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UGB-Pressedienst 25.08.2005

ANTIBIOTIKA AUS TIERZUCHT GEHEN AUF PFLANZEN ÜBER


Erstmals konnten Wissenschaftler nachweisen, dass Nutzpflanzen Antibiotika aus Gülle aufnehmen. In einem Modellversuch, den die Universität Paderborn zusammen mit der Fachhochschule Südwestfalen und der Bundesanstalt für Ernährung und Lebensmittel durchführte, wurden Ferkel mit Antibiotika behandelt. Die Fäkalien der Tiere wurden, wie in der Landwirtschaft üblich, in Behältern gelagert und nach acht Monaten als Gülle zum Düngen auf Versuchsfelder mit Feldsalat und Winterweizen gebracht. Die von den Tieren ausgeschiedenen Arzneistoffe sowie Stoffwechsel- und Abbauprodukte davon ließen sich trotz der langen Lagerzeit in der Gülle nachweisen. Auch in den oberen Bodenschichten der gedüngten Felder waren die Medikamente zu finden. Obwohl die Antibiotikakonzentrationen im Boden im Laufe von drei Monaten bis zur Nachweisgrenze abnahmen, ergab die Analyse der erntereifen Pflanzen Rückstände in Wurzeln, Pflanzengrün und im Korn des Weizens. Damit konnte eindeutig bewiesen werden, dass Pflanzen Antibiotika über die Wurzel aufnehmen und weiter transportieren. Antibiotika, die in geringen Mengen beispielsweise über Lebensmittel aufgenommen werden, sind nicht ungefährlich. Denn Bakterien werden durch die niedrigen Dosen nicht abgetötet, sondern widerstandsfähiger, das heißt resistent. Gerade im Krankenhaus stellen Antibiotikaresistenzen ein zunehmendes Problem dar. Schon heute sind immer mehr antibiotische Medikamente wirkungslos. Die Forscher betonen aber, dass noch unklar ist, inwieweit die Untersuchungsergebnisse für Verbraucher relevant sind. Das sollen nun weitere Studien klären.

Quelle: Grote M u. a. Antiinfektivaeinträge aus der Tierproduktion in terrestrische und aquatische Kompartimente. Zusammenfassung des Abschlussberichts, Fakultät für Naturwissenschaften, Anorganische und Analytische Chemie, Universität Paderborn, 2005
 

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Gendreck weg am Brandenburger Tor
Feldbefreier bringen Genmais zum Reichstag
 

Am Sonntag, den 4. September treffen sich Gentechnik-Gegner vor dem Brandenburger Tor. Sie bringen genmanipulierten Mais mit, den sie vor dem Reichstag ablegen wollen – mit der Ankündigung, im kommenden Jahr wieder Felder vom Gendreck zu befreien. Der Landwirt Percy Schmeiser aus Kanada und der Gründer der Freiwilligen Gendreckmäher in Frankreich, Jean Baptiste Libouban, treten als Gastredner auf. Ein Workshop zu zivilen Ungehorsam und ein Austausch Aktiver und Interessierter über Perspektiven des Widerstandes gegen Gentechnik gehören zum Programm.

Die Initiative „Gendreck weg“ hatte vor vier Wochen zur öffentlichen Zerstörung eines Genackers in Strausberg-Hohenstein eingeladen. 300 Feldbefreier hatten in der friedlich verlaufenen Aktion ihre Entschlossenheit gezeigt, Agro-Gentechnik in Deutschland unmöglich zumachen. Der massive Polizeieinsatz hat viele erschreckt und aufgerüttelt. “Die Polizei schützt die Falschen. Wer Gendreck anbaut, gefährdet die traditionelle Landwirtschaft, hunderttausende von Arbeitsplätzen und die Gesundheit der Bevölkerung“, so einer der Initiatoren von Gendreck weg, Imkermeister Jürgen Binder.

„Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung die Gentechnik ablehnt, wollen die meisten Parteien die Gentechnik in Deutschland einführen.
Ist aber das genmanipulierte Erbgut erst einmal in unserer Nahrungskette, gibt es kein Zurück mehr“, begründet der Agraringenieur Michael Grolm die öffentlich angekündigten, gewaltfreien Feldbefreiungen.

In Kanada und den USA ist es nicht mehr möglich, genfreies Soja oder Raps zu bekommen. Auskreuzungen und Vermischungen haben das ganze Saatgut gentechnisch verseucht. Direkt betroffen ist davon der Gastredner Percy Schmeiser aus Kanada. Auf den Feldern des Rapsbauern, der seine Sorten seit Jahrzehnten selbst züchtete und bewusst auf Gentechnik verzichtete, fanden Detektive des Agrarkonzerns Monsanto Spuren eines gentechnisch veränderten Monsanto-Rapses. Anstatt den entsetzten Bauern zu entschädigen, verklagte ihn der Konzern auf Nachzahlung von Lizenzgebühren und eine Geldstrafe. Vor den US-Gerichten bekam Monsanto Recht. Percy Schmeiser aber wurde zu einem international bekannten Streiter gegen den Gendreck.

Jean Baptiste Libouban aus Frankreich will den deutschen Feldbefreiern Mut machen. Gewaltfreiheit und Solidarität gehören zusammen. „Agro-Gentechnik ist ein weltweites Problem. Auch die Mehrheit der französischen Bevölkerung lehnt gentechnisch veränderte Nahrungsmittel strikt ab. Die besonnenen Kräfte Europas müssen nun zusammenrücken“, so der Gründer der französischen Bewegung „Foucher volontaire“.

Rottenburg/Berlin 31.08.05
Ansprechpartner für die Presse:Michael Grolm,  Tel. 0170-108 71 74 Jürgen Binder, Tel. 0170-185 74 24
www.gendreck-weg.de
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Tel: 0170-1857424
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UGB-Pressedienst 17.08.2005


 Gentechnik: Biobauern fürchten um ihre Existenz

In Deutschland wurden in diesem Jahr rund 300 Hektar Gen-Mais ausgesät. Das ist bei einer Gesamtanbaufläche für Mais von rund 1,7 Millionen Hektar nicht viel. Dennoch sind benachbarte Landwirte und Imker in den betroffenen Regionen sowie der Handel besorgt, wie sie ihre Produkte vor Verunreinigungen schützen können. Denn wissenschaftliche Studien darüber, ob und wie der gleichzeitige Anbau genveränderter Pflanzen und gentechnikfreier Erzeugnisse langfristig funktionieren kann, gibt es kaum.Die Erbinformationen genmanipulierter Pflanzen können auf andere Kulturpflanzen und wilde Verwandte übergehen. Selbst größere Sicherheitsabstände zu benachbarten Gen-Anbauflächen bieten keinen sicheren Schutz. Insekten und Wind transportieren den Pollen über große Distanzen. Der Samen der Pflanzen kann von Tieren verschleppt werden oder beim Abtransport vom Feld aus undichten Hängern rieseln. Und das ist keine bloße Theorie, wie Erfahrungen aus Kanada zeigen. Dort können Biobauern keinen Raps mehr anbauen. Selbst wenn sie sauberes Saatgut verwenden, wächst Unkrautraps aus den Vorjahren mit, in den der Gen-Pollen der Nachbarn eingetragen wurde. Das ist nicht zu verhindern. Da es in Kanada keine Haftungsregeln gibt, bleiben die betroffenen Biobauern auf dem Schaden sitzen. Bei einem möglichen Regierungswechsel im Herbst droht auch in Deutschland eine ähnliche Entwicklung. Denn die konservativen Parteien haben angekündigt, die Punkte aufzuweichen oder zu streichen, die dem Schutz der Landwirtschaft ohne Gentechnik dienen. Werden in Deutschland verstärkt Gen-Pflanzen angebaut, ist zu befürchten, dass die gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion zunächst teurer und langfristig aus biologischen Gründen unmöglich werden.
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Einen ausführlichen Artikel über die Hintergründe zur Entwicklung der grünen Gentechnik lesen Sie im Augustheft der Fachzeitschrift UGB-FORUM. Ein günstiges Probe-Abo gibt es unter www.ugb.de/probeabo oder direkt beim Herausgeber:
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Artikel von 2005

Die einzige ökologisch und ethisch vertretbare Baumwolle ist Bio!
Von Frédéric Guérin

Baumwolle ist die wichtigste Textilfaser der Welt. Es wäre heutzutage wohl unmöglich, Baumwolle völlig zu entbehren. Und auch wenn viele unter uns auf synthetische Stoffe verzichten – wissen wir eigentlich genau, was wir da kaufen, wenn wir zum Baumwollhemd greifen? Dieser Artikel hat nur ein Ziel: Ihnen zu zeigen, dass die Baumwolle, die Sie kaufen, aus biologischem Anbau stammen sollte!
 

Baumwolle ist die weltweit wichtigste natürliche Textilfaser. Die ältesten Baumwoll-Stoffe kommen aus Mexico und sind fast 6000 Jahre alt. Der kommerzielle Baumwollanbau begann vor etwa 3000 Jahren in Indien, Pakistan und China. Heute werden weltweit jedes Jahr 20 Millionen Tonnen Baumwolle geerntet: irgendwo zwischen dem 30. Breitengrad Süd und dem 37. Breitengrad Nord, in heissen Klimazonen also, wo die Sonneneinstrahlung intensiv ist und es nicht gefriert. Die Baumwollstaude benötigt etwa 700mm Wasser zwischen Saat und Ernte, und zusätzliche 10 Liter Wasser pro Quadratmeter und Tag kurz vor der Blütezeit. Dieser grosse Bedarf an Wasser bringt in Gebieten,in denen Wasser knapp ist und es zudem es an Bewässerungssystemen und Mechanisierung im Allgemeinen mangelt, Probleme mit sich. Eine weitere Schwierigkeit für Baumwoll-Bauern in Entwicklungsländern ist die aufgrund mangelnder Infrastruktur zu geringe Lagerungskapazität. Die Händler in den Industrieländern aber haben genug Lagerraum und können immer dann grosse Mengen Baumwolle einkaufen, wenn die Preise fallen. Den Landwirten bleibt nichts anderes übrig, als diese Angebote anzunehmen, da sie ihrereseits bis zum Hals in Schulden stecken und kaum ihre eigene Familie ernähren können.

Ein ehemals rentables Geschäft

Vor nicht allzu langer Zeit war der Anbau von Baumwolle noch sehr rentabel, und viele Kleinbauern in Entwicklungsländern vergrösserten ihre Baumwollfelder auf Kosten ihrer Anbauflächen für Nahrungsmittel. Die so über viele Jahre hinweg praktizierte extensive Monokultur der Baumwolle hat sich in zahlreichen Regionen negativ auf Flora und Fauna ausgewirkt. Sie hat die Böden ausgelaugt, erschöpft. Um dem entgegen zu wirken, greifen die Landwirte zu chemischen Düngemitteln. Für den Baumwollanbau werden ungemein grosse Mengen an chemischen Mitteln verwendet. Während auf 2,5 % der weltweit landwirtschaftlich genutzeten Flächen Baumwolle angebaut wird, werden 25% der auf der Welt produzierten chemischen Schädlingsbekämpfungs- und Düngemitteln in diesen Anbau gesteckt. Diese wiederum wurden aber mit dem drastischen Fall der Baumwollpreise unerschwinglich für zahlreiche Kleinbauern im Süden. Seitdem sind viele Anbauflächen völlig unfruchtbar, und weil vielerorts auch Wasser immer knapper wird, ist auch der Lebensmittelanbau gefährdet. Während Sie diesen Artikel lesen, stirbt alle vier Sekunden ein Mensch an Unterernährung. Um ihre Familien zu ernähren, verzichten viele Landwirte auf das Brachliegen ihrer Felder oder bestellen sogar landwirtschaftlich unnutzbares Land. Die Folgen sind weitere Verödung und Erosion der Böden...

Abhängigkeit der Baumwoll-Bauern von den grossen Unternehmen

Nur in seltenen Fällen verfügen die Landwirte im Süden über professionnelle, finanziell erschwingliche Beratung. Und da (Aus-)Bildung in vielen Ländern nach wie vor ein Luxus ist, können viele Landwirte weder lesen noch schreiben, und haben auch nicht genug Geld um ihre Kinder in die Schule zu schicken. Die willkürliche Verwendung der chemischen Mittel aber zieht gesundheitliche und ökologische Schäden nach sich, wie zum Beispiel die übermässige Wasserverschmutzung. In Afrika sterben jährlich 20 Millionen Menschen an Vergiftungen durch Pestizide. Zudem sind viele unter ihnen bei ihren Baumwoll-Unternehmen verschuldet. Als die Baumwollpreise florierten und grosse Firmen die Bauern gut für ihre Ernte bezahlten, sah die Zukunft vielversprechend aus. Besagte Firmen lieferten oft gratis Insektizide, Pestizide und Saatgut, bauten Brunnen, Schulen und Krankenhäuser in den Dörfern, oder gestatteten Kredite zu günstigem Zins. Seitdem die Baumwollpreise aber drastisch gesunken sind, baut keiner mehr Schulen oder Polikliniken. Viele staatliche oder halb-staatliche Firmen sind dem Bankrott nahe. Sie kaufen die Ware zu niedrigsten Preisen ein, verkaufen aber selbt Pestizide, Düngemittel und Saatgut zu Wucherpreisen. Dadurch sind die Einkommen der Landwirte drastisch gesunken und sie haben oft keinen anderen Ausweg als den der Verschuldung. Der eigenständige Ausweg aus der Armut ohne ein Minimum an Bildung ist schier unmöglich. Aufgrund des verbreiteten Analphabetismus haben die Landwirte keinen Zugang zu Informationen über alternative Anbauweisen oder Einkommensarten. Die ehemals dank der Baumwoll-Unternehmen vielversprechenden Perspektiven sind für die Baumwoll-Bauern so zu einem Teufelskreis aus Armut und Bildungsmangel geworden.

Was genmanipulierte Baumwolle verspricht – und was sie hält

Gentechnisch steht Baumwolle heute quantitativ, nach Mais und Sojasprosse, an dritter Stelle: mehr als 20% der weltweit angebauten Baumwolle ist bereits genmanipuliert. In China und Indien handelt es sich um 50% des nationalen Ertrags, in Amerika sind es bereits mehr als 70%. Und obwohl der Anbau genmanipulierter Baumwolle die Landwirte ruiniert, breitet er sich immer weiter aus.
Die gentechnische Bearbeitung besteht darin, Gene des Bacillus Thuringiensis, einer Bakterie die in der Erde lebt, in die Baumwollpflanze einzufügen. In der daraus erwachsenden Baumwollstaude  entfalten sich die Toxine des B.T., die für empfindliche Schädlinge der Baumwolle tödlich sind. Gleichzeitig existieren aber andere Schädlinge, vor allem stechende und saugende Schädlinge, die gegenüber der Toxine des B.T. unempfindlich sind. Es werden also weiterhin hohe Mengen an chemischen Insektiziden für den Baumwoll-Anbau verwendet. Eine indische Studie hat sogar erwiesen, dass der Gewinn, der mit dem Anbau dieser B.T.-Baumwolle erzielt wird, 35% unter dem Gewinn aus dem Anbau konventioneller Baumwolle liegt. Die Landwirte, die die B.T. -Baumwolle verwenden, müssen also eine Verminderung ihres Einkommens in Kauf nehmen.
Schlimmer aber ist, dass die Landwirte neben dem Preis für das Saatgut hohe Gebühren an die Firma Monsanto, die die B.T.-Samen produziert, zahlen müssen. Drei grosse transnationale Firmen teilen sich das blühende Geschäft der B.T. -Baumwolle : Monsanto (USA), Dow Agrosciences (USA) und Syngeta (Schweiz). In den Vereinigten Staaten beläuft sich diese Gebühr auf 79 Dollar pro Hektar, in Australien auf 98 Dollar pro Hektar. In Südafrika kosten 25 kg Saatgut 60 Dollar. In West-Afrika variieren die Mengen an Saatgut pro Hektar (20 kg / Hektar im Benin, 40 kg / Hektar in Mali) ; hier zahlen die Bauern also zwischen 50 und 90 Dollar pro Hektar. Etwas billiger ist das Saatgut in China, wo neben der B.T. -Baumwolle von Monsanto andere staatliche B.T. -Samen zu erwerben sind. Die chinesischen Bauern zahlen 78 Dollar für das B.T. -Saatgut, während konventionelle Baumwollsaat nur 18 Dollar kostet. In Indien haben Monsanto und seine Filiale Mahyco 87 Dollar für ihr Saatgut verlangt, ungefähr 60 Dollar mehr als der Preis für konventionelle Baumwolle.

Der Kauf-Vertrag von Monsanto

Die Landwirte müssen beim Kauf von Saatgut bei Monsanto einen Vertrag unterschreiben, der sich in den folgenden wesentlichen Punkten zusammenfassen lässt:
-der Landwirt verpflichtet sich, keine Samen ihrer aus Monsanto-Samen erwachsenen Baumwollstauden aufzubewahren und zu säen
-der Landwirt darf keine Samen an Dritte weitergeben
-bei Verstoss gegen die Vertragsregeln muss der Landwirt das 120-fache der Gebühren für die Nutzungsrechte der neuen Technologie, plus die juristisch anfallenden Geldstrafen zahlen
-die Kooperation mit den Inspektoren von Monsanto auf den Feldern des Landwirts ist für diesen verpflichtend
Laut den Vertragsklauseln sind also das Aufbewahren und sogar der Austausch von Saatgut unter Nachbarn Rechtsbrüche, die gegebenenfalls mit Gefängnisstrafe bezahlt werden müssen. Monsanto beaufsichtigt die Einhaltung der Vertragsklauseln aufs Genaueste. In den USA ist die Firma mit mehr als 75 Angestellten und einem jährlichen Budget von etwa 75 Millionen Dollar gut ausgerüstet, um eventuelle vertragliche Verstösse aufzuspüren. In den letzten 5 Jahren hat Monsanto 73 Landwirte gerichtlich verfolgt; im Mai 2003 wurde ein Baumwoll-Bauer zu 8 Monaten Haft verurteilt. In den Ländern, in denen Monsanto die B.T. -Baumwolle eingeführt hat, besitzt die Firma eine Liste aller Landwirte, die genmanipulierte Arten anbauen, und beaufsichtigt diese gewissenhaft. Das gilt genauso für Industrie-Nationen wie die USA und Australien, wie für südliche Staaten wie Argentinien und Mexico.
In West-Afrika, wo Landwirte es gewöhnt sind, ihr Saatgut aufzuheben, mit Nachbarn und Familienmitgliedern auszutauschen, und wo zudem ein Grossteil der Landwirte Analphabeten sind, muss man sich fragen, wie sie die Klauseln solcher Verträge zur Benutzung neuer Technologien verstehen sollen. Eine solche Innovation kann zu zahlreichen Missverständnissen und chaotischen Zuständen führen, aufgrund derer die « schuldigen » Landwirte wie Verbrecher verurteilt werden können…

Gefahr der Verwechslung der Baumwoll-Arten

Für weitere Verwirrung sorgt die Tatsache, dass es momentan keine effektiven Mittel gibt, die genmanipulierte Baumwolle von der konventionellen zu unterscheiden. Beide Sorten könnten sich also problemlos vermischen und gegenseitig kreuzen, ohne dass es bemerkt würde.
In Indonesien hat 2001/2002 ein Forscher des Bogor Institutes of Agriculture eine Kreuzung zwischen konventioneller und genmanipulierter Baumwolle entdeckt, und gezeigt, dass diese nur auf molekularer Ebene als solche erkennbar ist.
Bei den Landwirten, in Lagerräumen und Entkernungs-Fabriken kann das einige Probleme mit sich bringen. Vor allem aber für den Anbau biologischer Baumwolle sind die Folgen schwerwiegend. Das Verbot genmanipulierter Organismen ist kategorisch für die biologische Landwirtschaft. Die International Federation of Organic Agriculture (IFOAM) legt fest: « Im ökologischen Lanbau und bei der Verarbeitung von daraus hervorgehenden Lebensmitteln hat Gentechnik keinen Platz. Die Kontrollorganismen müssen Regeln aufstellen, Informationen verbreiten, Dokumentation austeilen, und alles dafür tun, dass kein genmanipulierter Organismus, und kein von einem solchen abstammendes Produkt, beim Anbau und der Verarbeitung biologischer Produkte verwendet werden. »

Das Baumwoll-Öl

Aus Baumwolle wird im Übrigen nicht nur eine Textilfaser hergestellt. Als Nahrungsmittel ist die Pflanze zwar weitgehend unbekannt, doch Baumwoll-Öl ist eines der meist konsumierten Öle der Welt. Dass davon kaum jemand weiss, liegt unter anderem daran, dass die Baumwolle nicht zu diesem Zweck angebaut wird. Ausserdem werden nur 2% des Öls und 1% der Samen, die aufgrund ihrer geringen Dichte und ihrer Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit für Transpoprt und Lagerung ungeeignet sind, international gehandelt. Auch das Zerreiben der Samen und das Raffinieren des Öls sind sehr heikle Vorgänge. Dennoch steht das Baumwoll-Öl mit 3,9 Millionen Tonnen pro Jahr an 5. Stelle der meist konsumierten Speise-Öle der Welt. Was seinen Nährwert und seinen Reichtum an Proteinen angeht, so steht Baumwoll-Öl an zweiter Stelle gleich nach Soja-Öl. In Usbekistan nimmt ein Einwohner mehr als 12kg Baumwoll-Öl pro Jahr zu sich, in Griechenland sind es 7kg pro Kopf und Jahr, in Syrien 3kg, in den USA 2kg, und in West-Afrika etwa 1,6 kg. In Japan ist Baumwoll-Öl ein Luxusprodukt, das zu verschiedenen traditionellen Festen ein beliebtes Geschenk ist. Wenn aber 20% der weltweit produzierten Baumwolle genmanipuliert ist, wie sieht es mit dem Öl aus ? Es wäre gut, das möglichst schnell herauszufinden…

Bio-Baumwolle im Senegal

Im Senegal wird Baumwolle in den Gebieten Kaolack, Kolda und Tambacounda seit mehr als 4 Jahrzehnten angebaut. Ein vom Pesticide Action Network (PAN) Africa veröffentlichtes Protokoll zeigt auf, dass der Anbau konventioneller Baumwolle, trotz der Produktions-Schwankungen des letzten Jahrzehnts, positive Auswirkungen auf die regionale Entwicklung hat und Investoren anzieht. Mit dem Gewinn konnte z. B. der Bau von Schulen, Arztpraxen und Moscheen finanziert werden. Baumwolle ist eine gute Einkommensquelle, sowohl für die Landwirte als auch für junge Leute, die sich auf den Handel des Saatguts spezialisieren. Doch die Verwendung von chemischen Pestiziden und Düngemitteln hat nachhaltige Folgen auf die Produktionskosten, auf die Gesundheit der Landwirte und der Konsumenten, und auf die Umwelt.
Als Alternative zum konventionellen Anbau hat sich deshalb der biologische Anbau angeboten. 1995 begann mit dem Projekt Koussanar in Tambacounda der Anbau von biologischer Baumwolle. Das Projekt wurde initiiert von der ökologischen NGO Enda-Pronat. Der Ertrag für die biologischen Baumwoll-Bauern ist geringer, doch hat der Bio-Anbau unbestreitbare positive Effekte ökonomischer Natur (Senkung der Produktionskosten, weniger Verschuldung der Bauern, Einkommensquelle, Kreation von kollektiven Sparmassnahmen), sozialer Natur (gemeinsame Organisation, gegenseitige Hilfe und Informationsaustausch unter den Landwirten, aktive Teilnahme der Frauen) und vor allem hygienischer Natur (Verringerung der Vergiftungen durch chemische Mittel). Alle Einflüsse auf Umwelt und Bevölkerung sind noch nicht in ihrer Gesamtheit erfassbar. Bei den Landwirten in Koussanar hat der biologische Anbau von Baumwolle Begeisterung hervorgerufen und kann insgesamt als äusserst erfolgreich angesehen werden.
Ein weiteres Projekt biologischer Baumwolle wird in der Region Kolda (Vélingara) von der gewerblichen Gesellschaft Bio-Agro geleitet. Hier war die Folge eine rasante Erhöhung der Erträge : 37 Tonnen im Jahr 1998, 118 Tonnen im Jahr 1999, und 480 Tonnen im Jahr 2000.
Diese Erfahrungen zeigen, dass der Anbau biologischer Baumwolle im Sengal technisch machbar und rentabel ist, auch für Kleinbauern. Es bleiben dennoch einige Punkte zu klären:  juristische und organisatorische Regelungen müssen festgelegt, die technische Ausstattung verbessert und angemessene Absatzmärkte gefunden werden.

Eine andere Welt ist möglich…

Es liegt bei uns! Solidarität, fairer Handel, Bürgerrechte und –pflichten müssen Prioritäten sein, wenn wir einkaufen. Denn unsere Kaufkraft ist ausschlaggebend: der Kauf biologischer Produkte ist ein Beitrag zum Erhalt ökologischer Ressourcen. Genauso wie zum Schutz von Menschenrechten, die von einigen multinationalen Unternehmen nicht ernst genommen werden. Indem wir beim Kauf auf Produkte und ihre Herkunft achten, helfen wir beim Aufbau eines faireren, ökologischeren Handels und einer solidarischen Wirtschaft.

11 gute Gründe, Bio-Baumwolle aus fairem Handel zu kaufen

-Beim biologischen Anbau von Baumwolle wird - im Gegensatz zum konventionellen Anbau, der 25% der weltweit produzierten Pestizide verbraucht - auf chemische Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel vollkommen verzichtet
-Der biologische Baumwoll-Anbau stellt die Fruchtbarkeit der Böden und das Gleichgewicht der Ökosysteme wieder her
-Bio-Baumwolle kaufen heisst, auf die Gesundheit der Menschen und unseres Planeten zu achten
-Der Anbau von Bio-Baumwolle wird von anerkannten Kontrollorganismen überwacht und respektiert die europäischen Richtlinien biologischer Landwirtschaft
-Der Kurs der Preise für Bio-Baumwolle unterliegt nicht der Spekulation; dadurch ist das Einkommen der Kleinbauern und somit ihr Überleben gesichert
-Die Produktionskosten für Bio-Baumwolle sind aufgrund des Verzichts auf den Kauf chemischer Mittel nicht teurer als die für konventionelle Baumwolle
-Die Bio-Bauern werden für ihre Baumwolle um 20% höher entlohnt als konventionelle Bauern
-Zwar ist der Preis für Bio-Baumwolle etwas höher als für konventionelle Baumwolle, doch er wird sinken, wenn die Nachfrage steigt!
-Bio-Baumwolle ist frei von jeglichen chemischen Substanzen und deshalb für unsere Haut besser verträglich; gesundheitlichen Risiken, vor allem Allergien, wird so entgegengewirkt
-Bio-Baumwolle ist weicher und geschmeidiger und besonders angenehm zu tragen
-Wir tragen Verantwortung für den Schutz der Umwelt und die Zukunft unserer Kinder: der Kauf von Bio-Baumwolle aus fairem Handel ist ein wichtiger Beitrag dazu!

Vorsicht: Beschriftungen wie « handgepflückte Baumwolle », « umweltfreundliche Baumwolle », « grüne Baumwolle » oder « nicht gebleichte Baumwolle » sind keine Garantie für Baumwolle aus biologischer Landwirtschaft!


Für weitere Informationen:

www.grain.org, www.helvetas.org, www.pan-uk.org, www.pan-africa.sn, www.organiccottoneurope.net, www.oxfam.org, www.enda.sn, www.fao.org/organicag, www.wwoof.org, www.ifoam.orgwww.planetecoton.com, www.agrocel-cotton.com, www.greenpeace.org, www.abcburkina.net

WWOOF Deutschland: Postfach 210 259, 01263 Dresden, Germany.
Email: info@wwoof.de
Web: www.wwoof.de

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Mit freundlicher Genehmigung von Frédéric Guérin, Übersetzung Anne Reuter