBE): "Im Jahr 2010 können wir jährlich schon deutlich über 12 Milliarden Euro investieren, ab 2015 dann mehr als 14 Milliarden." Vorraussetzung: Das
energiepolitische Gesamtkonzept der Bundesregierung müsse auf dem entschlossenen Ausbau Erneuerbarer Energien basieren. Der BEE wolle bis 2020 mehr als 20 Prozent des Energieverbrauches Deutschlands aus Erneuerbaren Energien zu decken. "Die Investitionen werden sich mehr als rechnen. Denn sie ersparen der deutschen Volkswirtschaft immer teurere und immer risikoreichere Energieimporte", sagt Lackmann. So würden Jahr für Jahr Öl, Gas, Kohle und Uran im Wert von mehr als 50 Milliarden Euro nach Deutschland eingeführt – mit steigender Tendenz.
Biotreibstoffe Tanken und weiter Auto fahren
Mit einer Biokraftstoffstrategie solle Deutschland die Erschließung neuer Energieträger für den Verkehr vorantreiben. Das forderte zumindest der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena), Stephan Kohler, auf der Konferenz "Biokraftstoffe der Zukunft", veranstaltet von dena der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. "Unser mobiles Leben hängt fast ausschließlich vom Mineralöl ab“, so Kohler. „Mit Biokraftstoffen können wir das ändern. Deshalb brauchen wir eine europäische und nationale Biokraftstoffstrategie", sagte Kohler. "Wichtig sind vor allem Verfahren, mit denen eine große Bandbreite unterschiedlicher Biomasse effizient verarbeitet und ohne weitere Anpassung der Motoren eingesetzt werden kann.“
www.dena.de
Wachsende Bedeutung der erneuerbaren Energien
Laut Bundesumweltministerium hatten die erneuerbaren Energien 2005 bereits einen Anteil von 10,2 Prozent an der Stromversorgung und 6,4 Prozent an der gesamten eingesetzten Endenergie in Deutschland. 2004 arbeiteten rund 160.000 Menschen in den Unternehmen der erneuerbaren Energien – Tendenz steigend. Der Bundesumweltminister Gabriel wies aber auch darauf hin, dass die "Vermeidung von Energieverbrauch unsere beste Energiequelle ist."
Die Devise müsse lauten: „Vermeidung von Energieverbrauch ist unsere beste Energiequelle. Heute kann entschieden werden, ob wir unsere Wirtschaftsleistung für mehr Effizienz einsetzen oder ob wir Teile unserer Wirtschaftsleistung für den Einkauf immer teurer werdender Energieträger verwenden wollen."
Grüne gegen Steuer auf Biodiesel
"Die vom Kabinett beschlossene Besteuerung der Biokraftstoffe ist eine völlig falsche Richtungsentscheidung hin zum Erdöl. Sie ist auch ein Vertrauensbruch da im bestehenden Gesetz die Steuervergünstigungen bis 2009 vorgesehen sind", sagen die beiden Grünen Spitzenpolitiker Renate Künast und der energiepolitischer Sprecher Hans Josef Fell.
"Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie die Große Koalition das zarte Pflänzchen Biokraftstoffe mit dem Ziel niedertrampelt, der Mineralölwirtschaft die mittelständische Konkurrenz von Biokraftstofferzeugern vom Leibe zu halten."
Scheer: Die Party ist zu Ende – bei Erdöl und auch bei Uran
Der SPD-Energieexperte, Hermann Scheer, lehnt eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke rigoros ab. Die große Koalition müsse weiter am Atomausstieg festhalten, sagte Scheer. Die Kernenergie habe ihre Chance in Deutschland gehabt, sie habe sich jedoch als nicht zukunftsfähig erwiesen. „Über 50 Jahre hinweg wurde sie der größte Subventionsfall, das größte und letztlich fehlgeschlagene Energieprojekt der Weltwirtschaftsgeschichte“, Scheer. Nun müsse man konsequent auf Sonne, Wind, Bioenergien und biothermische Energien setzen. Scheer: „Bei erneuerbaren Energien haben wir es nicht mit wenigen Förderländern zu tun, sondern mit einer natürlichen Umgebungsenergie. Und es ist die große Energielüge unserer Zeit, die systematisch immer noch gepflegt wird, dass das Potential erneuerbarer Energien nicht ausreiche, um die Energieversorgungsbedürfnisse der Gesellschaft zu decken. Das ist die große Energielüge.“
Die „Party“ sei sowieso in den nächsten Jahrzehnten, sowohl bei Erdöl wie bei Erdgas zu Ende. „Sie ist etwas später bei Kohle weltweit zu Ende, und sie ist auch bei Uran, also bei Atomenergie zu Ende.“
Kalifornien setzt auf Sonne
Der US-Bundesstaat Kalifornien setzt verstärkt auf Sonnenergie. Unter Gouverneur Arnold Schwarzenegger will der Westküstenstaat zum drittgrößten Solarstromproduzenten nach Japan und Deutschland aufsteigen. Dazu hat Regulierungsbehörde PUC (Public Utilities Commision) nun Fördergelder in Höhe von insgesamt 2,9 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 2007 bis 2018 gewährt. Ein Teil der Fördergelder soll durch einen Aufschlag von rund einen US-Dollar pro Monat auf die Stromrechnung der Endverbraucher finanziert werden.
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Convenience Produkte aus ökologischer Produktion sind im kommen Bio-Wachstum durch industrialisierte Nahrungsmittel? Von Norbert Suchanek
Die Biofach in Nürnberg wartete auch 2006 wieder mit Rekorden auf. Dieses nationale und internationale Wachstum der Biobranche ist erkauft mit dem Trend hin zu industrialisierten Bioprodukten, die die Convenience Produkte der konventionellen Nahrungsmittelhersteller nachahmen. Und damit dieses Wachstum weitergeht, forderte in einem der, die Biofach begleitenden Fachvorträge ein so genannter Zukunftsforscher die Biobranche geradezu, auf verstärkt auf diese industriealisierten und standardisierten Fertigprodukte zu setzen. Diese „Fünf-Minuten-Terrinen“ in Bio-Qualität seien die große Chance der Öko-Unternehmen auch künftig zu wachsen und neue Käuferschichten zu erschließen. Denn immer mehr Menschen hätten im Alltag immer weniger Zeit und Lust, um in der Küche zu stehen und irgendwelche Speisen zuzubereiten.
Aber sind diese vorgefertigten und eine Verpackung benötigende Lebensmittel wirklich der richtige und einzige Weg hin zu einem gesunden, ökologischen Leben, das so ressourcenschonend und nachhaltig ist, dass auch die kommenden Generationen mindestens dieselben Lebenschancen haben, wie wir? Oder führen solche, von der Industrie beeinflußte Zukunftsforscher und die neue Klasse, der nur auf Gewinn ausgerichteten Bio-Manager, die Bio-Bewegung nicht in Wirklichkeit aufs Glatteis, sprich auf eine schiefe Bahn bestimmt durch „schnelles Wachstum“ und „schnelles Geld“, die schließlich in den Abgrund und zum faktischen Ende der vor rund 30 Jahren gestarteten Biobewegung führt? Convenience Produkte reden nicht nur einem Energie verschwenden Lebensstil ohne Bezug zum echten Wert der Lebensmittel das Wort. Vorgefertigte Lebensmittel sind auch ideale Produkte zur Vermarktung durch große Nahrungsmittelkonzerne und Supermarktketten wie Nestlé, Metro, Rewe, Walmart und Co., die so ihre Wettbewerbsvorteile noch besser nutzen können und kleinere (Bio-)Unternehmen noch stärker unter Druck setzen und zum Aufgeben zwingen können.
Globalisierung wird verstärkt
Und was bedeutet es für die Öko-Bauern, wenn immer mehr Bio-Gemüse, Bio-Fleisch, Bio-Milch in industrialisierter Form von wenigen, ein Monopol anstrebenden und nur auf Profit ausgerichteten Konzernen vermarktet werden. Haben die Bio-Markt- und Zukunftsforscher auch darüber nachgedacht? Führt nicht die Konzenteration auf Convenience Produkte zu Preisdumping, zu erhöhtem Preisdruck auf die Bio-Bauern und damit zur „Marktbereinigung, sprich zur Aufgabe von bäuerlichen Strukturen bei uns wie in allen anderen Ländern hin zu einer landwirtschaftlichen Produktion, die zwar minimalen Bioanbaukriterien entspricht, aber keinesfalls mehr etwas mit sozialen Arbeitsbedingungen, fairen Löhnen und Ökologie zu tun hat? Schon die vorhandenen, extrem weiterverarbeitete Bio-Produkte sind doch bereits heute globalisierte Produkte, hergestellt aus den Billigstangeboten des Bio-Weltmarkts.
Ein Blick über den Zaun und über das romantisierte Bild eines einheimischen Bio-Bauern auf der Alpe oder Lüneburger Heide hinweg verschafft Klarheit über die Auswirkungen dieses Trends. Weil immer größere, finanzstärkere Unternehmen im Bio-Monopoly mitspielen, wird nämlich beispielsweise der konventionelle Wahnsinn der Tropenwaldabholzung und der Vertreibung traditioneller Bevölkerungsgruppen von ihren angestammten Gebieten nun eben für Bio-Palmölplantagen in Südostasien oder Bio-Soja-Monokulturen Lateinamerika fortgesetzt. Dabei spielt es faktisch nur eine marginale Rolle, ob die Abholzung zunächst für den Aufbau einer konventionellen Plantage erfolgte, die dann teilweise in eine Bioplantage umgewandelt wurde. In den betroffenen Regionen hat jegliche für den Export angelegte Ölpalmplantage oder Soja-Monokultur nichts zu suchen. Das Argument, die Menschen in den so genannten Entwicklungsländern müssten ja irgendetwas exportieren, um zu überleben, zieht nicht, denn es sind gerade diese auf Export und Deviseneinnahmen ausgerichteten Entwicklungsmodelle, die dazu führen, dass immer mehr Gebiete in die Hände oder Abhängigkeit weniger Großgrundbesitzer und Unternehmen gelangt, während immer mehr Menschen in Asien, Afrika oder Lateinamerika nicht mehr ihre Nahrungsmittel selbst anbauen, sondern nur noch im Supermarkt – importiert aus anderen Regionen - kaufen können. Dank solcher Entwicklungsmodelle sind beispielsweise „deutsche“ Knorr-Tütensuppen seit Jahren ein globaler Verkaufsschlager.
„Grundsätzlich sollte Essen mehr als das Stillen von Hunger sein. Essen sollte eine Angelegenheit für alle Sinnesorgane sein, eben ein sinnliches Vergnügen: sehen, sich den Farben von Speisen erfreuen; hören, wenn Speisen in der Pfanne brutzeln oder im Topf köcheln; riechen, wenn der Duft aus der Komposition von Lebensmitteln, Gewürzen und anderen Zutaten entsteigt,...“ Karl Ludwig Schweisfurth
Convenience Produkte sind zwar zunächst einmal eine Frage des persönlichen Geschmacks, der aber dennoch uns alle angeht. Denn ihre zunehmende Verwendung bedroht auch traditionelle, für künftige Generationen vielleicht notwendige Werte. Es ist eben etwas anderes, frischen Spinat von einem Bio-Bauern am Bauernmarkt zu kaufen, und Zuhause in der Küche zu Waschen, zu schneiden und nach einem eigenen oder Familienrezept zuzubereiten, als eine tiefgefrorene Pampe aus Bio-Spinat in der Mikrowelle aufzuwärmen. Kochen ist nämlich nicht nur das notwendige Zubereiten eines den Körper antreibenden Treibstoffs, sondern ein Stück Kultur, Identität. Kochen, richtig Kochen ist ein von Generation zu Generation weitergegebenes und weiterentwickeltes, traditionelles Wissen über Lebensmittel - ein Wissen, dass notwendig ist, zur Erhaltung der Biodiversität unserer Landwirtschaft und Landschaft, und das eben durch das Fortschreiten der Convenience Produkte zunehmend verloren geht. Standardisierte, auf Einheitsgeschmack getrimmte Convenience Produkte – und das gilt für bio- wie für konventionelle Produkte – führen im Rückschluss auch zu Einfalt und einem Verlust an Vielfalt in der landwirtschaftlichen Produktion.
Gute und schlechte Fertigprodukte
Mag sein, dass unsere gegenwärtige Gesellschaft Convenience Produkte benötigt, und warum soll nicht auch die Biobranche davon profitieren? Convenience Produkte aus biologischen Zutaten hergestellt sind schließlich ökologischer und in der Regel auch geschmacklich besser und enthalten weniger schädliche Stoffe – wie Konservierungsmittel, künstliche Aromen, Geschmacksverstärker, Farbstoffe – als ihre konventionellen Konkurrenten. Doch die „Bio-Tüten-Suppe“, die „Bio-Tiefkühlpizza“ oder die „Bio-Gemüsepfanne“ für die Mikrowelle erhöhen eben die Gefahr, dass die Biobranche nicht mehr eine Bewegung für ein verantwortungsbewussteres, genussreiches und die Ökologie berücksichtigendes Leben ist, sondern lediglich eine mehr oder weniger große, von wenigen Unternehmen kontrollierte Marktnische zur Abschöpfung der Einkommen bestimmter, gehobener Käuferschichten.
„Die entscheidende Voraussetzung für eine Wende zu einer umweltgerechten Agrar- und Lebensmittelproduktion ist eine Veränderung unserer Lebens- und Konsumstile. Hier muss ein Wertewandel stattfinden“, sagt der Spitzenkoch und Eurotoques-Chef Ernst-Ulrich Schassberger, der Convenience Produkte konsequent ablehnt. „Denn Lebensmittel haben mit `Leben´ zu tun, sie sind keine beliebig austauschbaren Massenprodukte.“
Mein Fazit: Wenn es schon Bio-Convenience Produkte sein müssen, dann bitte regional hergestellt aus regionalen und nicht aus aller Welt zusammengekauften Rohstoffen, bei denen nur der Preis zählt. „Der Mensch ist, was er isst!“ Ich möchte keine in Alufolie eingeschweißte „Fünf-Minuten-Terrine“ sein, egal ob aus biologischen noch aus Pestizid-Karotten hergestellt.
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Gesunde Milchprodukte von der Weide für Leib und Seele Vorwärts zu den Ursprüngen Von Norbert Suchanek
"Milch und Milchprodukte sind gesund." Diese Aussage traf - zumindest für diejenigen unter uns, die keine angeborene Milchunverträglichkeit haben – jahrtausendelang zu, bis zu dem Zeitpunkt, da Milch und Milchprodukte in großem Stil produziert und vermarktet wurden. Denn zur Steigerung und Rationalisierung der Milchproduktion wurde die Gras fressende, "frei laufende" Kuh nicht nur zu einem enthornten Leben im Stall verdammt. Das Schmerz, Freude, Zuneigung und Mutterliebe empfindende Lebewesen Kuh wurde auch in eine Getreide, Soja und Silomais sowie - bis zur BSE-Krise - Fleisch fressende, frühreife Milchproduktionseinheit umgewandelt, die jährlich mindestens ein Kalb auf die Welt bringen und durchschnittlich etwa 30 Liter Milch pro Tag liefern muss.
Schon nach etwa 2,6 Jahren werden diese Milchproduktionseinheiten gegen neue ausgetauscht, in Lastwägen eingepfercht und teilweise quer durch Europa gekarrt, um in preisgünstigen Schlachthöfen von Billiglohnarbeitern ausgeschlachtet zu werden. Und ihre Kälber, die sie jährlich gebären müssen, um Milch zu geben, landen schon wenige Tage nach der Geburt in speziellen Kälbermastbetrieben wie in Italien, wo sie in wenigen Wochen mit "künstlichem" Futter zur Schlachtreife gemästet werden. Dies ist die Realität der heutigen konventionellen Milchproduktion – die Basis für alle Folgeprodukte wie Butter, Sahne, Quark, Käse oder Jogurt.
Weidemilch ist gesünder
Eine andere Tatsache ist, dass Rinder in Wirklichkeit weder Fleisch- noch Getreidefresser sind. Ihr Organismus ist auf Gras und Kräuter abgestimmt, weshalb die eingepferchten "Getreide-Kühe" eine andere, für die menschliche Gesundheit eher bedenkliche Milch liefern, die wahrscheinlich mit Schuld trägt am Ansteigen der so genannten Zivilisations-, vor allem Herzkrankheiten. Das Schlüsselwort heißt in diesem Fall "Omega-3-Fettsäuren". Diese besonderen, ungesättigten Fettsäuren (Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure) beugen wissenschaftlich nachgewiesen Herz- und Kreislaufkrankheiten vor. Sie verbessern der Fließeigenschaften des Blutes, führen zu Gefäßerweiterung und Blutdrucksenkung. Darüber hinaus haben sie einen hemmenden Einfluss auf mögliches Tumorwachstum und können den Heilungsprozess bei Entzündungen des Darmtraktes, bei Rheuma oder Allergien unterstützen.
Weil Lebensmittelforscher diese Omega-3-Fettsäuren vor einigen Jahren zunächst in Meeresfischen entdeckten, gibt es kaum noch Ernährungsratgeber in den Medien, die uns nicht zum Fischessen auffordern. Was die Ratgeber aber so gut wie nie erwähnen: Früher, vor Erfindung der tierquälerischen, industriellen Viehwirtschaft enthielt auch die Kuhmilch höhere Mengen an Omega-3-Fettsäuren. Für den gesundheitlichen Aspekt mit entscheidend ist aber nicht die absolute Menge an Omega-3-Fettsäuren, sondern ihr gesundes Verhältnis zu den anderen gleichfalls in den tierischen Fetten vorkommenden Omega-6-Fettsäuren, die bei der heutigen, unnatürlichen Massentierhaltung mit Getreidefutter leider extrem angereichert werden.
Das Rind ist was es isst
Das Geheimnis, weshalb die Milch von Gras und Kräutern fressenden Rindern, Schafen oder Ziegen gesünder ist, liegt schlichtweg am Futter. Denn der Fettanteil des natürlichen Weidegrases besteht zu zwei Dritteln aus den langkettigen Omega-3-Fettsäuren. Futtermais hingegen oder Sojamehl oder gar Tiermehl der Tierkörperbeseitigungsanstalten, wie noch in den 1980ern im Kraftfutter üblich, enthalten deutlich weniger davon. Kurzum: Artgerechte Weidehaltung ist nicht nur aktiver Tier- und Umweltschutz, sondern führt auch zu gesünderer Milch, gesünderer Butter oder gesünderen Käse- und Joghurt-Sorten. Dies ist ebenso mit ein Grund, weshalb Bio-Milch besser als konventionelle Milch ist, denn bei Bio-Betrieben ist die Weidehaltung weiter verbreitet und Kraftfuttereinsatz (Getreide aus Bio-Anbau) seltener.
Die Bio-Branche generell könnte nun den Vorteil der Weidemilch für sich nutzen, die Richtlinien entsprechend festlegen und die Bevölkerung darüber aufklären, dass natürlich erzeugte Milch von Haus aus mehr von den gesunden Fettsäuren enthält. Die Einführung des Begriffs "Omega-3-Milch" für Milch aus Betrieben aus biologischer Weidehaltung allerdings scheint eine eher gefährliche, von der Lebensmittelindustrie kopierte Marketingstrategie zu sein, die in die falsche Richtung führt und eher Verbraucherverwirrung stiftet. Der neue Qualitätsbegriff teilt den Bio-Milchmarkt faktisch in eine gesunde Omega-3-Bio-Milch und in Bio-Milchprodukte, die offensichtlich weniger Gesund sind, sonst hätten sie ja einen Omega-3-Milch-Aufdruck. Diese Marketingstrategie spielt letztlich nur wieder der konventionellen Nahrungsmittelindustrie in die Hände. Stichwort Nahrungsergänzungsmittel. Der neue Begriff vermittelt ja den Eindruck, dass die Omega-3-Milch etwas neues, ein ganz spezielles, vielleicht sogar künstlich mit Omega-3-Fettsäuren angereichertes Produkt ist und keine natürliche Milch, die es eigentlich schon immer gegeben hat. Die konventionelle Lebensmittelbranche wirbt doch längst auch mit ähnlichen Slogans wie "Plus Omega-3-Fettsäuren". In diesem Fall sind es aber definitiv neu kreierte Industrieprodukte, denen beispielsweise aus Fischen isolierte oder künftig gentechnisch erzeugte Fettsäuren oder speziell auf hohe Omega-3-Fettsäuren getrimmte Pflanzenöle zugesetzt sind.
Bio-Milch oder gentechnikfreie Milch
Auf einem ähnlichen falschen Dampfer befinden sich die Initiativen, die für eine gentechnikfreie Milch werben, statt klar zu machen, dass einzig die Bio-Milch schon immer gentechnikfrei ist und auch künftig gentechnikfrei bleibt. Leider aber wird mit der Einführung des Begriffs "gentechnikfreie Milch" eine weitere neue Milchqualität geschaffen, die in Konkurrenz zur Bio-Milch tritt und damit nicht nur der Biobranche, sondern ebenso der Ökologie, dem Umwelt-, Natur- und Tierschutz schadet. Denn "gentechnikfreie Milch" heißt noch lange nicht, dass sie ökologisch oder gar Artgerecht erzeugt wird. Im Gegenteil: Gentechnikfreie Milch, die nicht aus biologischer Landwirtschaft stammt, ist genauso ein abzulehnendes Industrieprodukt, wie die konventionelle Milch, die nicht diesen "Aufdruck" trägt. Der einzige Unterschied: Das verfütterte "Kraftfutter" wurde nicht mit genetisch manipulierten Soja-Bohnen oder Gen-Mais aus Argentinien, USA oder Spanien hergestellt, sondern beispielsweise aus "normalen" mit hohem Chemie- und Energie-Einsatz erzeugten Soja-Bohnen aus Brasilien – wo für diese Futtermittelproduktion wertvolle Lebens- und Kulturräume wie der Cerrado und der Amazonasregenwald vernichtet werden. Ob mit oder ohne Gentechnik, ob mit Hilfe von Chemie oder ohne: Der lateinamerikanische Soja-Anbau und -Export führt auch zu Vertreibung von Kleinbauern, zur Degradierung der Indianergebiete. Traurig aber wahr: Die auf einem Auge blinde Kampagne für "gentechnikfreie Milch" hat diesen Prozess bereits beschleunigt, wittern doch brasilianischen Großgrundbesitzer und internationale Investoren einen wachsenden Markt und steigende Preise für "gentechnikfreies Soja" und auch für biologisch angebautes Soja als "Kraftfutter" für Europas gentechnikfrei oder "kontrolliert biologisch" wirtschaftende Bauern.
Kuh mit oder ohne Horn
Ein anderer Streitpunkt, der lange Zeit lediglich in Tierschutzkreisen eine Rolle spielte, ist die Frage: "Kuh mit oder ohne Horn?"
Weil schon seit einigen Jahrzehnten den Kälbern in Europa mehr oder weniger Schmerzhaft die Hörner weggebrannt, weggeätzt oder abgekniffen werden, hat sich ja inzwischen der Eindruck verbreitet, eine Kuh ohne Horn sei etwas natürliches – ist es aber nicht. Einzig der biologische Anbauverband Demeter hat dies in seinen Richtlinien schon von Anfang an anerkannt und besteht darauf, dass Demeter-Rinder auch Hörner haben dürfen. Dass dies nicht nur eine ethische, sondern auch eine, die Gesundheit des Viehs und des Menschen betreffende Frage ist, scheint sich nun dank neuerer Untersuchungen zunehmend zu bestätigen. Ein Horn ist eben nicht irgendein toter, überflüssiger Gegenstand am Kopf der Rinder, sondern ein durch die Evolution entwickeltes, mit dem Alter wachsendes Organ mit bestimmten Funktionen, die die moderne Agrarwissenschaft oder Medizin erst noch zu erforschen hat. Zum einen werden im Horn gewisse Stoffwechselprodukte, Reststoffe, aus dem Körper der Rinder entgelagert. Was aber macht die Kuh mit diesen Reststoffen, wenn sie kein Horn mehr hat? Gelangen diese womöglich in irgendeiner Weise schädlichen Stoffwechselprodukte dann vielleicht in die Milch? Das sind Fragen, die sich die Agraringenieure eigentlich schon vor fünfzig Jahren, vor der Propagierung der "hornlosen" Kuh hätten stellen sollen, aber nicht gestellt haben. Genauso wenig, wie sie darüber nachgedacht haben, was alles im Zusammenspiel mit den Tausenden von natürlich vorhandenen Bakterien- und Virenarten passieren kann, wenn man Rinder zu Fleischfressern macht. Dass das Tragen von Hörnen definitiv einen wie auch immer gearteten Einfluss auf die Milchqualität hat, scheint sich aber nun langsam dennoch herumzusprechen, seit der Demeter-Bund Deutschland im vergangenen Jahr über positive Erfahrungen mit der Milch von horntragenden Kühen berichtete. So stellten Ärzten fest, dass die Demeter-Milch weniger Allergien bei Kindern auslöse als die Milch von enthornten Kühen.
Light oder nicht Light?
Der von diversen Ernährungsratgebern in den Massenmedien empfohlene Verzehr von fettarmen, "Light"-Produkten macht den konventionellen Jogurt oder die Milch aus der industriellen nicht artgerechten Tierhaltung übrigens auch nicht gesünder, geschweige denn schmackhafter. Denn Fette und Fettsäuren sind wichtig für eine ausgewogene, schmackhafte Ernährung, weil sie nicht nur Träger der Geschmack- und Aromastoffe, sondern ebenso Träger zahlreicher, wichtiger fettlöslicher Vitamine wie A, D, E und K sind. Bei unserer Gesundheit geht es eben nicht darum, weniger Fette im Allgemeinen zu verzehren, sondern darum, weniger ungesunde Fette zu sich zu nehmen. Also: Hände weg von konventionellen Milchprodukten, egal ob Light oder nicht Light.
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von Norbert Suchanek
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Interview mit Claus Biegert
Interview mit dem deutschen Journalisten und Buchautor Claus Biegert, der sich seit fast 30 Jahren als Experte für Indianer und indigene Völker im Mediengeschäft behauptet. 1992 hat er das "World Uranium Hearing" in Salzburg einberufen, aus dem der "Nuclear-Free Future Award" entstand.
Herr Biegert, man kennt Sie als Buchautor, als Radiojournalist, vor allem aber als Initiator des World Uranium Hearings, 1992 in Salzburg. Damals kamen erstmals Ureinwohner zu Wort, die alle eines gemeinsam hatten. Sie waren oder sind Leidtragende des Uranbergbaus und der Atomindustrie.
Claus Biegert: Meine Geschichte ist die, dass ich über die Beschäftigung mit den Indianern zum Uranabbau kam und vom Uranabbau dann aus das größere Bild betrachtet habe, um festzustellen, dass in diesem Bild der Bereich Uranabbau nicht vorkommt. Und es ist jetzt, 20 Jahre später, immer noch so. Darum bin ich sehr schmalspurig. Ich rede über Uranabbau, über Uranabbau, über Uranabbau.
Der nur geschieht, weil unser heutiger Lebensstil nach mehr Energie verlangt...
Claus Biegert: Das ist eben das Problem unserer Gesellschaft: Das Fortbestehen unserer Zivilisation verlangt Nachschub, und der Nachschub passiert nicht ohne Ausbeutung. Und die Regionen der Rohstoffe sind immer mehr identisch mit den letzten Refugien intakter Natur und Stammesvölkern. Das heißt, wenn wir weiter so leben wollen, wie wir jetzt leben, müssen wir bereit sein Menschenopfer in Kauf zu nehmen. Und wenn ich jetzt nicht bereit bin, ein Leben zu führen, das Menschenopfer fordert, dann muss ich was ändern.
Eine Änderung, die Sie mit dem World Uranium Hearing anregen wollten?
Claus Biegert: Das Ziel des World Uranium Hearings war, einem ausgewählten Kreis von Menschen des öffentlichen Lebens die Chance zu geben, denen gegenüberzustehen, die die Leidtragenden unseres „Way of Live“ sind. Man könnte auch ein Erdöl-Hearing, ein Kaffee-Hearing machen, man könnte viele Hearings machen, weil erst, wenn ich den Leuten in die Augen blicke, flicke ich wieder die Nabelschnur, die durchtrennt ist. Denn all dies, was wir tun funktioniert ja nur, weil ich nicht weiss, wer die Leidtragenden sind. Was sind die Konsequenzen meines Handelns. Sobald ich es wüsste, hätte ich Schwierigkeiten. Und als Journalist kommt eigentlich die Pflicht auf mich zu, diese Verbindung herzustellen.
Was Ihnen mit dem World Uranium Hearings, einem Megaprojekt mit insgesamt über 3000 Zuhörern, für das Sie selbst über drei Jahre ihres Lebens aufgewendet haben, gelungen ist?
Claus Biegert: Die Kommentare der Woche, bis heute, bestätigen es immer wieder. Wie ein Navajo, Phil Harrison sagt, „es ist vieles anders seit Salzburg.“ Es war das erste mal, dass die Leidtragenden zusammen kommen konnten, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Das ist schon mal eine Ebene. Wir haben es geschafft, die Isolation der betroffenen Ureinwohner zu durchbrechen.
Der Uranabbau ist aber deshalb in den Gebieten der indigenen Völker nicht eingestellt oder umweltverträglicher geworden?
Der Uranabbau ist nach wie vor nicht umweltfreundlich zu machen: die Halden, die übrig bleiben; der Abraum strahlt; 80 Prozent der ursprünglichen Strahlung ist im Abraum enthalten. Die ersten Minen hatten wenig Uran im Gestein, also umso größer waren die Abraumhalden. Auf eine Tonne Uran kommen 100.000 Tonnen Abraum, der oft einfach sich türmt, Wind und Regen preisgegeben. Und die dort lebenden Menschen sind dem ausgeliefert, ob sie wollen oder nicht. Manchmal wird auch ein Staubecken angelegt, dann kann es sein, dass es bricht, wie es in den 1970er Jahren bei den Navajos der Fall war und das Trink- und Grundwasser verseuchte. Auch im Norden von Kanada, eine sehr seen- und flussreiche Landschaft, verbreitet sich die Radioaktivität geringfügig aber stetig. Die Verseuchung von Grundwasser beginnt ja bereits bei den Uran-Probebohrungen, weil dabei Grundwasservorkommen mit Uranlagerstätten schon durch die Bohrung verbunden werden.
Dies spielt aber bei der aktuellen Atom-Diskussion in Deutschland um die Verlängerung der Laufzeiten der Reaktoren keine Rolle...
Claus Biegert: Die Sorge, die wir haben: Sind die Reaktoren sicher? Und wenn sie sicher sind, besteht kein weiterer Grund, sich Sorgen zu machen.
Dann ist da noch die Frage nach den Endlagerstätten...
Ja, der Atommüll ist noch ein Thema, an dem man hier bei uns nicht vorbeikommt. Er ist vor Augen. Aber der Müll vom Anfang ist kein Thema. So ist meine Rolle als Journalist und meine Rolle als Aktivist, ständig auf den Anfang des Problems hinzudeuten.
Der Uranabbau ist das eine Problem der indigenen Völker im Norden Kanadas. 1983 schrieben Sie ein Buch über das James Bay-Wasserkraftprojekt im Gebiet der Cree. Es trug den Untertitel: „Reise in einen sterbenden Teil der Erde.“
Das Problem fing damit an, dass Ende der 1960er Jahre der damalige Premier entdeckt hat, dass es da riesige Flüsse gibt im Norden von Quebec, die von Ost nach West fließen, „ungenutzt“, wie er sagte. So entstand das James Bay-Projekt. Flüsse wurden umgeleitet, gestaut, und die Entscheidungen wurden in den Metropolen gefällt. Keiner hatte eine Ahnung, dass dort oben Menschen leben. Die Cree gingen ja dann vor Gericht, und es gab ein James Bay Northern Quebec Agreement. Die Cree haben sich darin bereit erklärt, Land abzutreten und dafür Geld bekommen. Aber trotzdem ist weiterhin der Terminus, das ist menschenleeres Land, da leben „nur“ ein paar Indianer, im Sprachgebrauch geblieben.
Die falsche Annahme, dort lebt ja niemand, ist auch mit ein Grund, weshalb in Labrador bis heute vor allem deutsche und holländische Jagdbomber das Unterfliegen des feindlichen Radars üben...
Ohne eine Völkerrechtliche Grundlage. Mit den dort lebenden Ureinwohnern hat die kanadische Regierung bis heute keinen Vertrag geschlossen. Sie ist gar nicht berechtigt das Land für militärische Zwecke zu verpachten.
Zurück zum James Bay-Project. Welche Auswirkungen hatte das Wasserkraftprojekt?
Claus Biegert: Die erste Überflutung hat einen See geschaffen, der elf Mal so groß ist, wie der Bodensee, und das hat natürlich das Klima verändert. Das heißt, die Zwischenjahreszeiten, Frühjahr und Herbst, sind plötzlich lange Regenperioden. Und ein Grossteil der Bevölkerung hat aufgeben zu jagen.
Das ist ja geradezu paradox, heißt es doch heute, Wasserkraft sei eine regenerative, eine „saubere“ Energie, die das Globale Klima schützt?
Claus Bieger: Die Stauseen bedeuten gerade in der Tundra weitflächige Überflutungen. Das wiederum bedeutet, dass sehr viel Pflanzenmaterial unter Wasser verrottet, was klimaschädliches Methangas freisetzt. Und das Methangas zusammen mit den Bakterien in den Stauseen verwandeln wiederum das anorganische Quecksilber, das sich aus dem Boden löst, in organisches Quecksilber, was in die Nahrungskette aufgenommen wird. Das heißt, die Menschen dort können plötzlich Fisch, der ihre Lebensgrundlage in weiten Teilen darstellte, nicht mehr verwenden. Also wenn man dieses Raster, welche Opfer bedeutet mein Energieverbrauch ebenso auf die Stromgewinnung durch Hydroenergie anwendet, dann schneiden die großen Wasserkraftwerke kaum besser als die Nuklearreaktoren ab.
Aus dem World Uranium Hearing ist der Nuclear-Free Future Award entstanden, mit dem Sie alljährlich Menschen ehren, die unnachgiebig, hartnäckig und konsequent für eine Welt ohne Atomkraftwerke einsetzen. Die jüngst mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Atomenergieagentur IAEA ist sicher kein Anwärter auf Ihren Nuclear-Free Future Award?
Die Atomenergieagentur IAEA ist eben keine UN-Organisation wie oft in den Nachrichten behauptet wird, sondern eine Agentur, die gegründet wurde, damit die Welt sozusagen nuklear wird, um in jedes Land Atomkraft zu bringen. Und darum ist der Friedensnobelpreis, der im vergangenen Jahr zur Hälfte an die IAEA ging, eben auch nahezu obszön. Und der Aufschrei aus der Anti-Atombewegung und der indigenen Welt war auch dementsprechend.
Wer also wird in diesem Jahr den Nuclear-Free Future Award in den drei Kategorien Widerstand, Aufklärung und Lösung bekommen?
Das steht noch nicht fest. Es wird erst im Juni bekannt gegeben. Aber ich kann so viel sagen, und das bringt uns an den Anfang unseres Gesprächs zurück: Die Navajo, die ja die ersten waren in den USA, auf deren Gebiet Uran abgebaut wurde, hatten 1992 eine große Delegation nach Salzburg geschickt und waren gestärkt durch die Erfahrungen von Salzburg wieder zurückgegangen. Dieser Navajo-Kern, der gegen den Abbau von Uran ist, hat nicht nachgegeben und vergangenes Jahr, im April 2005, hat der amtierende Navajo-Präsident Joe Shirley, ein Gesetz erlassen, dass den Abbau und die Produktion von Uran auf dem Navajo-Reservat künftig verbietet. Nicht direkt, aber doch entfernt eine Auswirkung des World Uranium Hearings. Präsident Joe Shirley bekam deshalb noch im vergangenen Jahr für seine mutige Tat von uns einen Ehrenpreis. Und im Gegenzug sind wir dieses Jahr im September Gäste der Navajo-Nation mit der Preisverleihung unseres des Nuclear-Free Future Award.
Buchtipps: Im März/April erscheint Claus Biegerts neues Buch: „Vom Wesen des Wassers - Im Tropfen zeigt sich die Welt“ Claus Biegert, Georg Gaupp-Berghausen (Hg.) 240 Seiten, ISBN: 3-89405-658-4 EUR 39,90 [D], 41,10 [A], CHF 69,00
„Der große Fluss ertrinkt im Wasser. James Bay: Reise in einen sterbenden Teil der Erde“, Claus Biegert, Rainer Wittenborn Rowohlt, Reinbek, 1983, ISBN 3498004794
Informationen zum Nuclear-Free Future Award: Nuclear-Free Future Award, Claus Biegert, Schellingstraße 24 Rgb., D-80799 München, Tel. (089) 28659714, www.nuclear-free.com, cb@nuclear-free.com
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Brief aus Rio de Janeiro Klima schützende Hähnchenschenkel aus Brasilien ?
Unsere Lieblingskneipe in Santa Teresa, dem letzten Stadtviertel Rio de Janeiros in dem noch die alte Straßenbahn fährt, ist eine traditionelle Eckbar an der Rua Monte Alegre. Abends trifft sich hier in der Bar
des alten Spaniers Gomez alles, was im Viertel Rang, Namen oder Nichts dergleichen hat. Am Gehsteig gleich rechts neben der Bar brät eine Bahianerin köstliche Caranguejos, tennisballgroße Küchlein aus Bohnenteig, pikant gewürzt und gefüllt mit frischen Krabben aus den Mangroven. Auf der anderen Seite der Bar hat an manchen Tagen Kameramann Paulão seinen „Stand“.
Der etwa 55jährige ist leidenschaftlicher Hobby-Koch, dem man schon von weitem ansieht, dass er auch das gerne isst, was er in seiner Küche oder hier auf dem Gehsteig zaubert. Immer, wenn er gerade keine Aufträge von den TV-Anstalten hat, baut er neben der Bar Gomez seinen selbst gebastelten Mini-Ofen auf, um für die Gäste etwa handtellergroße Pizzas zu backen. Er hat bis zu 20 verschiedene Geschmacksrichtungen zur Auswahl. Von Pizza mit Ananas bis hin zu Pizza mit Thunfisch. Und natürlich Pizza mit Hühnerfleisch. „Denn Brasilien ist“, so Paulão, „der größte und beste Hähnchenproduzent der Welt.“
Vergangenen Samstag nun erzählte er uns von seinem jüngsten TV-Auftrag über eine neue, gigantische Käfighühnerfarm in Minas Gerais mit Hunderttausenden von Masthähnchen und geriet ins schwärmen, genauso wie wenn Brasilianer über ihr genial aufspielendes Fußballteam in Verzückung geraten. Die Hühnerfarm sei einfach perfekt, alles hygienisch sauber, und den Tieren gehe es blendend. „Die Hühner haben Aircondition“, berichtete Paulão mit Stolz und großer Zufriedenheit, „und ein Computer steuert exakt die Temperatur und Luftfeuchtigkeit, damit es den Hühnern nicht zu heiß oder zu kalt wird.“ Natürlich sei ein Computer auch für die Futter- und Wasserzufuhr zuständig, damit es den Tieren an nichts fehle.
Nicht eine Sekunde kam ihm der Gedanke, dass es sich bei diesem computerisierten, entmenschlichten System der Massentierhaltung in Wirklichkeit um Tierquälerei in höchster Präzision handelt. Und damit gab er exakt die Stimmung in der breiten Bevölkerung - egal ob Mittel-, Ober- oder Unterschicht - und in den Medien wieder. Das Thema Tierschutz in Bezug auf Eier-, Hähnchen- und Schweinefleischproduktion existiert in Brasilien faktisch nicht. Tierquälerische Massentierhaltung wird hier als Fortschritt angesehen, um mit der so genannten 1. Welt gleichzuziehen.
Erst vor kurzem berichtete die große Tageszeitung „O Globo“ triumphierend von einer zukunftsweisenden Batteriehühnerfarm in Minas Gerais mit 1,8 Millionen Hühnern, die täglich 40 Tonnen Fäkalien produziert. Das neue an dieser Farm: Die Fäkalien landen nicht im nächsten Fluss, wie sonst in Brasilien bisher üblich, sondern in einer Biogasanlage zur Stromerzeugung. Die Hühnerfarm spart damit klimaschädliche Treibhausgase ein und erhält künftig Gelder aus dem internationalen Emissionshandel zum Schutz des Weltklimas. In dem fast ganzseitigen Bericht stand keine einzige Zeile, kein einziges Wort über Tierschutz. Stattdessen wurden die „neuen“ Tierfabriken der brasilianischen Eier- und Fleischindustrie als umweltfreundliche, das Klima rettende Initiative gelobt.
Tierquälerische Massentierhaltung, finanziert aus Mitteln des globalen Klimaschutzes?
Sicher, Klimaschutz ist wichtig, aber wird hier nicht der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben? Mehr noch: Das billige, künftig auch mit Klimaschutzgeldern subventionierte Massenhühnerfleisch einer kleinen Gruppe brasilianischer Fleischbarone verdrängt nicht nur die Kleinbauern des eigenen Landes vom Markt, es verdirbt auch die Preise in anderen Staaten und landet ebenso in der EU und vor allem in Deutschland auf dem Mittagstisch.
Mit Produktionskosten von rund 50 Cent je Kilo ist Brasilien nämlich in ersten fünf Jahren des neuen Jahrtausends zum Hühnerfleischexportweltmeister aufgestiegen. Allein im vergangenen März erzeugte Brasiliens Hühnerindustrie 814.879 Tonnen Hähnchenfleisch. Aufs ganze Jahr gesehen rechnet die nationale Fleischindustrie mit einer Jahresproduktion von 9,7 Millionen Tonnen, wovon rund ein Drittel ins Ausland geht. Nach Roheisen, Erdöl und Soja ist Hühnerfleisch heute das viertwichtigste Exportprodukt Brasiliens – Tendenz weiter steigend. Selbst das Hühnerfleisch exportierende China kauft inzwischen Hühnerfleisch, allerdings minderer Qualitäten, im Land des Zuckerhuts ein.
Norbert Suchanek aus Rio de Janeiro
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