"Nicht zum Verzehr geeignet!"
 

Möttingen 19.06.2004

Die Natur regelt alles auf seine wunderbare Weise. Die einen versuchen sie zu ergründen, um sie den Menschen nutzbar zu machen, die anderen tun das aber auch aus selben ( angeblichen ) Beweggründen. Fragen Sie einfach mal Monsanto oder BASF, sie forschen zum Wohle der Menschen ( angeblich ).
Und GVO-Gegner spielen die Feinde des Fortschritts.
 
Wie man es sehen mag - ich bin Schreiner - ist das Holz ein Brett vorm Hirn oder horizonterweiternd ...
Die Formen im Möbelbau waren teilweise recht mannigfaltig, aber immer konstruktiv an die Holzeigenschaften geknüpft. Linde z.B. ist ein typisches Schnitzerholz, Erle ideal für Modellformenbauer, weil es fast nicht arbeitet, Eiche ist äusserst witterungsbeständig, Fichte das ideale Bauholz durch sein Gewicht und die tragfähige Struktur usw., die Natur bietet alles, was wir brauchen, wir müssen sie nur kennen und nutzen. Und dann kommt mein Beispiel mit der Revolution durch die Spanplatte. Der Mensch zerlegt die Natur in seine kleinsten Bestandteile, entwest das Wesen und schaft neue Wesen nach seinem Geschmack, indem er die Bestandteile mit anderen wesensfremden Bestandteilen ( hier Leim und Formaldehyd ) mischt und daraus neue Wesen schafft. Die Spanplatte war geboren. Die Revolution im Möbelbau. Entsprechend schauen die Möbel heute aus.
 
Es ist eine Eigenschaft der Wissenschaft, die Natur zu zerlegen, um daraus eine künstliche Natur zu schaffen. Kommt doch alles aus der Natur, nicht wahr? sagen einfältige Gemüter.
 
Soweit ist es nun auch mit den Genen gekommen und zwar seit Jahrzehnten im Vormarsch. Schöne neue Welt, wir dürfen gespannt sein, was da auf uns zukommt: Sagenhafte Gestalten, Janusköpfe, mehrköpfige Drachen, Pegasi, vielleicht sogar echte Wolpertinger. Ist doch cool, finden fortschrittsgläubige Menschen mit Läpptop und Lederhose aus dem Süden Deutschlands (Hollarödulliöh!). Und warum nicht? Was sollte schlecht daran sein? Das Killerargument für alles heutzutage. Fehlt noch, "wenn´s wir nicht tun, tun´s andere" und nicht vergessen: "Zum Wohle der Menschheit!"
 
Weil die verhinderten Frankensteine der grünen Gentechnik noch nicht soweit sind, begnügen sie sich bis jetzt mit Kartoffeln, um die Menschheit mit noch mehr Stärke zu segnen. Regenerative Rohstoffe, das Zauberwort einer schwindsüchtigen Marktwirtschaft. Die Industrienationen werden nervös, weil das Futter für ihre Resourcenfresser langsam ausgeht.
 

 


Heute war ich am Genacker der BASF in Möttingen. Kartoffeln mit noch mehr Stärke sollen da beweisen, dass sie besser sind zur industriellen Verwertung als die banale Kartoffel. Witzig: Das Feld ist mit einem Stromzaun gesichert. Rund um die Uhr ist es bewacht. 12 Stunden schiebt der Wächter am Stück, erzählte mir der Mann vom Sicherheitsdienst. Seine Behausung seht ihr ja, vielleicht auch die Scheinwerfer und Kameras, aber den Stromgenerator könnt ihr leider nicht hören. Nichts als Natur und Generatordrönen 12 Stunden lang. Zwischendurch macht er Visite rund um den Acker mit dem Fernglas. Er meinte, es kommen nicht viele. Er hätte gedacht, das mehr los wäre. Ein Foto von sich wollte er leider nicht machen lassen.
 
Witzig: Am Zaun stand gross zu lesen. "Nicht zum Verzehr geeignet." Als wenn man da reingehen könnte, um sich Kartoffeln fürs Lagerfeuer zu holen. Aber vielleicht dachte BASF an den ahnungslosen Landstreicher, der gewohnt ist, sich Kartoffeln einfach vom Acker zu holen. Denn Sicherheit muss sein. Nicht dass jemand auf die Idee kommt die schönen, leckeren Kartoffeln zu essen und dann an so viel Stärke erstarrt wie einst Lots Frau, die es nicht lassen konnte.
Richard.

www.bio100.de