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Umwelt- und Nord-Süd-Nachrichten November 2004
Uruguay wehrt sich erfolgreich gegen Wasserprivatisierung
Vor ein paar Wochen gab es im Süden Amerikas Wahlen und es gab eine Volksabstimmung in einem von der Welt weitestgehend ignoriertem Land: Uruguay. „In diesen Wahlen“, so der Autor Eduardo Galeano, „gewann die Linke, zum ersten Mal in der nationalen Geschichte; und in dieser Volksabstimmung, zum ersten Mal in der weltweiten Geschichte, widersetzte sich der Wille der Bevölkerung der Privatisierung der Wasserversorgung und bestätigte, dass das Wasser ein Recht aller ist.“ Dabei wurde das Volk vor den Wahlen von „rechten“ Politikern und den Medien heftig unter Druck gesetzt. „Die öffentliche Meinung Uruguays erlitt ein Bombardement von Erpressungen, Drohungen und Lügen“, schreibt Galeano. „Wenn wir gegen die Privatisierung des Wassers stimmen würden, würden wir die Einsamkeit und die Bestrafung erleiden und zu einer Zukunft der schwarzen Brunnen und übel riechenden Tümpeln verdammt werden.“
Doch der gesunde Menschenverstand hat in der Volksabstimmung gesiegt. So dumm und mutlos, wie oft von so manchem Politiker der sogenannten Repräsentativen Demokratie behauptet, ist das Volk also gar nicht. Der Schriftsteller Galeano wirft deshalb die Frage auf: Warum soll das Volk nicht auch in anderen Ländern über die Privatisierung des Wassers abstimmen? Info: www.rebelion.org/noticia.php?id=7000 www.zmag.de/autor.php?id=21
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Bayer gibt Gen-Technik in Indien auf
Der deutsche Gen-Konzern Bayer gibt die Forschung an genmanipulierten Pflanzen in Indien auf. Das teilte das Leverkusener Unternehmen dem Greenpeace Büro in Indien vergangene Woche in einem Schreiben mit. Danach "will Bayer Crop Science in den nächsten Jahren seinen Schwerpunkt auf die normale Pflanzenzüchtung verlegen". Alle bisherigen Projekte wurden gestoppt. Zu den Pflanzenarten, an denen Bayer in Indien geforscht hat, gehören Kohl, Raps, Blumenkohl, Tomaten und Senf. Bereits im März 2004 gab der Konzern seinen Rückzug in England bekannt, im Juni wurde der Versuch aufgegeben, Gen-Raps in Australien zu verkaufen. "Wir brauchen keine Gen-Pflanzen in Indien", sagt Divya Raghunandan, Gentechnikexpertin von Greenpeace Indien. "Global gesehen haben sich die Versprechungen der Gen-Industrie nicht erfüllt, ob es sich nun um höhere Erträge oder um eine Verringerung der Spritzmittel handelt. Deshalb fordert Greenpeace Deutschland nun auch, dass Bayer ebenso in Europa aus dem Gentechnik-Wahn aussteigt und seine Zulassungsanträge zu Gen-Reis, Gen-Raps und Gen-Mais zurückzieht.
Info: CBGnetwork@aol.com www.CBGnetwork.de Tel: 0211-333 911 Fax 040 – 3603 741835
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Gen-Bäume verhindern
Der Kampf gegen die Gen-Bäume geht weiter. Kommenden Dezember gibt es wieder ein Klima-Treffen der Vereinten Nationen in Buenos Aires. Ein Thema wird dabei sein, ob künstliche Monokulturen mit genetisch manipulierten Bäumen als Klimaschutzmaßnahme erlaubt und mit Geldern aus dem Emissionshandel auch noch finanziert werden. Zahlreiche Umwelt- und Menschenrechtsgruppen aus aller Welt fordern, dass solche Monokulturen generell verboten und Gen-Bäume schon gar nicht als angebliche Klimaschutzmaßnahme erlaubt werden. Eine Petition dazu, die in Buenos Aires vorgelegt werden soll, gibt es im Internet.
Info:Global Ban on GM trees http://elonmerkki.net/forestforum e-mail: forestforum@elonmerkki.net
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Mexiko: Naturschutz und Entwicklungshilfe gegen Zapatisten?
„Gen-Diebstahl“ für die Pharmaindustrie und der Naturtourismus sind ein globales, gut gehendes Geschäft in Regenwaldgebieten geworden. Auch Mexikos Regenwaldreservat Montes Azules im Gebiet der Lacandonen soll Urlauber anlocken und der Pharmaforschung dienen und damit zu einer Geldquelle werden, wobei der „Naturschutz“ freilich offiziell im Fordergrund steht. Pech nur für die Naturschutz- und Tourismus-Investoren – zu denen die US-Naturschutzorganisation Conservation International (CI, die US-amerikanische Entwicklungsbehörde US-Aid – dass in diesem Gebiet noch mexikanische Indianer leben und die zapatistische Guerilla EZLN dort fest im Sattel sitzt. Die Lösung für CI und die mexikanische Regierung ist einfach und bereits in vielen anderen Regenwaldgebieten der Erde erprobt: Die Indianer, die dem wahren Naturschutz nur im Wege sind, sollen aus dem Wald raus und irgendwo anders umgesiedelt werden. Wie der in Mexiko lebende Journalist Wolf-Dieter Vogel kürzlich berichtete, seien auch die Europäische Union sowie das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit ihrer ausführenden Entwicklungsagentur, die GTZ, darin verwickelt. Im Rahmen des Projekts "Soziale und nachhaltige Entwicklung im Lakandonischen Regenwald" solle in der Region laut Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) mit Hilfe ressourcenschonender Anbaumethoden die Kultivierung vermarktungsfähiger Produkte wie Kaffee, Honig und Heilpflanzen gefördert werden. Einheimische Menschrechtsinitiativen und Zapatisten vermuten hinter dem Projekt aber eine versteckte Aufstandsbekämpfungsmaßnahme. „Dafür spricht, dass die Projekte rund um Montes Azules angesiedelt sind“, so Wolf-Dieter Vogel und stellt die Frage: „Sollen sie helfen, die Bevölkerung aus dem Bioreservat zu vertreiben und den Zapatisten ihr Rückzugsgebiet zu nehmen?“
Weitere Infos: DNR Redaktionsbüro Info-Service, 2. November 2004, E-Mail: info-berlin@dnr.de
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Kongo: Heimlicher Krieg im Regenwald
„Die Lage ist dramatisch. In Afrikas Regenwäldern ist ein Wettstreit unter Holzkonzernen entbrannt“, berichtet Lukas Straumann vom Bruno-Manser-Fonds, der Regenwaldschutzorganisation mit Sitz in der Schweiz. In Zusammenarbeit mit dem Basler Afrika-Komitee hat der Bruno-Manser-Fonds nun eine Sonderausgabe des Afrikabulletins herausgebracht, die eine schonungslose Bestandsaufnahme über die Katastrophale Entwicklung im zweitgrößten Regenwaldgebiet der Erde ist. „Tag für Tag sind die abgelegenen Regenwälder des Kongobeckens Schauplatz von Menschenrechtsverletzungen, Wilderei und Naturzerstörung: Ein nicht erklärter Krieg, betrieben durch die Holzindustrie und Konsumenten in den Industriegesellschaften, gefördert durch korrupte Regierungen, toleriert von kompromissbereiten Umweltorganisationen“, schreibt Ruedi Suter in seiner „Reportage aus dem grünen Herzen Afrikas“. Der Schweizer Journalist kritisiert in diesem Zusammenhang den internationalen World Wide Fund for Nature (WWF) und die US-amerikanischen Wildlife Conservation Society, die mit den Abholzern paktieren. Hauptopfer dieses Kriegs um Holz und Wald unter den Augen dieser Millionen schweren Naturschutzorganisationen sind die traditionellen Waldvölker wie die Baka-Pygmäen.
Info: Bruno-Manser-Fonds, Heuberg 25, Ch-4051 Basel, E-Mail: info@bmf.ch , www.bmf.ch
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Tendenz steigend: Deutschland importiert fünf Millionen Tonnen Abfall
Wie das Umweltbundesamt (UBA) berichtet, importiert Deutschland immer mehr Abfall aus dem Ausland. „Die Menge der im Jahr 2003 importierten genehmigungspflichtigen Abfälle ist mit 4,9 Millionen Tonnen – wie schon in den Jahren zuvor – erneut deutlich gestiegen“, so das UBA. Gegenüber dem Jahre 2002 stiegen die Abfallimporte um eine Million Tonnen. Importiert wurden beispielsweise 1,7 Mio. t gemischte Materialien wie Sortierreste und gemischte Verpackungsabfälle, 470.000 t behandeltes Holz, 310.000 t
Rückstände aus Abfallverbrennungsanlagen, 260.000 t Klärschlamm, 270.000 t
Schlacken aus der Eisen- und Stahlindustrie, 270.000 t Hühnertrockenkot, 150.000 t
Rückstände aus der Aluminiumerzeugung, 50.000 t Altöl sowie 100.000 Tonnen
gemischter Hausmüll. Ursprungsländer dieser Abfälle sind vor allem die Niederlande
(2,6 Mio. t) und Belgien (600.000 t). Die Einfuhr aus nicht-europäischen Staaten ist
dagegen mit rund 10.000 t gering.
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Mehr Mobilität mit weniger Autos
Die Umwelt- und Lebensqualität in den Städten verbessern und dabei langfristig auch Geld sparen: Das ließe sich erreichen, wenn die Kommunen weg vom Auto kommen, meint nicht nur der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge. In Deutschland geben allein die Kommunen für den Autoverkehr jährlich über zehn Milliarden Euro aus, einzelne Großstädte sogar über 100 Millionen Euro. „Würde ein Teil des Autoverkehrs auf das Rad oder Bus und Bahn verlagert, ließen sich auch erhebliche Kosten sparen“, so der UBA-Präsident.
„Immer mehr Menschen erkennen die Vorteile, ohne Auto mobil zu sein: für ihre Gesundheit, für ihre Fitness, für ihr Wohnumfeld und für die Umwelt“, betonte Troge. Eine Umfrage im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) bestätigt, dass 77 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Städten mehr Platz für Fußgänger wünschen. Zwei Drittel der Bundesbürger sind dafür, in größeren Städten die Innenstadt weitgehend für den Autoverkehr zu sperren.
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Flächenverbrauch ist ökologisches, finanzielles und soziales Risiko
Das Umweltbundesamt (UBA) fordert, endlich die Subventionen für die Zersiedelung der Landschaft zu streichen. Noch immer werden 105 Hektar Fläche täglich in Deutschland neu für Siedlungen und Verkehr zubetoniert, verbaut, asphaltiert oder zugepflastert. Begünstigt wird dies auch durch staatliche Subventionen, wie die Eigenheimzulage, oder falsche Weichenstellungen im Steuersystem wie die derzeitige Grunderwerbsteuer. Das UBA hält es für notwendig, die staatlichen Förderungen, die die Flächeninanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr begünstigen, grundlegend zu reformieren. „Denn“, so das UBA, „der seit Jahren konstant hohe Flächenverbrauch frisst nicht nur wertvolle natürliche Lebensräume auf. Er wird auch immer mehr zu einem finanziellen und sozialen Risiko für Bund, Städte und Gemeinden. Permanent werden neue Gewerbe- und Siedlungsgebiete erschlossen, deren Bedarf vielfach nicht mehr gegeben ist. Menschen und Gewerbe wandern derzeit aus den Innenstädten ab. Diese veröden, die Fixkosten für die Infrastruktur - wie etwa die Wasserversorgung - bleiben aber gleich. Die zwangsläufig steigenden Gebühren müssen immer weniger Menschen zahlen. Im Ergebnis dieser Entwicklung ist zu befürchten, dass in den Innenstädten zunehmend Problemquartiere entstehen, weil eher sozial Schwache zurückbleiben.“
Info: Der UBA Bericht „Reduzierung der Flächeninanspruchnahme durch Siedlungen und Verkehr – Strategiepapier des Umweltbundesamtes“ umfasst 148 Seiten, kostet 24,80 Euro und ist beim Erich Schmidt Verlag Berlin, Genthiner Str. 30 g, 10785 Berlin sowie im Buchhandel erhältlich. Die Studie „Reduzierung der Flächeninanspruchnahme durch Siedlungen und Verkehr – Materialienband“ ist in der Reihe TEXTE des Umweltbundesamtes als Nr. 90/03 erschienen. Sie ist kostenlos erhältlich beim Umweltbundesamt, Zentraler Antwortdienst (ZAD), Postfach 33 00 22, 14191 Berlin; Fax-Nr.: 030/8903-2912; E-Mail: info@umweltbundesamt.de
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Reisemagazin hilft Indianern
Zusammen mit der Regenwaldschutzorganisation Pro Regenwald setzt sich das in München ansässige Reisemagazin Verträglich Reisen für die Tupiniquim- und Guarani-Indianer in Brasilien ein, die Opfer von Eukalyptus-Monokulturen wurden. Der Zellstoff- und Papierkonzern Aracruz hat sich illegal weite Teile des Indianerlandes angeeignet, die natürlichen Wälder abgeholzt und mit umweltschädlichen Eukalyptus-Monokulturen zur Papierherstellung bepflanzt. Bäche und Flüsse wurden verseucht, das Land unfruchtbar. Eine „Grüne Wüste“ entstand, wie die Brasilianer heute die Eukalyptus-Plantagen nennen.
Nun droht Brasiliens Indianern und Kleinbauern die Ausweitung der Baummonokulturen unter dem Deckmantel des Klimaschutzes und mit Geldmitteln aus dem so genannten Emissionshandel. Als Kompensation für die Verschmutzung der Atmosphäre mit Treibhausgasen wie Kohlendioxid durch den Flugverkehr sollen gerade in den tropischen Ländern große umwelt- und sozial schädliche Monokulturen mit schnell wachsenden Baumarten wie Eukalyptus entstehen. Viele Umweltgruppen und Indianervertreter in Brasilien wehren sich dagegen. Auch die Tupiniquim, das erste Opfer des Eukalyptus-Wahns.
Verträglich Reisen möchte den Tupiniquim helfen und ruft dazu auf, für sie zu spenden. Das Magazin, das sich auf umwelt- und sozial verträgliche Urlaubsangebote spezialisiert hat, möchte damit ein Zeichen setzen und darauf aufmerksam machen, dass man Klimaschutz (und Fernreisen) nicht auf dem Rücken der indigenen Völker austragen soll.
Die neue Ausgabe von Verträglich Reisen - sie erscheint zum 15. November – berichtet ausführlich über die Tupiniquim und das aktuelle Tourismusthema „Fliegen für die Umwelt“.
Auch eine Fotoausstellung in München steht im Zeichen der Tupiniquim: Noch bis 31. Januar 2005 zeigt die unopiú-Espressobar – in der Lindwurmstr. 79, am Goethe-Platz, Tel. 089-51617299 - Fotos von den Mebengokre-Indianern des südöstlichen Amazonasgebietes sowie eindrucksvolle Aufnahmen aus der Mata Atlantica, dem bedrohtesten Regenwaldgebiet Brasiliens. Ein Teil des Verkaufserlöses der Fotos kommt den Tupiniquim-Indianern zu gute, die sich gegen die Ausweitung der „Grünen Wüste“ einsetzen und um den Erhalt ihrer Gebiete kämpfen.
Info: Verträglich Reisen, Herzogstrasse 105, D-80796 München, Tel.: 089 30881-28, Fax.: 089 30881-18, E-Mail: info@vertraeglich-reisen.de
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Buchtipp: Die Weiße Barbarei
In dem Buch aus dem Rotpunktverlag "Die weiße Barbarei" setzt sich die Autorin Rosa Amelia Plumelle-Uribe mit den Parallelen zwischen dem europäischen Kolonialismus und der Rassenpolitik der Nazis auseinander. Die Kolumbianerin hat eine Fülle an Fakten und Fallbeispielen zum Thema Genozid und Rassismus zusammengetragen und kämpft engagiert für die Anerkennung der Verbrechen, die nicht-weißen Völkern angetan wurden.
www.rotpunktverlag.ch
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Der EED warnt: globale Verschmutzung mit Gen-Pflanzen droht
Der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) warnt vor einem Freibrief für die globale Verschmutzung mit genetisch veränderten Organismen (GVO). Die Länder USA, Kanada und Argentinien wollen, dass zukünftig Lieferungen von Agrargütern bis zu fünf Prozent gentechnische Verunreinigung enthalten dürfen, ohne dass dies gekennzeichnet werden müsse. Die drei größten Gen-Food-Anbauländer unterstützen damit die internationale Koalition der großen Getreidehändler, die diesen Vorschlag zum so genannten Biosicherheitsprotokoll eingebracht hatten. Wenn sich diese Gentech-Lobby durchsetzt, könne die weltweite „Verseuchung“ der Umwelt mit GVO nicht mehr zu verhindern sein, befürchtet der EED.
„Wir bezeichnen es als gefährliche Strategie, dass hier allen Ernstes überlegt wird, alle Massenware standardmäßig mit dem Vermerk auszuzeichnen, ´könnte gentechnisch veränderte Organismen enthalten´“, kritisiert Rudolf Buntzel-Cano vom EED den Stand der laufenden Verhandlungen. „Eine solche Kennzeichnung würde gerade Entwicklungsländer daran hindern, sich zu informieren und dann zu entscheiden, welche gentechnisch veränderten Güter sie aus Sicherheitsgründen ablehnen“." Der EED-Welternährungsbeauftragte fügt hinzu:„Diejenigen Länder, die gentechnikfrei bleiben wollen, müssten alle Kosten der Information und des Schutzes tragen. Damit werden die Kosten einseitig abgewälzt auf die Importländer. Der Verhandlungsstand erweckt eher den Anschein, es gebe ein Recht auf globale gentechnische Kontamination und nicht auf Biologische Sicherheit!“
Info: Evangelischer Entwicklungsdienst e.V. (EED), Ulrich-von-Hassell-Str. 76 D-53123 Bonn, Tel.0228-8101-2503, Website: www.eed.de
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Gesund Süßen
Es muss nicht immer Zucker sein
Die Menschen mögen es süß. Dass sich die Menschheit nicht schon in früheren Jahrtausenden an Süßem krank gegessen hat, lag vor allem daran, dass der süße Rohstoff noch nicht in Massen zu haben war. Das hat sich spätestens seit dem Aufbau riesiger Zuckerrohrplantagen in den tropischen Kolonien und dann durch den subventionierten Anbau der Zuckerrübe in unseren Breiten geändert.
Zucker gibt es im Überfluss – mit negativen Gesundheitsfolgen. Raffinierter Zucker ist eine der Hauptursachen unserer Zivilisationskrankheiten und gilt als Dickmacher. Als Ersatzstoff bietet die Industrie nun seit vielen Jahren schon die so genannten Süßstoffe aus den chemischen Labors wie Aspartam an und stopft sie als Zuckerersatz in etliche Produkte von Kaugummi bis Light-Limonade und „Alcopop“. Der Teufel wird mit dem Belzebub ausgetrieben. Dabei gibt es längst gesündere Alternativen zum Süßen, wie zum Beispiel Stevia.
„Hände weg von Aspartam!“ Das raten unabhängige Wissenschaftler bereits seit rund dreißig Jahren. Trotzdem ist der künstliche Zuckeraustauschstoff weltweit als Lebensmittelzusatz (E951) zugelassen und auch in vielen industriellen Lebensmitteln enthalten. Der Stoff aus den Labors des Gentechnik- und Chemie-Konzerns Monsanto trägt die chemische Bezeichnung "L-Aspartyl-L-Phenylalaninmethylester", ist 200 Mal süßer als natürlicher Zucker und zerfällt im menschlichen Körper in seine Grundsubstanzen Asparaginsäure, Phenylalanin sowie Methanol. Nach Meinung und Studien kritischer Wissenschaftler haben Aspartam und seine Abbauprodukte die verschiedensten, gesundheitsschädigenden Wirkungen. Vor allem aber sei es ein gefährliches Neurotxin - sprich Aspartam geht gewaltig auf´s Gehirn. So entwickelte ein Teil der Ratten, die in den 1980er Jahren mit diesem Stoff gefüttert wurden, Gehirntumore. Und eine Studie der Universität von Washington im Jahr 1996 brachte die zehnprozentige Zunahme an Gehirntumoren bei US-Amerikanern in den 1980ern mit dem zunehmenden Gebrauch von Aspartam in einen Zusammenhang.
Wie die Zeitschrift “The Ecologist” vor drei Jahren berichtete, gibt es rund 90 Studien von industrie-unabhängigen Forschungsinstituten, die dem künstlichen Süßstoff ein schlechtes Gesundheitszeugnis ausstellen. Dass diesen Studien aber keine Konsequenzen in der Gesetzgebung der USA oder der Europäischen Union folgten, liege einfach daran, so der „Ecologist“, dass es über 70, von der Industrie bezahlte Studien gibt, die das Gegenteil behaupten und Aspartam für unbedenklich erklären, und dass diese „bezahlten“ Ergebnisse eben mehr Gehör bei den Regierungsbehörden fanden.
Aber auch wenn es Unklarheiten bei der gesundheitlichen Bewertung Aspartams gibt: vorbeugender Verbraucherschutz wäre es, diesen künstlichen Süßstoff aus dem Hause Monsanto endlich zu verbieten und nicht das Risiko auf den einzelnen Verbraucher, sowie die Folgekosten auf unser Gesundheitssystem zu übertragen. Paradoxerweise aber steht auf der EU-Verbotsliste nicht Aspartam, sondern ein natürlicher Stoff, den bereits die Guarani-Indianer Brasiliens und Paraguays seit Jahrhunderten ohne Beschwerden anwenden, das Honigblatt, Stevia rebaudiana Bertoni.
Süßer als Zucker und hilft dennoch gegen Karies
Ein Stevia-Blatt ist 10 bis 20 Mal so süß wie Zucker, und der weiße Steviosid-Auszug ist rund 300 Mal süßer. Gleichzeitig hat Stevia keine Kalorien, beeinflusst den Blutzuckerspiegel nicht negativ, schädigt auch nicht die Zähne und wirkt obendrein antibakteriell. Deshalb kann das „Honigblatt“ sogar zur Karies- und Parodontose-Prophylaxe eingesetzt werden. Auch die Indios verwendeten die vielseitige Pflanze nicht nur zum Süßen, sondern ebenso als Heilmittel, weil es beispielsweise bei der Wundheilung hilft.
Heute baut man Stevia vor allem im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo an. Große Mengen werden auch nach Japan und in andere Länder exportiert, wo der indianische Süßstoff seit 30 Jahren den künstlichen Zuckerersatzstoffen kräftig Konkurrenz macht. Stevia findet sich in Japan in Zahnpasta genauso wie in Eiscreme, Kuchen oder Diät-Cola. Warum sich nun gerade die EU der Verbreitung von Stevia entgegenstellt, können vielleicht am besten die Lobbyisten der Zucker- und Süßstoffindustrie in Brüssel erklären.
Dicksaft und Sirup sind erlaubte Alternativen
Dennoch sind wir in der EU nicht auf künstliche Süßungsmittel oder auf den weißen Zucker - er wird auch "Isolierter Zucker" genannt, weil er weder Proteine noch Ballaststoffe oder Vitamine und Mineralstoffe enthält – angewiesen, wenn wir es süß mögen. Es gibt viele gesündere Alternativen, denen selbst die EU-Kommission den Segen nicht verweigern kann.
So verwendet man in der Vollwertkost seit jeher natürlichen Bienenhonig oder Pflanzendicksäfte wie zum Beispiel Apfeldicksaft oder Agavendicksaft zum Süßen.
Honig besteht zu etwa zwanzig Prozent aus Wasser und enthält zumindest in Spuren Vitamin C und B-Vitamine, Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Phosphor und Magnesium, Spurenelemente wie Mangan, Kupfer, Eisen und Kobalt sowie Enzyme, und natürliche Aroma- und Farbstoffe. Bio-Pflanzendicksaft ist quasi entwässerter Saft, in dem die wertvollen Bestandteile der Frucht oder Pflanze noch weitestgehend enthalten sind. Für ein Kilogramm Apfeldicksaft beispielsweise werden rund neun Kilogramm Äpfel gepresst und in schonenden Schritten eingedickt.
Eine weitere wohlschmeckende Alternative - nicht nur für süße Pfannkuchen - ist echter Ahornsirup. Er stammt meist aus Kanada, wo er schon den altindianischen Speisezettel versüßte. Zu seiner Gewinnung werden die Ahorn-Bäume jeweils im Frühjahr angezapft, ohne dass die Bäume langfristig dadurch Schaden nehmen. Ahornsirup enthält neben Saccharose auch Wasser, etwas Eiweiß und verschiedene Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Kalium. Die beste Qualität hat eine helle Farbe ähnlich wie Bernstein. Und natürlich sollte der Ahornsirup aus biologischer Produktion stammen. Auch brauner Vollrohrzucker – ökologisch angebaut und aus fairem Handel stammend – hat ernährungsphysiologische Vorteile gegenüber dem Kristallzucker. Zudem schafft er faire Arbeitsplätze in den „Dritte-Welt-Ländern“, die gerecht bezahlte Jobs noch nötiger haben als wir. ^ Norbert Suchanek
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