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Billig-Textilien auf Kosten der Würde von Mensch und Tier
Millionen von Pullovern und Hosen lagerten vergangenen August in Schiffscontainern, beschlagnahmt vom deutschen Zoll. Grund: Sie stammten aus China. Denn auf Druck der WTO (Welthandelsunion) waren zum 1. Januar 2005 die Quoten im internationalen Textilhandel gefallen, und die chinesischen Textilfabriken überschwemmten den Welt- und den europäischen Markt mit ihren preislich konkurrenzlosen Produkten. Die Europäische Union musste die Notbremse ziehen, wollte sie nicht, dass auch die letzten Bekleidungshersteller in Portugal, Frankreich, Italien, Tschechien oder bei uns in Deutschland die Pforten schließen müssen. "2004 gingen in Europa 165.000 Textiljobs verloren, und nach den ersten Zahlen müssen wir sagen, dass 2005 viel schlimmer wird", befürchtete trotz des spontanen Importstopps der Generaldirektor des Verbandes der Europäischen Textilhersteller Euratex, William Lakin.
Laut WTO-Abkommen ist diese Notbremse der EU noch bis maximal 2008 erlaubt. Spätestens dann müssen auch wir, so wie zahlreiche andere Länder vor allem in der so genannten Dritten Welt schon jetzt, die Zerstörung der heimischen Textilindustrie durch Dumping-Produkte aus den chinesischen Kleiderfabriken mit ihren miserablen Arbeitsbedingungen, geringen Umweltschutzauflagen und Billigstlöhnen klaglos hinnehmen. Allein in Südasien seien in der Branche seit Jahresbeginn mehr als 50.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, so die Zahlen des Generalsekretärs der Internationalen Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter-Vereinigung ITBLAV, Neil Kearney.
Bereits Anfang 2004 hatte der Journalist Michael Friedrich im Greenpeace-Magazin davor gewarnt, dass sich China und seine Investoren aus der globalen Wirtschaft längst auf diesen „Tag X“ mit dem Bau von fast 4000 Textilfabriken vorbereite. „Die globale Ökonomie ist außer Kontrolle“, zitierte das Greenpeace-Magazin den Chef des National Labor Committee (einer Organisation für Arbeiterrechte) Charles Kernaghan. „Die Markenrechte von Micky Maus und Nike sind besser geschützt als die Rechte der Arbeiter. Die meisten Kunden sehen nur die Werbung mit Tiefstpreisen, wissen aber nicht, was die Tiefstpreise möglich macht.“ In den Textilfabriken würden nach jahrelanger Schufterei ausgelaugte 23-jährige Näherinnen durch 16-Jährige ersetzt, weil diese noch besser ausgebeutet werden könnten.
Wintermode aus der Qualzucht
Die Modekunden sehen auch nicht das millionenfache Leid der Pelztiere. Denn selbst Pelze, die ursprünglich ideale Kleidung für den Winter, kommen längst zum großen Teil aus China. Und natürlich stammen sie nicht aus ökologischer Jagd oder aus artgerechter Pelztierzucht. So etwas gibt es heutzutage nur als Ausnahme oder in den Wunschträumen unverbesserlicher Tier- und Umweltschützer. Die Regel sind Farmen mit engen Drahtkäfigen, in denen die Tiere unendlichen Qualen ausgeliefert sind.
Schon Ende des 19.Jahrhunderts, nachdem weite Teile Nordamerikas für die Gier der Textilbranche nach Pelzen ausgeplündert waren, entstanden die ersten Pelztierfarmen. Heute bestimmen sie mit einem Anteil von rund 85 Prozent das jährlich über 10 Milliarden Euro einbringende Pelzgeschäft. Jährlich werden weltweit 40 Millionen Füchsen, Nerzen, Mardern, Waschbären, Katzen, Hunden, Kaninchen und anderen Tieren aus mehr oder weniger tierquälerischen Pelztierfarmen das Fell über die Ohren gezogen. Parallel zur Einführung schärferer Tierschutzbestimmungen in europäischen Ländern ist China vor rund zehn Jahren in das Milliardengeschäft eingestiegen. Dank internationaler Investoren – sowie zahlreichen billigen und willigen Arbeitskräften und fehlenden Tier- und Umweltschutzgesetzen - schwang es sich seitdem in Windeseile zum weltweit führenden Produzenten und Verarbeiter von Pelzen sowie zum größten Exporteur von Pelzbekleidung auf. Die Produktpalette reicht von Pelzmänteln, -Jacken, - Bordüren, Spielzeugen, Accessoires wie Hüten, Halstüchern bis hin zu Schuhen und Handschuhen.
Flauschiges Fell dank Elektroschocks
Um besonders flauschige Felle zu bekommen, müssen die Tiere, vor allem die Silberfüchse mit – vor Angst oder Schmerzen - aufgestelltem Fell sterben. Die Pelztierzüchter erreichen dies, in dem sie den Tieren beispielsweise einen Elektrostab in den After schieben und nach und nach den Strom bis zum qualvollen Tod erhöhen. Betroffen sind nicht nur ein paar Hundert oder ein paar Tausend bedauernswerte Tiere pro Jahr, sondern Millionen. Anderen Farmtieren wird das Fell auch mal bei lebendigem Leib abgezogen, wie die aktuelle Studie über Chinas Pelzindustrie „Sterben für Pelz - Die versteckte Wahrheit“ berichtet: „Für das Häuten wird das Messer am hinteren Teil des Bauches angesetzt, nachdem das Tier kopfüber aufgehängt wird. Gemäß unseren Beobachtungen vor Ort bleibt ein Grossteil der Tiere während des ganzen Prozesses bei vollem Bewusstsein! Die Tiere wehren sich, und versuchen bis zuletzt sich zu widersetzen.“
Faire Wintermode aus Öko-Rohstoffen sind besser für Umwelt und Gewissen
Im Sinne der Menschen- wie der Tierrechte sollten die Kunden und Kundinnen also besser die chinesischen Pullover im Schiffscontainer und die Pelzmäntel im Laden lassen. Der bekannte Tierschützer Michael Aufhauser rät selbst vom Kauf von Wollpelzen ab, die Originalpelze täuschend echt imitieren. Denn dadurch würden andere nur zum Kauf von echten Pelzen unnötigerweise angeregt.
Am besten ist es, das schwer verdiente Geld für faire Produkte auszugeben – fair zu den Arbeitnehmern, fair zur Umwelt und fair zu den Tieren. Alternative Winterbekleidung aus heimischer Produktion, aus Leinen, Wolle oder ökologisch gegerbtem Schafsfell gibt es in vielen Fachgeschäften oder Versandhäusern. Auch fair hergestellte Textilien aus Alpaka- oder Lamawolle sind zu empfehlen. Die Preise sind vielleicht höher als die Massenware aus Fernost, doch dafür sind die Naturprodukte in der Regel langlebiger, was gleichfalls gut für die Öko-Bilanz ist.
Weitere Infos: „Sterben für Pelz - Die versteckte Wahrheit“, Hsieh-Yi , Yi-Chiao, Yu Fu, B.Maas, Mark Rissi, EAST International/Schweizer Tierschutz STS, Januar 2005, Zürich, www.tierschutz.com/main/aktuell/pelz/pelzbericht_d.pdf www.nlcnet.org www.oxfam.org
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Allerweltshonig mit Antibiotikabeigabe
Seit den Anfängen der Menschheit spielen Honig und Bienen eine entscheidende Rolle. Nicht umsonst galt schon im Alten Testament "das Land wo Milch und Honig fließen" als das „Gelobte Land“. Konkret meinten die antiken Autoren das Gebiet der Nomaden, die mit ihren Viehherden über weite blühende Wiesen zogen, sich von der Milch ihrer Tiere und vom Honig der zahlreichen wilden Bienenvölker ernährten. Die Natur war nicht „Untertan“ des nomadisierenden Menschen, sondern er war ein Teil einer natürlichen Symbiose, einer sich gegenseitig unterstützenden und nützenden Naturgemeinschaft.
Unsere „HighTech-Zivilisation“ hat diese Zusammenhänge vergessen, verdrängt, als „romantische“ Spinnerei abgetan. Es zählt der kurzfristige Profit, das technisch machbare. Natürliche Kreisläufe, symbiotische Zusammenhänge sind der modernen Agrarindustrie und ihren verblendeten Jüngern ein Graus. Ihr Ansatz ist, nicht mit der Natur zu arbeiten, sondern gegen sie. Kunstdünger, Pestizide, Hybridpflanzen, Klonierung, Gentechnik sind die modernen Waffen, um natürliche Vielfalt durch künstliche Einfalt zu ersetzen und um standardisierte Lebensmittel für unsere Gesellschaft herzustellen. Ob das, was wir dann essen, aber noch wirklich Mittel zum Leben sind?
Antibiotika im Supermarkt-Honig
An vorderster Front betroffen von der heute weit verbreiteten aggressiven Agrarindustrie sind unsere Bienen - die (noch) zahlreichen Wildbienenarten genauso wie die Honigbienen. Folge: Selbst Honig ist oft nicht mehr das Naturprodukt, was es einmal war. Die Stiftung Warentest beispielsweise stellte bei Tests im vergangenen Jahr fest: Mehr als die Hälfte von 34 untersuchten Honigen waren mangelhaft, weil er entweder fremdartig schmeckte, Rückstände von Antibiotika enthielt oder falsch deklariert war. Beispielsweise schmecke der Tannenhonig von Nook statt nach Tanne überwiegend nach Edelkastanie. Auch in den Rapshonigen von Dreyer und Müngersdorff sei nach Meinung der Warentester nicht das drin, was auf dem Etikett angepriesen werde. Und die Akazienhonige von Biophar, Breitsamer und Dr. Ritter seien eigentlich nur Blütenhonige mit Akazienanteilen. Während von Wildblütenpollen im angeblichen Wildblütenhonig von Lidl keine Spur gewesen sei. Und die Mischblütenhonige von Aldi Nord, Immenhof und Kaiser's Tengelmann fanden gar kein Beifall bei den Testern, denn sie schmeckten nach dem Insektenabwehrmittel Phenylacetaldehyd, mit dem manche Imker bei der Honigernte die Bienen aus den Waben treiben, womit wir auch schon beim eigentlichen Thema sind. Honig ist nicht gleich Honig und Imker sind nicht gleich Imker. Das trifft vor allem auf die konventionelle Imkerei in Übersee zu.
Naturkind mit Nitrofuranen
Bienenhonig ist nicht mehr „per Se“ ein reines Naturprodukt. Es kommt auf den Imker an und wie er seine Bienenvölker im wahrsten Sinne des Wortes behandelt. So entdeckte die Stiftung Warentest mit Besorgnis bei ihren stichpunktartigen Tests vier Honige, die über die Maßen mit Antibiotika belastet waren: Der Langnese Weißtannenhonig war mit dem Antibiotikum Tetracyclin belastet, was ein hausgemachtes Problem ist. Denn Tetracyclin stammt aus dem üblichen „Arzneimittelkasten“ der konventionellen Imker selbst, um ihre Bienen gegen diverse Milben oder Krankheitskeime zu behandeln.
„Wachsmotten, Tracheenmilben, diverse Virosen und Bakteriosen werden seit jeher mit Naphthalin, Antibiotika wie Tetracyclinen oder mit Pyrethroiden behandelt. Manche Imker setzen die Chemikalien prophylaktisch ein, auch wenn die Völker keine Symptome zeigen, Überdosierungen und nutzlose Therapieversuche werden oft nicht erkannt“, so der wissenschaftliche Informationsdienst des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (EU.L.E.).
Im Wal Mart-Honig „Great Value Blütenhonig“ sowie in Kaiser's Tengelmann/Naturkind- Wiesenblütenhonig fanden die Tester wiederum Umwandlungsprodukte von Nitrofuranen – Antibiotika, die seit 1995 in der EU generell verboten sind, aber in Südamerika weiterhin erlaubt, wo auch die betroffenen Honige herkamen. Nitrofurane gelten als Krebs erregend und Erbgut schädigend. Schlecht für die Biobranche: Der betroffene Naturkind-Honig war als Bio-Honig deklariert.
Auch der vierte beanstandete Honig war - für die Biobranche gar nicht lustig – ein Bioprodukt, der Akazienhonig Grünes Land. Er enthielt Rückstände des Antibiotikums Streptomycin in unerlaubter Höhe. Die Bienen hatten wahrscheinlich nur zum falschen Zeitpunkt an einer konventionellen Obstplantage genascht. Denn Streptomycin setzen konventionelle Obstbauern in Deutschland zur Bekämpfung des so genannten Feuerbrands ein – was aber nach Meinung von alternativen Landwirtschaftsexperten gar nicht sein müsste, und im Nachbarland Schweiz auch verboten ist. Nichtsdestotrotz wird weiter in mehreren Ländern Europas Streptomycin eingesetzt, woran die Imker keine Schuld tragen, sondern die konventionelle Agrarbranche sowie unsere Gesellschaft und Politiker, die dies zulassen.
Gentechnik bedroht Existenz der Imker
Bio-Imker dürfen ihre Bienenstöcke zwar nicht gezielt in konventionelle Intensivobstkulturen zur Honiggewinnung oder Bestäubung setzen. Aber Bienen können mehrere Kilometer weit fliegen und ein Bienenvolk eine Fläche von bis zu 160 Quadratkilometer beweiden. Und große, rein biologisch bewirtschaftete Flächen sind selten im Süden und Westen Deutschlands. Verschärft wird dieses „Weideproblem“ durch den, von der Life-Science-Industrie und ihren politischen Befürwortern bei CDU, CSU, FDP und SPD geforderten Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf den Äckern. Faktisch wäre es nämlich unmöglich, Bienen davon abzuhalten, Nektar beispielsweise auf genetisch veränderten Rapsfeldern zu sammeln. Die Herstellung von gentechnikfreien Honig wäre dann bei uns nicht mehr möglich. Doch die meisten Menschen nicht nur in Deutschland wollen kein Gen-Food auf dem Teller. Deutscher Honig – egal ob „bio“ oder nicht „bio“ - wäre folglich kaum noch zu verkaufen. Diese Problematik scheint unseren Spitzenpolitikern gar nicht richtig bewusst zu sein. So antwortete der Staatssekretär im Ministerium für Bildung und Forschung auf eine Gentechnik-Anfrage: „Wenn der GVO-Pollen im Honig den Geschmack nicht beeinträchtigt, sollten die Imker doch nichts dagegen haben“. Wie sollen besorgte Imker eine solche antwort werten? Als Naiv? Dumm? Dreist? Oder Ignorant?
Auch den Supermarktketten und Lebensmittelkonzernen ist die Zukunft der heimischen Imkerei, einem der ältesten Berufsstände überhaupt, ziemlich egal. Schon jetzt stammen von den rund 100.000 Tonnen bei uns verbrauchten Honigen nur noch etwa 16.000 Tonnen aus heimischer Produktion. Der überwiegende Teil kommt zu unfairen Dumpingpreisen aus fernen Ländern wie Argentinien, Mexiko oder China, was die Problematik mit Antibiotikarückständen noch verschärft. So fand sich zeitweise das krebserregende Chloramphenicol in chinesischen Honiglieferungen.
Heimischer Honig vom Imker aus der Region ist der beste Honig
So katastrophal die Untersuchung der Stiftung Warentest für die Importhonige auch ausfiel. Garantiert deutscher Honig bekam gute Noten, denn nur er erwies sich als rückstandsfrei. Da nach EU-Honigverordnung die Herkunft des Honigs nun auf dem Etikett stehen muss, könnte dies ein Wettbewerbsvorteil für deutsche Imker sein. Leider aber hat die „Importlobby“ der Honigvermarkter in Brüssel gleichzeitig auch die Verkaufserlaubnis für filtrierten Honig durchgesetzt. „Damit sei der Manipulation Tür und Tor geöffnet“, kritisiert die Leiterin der Untersuchung, Birgit Rehlender. Aufgrund der im natürlichen Honig enthaltenen Pollen, die wie ein Fingerabdruck sind, lässt sich nämlich bislang sehr leicht seine Herkunft feststellen. Bei der erlaubten Mikrofiltration aber werden die Pollen abgetrennt, also der „Fingerabdruck“, der natürliche Herkunftsnachweis beseitigt. Auch lässt sich dann nicht mehr feststellen, ob die Bienen auf genetisch veränderten Pflanzen geweidet haben – Importe von bisher fast unverkäuflichem Gen-Rapshonig aus Kanada könnten so praktisch nicht mehr nachzuweisen sein.
Verbrauchern ist deshalb grundsätzlich zu empfehlen: Kaufen Sie den Honig beim Imker aus der eigenen Region – solange es ihn noch gibt!
Denn nicht nur Billigimporte und der Preisdruck der auf „Geiz ist Geil“ setzenden Handelsketten machen unseren Imkern das Leben schwer. Bestimmte, in unserer Landwirtschaft erlaubte Pestizide setzen auf der anderen Seite ihren Nützlingen zu. So fordern Imker- und Umweltverbände ein Verbot des Pestizids Gaucho sowie weiterer Mittel mit dem Wirkstoff Imidacloprid in Deutschland. Der „erfolgreiche“ Wirkstoff des Leverkusener Bayer-Konzerns, der sich in rund 70 verschiedenen Präparaten, vom Saatgutbeizmittel bis zum Granulat zur Fliegenbekämpfung in Viehställen findet, steht in dringendem Verdacht, verantwortlich für das Bienensterben in weiten Teilen Europas zu sein. Verbesserungen seien aber ebenso im Biolandbau nötig, meint der Landwirtschaftsexperte und Wissenschaftler an der Universität Hannover Friedhelm Berger vom Umweltbund. Denn problematisch für Bienen und Honig seien auch manche im Biolandbau erlaubte, natürliche Insektizide und Kupferpräparate.
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Pünktlich zum Oktoberfest: Bio-Bier trinken – Kulturlandschaft erhalten Spritzorgie für Hopfen und Malz
„Achtung: Seit dem 19.07.2005 besteht ein 2. Spritzaufruf für alle Hopfensorten! Da weiterhin mit einer wechselhaften Witterung zu rechnen ist, sind Peronospora-Fungizide mit einer Nebenwirkung gegen Botrytis zu bevorzugen. Dabei sollte das Strobilurin Ortiva aus Resistenzgründen nicht häufiger als 2 Mal angewendet werden. Zu beachten ist auch die lange Wartezeit von Ortiva mit 28 Tagen.“ Dieser Aufruf zur kollegialen Anwendung der chemischen Keulen stammt von der Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, und er ist ganz normaler Alltag im konventionellen Anbau von Hopfen, dem wichtigsten Rohstoff für Bier.
Azoxystrobin, Captafol, Cymoxanil, Dimetomorph, Dithiocarbamate, Dichlofluanid, Fosethyl, Myclobutanil, Quinoxyfen, Tolyfluanid und 45 weitere Pestizide aus der Giftküche der chemischen Industrie stehen zwar nicht auf der Liste des legendären deutschen Reinheitsgebots für Bier. Zur Bekämpfung der Hopfenkrankheiten und „Schädlinge“ wie Botytis, Mehltau, Peronospora-Pilzen, Liebstöckelrüßler, Hopfenblattlaus und Gemeiner Spinnmilbe sind sie jedoch staatlich erlaubte, chemische Kampfstoffe, die je nach staatlichem „Spritzaufruf“ auf die Hopfenkulturen zu verteilen sind. Doch nicht alle Hopfenbauern folgen dem Aufruf. Einige wenige, die aber stetig mehr werden, ignorieren ihn: Die Bio-Hopfenbauern. Sie produzieren den bitterwürzigen Pflanzenrohstoff, aus dem das Bier gemacht wird, das wirklich dem Reinheitsgebot entspricht. Denn Spitzmittel der chemischen Industrie sind ihnen verboten, genauso wie der Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen. Dafür benötigen die Bio-Felder mehr menschliche Arbeitskraft je Hektar als die konventionellen Flächen.
Zugegeben: Gen-Hopfen wächst noch nicht bei den Bauern in der Hallertau, in Tettnang oder im fränkischen Spalt, wo man schon 1538 den ersten Herkunftsnachweis, das so genannte Hopfensiegel einführte. Doch auch in Deutschland forscht man schon seit einigen Jahren an der Genmanipulation von Hopfen. Unterstützt mit Steuergeldern wachsen bereits seit Februar 2003 transgene Hopfenpflanzen in Gewächshäusern bayerischer Forscher.
Ob der Gen-Hopfen ein (noch) gesünderes Bier oder wenigstens mehr Jobs schaffen kann, darf bezweifelt werden. Daran glauben wahrscheinlich nicht mal die Gentechniker selbst. Im Gegenteil. Gen-Pflanzen könnten das deutschland- und weltweit seit Jahren andauernde „Bauernsterben“ eher noch beschleunigen, befürchten Umweltschützer und alternative Wissenschaftler.
Einfalt statt Vielfalt
Schon jetzt gaben - parallel zur Zunahme des Arsenals an chemischen Pflanzenschutzmitteln – in den vergangenen Jahrzehnten Tausende von Hopfenbauern auf. Gab es 1953 noch 14.631 Hopfenbauernhöfe mit durchschnittlich einem halben Hektar Anbaufläche, waren es 2003 nur noch 1.788 mit im Schnitt fast zehn Hektar Anbaufläche je Hof. Somit sind in diesem Zeitraum nicht nur rund 88 Prozent der Hopfenbauern inklusive Tausender Jobs, sondern auch eine kleinräumige, vielfältige Anbaukultur verloren gegangen.
Nicht anders sieht es bei der Braugerste aus, dem anderen wichtigen Pflanzenrohstoff für Bier. Wer sich die Zahlen der Arbeitsplatzverluste in der Landwirtschaft und den verarbeitenden Betrieben, von den Mälzereien bis zu den Brauereien in den vergangenen Jahrzehnten vornimmt, muss sich um die heutigen, hohen Arbeitslosenzahlen und der schleichenden Landflucht nicht wundern.
Obwohl sich absolut gesehen die Bierproduktion seit Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland in etwa verdoppelt hat, ist die Zahl der Brauerein nicht angestiegen, sondern drastisch zurückgegangen. Von 19.110 gewerblichen Braustätten im Jahr 1880 sind bis heute noch 1.270 übrig geblieben. Und die Zahl der Mälzereien ging von über 200 Anfang der 1960er Jahre auf weniger als 50 zurück: Die „Kleinen“ müssen weichen, die „Großen“ werden größer. Arbeitsplätze, Regionalität und Geschmacksvielfalt bleiben auf der Strecke. Und wenige Großbrauereien versuchen den Preis für die Rohstoffe wie Braugerste zu drücken, wo und wie es nur geht. Schon „muss“ Deutschland ein Drittel der benötigten Braugerste vom Weltmarkt kaufen, weil ihr heimischer Anbau für unsere Bauern immer weniger rentabel ist. „Als Bierbrauer kann man diese Entwicklung mit Besorgnis sehen“, klagt Joachim Rösch, der erste Vorsitzende der Braugerstenstelle Südbaden.
Bio-Bier schafft Jobs
Einen Gegentrend bilden die Bio-Brauereien. Sie nehmen langsam aber stetig zu, schaffen Arbeitsplätze, wo sie benötigt werden. Wer das Massenbier der großen Brauerein in den Regalen lässt und statt dessen zu regional erzeugtem Bio-Bier greift, erhält und schafft deshalb nachhaltige Arbeitsplätze, verringert unnötigen LKW-Verkehr auf den Straßen. Außerdem erspart man damit der Umwelt Tonnen von Pestiziden und die Gefahren von genmanipulierten Pflanzen. Generell muss es Ziel einer vernünftigen Wirtschafts- und Verbraucherschutzpolitik sein, das Bier im wahrsten Sinne des Wortes im Dorf zu lassen. Lokale Produktion, kurze Wege, bester Geschmack, Vielfalt zum Wohl von artenreicher, auch für das Auge schöner Kulturlandschaft und zur Förderung nachhaltiger Arbeitsplätze in den Regionen.
Braukonzerne im Übernahmefieber
Kaum eine Stadt ist so Stolz wie München auf seine Biertradition. Paulaner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Franziskaner: klingende Namen – doch den Münchnern gehören sie eigentlich nicht mehr so richtig. Paulaner und Hacker-Pschorr sind längst Teil der Brau Holding International, die zwar noch den Namen München im Titel trägt, aber wiederum zu Teilen der Schörghuber Gruppe und Heineken gehört. Franziskaner und Löwenbräu wiederum wurden längst vom belgischen-brasilianischen Bierriesen Inbev, dem weltgrößten Braukonzern, geschluckt. Nichtsdestoweniger ist Bayern noch immer das Bundesland mit den meisten Brauereien in Deutschland. Hier ist noch die Hälfte der rund 1270 deutschen Braustätten ansässig. Die größte Biervielfalt gibt es aber dennoch nicht in München und Umgebung sondern in Franken, vor allem in Oberfranken, die Region mit der nachweislich weltweit höchsten Dichte an Kleinbrauereien
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Fleisch von Weidetieren ist gesünder Bio-Fleisch ist besser als Zuchtlachs
Deutschlands Fleischerzeugung erreichte 2003 mit fast 7 Millionen Tonnen ein Rekordniveau. Hinzukommen rund 500.000 Tonnen importiertes Fleisch. Insgesamt verbrauchen die Bundesbürger jährlich rund 7,5 Millionen Tonnen Fleisch – 61,5 Kilogramm pro Kopf. Dass der überwiegende Teil dieses Fleisches aus tierquälerischer Massentierhaltung stammt und mittels unnatürlichem Kraftfutter sowie Medikamenteneinsatz hergestellt wurde, kümmert leider bis heute nur die wenigsten – sollte aber nicht sein. Denn nicht nur der Tierschutz, auch unsere Gesundheit steht auf dem Spiel.
Seit Industrialisierung der Viehwirtschaft und der Umfunktionierung von Weidetieren in eingepferchte, bewegungsarme Stalltiere, die statt frischem Gras und Kräuter in erster Linie unnatürliches Kraftfutter mit weit gereistem Soja-Schrot zu fressen haben, nehmen die so genannten Zivilisationskrankheiten, vor allem Herzkrankheiten steil zu. Doch der Name dieser „neuen“ Krankheiten führt in die Irre. Nicht unsere Zivilisation an sich ist schuld, sondern die Art, wie wir mit den Tieren, die wir essen, umgehen. Korrekter Weise müsste man von „Tierquälerkrankheiten“ sprechen – wie nun selbst auch die moderne Wissenschaft nachgewiesen hat. Das Stichwort heißt: Omega-3-Fettsäuren!
Weidefleisch ist gesünder
Diese besonderen, ungesättigten Fettsäuren (Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure) beugen – wissenschaftlich nachgewiesen - Herz- und Kreislaufkrankheiten vor. Sie verbessern der Fließeigenschaften des Blutes, führen zu Gefäßerweiterung und Blutdrucksenkung. Darüber hinaus haben sie einen hemmenden Einfluss auf mögliches Tumorwachstum und können den Heilungsprozess bei Entzündungen des Darmtraktes, bei Rheuma oder Allergien unterstützen. Weil Lebensmittelforscher diese Omega-3-Fettsäuren vor einigen Jahren in Meeresfischen entdeckten, gibt es kaum noch Ernährungsratgeber in den Medien, die uns nicht zum Fischessen auffordern. Was die Ratgeber aber so gut wie nie erwähnen: Früher, vor Erfindung der tierquälerischen, industriellen Viehwirtschaft gab es hohe Mengen an Omega-3-Fettsäuren auch im Fleisch von weidenden Rindern, Schafen, Geflügel oder Schweinen. Das bestätigte schon im vergangenen Jahr eine Studie des Forschungsinstituts für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN).
„Artgerechte und umweltschonende Weidehaltung führt zur Erzeugung von Rindfleisch mit verbesserten ernährungsphysiologischen Eigenschaften“, so die Pressemitteilung des Instituts, das die Studie zusammen mit Forschern in Großbritannien, Irland, Frankreich und Belgien erarbeitete. Im Fleisch von Bullen unterschiedlicher Rassen, die während der Sommerperioden auf der Weide gehalten wurden, stellten die Forscher eine dreifach höhere Anreicherung der gesunden, dreifach ungesättigten Fettsäuren fest. Oder anders ausgedrückt: Fleisch von Weidevieh aus artgerechter, biologischer Tierhaltung hat ähnlich hohe Omega-3-Gehalte wie die Atlantikfische Dorsch oder Kabeljau. Gleichzeitig ergaben die Untersuchungen, dass im Vergleich zu den im Stall mit Kraftfutter gemästeten Bullen, die für die Gesundheit eher schädlichen, gesättigten Fettsäuren im Fleisch der Weidetiere deutlich verringert sind.
Für den gesundheitlichen Aspekt mit entscheidend ist aber nicht die absolute Menge an Omega-3-Fettsäuren, sondern ihr Verhältnis zu den gleichfalls im Fleisch vorkommenden, Omega-6-Fettsäuren, die bei der heutigen, unnatürlichen Massentierhaltung im Fleisch extrem angereichert werden. Statt bei eins zu zehn bis 20 wie bei konventionellem Fleisch liegt das Verhältnis der Omega-Fettsäuren im Rindfleisch der Weiderinder bei gesunden eins zu zwei.
Geheimnis ist das natürliche Weidegras, dessen Fettanteil zu zwei Dritteln aus den langkettigen Omega-3-Fettsäuren besteht. Futtermais hingegen oder Sojamehl enthalten deutlich weniger davon. Biologische Weidehaltung führt deshalb nicht nur bei Rindern, sondern generell bei allen Pflanzen fressenden Tierarten zu gesünderem Fleisch, gesünderen Eiern und gesünderer Milch.
Extrem mageres Fleisch ist keine Alternative
Schließlich zeigen die jüngsten Forschungen, dass die natürliche Viehhaltung das Aroma und die Lagerfähigkeit des Fleisches verbessern. Grund ist der im Gras vorhandene hohe Gehalt an alpha-Tocopherol, auch Vitamin E genannt. Im Fleisch führt es als natürliches Antioxidationsmittel zur Stabilisierung des Fettes und der im Fleisch enthaltenen Farbpigmente. Alles unschlagbare Vorteile, die für heimisches Bio-Fleisch, regionale Bio-Milch, Bio-Eier und eine echte Agrarwende zugunsten einer Landwirtschaft sprechen, die den Tieren ihre Würde zurückgibt. Diese Agrarwende wäre auch die preisgünstigste und sicherste Maßnahme zur Sanierung unseres Gesundheitssystems.
Der oft von Ernährungsratgebern in den Massenmedien empfohlene Verzehr von extrem fettarmen Lebensmitteln oder von besonders magerem Fleisch macht die Produkte der industriellen Tiermast übrigens auch nicht gesünder, geschweige denn schmackhafter. Denn Fette und Fettsäuren sind wichtig für eine ausgewogene, schmackhafte Ernährung, weil sie nicht nur Träger der Geschmack- und Aromastoffe, sondern ebenso Träger zahlreicher, wichtiger fettlöslicher Vitamine wie A, D, E und K sind.
Dass man sich mit künstlich rosa eingefärbtem Zuchtlachs etwas Gutes tut, ist gleichfalls nur so eine, von der Nahrungsmittelindustrie lancierte und von naiven oder fachlich überforderten Journalistinnen und Journalisten verbreitete Falschpropaganda. Es stimmt zwar, dass der in den Supermärkten massenhaft angebotene, überfettete Zuchtlachs absolut gesehen mehr Omega-3-Fettsäuren je Kilogramm Masse enthält, als seine wilden, frei schwimmenden Verwandten. Das bei Wildlachs gesunde Verhältnis von Omega-3-Fettsäuren zu den anderen Fettsäuren ist aber beim eingepferchten, auf schnelle Gewichtszunahme getrimmten Zuchtlachse aufgrund der unnatürlichen Lebensweise und falschen Ernährung – genauso wie bei Mastrindern im Massenstall – aus dem Gleichgewicht geraten, was ebenso für den Bio-Zuchtlachs gilt.
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