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Seite.13

Gletscher Ade – Scheiden tut weh     Noch zehn Jahre bis zum Klima-GAU     Superflieger Airbus A380 - Steilflug in den Abgrund     Italien ohne Strände     Grünhelme helfen den Flutopfern von Aceh   Deutschland auf Rang 31   Gen-Pappeln in China     Neues Buch über Gen-Bäume   Ungarn gegen Gen-Mais-Anbau    
WTO macht Hunger     Argentinien: Erdölkonzerne gegen Mapuche   Regierung streicht Gelder für Münchner Gen-Kartoffeln   Europäische Entwicklungshilfe als getarnte Ausbeutung in Mexiko   Evangelische Kirche streicht Gelder für BUKO   USA zwängen Iraker Gen-Saatgut auf      Die unnatürliche Naturkatastrophe
Alles „Öko“ vom Dach bis zum Keller   Darwins Alptraum – ein Film von Hubert Sauper
Gentechnik – Augen zu und durch

Umwelt- und Nord-Süd-Nachrichten Januar 2005
 

Gletscher Ade – Scheiden tut weh

Nicht nur die Alpengletscher sind betroffen: Bis auf Skandinavien und Neuseeland schmelzen weltweit die Gletscher in einem Ausmaß, dass niemand mehr den Globalen Klimawandel verleugnen kann. Selbst die Gletscher Patagoniens und der hohen Anden Südamerikas schrumpfen. Und der berühmte Schnee auf Afrikas Kilimanjaro wird bald nur noch Legende sein. Langfristig bedeutet der Gletscherschwund nicht nur Trinkwassermangel in vielen Bergregionen, auch Energiemangel wird die Folgen, befürchten die Wissenschaftler. Denn das jährliche Schmelzwasser der Gletscher speist viele Wasserkraftwerke.
 

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Noch zehn Jahre bis zum Klima-GAU

Die Abkürzung GAU steht für den größten anzunehmenden Unfall. Wenn unsere Industriegesellschaften nicht schnell umsteuern, lässt sich der Klima-GAU nicht mehr vermeiden. Diese Warnung sprach nun die internationale "Climate Change Taskforce"  - eine Expertenteam aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft – aus. Sie forderte die acht größten Industrienationen und auch alle anderen Regierungen auf alles zu tun, damit die weltweiten Temperaturen nicht um mehr als zwei Grad Celsius ansteigen. Noch bleibe ein Zeitfenster von ungefähr zehn Jahren, um zu handeln und den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen.
 

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Superflieger Airbus A380 - Steilflug in den Abgrund

Ob Rot, ob Grün, ob Schwarz oder Gelb: Alle führenden Regierungs- und Oppositionspolitiker freuten sich, als in Paris der neue Airbus-Jumbo A380 am 18. Januar Prämiere hatte. Auto- und nun bald auch Flugzeugkanzler Gerhard Schröder gab sich sogar euphorisch und meinte, dass Europa mit diesem Superjumbo zu den Sternen gegriffen habe. Doch die fatalen Konsequenzen der Entwicklung und des Einsatzes dieses Großraumflugzeugs, das bis zu 850 Passagiere auf einmal um den halben Globus transportieren kann, wurden dem Anlass entsprechend unter dem roten Teppich gehalten. Denn damit sich die hohen Entwicklungskosten des Riesenjets von rund Zwölf Milliarden Euro – bezahlt größtenteils mit Direkt- und Quersubventionen aus der Tasche der Steuerzahler - braucht es ein hohes Wachstum des Luftverkehrs. So gehen die Airbus-Befürworter wie selbstverständlich davon aus, dass sich der Flugverkehr bis 2020 nochmals mehr als verdoppelt. Während die internationalen Klimaschützer ironischerweise fast parallel zur A380-Prämiere faktisch das Gegenteil forderten.

Hinzukommt, dass der neue Airbus für Langstreckeneinsätze von bis zu 20.000 Kilometern am Stück gebaut wurde. Das heißt: Nicht umweltschonender Nahtourismus, sondern klimaschädlicher Ferntourismus ist gefragt. Statt Ostseestrand oder Mallorca vor allem Karibik oder Südostasien.

Die Einsparungen im Spritverbrauch, die Airbus verspricht, können die massiven, erhofften Steigerungen im Fernflugverkehr nicht im Mindesten ausgleichen. Und schließlich macht die enorme Passagierkapazität des A380 auch noch eine Multiplikation der Zubringerflüge notwendig – nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern überall dort, wo er eingesetzt wird. Denn um in Deutschland die „Riesenkiste“, die ausschließlich von Frankfurt und München starten wird, voll zu kriegen, müssen Passagiere von allen anderen Flughäfen heran geflogen werden. Ob dieses Airbus-Konzept tatsächlich auch ökonomisch aufgeht, bezweifelt nicht nur Konkurrent Boing. Eines ist aber sicher: Das Klima wird uns diesen kräftigen Anheizeffekt mit danken. Also freuen wir uns mit unserem Kanzler auf den „Steilflug in den Abgrund“.
 

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Italien ohne Strände

Was wäre Italien ohne seine Strände? Das mag man sich kaum ausmalen, trotzdem tut die italienische Regierung faktisch kaum etwas, um sie zu schützen. Schon 2.400 der insgesamt 7.500 Kilometer Küsten in Italien seien akut gefährdet. Dies zeige eine Studie des Forschungsinstituts Nomisma, meldet die österreichische Nachrichtenagentur APA. Hauptgrund für die Auswaschung der Erdoberfläche durch Wind und Wasser seien "unsinnige Bautätigkeit" an den Küsten sowie Klimaänderungen. Betroffen sei auch die südliche Adriaküste. Dabei sollte eigentlich auch die italienische Regierung von der jüngsten Tsunamikatastrophe lernen. Schließlich sind Italien und das Mittelmeer gefährdete Erdbebengebiete und riesige Tsunamis durchaus wahrscheinlich. Wer hier den Schutz der Küsten zugunsten von Tourismusbauten oder anderen Bautätigkeiten vernachlässigt, gräbt sich selbst das Grab.
 

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Grünhelme helfen den Flutopfern von Aceh

Schon Hunderte von Millionen Euro sind an die verschiedensten großen Hilfsorganisationen geflossen. Doch die Millionen sind an der kleinen, aber effektiven Organisation Grünhelme, gegründet vom Radiojournalisten Rupert Neudeck, vorgeflossen. Dabei können dort schon kleine Summen großes bewirken. Zur Zeit bemühen sich die Grünhelme das zerstörte Dorf Pulau Kayu auf Aceh wiederaufzubauen. „Das Dorf“, so ein Sprecher der Grünhelme, „braucht 300 Häuser, dazu müssen noch 80 repariert werden. Wenn wir von einem Materialpaket im Wert von 1.400 Euro ausgehen, ist das eine beträchtliche Summe. Deshalb geht unsere herzliche Bitte an alle unsere deutschen Landsleute: Bitte lassen sie die Menschen in Pulau Kayu nicht hängen!“ Die Hilfe der Grünhelme ist in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe mit Mitteln, die in der Regel kostengünstig vor Ort beschafft werden. 

„Die Studenten – mit denen wir zusammenarbeiten vor Ort - haben die Verträge mit 280 (von den 380) Familien und Hausbesitzern gemacht. Die ersten in Medan eingekauften Hilfsgüter für die Menschen sind in Pulau Kayu angekommen: Kocher, Werkzeuge, Brunnenreiniger, Wasser, Nahrungsmittel, Holz, Zement.“ Die Grünhelme rechnen mit einer Bau- und Arbeitszeit von 3-5 Monaten. Der Teamleiter vor Ort braucht aber noch einen „tropenfesten, nervenstarken Bauleiter“, also einen der wirklich vom Bauen was versteht, am einen Polier.

Weitere Informationen: Grünhelme e.V. , Kupferstr. 7, 53842 Troisdorf, Tel. 02241-46020, E-Mail: peace@gruenhelme.de, www.gruenhelme.de
 

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Deutschland auf Rang 31

Nicht nur in der Bildungspolitik sind wir ins schlechte Mittelmaß abgerutscht. Auch im Umweltschutz macht Deutschland offensichtlich keine gute Figur mehr. Noch hinter Panama landeten wir in der jüngsten Umwelt-Rangliste der Universitäten Yale und Columbia auf Platz 31. Am besten schnitt - wie auch in der Pisa-Studie - Finnland ab.

Ja ich weiß. Lang ist’s her. Es gab mal Zeiten, da waren wir im Umweltschutz die Nummer 1, aber da waren ja auch noch nicht die Grünen in der Regierung und da durften wir auch noch nicht unsere (NATO-)grün bemäntelten Krieger in die Welt hinausschicken. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Alles eine Frage der Prioritäten und des Geldes.
 

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Gen-Pappeln in China

China, die USA und Brasilien sind derzeit die Länder, wo der großflächige Einsatz von genetisch veränderten Bäumen schon bald Realität werden könnte, befürchtet die Kampagne gegen Gen-Bäume. China „testet“ bereits mit Tausenden von Gen-Pappeln. Auf Hawaii lassen die USA Gen-Papaya-Bäume zu Testzwecken in die Höhe wachsen und Brasilien könnte das erste südamerikanisch Land sein, dass genmanipulierte Bäume verbreitet.


Weitere Informationen:E-Mail: forestforum@elonmerkki.net
 

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Neues Buch über Gen-Bäume

Genetisch manipulierte Baumarten sind nach Meinung zahlreicher Naturschutz- und Menschenrechtsorganisationen eine der größten Gefahren für die Vielfalt unserer Wälder
und für das Überleben ihrer traditionellen Bewohner. Auf 100 Seiten hat der Autor Chris Lang nun für das World Rainforest Movement (WRM) und Friends of the Earth International (FOEI) alles wissenswerte über Gen-Bäume knapp zusammengefasst.

Das Buch „Genetically Modified Trees – The ultimate threat to forests“ ist zu beziehen bei: www.wrm.org.uy , E-Mail: wrm@wrm.org.uy und www.foei.org, E-Mail: foei@foei.org
 

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Ungarn gegen Gen-Mais-Anbau

Die ungarische Regierung hat am 20. Januar 2005 den Import und Anbau von Monsanto-Genmais verboten. Nahrungsmittel aus Gen-Mais dürfen allerdings weiterhin eingeführt werden.  In der EU sind inzwischen 17 verschiedene Formen des Monsanto-Genmais zum Anbau erlaubt.
 

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WTO macht Hunger

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die Menschenrechtsorganisation FIAN haben bei der Eröffnungsfeier der Grünen Woche am Donnerstagabend in Berlin die
Position der Bundesregierung in den Agrarverhandlungen der Welthandelsorganisation
WTO kritisiert. "WTO macht Hunger" war auf einem Banner und auf Papptellern zu lesen, die während der Rede von Landwirtschaftsministerin Renate Künast durch den Saal flogen. "Hierzulande preist Renate Künast die Agrarwende, doch auf internationaler Ebene unterstützt sie die knallharte Liberalisierungspolitik der WTO", sagte Christiana Schuler von der Attac-Arbeitsgruppe Agrarnetz. Dies bedrohe die Kleinbauern und -bäuerinnen im
Süden.
Schuler: "Die WTO-Politik verschärft die Hungerkrise in diesen Ländern, anstatt sie zu bekämpfen."  So hat die Öffnung der Agrarmärkte in vielen Ländern des Südens zu einer
Flut billiger Importe geführt, mit denen Kleinbauern und -bäuerinnen nicht konkurrieren
können. Sie verlieren ihre Lebensgrundlage. "Der Zwang zur Marktöffnung verhindert die Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung, das im Sozialpakt der UNO völkerrechtlich verankert ist", kritisierte Armin Paasch von FIAN (FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk).
"Wenn die Bundesregierung ernsthaft für das Menschenrecht auf Nahrung eintreten will,
muss sie sich für umfassende Schutzmöglichkeiten für die kleinbäuerliche Landwirtschaft stark machen."

Infos: Christiana Schuler, Attac AgrarNetz, Tel: 0160-93070139
Armin Paasch, FIAN Deutschland, Tel: 0175-6242848
 

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Argentinien: Erdölkonzerne gegen Mapuche

Die Mapuche-Gemeinde Logko Puran in der argentinischen Provinz Neuquén hat den Raubbau und die Umweltverschmutzungen durch die Erdölindustrie in ihrem Gebiet satt. Sie fordert ultimativ den US-amerikanischen Konzern Pioneer auf der Ausbeutung der Erdölvorkommen auf ihrem Territorium zu beenden. Schon seit Jahren klagten die argentinischen Ureinwohner gegen die Erdölausbeutung, weil sie ihre Umwelt, Pflanzen und Tiere vergifte.
Als Antwort schickte die Regierung Argentiniens und der US-Konzern Soldaten, genauer gesagt die Aufstandbekämpfungseinheit (UESPO), um die „aufständischen“ Indios zu befrieden.

Info: www.mapuexpress.net
 

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Regierung streicht Gelder für Münchner Gen-Kartoffeln

Wie das Wissenschaftsmagazin Science im Januar berichtet, gibt es für die umstrittenen
Gen-Kartoffeln der Technischen Universität (TU) München keine Forschungsgelder mehr
von der 13. Januar. Nach Aussage von Helmar Schubert vom Institut für Lebensmittelverfahrenstechnik der Universität Karlsruhe, die an dem Gen-Projekt beteiligt
ist, werde das Bundesforschungsministerium keine weiteren Zahlungen Mehr leisten. Es sei zur Zeit nicht einmal mehr Geld da, das Projekt zu Ende zu führen.
Nach Ansicht des Umweltinstituts München e.V. war die Entwicklung dieser "Carotinoid-Kartoffel" sowieso bereits im Ansatz verfehlt. "Es ist nicht sinnvoll, Fehlernährung mit einer Technologie zu bekämpfen, die Ökosystem und Verbraucher unakzeptablen Risiken aussetzt", erklärt der Gentechnikexperte des Umweltinstituts. Die TU München solle nun das ganze Gen-Projekt freiwillig einstellen, rät er. Es seien bereits für diese sinnlose Forschung rund zehn Millionen Euro an Steuergeldern geflossen.

www.umweltinstitut.org/frames/allg/press/f-20050131.htm
 

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Europäische Entwicklungshilfe als getarnte Ausbeutung in Mexiko

Das Interesse privater Investoren ist der europäischen wie der deutschen, staatlichen Entwicklunghilfe offensichtlich wichtiger als das Wohl der betroffenen Menschen vor Ort. Das soll zumindest auf ein Projekt der Entwicklungszusammenarbeit in Mexiko zutreffen, wie eine Studie der BUKO-Kampagne – BUKO steht für Bundeskoordination Internationalismus - gegen Biopiraterie nun zeigt. Sie untersuchte die europäische und deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Mexiko und Zentralamerika. Ergebnis: Die staatliche Entwicklungshilfe ist eher eine Investitionsvorbereitung für Unternehmen, getarnt unter dem Begriff "Private Public Partnership (PPP)". Im mexikanischen Chiapas-Gebiet werde nun diese falsche Entwicklungshilfe auf Kosten der traditionellen Bevölkerung betrieben. Die Studie "Qué pasa? Entwicklungszusammenarbeit, Biopiraterie und Aufstandsbekämpfung." ist zu beziehen bei: Infoladen Bankrott, Dahlweg 64, 48153 Münster, E-Mail: bankrott@free.de

Weitere Infos: „Hinter der Biopiraterie steht noch viel mehr - Interview mit Ana Valadez, COMPITCH, Chiapas, Mexico”, www.biopiraterie.de
 

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Evangelische Kirche streicht Gelder für BUKO

Gerade die Kampagne gegen Biopiraterie und die aktuelle, kritische Studie über eine falsche, europäische Entwicklungshilfe in Mexiko „Qué pasa“ zeigt, wie wichtig die Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) ist. Doch nach fast 25-jähriger Zusammenarbeit hatte der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) vergangenen Dezember bekannt gegeben, die Zuschüsse für die BUKO drastisch zu kürzen. Die Bezuschussung der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit der BUKO bestand u. a. aus einer jährlichen institutionellen Förderung (v.a. Lohnkosten, Miete, Verwaltungskosten, etc. für die Geschäftsstelle) und einer jährlichen Kongressförderung, in Höhe von zuletzt jeweils 15.000 Euro. Für beides wird der EED im Jahr 2005 kein Geld mehr bereitstellen. Die BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie kritisiert diese Entscheidung des EED und fordert den EED auf, sie zu überdenken.

Info: www.biopiraterie.de
 

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USA zwängen Iraker Gen-Saatgut auf

Die Iraker haben großen Mut gezeigt und ein Parlament gewählt. Keine Wahl hatten allerdings die irakischen Landwirte. Per Federstrich wurde ihnen durch die Bush Administration im Irak Gen-Saatgut von Monsanto aufgedrückt. Dabei ist der Irak nicht nur
ein reiches Erdölland. Das Land am Euphrat ist gleichzeitig die Wiege des Ackerbaus und eines der Gen-Zentren für Getreide. Und die irakischen Bauern hatten auch unter Saddam Hussein alte Sorten im Getreidanbau bewahrt. Diese Vielfalt ist jetzt bedroht, schließlich sollen künftig die US-amerikanischen Agrarkonzerne wie Monsanto auch an den Irakern verdienen.

„Die USA haben ihre Patente auf Leben bisher weltweit durch Handelsabkommen durchgesetzt. In diesem Fall haben sie zuerst das Land überfallen und dann die Patente aufgedrückt. Dies ist sowohl unmoralisch als auch inakzeptabel“, kritisiert der indische Landwirtschaftsexperte Shalini Bhutani von der Organisation Grain. Die internationale Nichtregierungsorganisation Grain fördert weltweit die nachhaltige Landwirtschaft und steht dafür, dass die genetischen und biologischen Ressourcen in der Hand der lokalen Bevölkerungen bleibt und nicht von Konzernen kontrolliert werden.

Weitere Informationen: http://www.grain.org/front/
www.vegsource.com/articles2/iraq_seeds.htm
 

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Die unnatürliche Naturkatastrophe
Mangroven statt Touristen
von Norbert Suchanek
 


Über 300.000 Menschen starben am 26. Dezember vergangenen Jahres durch die große Flutwelle in Südostasien. Auch etwa 3.500 Touristen waren unter den Todesopfern, vor allem in Thailand. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Profiteure des Massentourismus, TUI, Neckermann und Co., ihre hörigen Spitzenpolitiker und thailändische Bordellbesitzer für eine schnelle Wiederaufnahme des Tourismusgeschäfts plädieren und dazu aufrufen, jetzt erst recht nach Thailand zu reisen, um mit den Tourismuseinnahmen den Wiederaufbau mitzufinanzieren.  Doch viele betroffene Einheimische, Wissenschaftler und Umweltschützer sehen dies anders: Die vom Tsunami zerstörten Regionen brauchen kein rasches Wiederaufleben des Massentourismus, sondern neue Mangrovenwälder.

"Urlaubsreisen in das Katastrophengebiet sind die beste Aufbauhilfe“, diktierte der CDU-Haushalts-Experte Albrecht Feibel vergangenen Januar der Bildzeitung und setzte noch eins drauf, indem er eine Steuerbefreiung deutscher Südostasienurlauber vorschlug. Doch dieser Vorschlag ist genauso kurzsichtig und von Profitinteressen der Tourismusindustrie geleitet, wie die Meinung  des Präsidenten des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DRV). Würden die Reiseländer nach der verheerenden Flutkatastrophe jetzt auch noch von den Touristen geschnitten, so Klaus Laepple, wäre dies ein zweiter katastrophaler Schlag für die Bevölkerung. Tatsächlich ist es aber genau anders herum.

Viele der vom Tsunami betroffenen Fischerfamilien, seien bereits Opfer einer katastrophalen Küstenentwicklung gewesen, lange bevor die Killerwelle zuschlug, so die Tourismusexpertin Anita Pleumarom vom Tourism Investigation & Monitoring Team (tim-team) in Thailand. Natürlich stünden viele tausend Thailänder nun vor dem Risiko, ihre Jobs im Gastgewerbe dauerhaft zu verlieren, weshalb es wichtig sei, ihnen zu helfen, so Anita Pleumarom. „Aber es muss darauf hingewiesen werden, dass es noch viel mehr von der Flutkatastrophe betroffene Menschen gibt, die in der Fischerei und anderen Branchen gearbeitet haben.“ Und viele seien durch die Tourismusentwicklung erst verarmt und an den Rand geschoben worden.  An „Traumstrände“ geklotzte Touristenressorts und Luxushotels mit Tennis- und Golfplätzen kreierten zwar einige Billigjobs für Einheimische, andere aber, die zuvor an diesen Strände lebten und durch Fischfang oder nachhaltige Nutzung der Mangrovenwälder ein Auskommen fanden, verloren im Gegenzug mehr als nur einen Job. Sie verloren Haus und Hof, ihre Existenz und den Schutz vor den Naturgewalten.

Tourismus verschlimmerte die Auswirkungen des Tsunami

Es sei wachsender Konsens unter Wissenschaftlern, Umweltschützern und Asiens Fischergemeinden, so der Autor John Vidal in der britischen Tageszeitung The Guardian, dass die Auswirkungen des Tsunamis durch Tourismus, Garnelenzuchtfarmen und andere industrielle Entwicklungen erheblich verschlimmert wurden. Denn sie haben die Mangrovenwälder, Küstendünen, Korallenriffe und Seegrasgebiete zerstört oder soweit degradiert, dass diese kaum noch Schutz vor der großen Flutwelle bieten konnten.

Nicht anders sieht es Jeff McNeely, Südostasienexperte und Wissenschaftler der Weltnaturschutzunion (IUCN). Die am schlimmsten verwüsteten Gebiete an Thailands Andaman-Küste, vor allem Phuket, Phangnga und die  Krabi-Provinz hatten als Folge einer rücksichtslosen Küstenentwicklung keinen natürlichen Schutz mehr. Insgesamt wurden in den vergangenen dreißig Jahren rund 80 Prozent der Mangrovenwälder an Thailands östlicher Küste zerstört, so John Pernetta, Projektdirektor der Umweltbehörde der Vereinten Nationen (UNEP).

Mangroven sind Bäume mit Stelzwurzeln, die in der Gezeitenzone zwischen Meer und Land gedeihen. ”Sie sind extrem wichtig, weil sie eine effektive Barriere gegen jede Art von Welle bilden”, erklärt John Pernetta. „Mangroven nehmen den Wellen die Energie.“ Während der Wald selbst von der Welle zu „Kleinholz“ werde, schütze er das Land und die Gebäude dahinter, wie beispielsweise geschehen in der Provinz Ranong. Dort noch vorhandene Mangrovengürtel schützten einige der Fischerdörfer wie Tha Klang vor der Kraft der Killerwelle. Zwar haben auch dort die Fischer ihre Boote verloren, aber keines ihrer  Häuser. Dies bestätigt auch Maitree Duangsawasdi vom thailändischen Ministerium für Meeres- und Küstenressourcen. „Die Mangroven in Ranong und Phang Nga retteten Hunderten von Menschen das Leben.“

Die Erfahrungen decken sich mit denen in den anderen betroffenen Ländern wie Indien und Sri Lanka, wo etwa 45.000 Menschen starben. So meldete das Mangrove Action Project (MAP) - ein Netzwerk von rund 400 Nichtregierungsorganisationen und über 250 Wissenschaftlern, die sich in 60 Ländern mit dem Schutz und der Erforschung der Mangroven beschäftigen -, dass in den überfluteten Gebieten von Pichavaram und Muthupet dichter Mangrovenwald  zu geringen menschlichen Verlusten und zu geringen Schäden an der Infrastruktur führte. „Gebiete mit Mangroven hatten die geringsten Zerstörungen zu erleiden, wie auf den Andamanen oder Nicobar-Inseln zum Beispiel, wo an vielen Stellen noch Mangrovenwälder und Korallenriffe intakt sind. Wenn sie nicht da gewesen wären, hätte es viel schlimmer kommen können“, ist sich der Umweltschützer Debi Goenka von der Bombay Environmental Action Group sicher.

Acehküste war überseht mit Shrimpfarmen

Auch in dem Land, das die meisten Flutopfer zu beklagen hat, trägt die Abholzung der Mangroven eine beträchtliche Mitschuld an der Tragödie. Wie selbst der indonesische Forstminister Malam Sambat Kaban zugeben musste, hat Indonesien nämlich in den vergangenen Jahrzehnten rund 650,000 Hektar seines grünen Schutzgürtels – 30 Prozent seiner gesamten Küstenwälder - abgeholzt. Besonders betroffen von der Mangrovenvernichtung: Die Sumatra-Provinz Aceh, wo ein Großteil der Küstenlinie schon vor dem Tsunami durch zahlreiche Shrimpfarmen degradiert und Sturmfluten schutzlos ausgeliefert war. Über 200.000 Menschen zahlten 26. Dezember für diesen Umweltfrevel mit dem Leben.

Die einstige Mangrovenfläche Acehs wird auf 60.000 Hektar geschätzt, so Ben Brown, MAP-Koordinator in Indonesien. Heute ist nur noch etwa ein Sechstel, 10.000 bis 12.500 Hektar davon übrig. Die meisten Küstenwälder der Provinz wurden Ende der 1980er Jahre abgeholzt, um Devisen bringende Garnelenzuchtteiche, so genannte Aquakulturen, und Ölpalmplantagen anzulegen. Sowohl Palmöl als auch die Shrimps genannten Garnelen sind in den westlichen Industriestaaten begehrte Importwaren, weshalb deren Produktion auch durch die westlichen Entwicklungsorganisationen und Kreditinstitute seit Jahren in möglichst vielen tropischen Staaten gefördert wurde. Schließlich ging es den Profiteuren darum, durch ein möglichst großes Angebot, die Preise so niedrig wie möglich in den Keller zu fahren. Die auf Exporteinnahmen – für den Schuldendienst – angewiesenen Länder der „Dritten Welt“ gerieten damit in einen Abwärtsstrudel, der sie zwang immer mehr Shrimps und immer mehr Palmöl zu produzieren, was die Aufkäufer aus den Industriestaaten leidlich ausnutzten, um die Preise noch weiter zu drücken. Das Ergebnis dieser „Geiz ist Geil-Mentalität“ europäischer und US-amerikanischer Konzernmanager und Konsumenten, denen intakte Ökosysteme und Küstenschutz in den fernen Tropen offensichtlich egal sind, sieht man zum einen in jedem Supermarkt in Deutschland, wo die tropischen Garnelen in allen Kühltruhen billigst auf Käufer warten, und zum anderen vor Ort in den Flutkatastrophengebieten Südostasiens, wo Hunderttausende starben. Erst 2003 hatte Indonesiens Ministerium für Fischerei in Nordsumatra bekannt gegeben, man wolle die Shrimp-Produktion demnächst mehr als verzehnfachen, um mit dem größten Shrimpexporteur Asiens, Thailand, zu konkurrieren, selbst wenn es die Abholzung von 800.000 Hektar Mangroven kosten solle – einem Drittel der restlichen Küstenwaldbestände Indonesiens.

“Die Konsumenten der Zuchtgarnelen in den reichen Nationen sind Schuld an der Vernichtung der Mangrovenwälder und anderer Küstenpuffer, die so viele Menschen vor der Raserei des Tsunamis hätten schützen können“, zieht der langjährige MAP-Direktor Alfredo Quarto nüchtern Bilanz. Doch auch Regierungen, Shrimp- und Tourismusindustrie und Finanzinstitutionen wie die Weltbank trügen eine Schuld an den Tausenden von Toten.

So wichtig die Schutzfunktion der Mangrovenwälder auch ist. Diese einmaligen Waldökosysteme stellen - wenn man sie denn intakt ließe - ebenso eine nachhaltig sprudelnde Einkommens- und Jobquelle dar: Sie liefern nicht nur Waldprodukte wie Honig, Holz, Tannin, Medizinpflanzen und Wildfleisch. Da sie auch für viele Fischarten lebenswichtige Kinderstube sind, bringen sie der nachhaltigen Küstenfischerei ebenso bares Geld ein. Etwa 10.000 US-Dollar jährlich je Hektar, schätzen die Experten des MAP. ”Mangroven sind der Supermarkt für die Menschen an der Küste”, sagt der thailändische MAP-Mitbegründer Pisit Charnsnah.

Wiederaufbau des Tourismus kann zur nächsten Katastrophe führen

Statt nun - wie offensichtlich die thailändische Regierung - nichts besseres zu tun, als für den schnellen Wiederaufbau des Tourismusgeschäfts und der Garnelenzuchtfarmen zu plädieren, halten Ökologen die Wiederherstellung des grünen Schutzgürtels für die langfristig sinnvollste Aufbaumaße. Der nächste tropische Wirbelsturm mit Meter hohen Wellen, der nächste Tsunami stehen bereits in den Startlöchern. Einheimische Wissenschaftler wie Anuchat Poungsomlee von der Universität Mahidol oder Bancha Pongpanich, Koordinator des Gemeindeentwicklungsprojekts von Pattana Chumchon Pen Suk in Thailand, sprechen sich dafür aus, die Flutkatastrophe für eine Pause, eine Bedenkzeit zu nutzen. „Schneller Wiederaufbau könnte zu einer anderen Art von Desaster führen“, warnt Anuchat Poungsomlee. „Aus der Sicht eines Ökologen ist das Unglück ein Signal, dass es Zeit ist für die Natur sich auszuruhen.“ Die Regierung sollte nicht zu ihrer Entwicklungsstrategie zurückkehren, die auf das schnelle Geld aus der Reiseindustrie fokussiert ist.

Auch nach Ansicht der Tourismusexpertin Anita Pleumarom mache es einfach keinen Sinn mehr, weiterhin auf dieses wankelmütige Geschäft namens Tourismus zu setzen. Anita Pleumarom: „In der Mitte von Tod, Verwüstung und Chaos, warum können die betroffenen asiatischen Länder nicht wenigstens eine Pause vom Tourismus haben?“ Jetzt nach der Soforthilfe sei eine vollständige Bestandsaufnahme der mehrdimensionalen Auswirkungen und Ursachen der Katastrophe notwendig. Ob der Tourismus eine richtige Wahl für den Wiederaufbau darstellt, sollten dann die betroffenen, lokalen Gemeinschaften entscheiden - und nicht ferne Zentralverwaltungen und Manager von außerhalb, die bereits jetzt mehr Schaden als Nutzen angerichtet haben, indem sie eine Tourismusentwicklung um jeden Preis erzwangen.


Weitere Informationen:

tourism investigation & monitoring team (tim-team)
P.O. Box 51 Chorakhebua
Bangkok 10230, Thailand
Email: timteam02@yahoo.com

Alfredo Quarto, Executive Director
Mangrove Action Project
PO Box 1854
Port Angeles, WA 98362-0279
USA, phone/ fax (360) 452-5866
mangroveap@olympus.net
web site: www.earthisland.org/map/map.html

Phuket Action Plan
www.world-tourism.org

www.mangroverestoration.com
"ben brown" map-indo@dps.centrin.net.id
 
www.workers.org/ww/2005/tourism0113.php


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Alles „Öko“ vom Dach bis zum Keller
Das ideale Bio-Haus der Gegenwart
 

„Das Licht geht automatisch an, unsere Lieblingsmusik überträgt sich aus dem Wohnzimmer direkt in unserem Auto, und die Waschmaschine lässt sich von der Arbeit aus bedienen.“ Dieses vollautomatische Haus ist keine Zukunftsvision, sondern bereits Münchner Realität.  Am 28. Januar wurde es als „Haus der Gegenwart“ auf dem Gelände der Bundesgartenschau in Riem eingeweiht. Auch Computergigant Bill Gates hatte sich dazu angesagt. Das mit so namhaften Partnern wie Microsoft, BMW, Schörghuber, der Landeshauptstadt München, der Bayerischen Hausbau GmbH und der Fördergesellschaft Landespflege Bayern e.V. realisierte „Haus der Gegenwart“ solle der Forschung über zeitgerechtes Wohnen, der Bildung der Allgemeinheit und der Kultur eines zeitgerechten Wohnens dienen, heißt es. Doch die „Microsoft eHome-Vision“ eines Hauses mit „BMW ConnectedDrive“ - um auch vom Auto aus per Fernsteuerung mit den Jalousien des Haus spielen zu können - besticht vor allem mit Elektronikschnickschnack, der früher oder später doch nur zum Elektronikschrott wird. Meine Idee von einem echten „Haus der Gegenwart“ ist eine andere. Es stellt sich den tatsächlichen Herausforderungen der Gegenwart: Globaler Klimawandel, Energieverknappung, Massenarbeitslosigkeit. Ökologie und Nachhaltigkeit sind das Maß aller Dinge bei meinem idealen „Bio-Haus der Gegenwart“.

Anders als beim wirklichen Hausbau in unseren Gefilden fange ich aber mit dem Dach und nicht mit dem Ausheben eines Kellers an. Mein ideales Bio-Hausdach sollte eine Kombination aus Energie-Erzeugungsfläche und artenreichem Spielplatz und Lebensraum für Vögel und Insekten sein. Anders ausgedrückt: Das nicht allzu schräge Dach ist begrünt und trägt darin eingebettet auf der Südseite ausreichend Solarkollektoren für die Warmwasseraufbereitung. Und ein besonderer Ablauf an der Dachrinne führt das durch das Erdreich auf dem Dach vorgefilterte, fast reine Regenwasser nicht in den Gully sondern in den Brauchwasserspeicher.

Stroh vom Acker

Das Dach ist natürlich ausgebaut und mit heimischem Fichtenholz verkleidet. Dämmmaterial ist Stroh. Aber keine Angst! Feuergefahr besteht nicht, da das Stroh fest gepresst ist, kommt kaum Sauerstoff hin. Und ohne Sauerstoff kann auch Stroh nicht brennen. Überhaupt ist das bei der Getreideernte quasi als Abfallstoff anfallende Stroh eines der wichtigsten Materialien meines idealen Bio-Hauses. Wände und Decken bestehen aus einer Kombination aus Stroh, Lehm und Holz, ähnlich wie bei den ältesten, noch heute stehenden Fachwerkhäuser aus dem 14. Jahrhundert in Deutschland. Denn mein „Traumhaus“ soll gleichfalls Jahrhunderte überdauern und noch Dutzenden von Generationen Schutz und Geborgenheit geben. Eigenschaften, von denen beispielsweise Betongebäude nur träumen können. Alle drei eingesetzten Naturbaustoffe kommen überdies aus der näheren Umgebung und sind mit geringstem Energieaufwand herzustellen und zu verwenden. Einen chemischen Schutz vor Nässe oder Schadinsekten braucht es dank einer Kombination aus intelligenter und traditioneller Bauweise, die feuchte Stellen von Haus aus verhindert, auch nicht.

Auf Tradition setze ich auch bei den Böden. Hier wurden aus Abrisshäusern  gewonnene historische Massivholzdielenböden verwendet. Die beim Recycling von teilweise über 100jährigen Gebäuden anfallenden Dielen sind nämlich oft viel zu schade zum Verbrennen. Sie haben nicht nur eine außergewöhnliche Patina und Langlebigkeit. Ihre ökologischen Qualitäten sind auch kaum zu übertreffen: Nachwachsender Rohstoff, garantiert keine giftigen Ausdünstungen und darüber hinaus noch ein Recyclingprodukt, das Jobs schafft.

Kachelofen und Blockheizkraftwerk

Als Heizsystem habe ich mich zum einen für einen Kachelofen entschieden, wie ich ihn einst in einem uralten, unheimlich behaglichen Holzhaus im Osten Polens gesehen und in Funktion bei Außentemperaturen von Minus 30 Grad Celsius genossen habe. Man weiß ja nie, wie lange der Golfstrom noch durchhält, und dann haben wir „sibirische“ Temperaturverhältnisse auch bei uns. Dieser polnische Kachelofen also sitzt quasi in der Mitte des Hauses, dient in der Küche als Herd und Backofen und heizt die anderen Zimmer gleich mit. Überschüssige Heizenergie des Kachelofens gelangt in Form von heißem Wasser in das zweite Heizsystem, einer zentralen Warmwasserversorgung, die ansonsten mit der Energie aus den thermischen Solarkollektoren sowie aus dem kleinen Blockheizkraftwerk gespeist wird. Auf die üblichen und im Allgemeinen hässlichen Heizkörper, die auch noch den Platz in den Wohnräumen verringern, habe ich verzichtet. Stattdessen liegen Heizschlangen in den Wänden.

Trockentoilette als Energielieferant

Das im Keller stehende Blockheizkraftwerk sorgt für den Strom im Haus und für ein gar nicht so geringes Zusatzeinkommen. Es wird mit hauseigenem Biogas betrieben, das wir selbst erzeugen. Die – man mag es erst glauben, wenn man es gesehen hat – tatsächlich komfortablen zwei Trockentoiletten des Hauses liefern nämlich den Rohstoff für die Biogas-Anlage im Kellerbereich. Zusätzlich wird der Methangas erzeugende „Bioreaktor“ noch mit Bio-Abfällen aus Haushalt, Katzenklo und mit dem Mist unserer Kaninchen befüllt.

Die Trockentoiletten haben wirklich nichts mit einem Plumpsklo zu tun. Sie stinken auch nicht. Tatsächlich sind sie im Grunde sogar noch hygienischer als unsere Wassertoiletten, was daran liegt, dass sie mit Hilfe von herrlich duftendem Kompost funktionieren. Und diesen Kompost – sie ahnen es bereits – produzieren wir selbst. Es sind nämlich die festen, mit Gartenhumus versetzten Reststoffe aus unserem „Bioreaktor“. Kreislaufwirtschaft, nennt man das heutzutage. Steigende Preise für Heizöl, Erdgas oder Strom interessieren nicht mehr. Lediglich etwas gut abgelagertes Holz für den Kachelofen braucht das Haus als Energiezufuhr von Außerhalb.

Mobilfunkstrahlung hat keine Chance

Alle Fenster und Türen sind natürlich aus Holz, genauer gesagt im Winter geschlagenes Mondholz aus der Region. Ein solches Holz verzieht sich nicht und hat einen natürlichen Schutz vor Schädlingen. Möglich ist auch, dass ich Recycling-Holzfenster nehme, die von anderen, abgerissenen alten Häusern stammen. Denn früher, vor der Erfindung von PVC- oder Aluminiumfensterrahmen hatte man gleichfalls nur bestes Winterholz für die Fenster hergenommen. Klar, dass für alle notwendigen Anstriche im In- und Außenbereich nur biologische Produkte verwendet wurden.

Einen im Süden vorgebauten Wintergarten gibt es natürlich auch, gebaut aus gut isolierendem Glas und Holz. Dank seiner südlichen Ausrichtung wirkt er sich zum einen günstig für die Energiebilanz des Hauses und zum anderen günstig auf die Psyche seiner Bewohner aus.  Im Wintergarten steht der Schaukelstuhl und ist Platz für eine Hängematte. Ich ziehe hier Wärme liebende Pflanzen und vor allem duftende Kräuter und Gewürze für die Küche. Vor allem durch das begrünte Dach ist mein Bio-Haus übrigens rund herum vor jeglicher Mobilfunkstrahlung geschützt. Denn das gerade in den Pflanzen und im Erdreich enthaltene Wasser (H2O) schirmt das Haus von den umstrittenen und möglicherweise gesundheitsschädlichen Strahlen ab.

Norbert Suchanek


Informationshinweise:
Baustoff-Recycling GmbH
Alte Ziegelei, Entruper Weg 273
D 32657 Lemgo
E-Mail: info@antike-baumaterialien.de
www.antike-baumaterialien.de

CLAYTEC e. K.
Nettetaler Str. 113
41751 Viersen
www.claytec.com

www.haus-der-gegenwart.de
www.komposttoilette.de
www.moderner-lehmbau.de
www.architektur-online.com/archiv/Heft0204/Stroh/Stroh.html
www.nachhaltigkeit.at

 

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Fimltipp
Darwins Alptraum – ein Film von Hubert Sauper


Ein wissenschaftliches Experiment bildet den Ausgangspunkt von Hubert Saupers verstörendem und zugleich packendem Dokumentarfilm, der gerade erst mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. In den 1960ern wurde ein neue Spezies im Viktoriasee ausgesetzt: Der Nilbarsch, ein gefräßiger Räuber, merzte fast den gesamten Bestand einheimischer Fische aus und wurde damit zur akuten Bedrohung für das natürliche Gleichgewicht des Sees.

Unternommen wird dagegen jedoch nichts, denn die weißen Filets des Nilbarsches sind ein weltweiter Exportschlager. Riesige Flugzeuge treffen täglich ein um den Fischfang gegen eine Fracht auszutauschen, über die niemand etwas wissen mag – Kalaschnikows und Munition für die unzähligen Kriege im „dunklen“ Zentrum des Kontinents.

So hat die blühende multinationale Fisch- und Waffenindustrie ein verheerendes Bündnis am Ufer des weltgrößten tropischen Binnensees geschaffen: eine Armee einheimischer Fischer, Weltbankvertreter, Straßenkinder, afrikanischer Minister, EU-Kommissare, tansanischer Prostituierter und russischer Piloten.

2004, Dok./ 35mm, F/A/B, 107 Min – im Verleih von Arsenal Film

Preise:
Bester Dokumentarfilm 2004 - European Film Awards
Europa Cinemas Label Jury Award - Venice
Vienna Film Prize - Viennale
NFB Documentary Award - Montreal
Best Film - Copenhagen Dox
Grand Prix - Festival de Film d'Environnement Paris

Regisseur:
Geboren in Tirol, lebte Hubert Sauper in Großbritannien, Italien, den USA und seit zehn Jahren in Frankreich. Er studierte Regie in Wien und Paris. Heute unterrichtet er immer wieder in Europa und den USA. Für seine letzten beiden Dokumentarfilme erhielt Hubert Sauper zwölf internationale Filmpreise.
Als Schauspieler spielt er in einer Reihe Kurzfilme sowie in zwei Langspielfilmen mit: IN THE CIRCLE OF THE IRIS (Regie: Peter Patzak) und BLUE DISTANCE (Regie: Peter Schreiner).

Filmographie:
Darwins Alptraum (2004, Dok./ 35mm, F/A/B, 107 Min.)
Alone With Our Stories (2000, Dok/ DigiBeta, TV-Produktion, F, 60 Min.)
Kisangani Diary (1998, Dok/35mm, F/A, 45 Min.)
Lomographer’s Moscow (1995, Dok/ TV-Produktion, 30 Min.)
So I Sleepwalk In Broad Daylight (1994, Spielfilm/16mm, A, 55 Min.)
On The Road With Emil (1993, Dok/16 mm, A, 30 Min.)
 
Credits
Buch/ Kamera/ Regie: Hubert Sauper, Künstlerische Mitarbeit: Sandor Rieder, Nick Flynn, Tontechniker: Cosmas Antoniadis, Schnitt: Denise Vindevogel, Sound Design: Veronika Hlavatsch, Produzenten: Edouard Mauriat, Antonin Svoboda, Martin Gschlacht, Barbara Albert, Hubert Toint, Hubert Sauper

Darwins Alptraum ist eine Co-Produktion von Mille et une productions (Paris), Coop99 Film Produktion (Wien), Saga film (Brüssel) in Zusammenarbeit mit ARTE und WDR

 

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Gentechnik – Augen zu und durch


„Augen zu und durch – und auf Teufel komm raus.“ Unter diesem Doppel-Motto scheint die „besinnungslose“ Pro-Gentechnik-Politik unserer angeblich christlichen Parteien CDU/CSU zu stehen. Sie fordern - ebenso wie Kanzler Schröder - die sofortige „Ausbringung“ der Gentechnik auf unsere Felder und hetzen gegen Bundesverbraucherministerin Renate Künast, obwohl auch sie bisher der Gentechniklobby kaum Steine in den Weg gelegt hat. „Mit akribischer Systematik zerstört BMVEL-Ministerin Künast die Chancen der Gentechnologie in Deutschland“, regt sich trotzdem die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag gegen die oberste „Verbraucherschützerin“ auf und zeigt uns dabei deutlich, dass alles noch viel schlimmer kommen könnte, sind die C-Parteien erst mal in der Regierung.

Vergleichbar mit dieser „blinden“ Pro-Gentechnik-Haltung der CDU/CSU ist wahrscheinlich nur noch das bedingungslose, wahnwitzig Pro-Gentechnik-Programm der USA im leidgeprüften Irak. Vergangenen März wurde dies in München ausdrücklich von über einem Dutzend Preisträgern des Alternativen Nobelpreises – von Vandana Shiva bis Hans-Peter Dürr - angeprangert. Unter der so genannten Order 81 sollen nämlich derzeit die irakischen Bäuerinnen und Bauern daran gehindert werden, ihre uralten Saaten und Kulturpflanzen anzubauen. Stattdessen müssen die Iraker nur noch industrielles, gentechnisch manipuliertes und von Unternehmen patentiertes Saatgut verwenden.

Diese „Order 81“, erlassen vom US-Beauftragten für den Wiederaufbau des Irak, Paul Bremer, sei ein "Verbrechen gegen die Menschheit!“ kritisierten die Nobelpreisträger in München und schickten eine Resolution hinaus in die Welt. „Der Irak ist eine Wiege der Zivilisation und der Landwirtschaft unserer Erde“, schreiben die Preisträger. „Die traditionelle Vielfalt der Kulturpflanzen im Irak, die sich über Tausende von Jahren entwickelt hat, ist nicht nur Vermächtnis und Rechtsgut der irakischen Bauern, sondern der ganzen Welt.“ Die Preisträger des Alternativen Nobelpreises fordern von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wie von der Regierung des Irak, die "Order 81" zurückzunehmen und rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Vielfalt der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, die sich über Tausende von Jahren entwickelt haben, zu schützen und weiter zu verbreiten.

Ob diese Resolution der Alternativen Nobelpreisträger auch auf den Tischen von CDU, CSU, SPD und FDP und den Grünen landen und von den Abgeordneten mit unterschrieben wird? Eigentlich müssten sie es, sind sie doch per Gesetz und Schwur dem Wohl der Bevölkerung verpflichtet und nicht dem Wohl von Monsanto, Syngenta und Paul Bremer und Co. Aber wer weiß schon, wer bei wem auf der Gehaltsliste steht?

Wenn es nach rechten Dingen zuginge, hätten die Bundesgrünen (zusammen mit der SPD) sowieso längst Deutschland flächendeckend zur Gentechnikfreien Region erklären oder zumindest offensiv dafür eintreten müssen. Doch stattdessen lassen sich offensichtlich auch die Grünen lieber vom PR-Berater Moritz Hunzinger (Scharping-Affäre!) bezahlen und auf Kosten des Steuerzahlers mit Bundeswehrjets durch die Gegend fliegen.

Zum Glück sind wir nicht allein in Europa, weshalb es auch Positives zu berichten gibt. So kämpft beispielsweise tapfer das Land Oberösterreich vor der EU für sein Recht auf eine gentechnikfreie Land(wirt)schaft.  Es hat nun beim Europäischen Gerichtshof (EUGh) gegen die erste Ablehnung des Agrar-Gentechnikverbots geklagt und ist zuversichtlich, die Klage zu gewinnen. Oberrösterreich ist dabei nicht allein. Zusammen mit der Toskana ist es Teil eines Netzwerks "GVO-freier Regionen", das inzwischen 20 Partnerregionen zählt.
 

Infos:
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Dürr, Global Challenges Network,
Frohschammer Str. 14, D - 80807 München, www.gcn.de

CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
mailto: fraktion@cducsu.de
web: www.cducsu.de

 

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